2
hat nichts mit dem Heiraten im allgemeinen zu tun, sondern nur mit dem Heiraten int besonderen."
„Wieso meinen Sie das?"
„Ach, das wissen Sie doch so genau wie ich selbst. Wenn der Herr Baron sich in seinen Kreisen eine Frau gesucht hätte, dann wäre die Sache gut gewesen. Aber warum hat er diese Theaterprinzessin heiraten müssen? Wenn der Herr Baron selig das wüßte, der den ganzen Tag nur über seinem Stammbaum und seinen Familienpapieren saß, der drehte sich tm Grabe um. Noch niemals ist es dagewesen — er hat oft mit mir gesprochen und von seinen Vorfahren erzählt — noch niemals, daß einer von ihnen aus seinem Kreise heraus geheiratet hat. Urtb das tut überhaupt niemals gut. Meine Mutter selig hat schon immer zu mir gesagt: ,Sophie, hat sie gesagt, wenn du mal heiraten willst, sieh nicht nach oben und nicht nach unten, sieh ans deinesgleichen' — "
Der Kutscher hatte sich, nachdenklich geworden, auf dem Kopfe gekratzt. „Na, gegen die Frau Baronin an sich möchte ich doch nichts entwenden," warf er jetzt bedächtig ein, und gleich kam eine Zustimmung von den bcibeu jüngeren Dienst boten.
Langsam die Zeitung! sinken lassend, hatte auch der Diener mehr unfr mehr auf das Gespräch gehorcht. Cr sagte jetzt und wurde ein wertig rot, indem er sprach : „Me Frau Baronin ist doch eine so schöne Frau! Und so vornehm und so gut—!"
. o ist sie wirklich^" bestätigte das Hausmädchen,
das froh war, den Diener jetzt reden zu hören. „Ich kann Mich gar nicht über sie beklagen. Bor drei Tagen erst hat fj e rr mt rr w^br eiue seidene Bluse geschenkt, ganz wie neu!. Hellgelb und mit Spitzen. Am nächsten Sonntaa will ich sie anztehen. Vielleicht bin ich dann schön genug für den Herrn Franz, daß er einmal mit mir ausgeht."
Einer Antwort wurde Franz enthoben; denn die Köchin, die mit ausdrucksvoller Bewegung soeben einen Faden von ihrer Häkelei abgebissen hatte, nahm wieder energisch die Führung der Unterhaltung. „Das ist alles eins. Ich sage Nichts gegen die Frau Baronin. Wenn sie geblieben wäre wo sie hin gehörte da möchte die Sache wohl ganz in Ort/ uung sein. Aber gleich und Ungleich soll sich nicht gesellen/
„Solche Vorurteile kennt matt doch eigentlich heut- mehr." Das Hausmädchen tvarf sich in die ^ustals Vertreterin freidenkerischer Jugend, doch löschte die Kochin gleich ihr Kampfesfeuer. „Sie haben überhaupt noch gar nicht mitzureden. Wer nod) nicht länger als drei ^ahre hier tm Schlosse ist, hat den Mund zu halten. Herr Singahn und ich, die wir schon beim Herrn Baron selig fin Diensten waren, wir wissen es, wie hier die Sachen stehen."
Kaz der Kutscher, „so ist es. Wir haben
E alles mit angesehen wie es nach und nlach so .gekom- men ist. Zu Anfang, in den ersten beiden Jahren nach ihrer
wese^ HW* lü0f;I 9an§l glücklich miteinander gje-
.-öch sage das ungern, weil ich grundsätzlich qeaen
is^ia'dann^s ^ ZUgeLen. Unb. hinterher
t|t ja dann das Unglück auch ganz richtig gekommen - seit
Äbmhawen ^<chr ungefähr ist eg' da. Wer von den beiLn bte schuld daran tragt, das ftmn ich nicht enlMneiben
er’|icl)t " aIteC ^ Mnftf6ote °ff«w Augen und sieh», was Beui^c” 0 ^' bestätigte Sophie mit einem tiefen
fuhr fort: „Wie kommt es' denn sonst daß der Herr Baron jetzt so oft iiach Berlin und mih&r&C wohin fährt? Er allein. Ums er Pt nie getan ^ ^?6en erst habe ich ihü wieder zur Bah/fahren müssen und er ist noch nicht wieder zurüch. Warum streiten die decken so oft miteinander, und warum ist die Frau Baronin von unten weggehogen in den ersten Stock hinauf aanr in den äußersten Flügel vom Schlosse?" j ' 9 ^ n
Ko ^ ^ ' V0 W uichtsi da,nit zu tun " saate
mn^Zt nb mÖtete unter seinem bloLn
„Mir hat die Frau Baronin gesagt, weshalb sie da. hinaufgezogen ist, ich habe ja die Möbel dort umrücken müssen. Weil sie die Sonne und die Wärme liebt hat sie g sagtz und weil doch ihr neues Wohnzimmer dort nach
nickw ie9t /Wt sie, hat sie das Zimnrer
«f. ^^.geulocht, aber wtzt hat es eine so schöne weite
Ä SS? den Wald ’SS
^at. Nun fiamt sie bis Lunzin hin übersehen,, und wenn dre
Sonne darauf scheint, blitzt sogar der tote See herüber hat sie gesagt."
