Pesttoten auf dem Lager, draußen vor mir die sünfun zwanzig feindlichen Soldaten. Und inein Revolver war schon lange leer.

Bei Morgenanbrnch war das Unwetter vorbei. Ich hörte, wie die Engländer aufbrachen, und als ihre Schritte verhallt waren, öffnete ich die Tür und trat ins Freie. Die Luft war durchsichtig klar. Langsam, blendend, stieg die Sonne hinter dem Saum des Buschwerks empor. Und da. mitten in dieser friedlichen, reinge­badeten Natur, wurden meine Gedanken seltsam scharf und ruhig. Ich sagte mir, daß ich. wenn der Mann in den: Blockhaus wirk­lich an Pest gestorben ist, doch rettungslos verloren sei. Und darum ging ich noch einmal in das Blockhaus zurück, um das Nachtgespcnst bei Tageslicht anzusehen."

Der Leutnant machte eine kurze Pause. Dann sagte er, trocken und abgehackt:Und wißt Ihr, was ich sah? Auf dem Feldbett lag die Gestalt eines Toten, jawohl, und sein Gesicht war schwarz, 'und seine Lippen waren dick und aufgedunsen. Aber es war ein Reger. Ein gesunder'Neger, sozusagen, der wohl bei einem Ge- sochK in der Gegend eine verirrte Kugel abbekommen hatte. -* Und man hatte ihn wohl ausgefunden und zum Sterben in das Blockhaus getragen/ Als ich die Decke zurückschlug, erblickte ich auf seiner linken Brust die tätliche Schußwunde.

Und da, bevor ich wieder ins Freie trat, mußte ich mich an dein Türpfosten festhalten. Denn ein Lachen schüttelte mich, ein wildes, unbegreifliches Lachen, das mir wie Fieber aus dem Körper drang . .-

Der Leutnant warf den verglimmten Zigarettenstnmmel fort, erhob sich und stieß die Türe der niederen Hütte auf, so daß der heiße Wind mit Sand und Salzluft hereinströmte.

Und schweigsam blickten der Hauptmann, der Leutnant und das Kind" in die Dardanellenschlacht, durch deren tropisches Blau die Leuchtkugeln von den türkischen Stellungen nach Gallipoki flogen> wie Kometen in einem verzauberten Lande.

Nerm'rschtss.

