lö
schen und Kriegsmaterial aLging. Zum Teil haben zu diesem be- dauernsiverben Ereignisse ziveifeüos Umstände mitgewirkt, die nun einmal in jedem Kriege Vorkommen können. Z. B. wurde der Nachschub an Truppen, Munition usw. infolge unerwarteten Witterungs- Umschlages über die Vorberechnung hinaus schwierig, wodurch die am weitesten vorgedrungenen Truppen in eine üble Lage kamen. Zum Teil haben aber auch recht bedauerliche Vorgänge! uit österreichischen Heere, wie Unzuverlässiakeit slawischer Regimenter und ähnliche Vorkommnisse, die noch wenig bekannt siird, sich im übrigen aber auch der Erörterung entziehen, beiaetragen« Glücklicherweise konnten die Serben den ihnen wohl selbst unerwarteten Erfolg wenigstens nicht aus nutzen. Nicht nur hatten die Waffen der Oesterreicher ihre Reihen gewaltig gelichtet, sondern infolge schlechter Verpflegung waren auch Nervcnfieber, Fleck- typhus und Cholera bei ihnen eingezogen. Auch fehlte es ihnen an Munition: kurz, ihr ganzes Heer war zerrüttet. Da nun auch die Oesterreicher ihre verfügbaren Truppen an anderer Stelle notwendiger gebrauchten, erlosch der Kampf auf diesen: Kriegsschauplätze mit Ende des Jahres; beide Gegner beschränkten sich fortab auf .Grenzbeobachtung.
2. Die Eroberung Serbiens,
a) Ausbruch der Feindseligkeiten.
Das Kanonenfeuer deutscher Artillerie, welches in der Gegend von Semendria am 19. September vom nördlichen auf das südliche Donauufer hinüberspielte und die Serben aus ihren dortrgen Stellungen vertrieb, leitete einen neuen wichtigen Kriegsabschnitv ein, und die zwei Tage später,
am 21. September, erfolgte Mobilmachung Bulgariens gab diesem Vorgehen erst seine volle Bedeutung. Erschreckt fuhren unsere Feinde auf, und am 30. September erschien der Oberkom- Mandierende der französisch-englischen Dardanellenstreitkräfte, General Hamilton, in Saloniki und kündigte bevorstehende Truppenlandungen an. Der sofort erhobene und mit steigendem Nacl)druck mehrfach wiederholte Einspruch Griechenlands, welches am 24. September ebenfalls mobil gemacht hatte, blieb unbeachtet. Die Truppenlandungen, zunächst Franzoserr, denen Engländer bald folgten, begannen am 5. Oktober. Die ganze Art und Weise aber, wie diese bewerkstelligt wurden, zeigte auf das deutlichste, in wie hohem Grade unsere Feinde überrascht worden waren. Am 13. Oktober, als die Deutschen und Oesterreicher schon mit ihrer ganzen Truppenmacht in Serbien standen, waren erst 40 000 und auch am 15. November, nachdem auch Bulgarien schon lange in den Kampf eingegriffen hatte und weit über die Hälfte Serbiens im Besitz der verbündeten Deutschen, Oesterreicher und Bulgaren Ivar, immer erst 80 000 Mann gelandet.
Im vollen Gegensatz hierzu stand das ebenso wohlvorbereitete wie nachdrückliche Vorgehen der "Deutschen und Oesterreicher. Unter dem Oberbefehl des Generalfeldmarschalls v. Mackensen waren zivei Armeen bereitgestellt worden. Eine aus deutschen Truppen bestehende unter General v. Gallwitz, die andere unter dem Befehl des österreichischen Generals v. Kveveß, meist aus österreichisch-ungarischen Truppen bestehend, aber mit deutschen Truppen durchsetzt. Diese ganze Macht beginnt in breiter Front in der Nacht
vom 6. zum 7. Oktober den Uebergang über Donau und Save zwischen Drina-Mündung und Eisernem Tor und hat ihn am 12. beendet.
Schon am 8. Oktober aber kommt Belgrad und
am 10. Oktober auch Stadt und Festung Semendria in den Besitz der Verbündeten.
b) Letzte diplomatische Notversuche unserer Feinde.