„Hut sie gesagt, jawohl," wiederholte Sophie verachte lich und setzte die Häkelnadel mit einem verstärkten, kriegerr- scheu Eifer in Bewegung. „Wenn alles nur wahr wäre/ was die Menschen sagen! Schöne Redensarten sind ps> womit Sie die Frau Baronin dumm gemacht hat, junger Mann Sie können das eben noch nicht unterscheiden. Ich aber sage Ihnen: darum allein ist sie nach oben hinauf-' gezogen, weil sie da hübsch weit entfernt ist vom Herrn) Baron, der seine gewohnten Zimmer im Erdgeschoß, niemals aufgeben wird. Die Zimmer, wo schon' sein Vater selig und sein Großvater gewohnt haben. Ein Skandal ist sollte" öligen, ivas kein Menschen erfahren
Das Hausmädchen zuckte rebellisch die Achseln. „Nun, ich kann es keiner Frau verdenken, wenn sie einem Manne Wege geht, der sie schlecht behandelt. Wie du mir,
0 .dir. scheiden ließe ich mich ohne weiteres von ih,n — imo sie will das auch, soviel ich neulich zufällig gehört habe, und wenn sie es einstweilen macht wie er und sich auch nach ha/—" rm umsteht unb auch ihre kleinen Heimlichkeiten
, „Was für Heimlichkeiten?" Sophie hatte die Arbeit V ?}: en c , a ji ei1 und fragte mit strengem Ton, der aber zugleich lebhafte Neugierde verriet. „Wissen Sie was von Heimlichkeiten bet der Frau Baronen?"
„Oh, ich will nichts gesagt haben."
. . u '.'?P e c r . Sie haben etwas gesagt. Und wenn Sie dafür vielleicht die seidene Bluse geschenkt bekommen haben, damit Sie den Mund halten — "
'Ma,bk feü)ene Bluse! Die hätten Sie wohl selbst gerne gehabt, Fräulein Sophie?" >
l$ ^. au t c ^uir, was ich brauche. Und ich ivürde mir ^'lauben, etwas zu tun, was denl Herrn Baron mißfallen konnte, tu dessen Diensten ich stehe. Und ich meine, daß e^ gerade genug ist, ivenn schon das Unglück über einem Hause hangt —"
-, ^üh brach sie ab. Ein Heller Glockenton, dem iiach ganz kurzer Pause ent zweiter folgte, war in ihre Worte hinein- geklungen Der Kutscher warf einen Blick auf die runde Uhr an der Wand und sagte: „Das gilt Jhiien, Franz. Was
lchon über halb elf?ba lünj
*? ar bereits eifrig aufgesprungen und vertauschte ra ch einen blauwe.h gcstre.ften Drillichrock mit einer schwarzen Livree, die an einem Hakenbört hing. „Nein, das kommt
» e7sa ZichV besonderes sem, Aber ich
.D.amit ging er hinaus auf den Korridor, der das Ge- ganzen Längsrichtung von einer Schmalseite zur andern durchzog und ut der Mitte das geräumige Trep- Das Dienstbotenzimmer lag anr äußersten Korridor, und Franz wandte sich rechts hin auf das Treppenhaus zu. Dort brannte eine einzige, große N^beeiserne Laterne, die nur mattes Licht in die beiden Korridorhalften sandte. Bevor der Diener jedoch seinen Fuß auf die unterste >Ltnse der nach oben führenden Trevve ae- setzt hatte, blieb er in lebhafter Ueberraschung stehen. Denn ihm entgegen von oben herab kam die Baronin selbst und rief ihm schon urt Gehen eine Frage zu' Wo sind Sie nr- wesen, Franz? Haben Sie nichts gehört?." 1 ' ° e
(Fortsetzung folgt.) * >
Der alte Soldat.
Bon Kurt Münz er.
der Krieg Don 1870 ausbrach, war er ein Biib voü Jahren; und er konnte sich später njie auf diese Zeit besinnen/ geboren war. Er wurde früh Waise tat kleme Dienste kam zum Militär, wo sie dm Kerl gern behalten wollten, aber er hatte schon sein
tttttftnusi UBT * 1 -«»
Bfe, ;SS
^Ä'b^attoser Eisender! Und so kehrte er hciiu. Schau da ein Heck. Er hatte die Rettungsmedaille; eöimal'hatte er ein Liebes- »LLE, besten Segelboot gekentert war Aber nur dÄ Gerücht semcr Tat 'ging tm Städtchen um; er schwieg, davon.


