63

auf seinem Schlacht roß und baiiffcctc nach Branntwein. Ulenspiegel suchte ein Flästhlein auf der Kruppe seines Pferdes und fand es, mittels einer Schnur wie ein Wchrgehrnk umgehängt. Er durch schnitt die^ Schnur, nahm das Fläschchen und schlürfte wohlgemut daraus. Seine 5ckanlcradcn, die Schützen, sagten zu ihm:

Gib uns davon."

Das tat er. 'Nachdem der Branntwein ausgetrunken war, nwtetc er die Schnur des Fläschchens-und roollte es wieder ans die Brust des Söldners hängen. Als er den Arm erhob, um solches zu tun, erwachte Riesenkraft. Er nahm das Fläschlein und wollte seine gewohnte Kuh melken. Da er fand, das; sie keine Milch mehr gab, geriet er in großen Zorn.

Spitzbube, was hast du mit meinem Branntwein gemacht?" sprach er.

Ulenspiegel antwortete:

Ich habe ihn getrunken. Unter durchnäßten Reitern ist der Brairntwern eines Einzigen der Branntwein aller. Ein Geizhals ist kläglich."

Morgen werde ich dir im Zweikampf das Fleisch zerstückeln," erwiderte Riesenkraft.

Nachdem Ulenspieget und Riesenkraft Sekundanten genommen hatten, sagten diese, sie sollten zu Fuß kämpfen, bis das; einer den Geist aufgäbe, wenn es dem Sieger gefiele; denn solches waren Riesenkrafts Bedingungen.

Ter Kampfplatz war eine kleine Heide.

Gleich am Morgen legte Riesenkraft seine Rüstung als Schütze an. Er setzte die Pickelhaube mit Halsstück auf, ohne Visier, und zvg ein Panzerhemd ohne Aemel an. Sintemalen sein anderes Hemd in Fetzen auseinanderging, legte er es in die Pickelhaube, um, wenn es not tat, einen Verband daraus zu machen. Er versah sich mit seiner Armbrust aus gutem Ardeuner Holz, einem Bündel von dreißig Pfeilen, einem langem Dolch, aber nicht mit einem zweihändigen Schwert, welches der Bogenschützen Degen ist. Und er kam auf seinem Schlachtroß, das der: Kriegssattel und ein Zaum­zeug mit Federbusch trug und ganz gepanzert war, auf den Kampf­platz geritten.

Ulenspwgel machte sich eine Ausrüstung wie ein gewappneter Edelmann, sein Schlachtest war ein Esel; sein Sattel waren die Rocke einer Dirne, das mit Federn geschmückte Zaumzeug ans Weiden, obenauf mit schönen, trefflich flatternden Hobelspänen geziert. Der Rostharnisch war ans Speck, denn das Eisen kostet zu viel, sagte er; Stahl ist unerschwinglich, und was das Kupfer anlangt, 10 hat man in den per wich enen Tagen so viele Kanonen daraus gemacht, das; nicht soviel übrig war, um ein Kaninchen in der Schlacht zu wappnen. An Stelle des Helmes setzte er einen, schonen Lattichkops auf, den die Schnecken noch nicht zerfressen hatten, darauf ragte eine Schwanenfeder, damit er im' Verscheiden smgen konnte.

Sem starrer, leichter Stostdegen war ein rechtschaffener, langer, dicker Knüttel aus Fichtenholz, an dessen Ende ein Besen ans Zweigen des gleichen Holzes war. An der linken Seite seines Sattels hing sein Messer, das gleichfalls aus Holz war, auf der rechten Seite schaukelte sein trefflicher Streitkolben ans Holunder- holz, von einer Mbe gekrönt. Sein Küraß bestand ganz aus Lochern.

- so ansgestattet ans den Kanipfplatz kam, brachen Mesen-

krasts Sekundanten in Gelächter aus; aber dieser selbst behielt seine sauertöpfische Miene.

Alsdann forderten Ulenspiegels Sekundanten die Beisteher Riesenkratts auf, er möge seine ganze Rüstung von Panzerringm, und Eisen ablcgen, m Ansehung dessen, das; Ulenspiegel nur mit Lumpen gepanzert lei. Riesenkraft willigte drein. Nun fragten Ru'ienkrafts Sekundanten die Ulenspiegels, woheb es käme, das; dieser mit einem Besen bewaffnet wäre.