4. Oktober. Russisches Ultimatum an Bulgarien.
13. Oktober. Griechenland lehnt es trotz aller Drohungen ab, den Bündnisfall mit Serbien als gegeben zu betrachten.
_. Stöber. Beginn des offiziellen Kriegszustandes zwi
schen Bulgarien einerseits. Serbien, Rußland, Frankreich und .England anderseits.
Rumänien bleibt unbedingt fest, hält die Hetzer im eigenen Lande zurück und entwaffnet bald darauf einige russische Kriegsschiffe in der Donaumündung..
20. Oktober. England bietet Griechenland für seinen Eintritt rn den Kampf die Insel Cyperi: an, was dieses unter Beharren auf seiner Neutralität entschieden zurückweist.
c) Das Eingreifen Bulgariens.
11. Oktober. Die Serben greifen die Bulgaren in der Gegend von Btelogradschik an; sie werden zurückgetrieben, worauf die Bulgaren ihrerseits angreifend Vorgehen.
15. Oktober. Die Bulgaren sind schon so weit in Serbien emgedrungen. daß dieses im Osten und Norden von jeder Verbindung mit seiner! Verbündeten abgeschnitten ist.
22. Oktober. Negotin wird von den Bulgaren besetzt: am folgenden Tage auch Uesküb.
27. Oktober. Die russische Schwarze-Meer-Flotte bombardiert Mit geringem Erfolge den bulgarisck)en Hafen Warna. Die bulgarische Küstenartillerie bringt zwei russische Kriegsschiffe der Tri- ^otttcha-Klasse zum Sinken (je 13 500 Tonnengehalt und 740 Mann Besatzung). Dre russische Flotte zieht sich zurück.
.. Eine bulgarische Offiziers-Patrouille stellt die
Verbindung zwischen den deutsch-österreichischen und den bulganschen Truppen her.
6) Weiteres! schnelles Vordringen in Serbien.
31. Oktober. Kragujcwac wird von den Deutschen genommen.
Für die drei ersten Kriegswochen, also fyß Ende Oktober, wird schon eine Anzahl von 33 000 gefangenen Serben ermittelt, außer-* dem haben sie inindestens schon ein Viertel ihrer Artillerie verloren.
5. November. Tie Bulgaren besetzen nach dreitägigen schweren Kämpfen die serbische Hauptstadt Msch, die Deutsckien am selben Tage Kraljewo und am folgenden K'ruschewatz, wo sie reiche Beute machen. Gleichzeittg gewinnen die deutsch-österreichischen Streitkräfte dirette Gefechtsfühlung mit den Bulgaren; die serbischen Gefangenenzahlen stieaen schnell und ilst Rückzug wird fluchtartig.
Etwa am 9. und 10. November bedingte die Regelung des Ver- pflegungswesens eine Verlangsamung des Vorgehens; dann aber wurde es wieder in voller Schärfe aufgenonimen.
Mitte Novenibcr wurden die blutigen Verluste der Serben schon auf 70 000 geschätzt, ebenso hoch war die Zahl der ihnen abgenommenen Gefangenen, so daß in der ersten Novemberhälste etwa 40 000 hinzugekommen sind. Zu diesen insgesamt 140 000 Mann Verlusten ist noch eine nicht zu kleine Zahl von Versprengten, Ueberläusern usw. hinzuzufügen. 'Mßerdem haben die Serben schon fast ihre ganze schwere und die Hälfte ihrer Feldartillerie verloren.
e) Erste Kämpfe gegen die Franzosen.
Diesen Ereignissen, welche die Kampffähigkeit der Serben fast völlig vernichteten, gleichzeittg aber auch den Tonauweg, sowie den Landweg durch Serbien nach Konstantinopel und Kleinasien frei machten, sahen unsere Feinde — gezwungenermaßen — fast völlig teilnahmslos zu. Tie Festigkeit des griechischen Königs, oer eine Teilnahme am Kampfe mit wachsender Entschiedenheit ablehnte, hatte alle ihre Pläne über den Hansen geworfen. Sie suchten zwar durch falsche Meldungen die Zahl der von ihnen gelandeten Truppen stark zu übertreiben, machten damit aber keinerlei Än- druck.
