Donnerstag, den 27. Januar

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Am toten Brr.

Vornan von R o b e r t K o h l r a u s ch.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

- war herumgefahreu und stand rasch

aus. ^>ar es Einbildung, wenn Bassow meinte, das; er m diesem Augenblick totenbleich vor ihm stand? War o". vas matt, Mtt grünen Reflexen vom Park hereindringcnde ^icht, das ihn täuschte? Aber nein! Er sah, wie langsam die Farbe ttt das volle, glatte Gesicht Breitenbachs zurück- fcljite, J 13 f, c - elIt öcT)ein den Ausdruck unverhvh.enen Schreckens dort abloste. Auch die Stimme klang ruhig und sicher, die nun sagte:Sie haben mich fast erschreckt, Baron. Ich hatte sowieso ein leijes Einbrechergcfühl, als ich hier eindrang. Aber £>te werden mir zugeben, daß es ein erklärliches Ver­langen von nur war, den Ort, wo mein armer Freund hat sterben müssen, einmal allein und in Ruhe zu betrachten."

Gewiß, das inuß ich zugeben. Aber haben Sie etwas verloren? Sie schienen am Boden umherzusuchen."

-Nein, verloren habe ich nichts. Aber suchen tat ich allerdings. Ich bin empört über unsere Polizei, sie scheint wieder einmal völlig im Dunkeln zu tappen, diesem Ver­brechen gegenüber. Und weil sie so gar nichts ausrichtet bis­her, trieb es inich mit Gewalt, niich einmal mit eigenen Augen zu überzeugen, ob nicht vielleicht hier an Ort und stelle doch noch eine Spur zu finden lväre. Die Damen ich habe meine Braut meiner alten Freundin, der Baronin, vorgestellt hatten allerlei Sachen zu verhandeln, wobei ich überflüssig war, da habe ich die Gelegenheit wahrgcnom- men und mich hier auf die Suche begeben. Ich bitte Sie als Hausherrn sehr um Entschuldigung für mein eigenmäch­tiges Verfahren."

Bassow hörte, fühlte von all' den Worten hauptsächlich nur zwei. Das; Breitenbach von der Baronin als von seiner- alten Freundin sprach, tat ihm weh wie ein Stich. Er rneinte darin einen frivolen Beiklang zu hören, als wenn Breiten­bach um ihr leidenschaftliches Gefühl für ihn wüßte. Dies Empfinden machte den Ton eiseskalt, in dem er antwortete- Da ist Entschuldigung überflüssig."

®j n Schweigen folgte. Es lastete auf Bassow, und er­fühlte das Bedürfnis, es zu unterbrechen. Darum tat er die Frage:Haben Sie etwas gefunden?"

Nein, leider nicht."

Hatten Sie wenn ich fragen darf einen be­stimmten Verdacht, weshald Sie gerade auf dem Fußboden suchten?"

Ein Blick, in dem Bassow Mißtrauen zu finden glaubte, traf ihn aus Breitenbachs Augen. Dann aber ging wieder ern Lächeln über das volle Gesicht.Ich wollte, ich könnte sagen, daß ich einen bestimmten Verdacht hätte. Aber davon Et keine Rede. Mir war nur der Gedanke gekommen, in

den Kriminalromanen, die nian liest, pflegen ja doch die Mörder meist etwas zu verlieren. Einen Hosenknopf oder sonst einen ähnlich interessanten Gegenstand. Und wenn es anch wohl sehr töricht von mir war, ich wollte sehen, ob nicht irgendeine Kleknigkeit am Ende doch den scharfen Augen der Herren vom Gericht entgangen wäre."

^"^bser Versuch war wohl von vornherein aussichts-

Ich gebe das zu, Baron. Aber man sieht immer gern mit eigenen Augen, nicht wahr?"

Gewiß."

Und jetzt muß ich zu den Danien zurück. Wir wollen heute noch nach Barsten hinüber. Kommen Sie nicht mit in den Dralon? Ich hätte Sie gern mit meiner Braut bekannt gemacht, wenn ich auch noch nicht die Freude hatte. Sie bei mir begrüßen zu können."

Ich bitte dafür sehr um Verzeihung. Aber ich, Sie können sich denken, wie viel Arbeit und Unruhe mir die (Übernahme dieses neuen Besitzes gemacht hat. Ich hole das Versäumte in den nächsten Tagen nach. Leider ist es mir auch unmöglich, in den Salon mitzukommen. Es liegen da Grunde vor, über die ich mich nicht äußern kann. Aber wenn Sie gestalten, bin ich cxuf dem Hofe bei Ihrer Abfahrt, um die Ehre zu haben, Ihr Fräulein Braut kennen zu lernen.^

Sehr liebenswürdig. Wir fahren in zehn Minuten, bannt ^>ie nicht zu warten brauchen. Ich darf also sagen .Auf Wiedersehen'?"

Auf Wiedersehen, Herr von Brcitenbach."

Eine tiefe, höfliche Verbeugung von Breitenbach, eine kühle und knappe von Bassow, dann war er allein. Eine Weile stand er in Gedanken versunken. Er war ärgerlich über sich selbst und ließ es den andern büßen, indem er sich sagte, daß dieser Breitenbach ihm sehr unsympathisch sei. Aus plötzlichem Antrieb ging er dann zu dem Platz am Schreib- tisch, wo jener gekniet hatte, beugte sich tief hinab und forschte mit seinen scharfen Augen auf dem Fußboden umher. Aber nein, hier war keine Spur. Der Teppich, der den Parkett­boden beinahe ganz überdeckte, war ebenso wie das Fell, das unter dem Schreibtisch lag, geklopft und gereinigt worden, ne hatten nichts mehr zu verraten. Und als Bassow sich aufrichtete, waren seine Gedanken bereits nicht mehr bei dieser Untersuchung. Es war ihm durch den Sinn gefahren, daß die Baronin ihre Besucher vielleicht auch an den Wagen begleiten würde, daß er ihr dort gegenübertreten müßte, zum ersten Male seit ihrem fremden Zusammenwohnen. Sein Gefühl verwirrte sich bei diesem Gedanken. Freude, Zorn, Eifersucht, Mißtrauen wogten rasch durcheinander, aber die verborgene Freude war doch wohl die stärkste der Enipfindungen. Sie trieb ihn eilig fort aus dem Zimmer und hinaus auf den Hof.

Der Wagen war bereits bespannt, aber die Insassen ehlten noch. Ungeduldig mußte Bassow wohl noch fünf Mi­nuten auf und nieder gehen, bevor lebhafte Stimmen aus dem Flur erklangen. Die Stimme der Baronin war unter