Ihr gewährtet mir den Knüttel, doch Ihr verbotet mir nicht,

ui... f.« i....... j. . . // *

ihn mit Laubwerk «MfAiputzen.

Mach's, wie Tu's verstehst," sagten die vier Sekundanten. Riesenkraft sagte kernen Ton und metzelte das kümmerliche Heide­gewächs mit Ürrzen Degenhieben ab.

Sekundanten forderten ihn auf, seinen Stostdegen gleich Ulcnspregel durch erneu Kuüttel zu ersetzen.

Er antwortete:

Wenn dieser Wicht aus freien Stücken eine so ungewöhnliche Waffe gewählt hat, io geschieht's, weil er vermehrt, sein Leben damit verteidigen zu können."

Ta Ulenspiegel abermals sagte, daß er sich seines Besens be- rech/isei^o ^, öle vier Sekundanten überein, daß alles

Sie standen sich- kanrpfbereit gegenüber, Riesenkraft aus seinem nsengepanzerten Pferde, Ulenspregel auf seinem speckgepanzerten!

.Spiegel rückte bis zur Mitte des Feldes vor. Tann sprach er, semerr Besen wre eine Lanze haltend:

als Pest, Aussatz und Tod finde ich dieses Unge­ziefer voii schlechten Kerls, die in einem Lager von guten Kriegs- anderen Sorgen haben, als allerwegen ihre mürri- K . Fratze und ihr zornschanmendes Maul herumzuführen. Wo wagt sich das.Lachen nicht hervor, und die Lieder schweigen. Sre müssen allzeit brummen oder sich schlagen und führen sre neben bcm berechtigten Kamps für das Vater­land den Zwerkampf ern, welcher der Ruin des Heeres und die

Frenre des mürbes ist. Gegenwärtiger Riesenkraft tötete einund­zwanzig Menschen um unschuldiger Worte willen, ohne daß er jemals in Schlacht oder Scharmützel eine glänzende Tat der Tap­ferkeit getan oder durch seinen Mut die geringste Belohnung ver­beut hätte. Darum so gefällt es mir hechle, das rändije Fell die,es bissigen Hundes wider den Strich zu bürsten."

Riesenkraft antwortete:

Dieser Trunkenbold hat schöne Dinge über den Mißbrauch des Zweikampfes geträumt: es wird mir heute gefallen, ihm den Kopf zu ipalten, um jedermann zu zeigen, daß er nur Heu im Hirne hat.

>Die Sekundanten zwangen sie. von ihiren Tieren zu sie gen. Aes tuend, liest Ulenspiegel den Lattich vom Kopf fallen, den der Eicl ruhig fraß, doch er ward in dem Geschäft durch einen Fust- ttitl unterbrochen, btrn ihm ein Sekundant gab, um ihn aus den Schranken des Kanipfplatz es zu treiben. Ebenso geschah dem Pferde Und sie gingen, anderswo in Gesellschaft zu weiden.

Alsbald gaben die Sekundanten (die befentragenden, das waren die Ulenspiegels, und die degentragenden, das waren die Riesen- irafts) durch Pfeifen das Zeichen zum Kampf.

(x\- - * ^Ä^Erast und Ulenspiegel fochten wütend miteinander, Riesenkraft schlug mit seinem Stostdegen und Ulenspiegel parierte mit seinem Besen. Riesenkraft fluchte bei allen Teufeln, Ulen- wiegel wich ihm aus und hüpfte die Kpeuz und die Quer durch die <?. ,5' ÜEe die Zunge heraus und machte Rieseiikraft tausend Fratzen. Diesem ging der Atem ans, und er schlug mit dem Stoß- oegen ins Blaue wre ein närrisch gewordener Söldling. Ulen- lpiegel suhlte,, daß er ihm nahe war, drehte sich plötzlich um und gab ihm Mit seinem Beseii einen gewaltigen Stoß unter die Nase Riesenkraft fiel mit aus gestreckten Armen und Beinen zu Boden, wie ein Frosch, wenn er verendet.

