oonnerstag, den 6, Zanuar

flm toten See.

Roman von RobertKvhlrausch (Nachdruck verboteil.)

< (Fortsetzung.)

Wir auf dem Hofe haben viel darüber hin und l)er gesprochen, und einer hat dies gesagt und ein andrer jenes. Unser Schäfer Christian Wulfes aber, der doch mehr von manchen Dingen weiß, als wir andern wie ja die Schäser das inr attgemeiiueit tun der hat es uns gesagt, was' der merkwürdige Ton bedeicket hat?"

Und wie lautet seine Weisheit?"

Eineil Augenblick zögerte der Gärtner wieder und be­wegte sein rechtes Bein verlegen auf und ab, um darin mit leiser, aber seltsam durchdringender Stimme zu sagen:Der die Sense da gedengelt tyai, ohne daß wir ihn seheil konnten mit unfern leiblichen Augen, das ist, wie Christian Wnlfes behauptet, kein andrer gewesen, als der Tod."

Der Tod?"

Sie versuchte zlu lachen, doch kam kein Ton heraus, und nur ein krampfhaftes Zucken verzerrte ihr die Mund- winket.

Der Gärtner aber mußte sich nun alles Vvln Herzen heruuterredeu, was darauf lag.Jawohl, wie Christian Wulses gesagt hat. Und wir haben es gesehen, daß er recht gcT)cibt hat. Zwei Tage nur, nachdem ivir das Dengeln der Sense gehört haben, der Heinrich Miller und ich, ist ja die Luise Stöves, was dem Ziininermanu Stöves seine Tochter war, beim auch richtig gestorben."

Die Baronin hatte jetzt ihre volle Fassung wiedergefnn- den. Mit einem kühlen, beinahe spöttischen Blick betrachtete sie den Gärtner.Das Mädchen war krank, schon seit langer Zeit. Es hatte die Schwindsucht, und um ihretwillen brauchte sich der Tod nicht noch so besondere Mühe zu macheu. Nein, mit solchem Aberglauben wollen wir hier im Schlosse nichts zu schassen haben. Geht nun alle schlafen Und kolumt mir morgen mit klarem Kopf an die Arbeit."

Sie wandte sich Und begarrn, die breite, von schwerem, weißem Steingeländer bekleidete Treppe hiuanzusteigeu. Mer sie war eben erst auf der dritten Stufe angelaugt, als der alte Kutscher hinter ihr herging und sagte:Frau. Baronin entschuldigen, ich bin doch nun schon so lange hier in Diensten, da darf ich mir wohl einmal die Freiheit yer- ausnehmen. Ich mochte nämlich fragen, wo die Frau Baronin doch heute den sonderbaren Schrei gehört haben , ob es nicht besser wäre, wenn wir vor dem Zubettgehen noch einmal alle Zimmer genau nachsähen; ich glaube, wir könnten nicht ruhig schlafen, wenn wir das nicht täten.

Sie meinen, der Don, den ich gehört habe, könnte, auch uns einem Zimmer im Schlosse gekommen sein? Ich Halde das für völlig ausgeschlossen: er kan: unbedingt von außen, aus dem Park. Wer es ist vielleicht grrt, wenn die Zimmer noch einmal nachgesehen werden. Wir loerden

sicher heilte nacht ein Gewitter haben., und' ich will selbst mitgehen und mich überzeugen, ob auch alle Türen und Fenster gut verwahrt sind."

Sie gab dem Diener einen Wink, mit seiner noch brennenden Laterne wieder vvranzugehen, und aufs neue setzte sich der Zug der Suchenden in Bewegung. .Anstatt unter (beit rauschenden Bäumen hin, ging es diesmal durch die langen stillen Korridore des Schlosses, über Treppen und Gänge, von Zimmer zu Zimmer. Das obere Stock- tverk wurde zuerst abgesncht, ohne daß etwas Verdächtiges gefunden wurde, sodann in gleicher Weise auch das Erd­geschoß. Hier war es, wo die Baronin vor der Tür eines Zimmers, das nach der Parkseite hinaus lag, die Unter­suchung selbst unterbrach und sagte:Hier in das Zimmer nreiues Mannes brauchen tvir nicht hinetnzngehen. Ich war vor einer Stunde darin, um ein paar Briese ans den Schroih- tisch zu legen. Ich selbst habe die Läden, vor beit Fenstern und vor der Glastüre festgemacht, -res ist alles tu Ordnnug. Denn diese Türe habe ich abgeschlossen, es hat niemand hineinkommen können."

lJn stummenk Gehorsam folgte die Dienerschaft ihrer Weisung, und ohne dieses Gemach- zu. betreten, durchfuchrte man die Reihen der übrigen Zimmer Es war unten so vergeblich wie oben; alle Räume waren leer, Türen tutbj Fenster wohl verwahrt.

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht, das einen Schim­mer von Farbe znrirckgewonnen hatte, wandte sich die Baronin zu den: alten Kutscher und sagte:So, jetzt haben wir Ihnen den Willen getan. Und nun wollen wir ver­suchen, ob tvir schlafen können."

2. Kapitel.

Das Gewitter, das die Baronin vorhergesagt hatte, war in der Nacht um ein Uhr losgebrochen und hatte mit wildem Lärm von Donner, Sturm und wolkenbruchgteichcn Regengüssen die Lust erfilltt. Es regnete noch weiter, als der frühe Sommertag ein wenig dunkler und später als gewöhnlich die Nacht ablöstc. Der Wind war umge­sprungen, und es war kühl geworden. Er wehte, statt von Silben, jetzt beinahe aus Norden und schien die grauen, rasch treibenden Wolken den gleichen Weg zuri'ttkznjagen, den sie am vergangenen Tage vergeblich gemacht hatten.

Ms slüchtete ste gleich ihnen vor einem unsichtbaren Feinde, so stürmte in der Frühe des Morgens eine weibliche Gestalt über die Treppen und Korridore des Schlosses, eilte bis zum äußersten rechten Flügel des ersten Stockwerks und pockste hier mit unsicheren, bebenden Fingern an eine Tür. Frau Baronin! Frau Baronin!" ries sie dabei mit einem Ton, in dem Furcht und Hast merkwürdig durcheinander klangen.

Ueberraschend schnell öffnete sich die Tür, und schon völlig angekleidet, obwohl es noch nicht viel über fünf Uhr tvar, erschien die Baronin umt Erstaunen des Hausmäd­chens. das nach ihr gerufen hatte, auf der SAoelte.