Am 21. Oktober nahmen Franzosen und Bulgaren erstmalig Fühlung.
Am 31. Oktober erlitten sie — welche int übrigen in ihren cmitlichcn Bekanntmachungen immer nur von Siegen ihrer „Orientarmee" sprachen — bei Prilep eine erste Niederlage.' Auch am
5. Noveinber wurden die, dieses Mal durch eine kleine Abteilung Engländer unterstützten Franzosen auf etwas breiterer Front bei Prilep, Kriwolok und Strumitza unter Verlust von Gefangenen und Kriegsmaterial zurückgeschlagen. Noch ernster tvav die Mederlage der Franzosen
am 12. November bei Gracko.
So konnten unsere Gegner den Zusammenbruch Serbiens nicht: einmal verlangsamen, geschweige denn verhindern.
f) Serbiens Untergang.
Immer enger und vernichtender legte sich von Mitte November ab dör eiserne Ring der deutschen, österreichischen und bulgarischen Truppen um die ohnehin schon auf das äußerste erschöpften Reste der serbischen ArNiee herum. Jmüner größer wurden die serbischen Verluste an Land, Kricgsgerät und Mannschaften. Am 28. November konnte der deutsche Heeresbericht den Mschluß der Operationen großen Stiles melden. Ganz Serbien war von seinen eigenen Streitl'räften geräumt. Die ivenigen noch übrig gebliebenen! Zehntausende von Streitern irrten in zersprengten Gruppen, ohne einheitliche Führung, schlecht bewaffnet und -bekleidet, ohne Artillerie, vielfach auch ohne Nahrung, hilf- und planlos in den montenegrinischen und albanesischen Bergen umher.
g) Schwere Niederlage der Franzosen und Engländer.
Die Vernichtung der letzten serbischen Widerstandskraft auf dem Amselfelde bei Pristtna brachte die inzwischen mit einer Heeresmacht von etwa 150 000 Mann in Mazedonien eingedrungenen Franzosen und Engländer (diese letzteren die kleinere Halste) in die übelste Lage. Hilfe konnten sie schon deshalb nicht mehr bringen, weil niemand mehr da war, dem noch zu helfen gewesen wäre. Daß sie selbst den ganzen, inzwischen verfügbar gewordenen bulgarischen Heere nicht gewachsen waren, wußten sie wohl. Dennoch wagten sie ihres polittfch-anilitärischen Ansehens halber keinen kampflosen Rückzug. Da griffen die Bulgaren ihrerseits an. In den Kämpfen vom 7.—11. Dezember wurden Franzosen und Engländer derart vernichtend geschlagen, daß sie in aufgelöster Flucht in das befestigte Lager von Saloniki zurückströmten. Am 12. Dezember machten unsere Freunde, die siegreichen Bulgaren, vorerst an der griechischen Grenze Halt; einstweilen der Diplomatie den Vortritt überlassend.
3. Stand am Iahresschluß.
Mitte Dezember war die Zahl der Balkan-Gefangenen auf fast 200 000 gestiegen. Fast alles Serben, nur wenige Montenegriner, Franzosen und Engländer darunter. Tie unbedeutenden montenegrinischen Streitkräfte erwiesen sich für den reinen Feldkampf als wenig brauchbar. Die Entwickelung des Kleinkrieges in den albanischen und montenegrinischen Bergen bleibt der Zukunft Vorbehalten. Ebenso die Beanttvortung der Frage, ob die Italiener ein beioaffnetcs Eintreten auf dem Balkan wagen lyerdcn. Erst reckst bleibt die Frage in der Schwebe, ob die Engländer und Frau- Hosen nochmals zum Angriff schreiten, oder vorziehen, sich in ihrem Lager in Saloniki ruhig zu Verhalten, so lange sie nicht etwa selbst angegriffen werden. In beiden Beziehungen wird die