* Ein E n o ch A r d e n des Weltkrieges. Die be kannte Dichtung des Engländers Tennyson, die von dein romantisch traurigen Schicksal des Seefahrers Enoch Arden erzählt, der auf einer Reise verscholl, daheim totgesagt umvbe und bei seiner Rückkehr seine Frau mit einem andern Mann verheiratet fand, ist im Weltkrieg in modernster Fassung zur Wirklichkeit wieder auf­erstanden. Gin solches modernes Enoch Arden-Schicksal, das einem englischen Soldaten widerjnhr, erzählt ein Mitarbeiter derD a i l y Mail*. Es ist romantisch, ergreifend und wahrscheinlich auch häufig genug, um eine Wiedergabe zu verdienen.Es war int Zuge von London zum Kanal", schreibt der Berichterstalter,wo ich einem jener Männer begegnete, deren Schicksal dem des be­rühmten Enoch Arden gleicht. Er fiel mir auf, weil er so regungslos und still in seiner graugrünen Uniform dasaß, als wäre er eine seelenlose Puppe. Ein Reisender bot ihm Obst au, aber der einsame Soldat rührte sich nicht. Ein anderer sprach ihn mit einem Scherzwort an, aber der einsame Soldat erwiderte nichts. Ich füllte meine Pfeife und reichte sie schweigend dem Manne. Danke", sagte er mit rauher Stimme,das ist die einzige Mahl­zeit, die ich noch genießen kann." Wieder saßen wir wortlos eine ganze Weile. Äußer uns war niemand in dem Abteil. Und plötzlich Hörle ich beit schweigsamen Soldaten zu mir sprechen. »Ich muß reden/ sagte er langsam und schwer,sonst breche ich zusammen." Und daun errählte er: Er war ein gedienter Mann, Reservist, und wurde bei Kriegsbeginn in den aktiven Dienst ge­holt. Mit der ersten Erpeditionsarmee ging er nach Frankreich und kämpfte in der Schlacht bei Mons. Er hatte seine Frau und zwei kleine Kinder daheim zurückgelassen. Er wurde mehrmals verwundet und schließlich gefangen genommen. Nach langer Ge­fangenschaft, nachdem er endlich geheilt worden war, wurde er als dauernd dienstunfähig fretgelassen und wirf) England zurückgeschickt. Infolge eines Irrtums war sein Name in den britischen 'Verlust­listen mit der inhaltreichen Bezeichnungvermißt" veröffentlicht worden. Ueber Holland kam er mit einem Transport an die Küste. Wir kreuzten den Kanal bei stürmischem Wetter; aber ich wußte nichts von Wind und Wellen, ich dachte mir an das Wiedersehen, an Frau mib Kinder. In London mußte ich in einem Spital übernachten. Ich ging nicht aufs Telegraphenamt, denn ich wollte meine Frau überraschen. Endlich kam ich im abendlichen Dunkel in meiner kleinen Heimatstadt an. Ich fühlte mich unsicher ans ben Füßen und meine Hand zitterte, als ich die Tür meines Häuschens aufklinkte. Ich ging geradenwegs in die Küche." Hier schwieg der einsame Soldat und senkte den Kopf. Eine Minute lang blieb er stumm, und ivir saßen regungslos einander gegen- ft wahrend der Zug ratternd und klirrend dahiueille. Als der Soldat wieder aufblickte, waren seine Augen trocken, aber starr und hart wie Stein.Herr." rief er ans, meine Iran, meine M"Hb.ymte wahrend meiner Abwesenheit geheiratet! Sie hielt 'Ulch Nw tot, sie murrte mich für tot hatten. Allein mit den Kindern um? der Wirtschaft, m der festen Ueberzeuguna, ich sei nicht mehr, ohne Halt, ohne männliche Stütze, fast ohne Mittel - wie sollte sie nicht heiraten ? Sie l't za noch so jung, und Jugend hilft sich weiter. hatte einen Zungen Mann kennen gelernt, sie hatten einander gefallen und geheiratet. Als ich emtrat, staiid er neben

hr in der Küche. Ich tadle sie nicht/ fügte er heiser hinzu,eine unge Frau mit Kindern ist ohue Mann ein armes Dmg. Ich e ""ch ihn nicht. Nach Beider Meinung war ich tot." Eine Pause, Dann fragte ich:Was taten Sie'?"Nichts," erwiderte er.Was foimte ich tun? Ich eilte davon, ivie ich gekoiiimen war. Und nie ch'erde ich die Frau, die Kinder Wiedersehen. Ich fertig mit mir und der Welt . . /

Vüchertksch

-Sammlung v o n S ch r i i t e n zur Zeitgeschichte: 14. Band: Emil Ludwig, Die Fahrten bev Soeben u" d der Breslau. (2. Fischet, Verlag, Berlin.) Gebunden ^ Mark. Emil Ludwig hatte au Ort und Stelle Gelegenheit, "ber diese berühmte, schon von Legenden umwobene Angustfahrt ' unserer Schisse und über alles Politische und Militärische, was sich daran schließt, wichtige und interessante.^Ausschlüsse zu erfahren. Er hat in seinem Buche diesen Teil der Kriegsgeschichte zum ersten Mal im Zusammenhang erzählt.