^ H^piegel warf sich auf ihn und fegte ihm das Gesicht ohne Erbarmen mit dem Strich und gegen den Strich Dabei sagte er:

ii um Gnade, oder du sollst meinen Besen verschlingen."

Uno er rieb ohn Unterlast hin und her, zum großen Ergötzen der Anwesenden, und sagte immerfort:

Schrei um Gnade, oder du sollst ihn verschlingen!" f ^er Riesenkraft konnte nicht schreien, maßen er an der schwarzen Wut gestorben war.

i, . "Gott Hab dich selig, armer Wüterich!" sprach Ulenspiegel. Und er gmg surbast und blies Trübsal.

Dar Geheimnis derMarie Lekeste".

,G-ch.'imnissen der So- sehen die Seeleut' sclblt in der Geschichte der BriggMarie Celeste" das grSsite aller Geh.'unniiie. ist oft erzählt worden; Conan Doyle und andere Schriftsteller haben mit Hilfe ihrer Phantasie das Rätsel zu lösen vcriitckt doch ganz vergebens. Die Geschichte derMarie Ce- teste war bis jetzt noch, ebenso geheimnisvoll, wie an jenem Tage vor jetzt 43 Jahren, da ein Schiffer die Brigß verlassen und vor Wind und Strom treibend fand. Warum war sie im Stiche gelassen und was ans der Besatzung geworden?

oe r S/ i [ 11 dln^aug des Septembers 1872, als dieMarie Celeste . mit der Bestimmung nach. Genua New York verliest. Die Brigg hatte 11 Mann. Besatzung und außerdem noch die Toch­ter um, me Frau des Kapitäns an Bord. Seitdem hörte man von dem Schaffe nichts mehr, bis ein englisches Fahrzeug es im De­zember ini Meere treibend und von der Besatzung verlasseil fand. Alles an Bord mar m bester Ordnung. In der Kajüte war der Tisch! gedeckt und die Mahlzeit schien unterbrochen worden zu sein bevor me Gaste noch halb fertig waren. Die Schiffskasse war ebenso wie die wertvolle Ladung unberührt; Proviant war reichlich zur Stelle, der Medizinschrank in vollständiger Ordnung. Es war derttlich, daß die Beiatzung des Schiffes das Fahrzeug hatte gleich- ^trg und in grystter Hast verlassen müssen. Mer warum? Ans alles Mögliche hatte man geraten, selbst auf Begegnungen mit Seeichlangeir oder mit seeräuberischen Wilden, die in der Nähe einer Küste die Brigg übersatten haben könnten. Des Rätsels Toiung ist erst jetzt gegeben worden und zwar durch den russischen Kapitan Lnkmanoff in Hongkong, der in der englischen Zcit- schnst Nautical Magazine" einen Bericht über das Geh i nnis derMarie Celeste" veröffentlicht hat. Dieser Bericht stützt sich aus die Mitteilungen eines alten Känieraden ans der Zeit, da der Knpitan noch Matrose an Bord der italienischen BriggOzama" war. Diel er Kamerad hieß Specioti: er gesellte sich einmal zu -ukmanoff, als dieser gerade Wache hatte und begann vor sich hin zu murmeln:Verfluchter Ort! Verfluchte Brigg'" und wieder- Man. Cclestc - Marie Col-ste!" Lukn.anvsf drang in dm Jtattst ner, ihm zu erzählen, worauf sich seine Ausrufe bezögen lind Sve- cwti erstattete ihm daraus ettien Bericht, ans dem hervvrging öaß er nn ^ahre 72 unter falschem Namen sich für dieMarie Celeste hatte an heuern lassen. Eines Tages in der Morgendäm­merung erblickten sre nicht weit entfernt von sich eine andere Brigg- war nicht sinr weit von Gibraltar, ungefähr in der Gegend,' Spenott sich, befand, als er dem Russen seine Geschichte er- b herrschte, beide Schiffe rührten sich nicht vom und erst nach Sonnenaufgang erlwb sich eine schwache Brise, die dlc beiden Fahrzeuge einander näher brachte. Da sahen bi.