- Wiking-Bücher: Bd. 13: K. H. Strobl, M adame i cm» 11 rt. (Verlag der Wiking-Bücher, Leipzig.) In Leinen «r . "T 2" dem Buche des österreichischen Verfassers rvird die österreichische Landschasl geschildert, die sonneuflimmerude Küste von Abbazzia, die verträumte Schönheit Niederösterreichs, die wetteu verschneiten Hochflächen und schweigenden Wälder zur Winterzeitl Und hineingestellt in diese Landschaft, zugleich Fon- trastierend und doch seltsam mit ihr verwandt ein Weib Wedekinds ßulit, aber angetan mit dem Geist der sportlich ge­stählten Anmut dergroßen Dame". Um sie wirbelt ein bunter JU-etS österreichischer Typen. Das Buch ist auf alle Fälle sehr unterhaltsam.

Dein tsch e Hochs ch ulzeiN: ng. Sv betitelt sich nun­mehr ein in der akademischen Welt bereits wohlbekanntes und gnt- eingeführtes' Wochenblatt, die bisherigenD ents ch e n Ho ch - schulstimmen aus der O st m a r k", die sich nach siebenjäh­rigem Bestände aus kleinen Anfängen zu ihrer jetzigen Stellung empovgearbeitet haben und seit dem 1. Oktober v. Js. von: Deutsch-akademischen Berlage", G.in. b. H., Wien, herausgegeben werden. Den ZMünfen Rochnimg tragend, bringt diese akadeniische Wochenschrift ihr seit jeher vertretenes Pro­gramm mmmehr auch in ihrem Namen zum Ausdrucke. In dem uns vorliegenden ersten (Tioppel-) Hefte wird die Tatsache, daß dieDeutsche Hochschulzeirung" als erstes akademisches Organ den Aufstieg zu einer allgemeinen, in ihren: Bestände gesicherten Hoch­schulzeitung bewerkstelligt hat, in einem historischen Aufsätze be­handelt, unter eingehender Berücksichtigung der älteren akademi­schen Presse. Dr. O. Hegemann untersucht inStaat und Volk" das Verhältnis, in dem diese ausschlaggebenden Elemente der Gegenwart zu einander stehen und ob man wirklich von einem Verblassen des National ged a n ke ns, von einem Zurück- treten hinter den modernen Staatsaedanken sprechen könne.. Entgegen den von Rektor Dr. Menzel in seiner Wiener In- augurationsrede geäußerten Ansichten kommt er zum Schlüsse, daß von einem Abflauen des Wokksgedan7ens gar keine Rede sein kann, daß vielmehr nun erst recht das tragende Staatsoolk der modernen Mächte seinen Nationalismus pflegen und als wohl- berechtigte geistige Macht in die Wadschale der Ent­scheidungen werfen muß und wird. Vom sonstigen Inhalt des reich rund geschmackvoll ausgestatteten .Heftes erwähnen wir nur noch dichterische Beiträge von Mols Karl Seidl, Landsturm­kadett, zahlreiche Mitteilungen von Tagesinteresse in den Spalten Bon deutschen Hochschulen" (Allgemeines, Hochschulnachrichten, Wissenschaftliche Nachrichten, Personalnachrichten),Von fremden Hochschulen",Aus der Studentenschaft",Sport und Körper­pflege",Akademische Standesfragen",Akademische Kulturar­beit",Umschau",Schrifttum" (Zeitschriften) undKunst". Der Bezugspreis dieser reichhaltigen .Hefte beträgt halbjährlich nur 6 Kronen (Mark). Probehefte unberechnet vomDeutsch akademischen Verlage", Wien V., Wehvgasse 27.

Skat-Ausgabe.

Mittelhand tourniert auf folgende Karten:

V*- * *

M

0- o

Kann daS Spiel verloren gehen, wenn Mittelhand Treff- wendet und außerdem ein zweites im Skat findet?

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der 'Charade in voriger Nummer: Waldteufel.

SchrlftleUung: Aug. Goeg. - Rotationsdruck und «erlaü der Brühl'ichcn UnwersitälS-Buch. und Steiuvruckcrei. R. Lange, Gießen.