Die vom Rauhen Grund.

Roman von Paul Grabein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Wieder waren einige Tage hingegangen, voll innerster Spannung für Gerhard Bertsch. Noch immer kein An­zeichen, daß denen da drüben der Kampf leid wurde? Wohl trug er vor den Leuten stets ein sicheres Lächeln zur Schau, aber wenn er allein mit sich war, furchte sich seine Stirn schwer. Lange durfte es nicht mehr dauern! Sein Bank­guthaben, mit dem er diesen Kampf bestritt, ging zu Ende.

Diese wenigen Tage zehrten mehr an seinen Nerven, als die zehn schweren Arbeitsjahre drüben. Es bedurfte all seiner eisernen Beherrschung, um dabei immer noch nach außen seine Siegeszuversicht zu bewahren. Alles hing ja davon ab. Ahnte nur einer, wie es in Wahrheit stand, dann war das Spiel für ihn verloren. ,

So kam er auch heute abend von der Zeche heim. Im Kopf noch die Zahlen, die, drohende Schreckgespenster, durch sein aufgeregt arbeitendes Hirn hinzuckten immer wieder. Aber als er jetzt ins Honoratiorenstübchen trat, wo gerade heute stärkerer Besuch war, trat er straff und elastisch wie immer über die Schwelle.

Guten Abend, meine Herren!"

Sein scharfer Blick hatte sofort eine gewisse Betroffen­heit wahrgenommen. Auch war das lebhafte Gespräch, das er noch vor der Tür vernommen, verstummt mit seinem Ein­treten. Da sah er blitzenden Auges, mit seinem übermütig­sten Gesicht, über die Tafelrunde Hill.

Aha! Eine wohllöbliche Gewerkschaft Erbstollen nahezu vollständig beisammen! Habt wohl euer Testament gemacht, Herrschaften? Na, recht so! Zeit war's für euch."

Ilnd lachend ließ er sich an seinkM Platz nieder, an dem besonderen kleinen Tisch, wo ihm schon zum Abendbrot ge­deckt war.

Die aüderen schwiegen. Nur bei dein und jenem ein schwaches Auflachen. Aber es klang beklommen. Und bald standen sie auf. Einer nach dein andern verabschiedeten sie sich von dem Wirt. Schien es Bertsch nur so, oder tauschten sie dabei iiicht einen bedeutsamen Blick? Seine Sinne spann­ten sich. Da giilg irgeild etwas vor, das ihm galt. Doch was war es?

Niir Hannes Reusch blieb allein noch im Zimmer. Er rauchte schweigend vor sich hin, ganz gegen seine gesprächige Gewohnheit. Bon Zeit zu Zeit ging sein Auge wie un­schlüssig zu Bertsch hinüber, der offenbar mit bestem Appetit und ihn gar nicht beachtete. Ein paarmal räusperte er sich, als ob er zum Sprechen ansetzen wollte. Aha, nun? Und Bertsch war ganz Nerv. Aber es geschah doch nicht. Vielmehr erhob sich Reusch jetzt und verließ auch seinerseits das Zimmer.

Mas lag hier tu der Lust?

, Nun, ganz, allein mit sich, ließ er Messer und Gabel ! sinken. Die Stirn in die Linke gestützt, sah er vor srch hm.

I In sprunghaftem Kombinieren. Doch es kam ihm keine be- friedigende Erklärung, wie aufgeregt auch seine Gedanken arbeiteten. _ .

Zu dumm, so im Dunkeln zu tappen! Und ferne Rechte begann nervös auf der Tischplatte zu trommeln. Doch sofort brach er wieder ab Schritte da drinnen im Familien- zimmer! Aufrecht saß er wieder da und mit heller Miene, anscheinend nur den Sinn auss Essen gerichtet.

Marga Reusch war es, die eintrat: mit leichtem Gruß, den er ebenso erwiderte. Sie schien etwas auf dem Piano zu suchen, zwischen den Noten dort. Zwischendurch aber streifte ihr Mick zu ihm hinüber, und wie sie ihn so sitzen sah, ganz Sorglosigkeit, stockte ihre suchende Hand. Ein Zweifel trat in ihr Auge. . _ r

Ob sie ihn nicht doch lieber warnte mit einem raschen Wort, ehe der Vater vielleicht wieder eintrat? Sie war ja vorhin durch Zufall Zeuge eines vertraulichen Gesprächs' hier am Tisch geworden. Nur eines Bruchstückes der Unter­haltung, aber sie hatte doch so viel herausgehört: Die. Krisis war da! Jetzt mußte es sich entscheiden sie konnten nicht mehr weiter so.

Wenn er nun in seiner Ahuungslosigkeit die Situation verkannte? Vielleicht verspielte! Dann war alles aus. Für ihn, wie auch für sie selber mit ihren geheimen Hoffnungen.

Wie Marga so einen Moment unschlüssig am Piano stand, trat in ihre Angen ein erregter Glanz. An damals mußte sie denken wie sie mit ihren Penftonsfreundiuneu in Frankfurt zum Rennen gewesen war und zum ersten Male in ihrem Leben am Totalisator gewettet hatte. Gariz so war es auch jetzt: Würde der, auf den sie gesetzt, auch wirklich Sieger werden? Oder hatte sie sich vielleicht doch in ihm getäuscht?

Wie abwägend streifte ihn ihr Blick.

Er gewahrte es.

Wünschen Sie etwas von mir, Fräulein Reusch?"

Sie schiiitelte leicht das Haupt, das sie jetzt wieder ihren Noten zuwandte.

Ich suche nur etwas . aber ich habe schon ge­funden."

Sie griff nach irgendeinem Heft, entschlossen nunmehr. Nein sie würde ihm nichts sagen! War er der, für den sie ihn hielt, so würde er ans Ziel kommen, auch ohne ihre Hilfe.

Und mit einem Znnicken ging sie wieder.

Nachdenklich verfolgte sie BertsM Blick. War da nicht eben etwas in ihren Äugen gewesen ttrie ein geheimes Wünschen? Ueberhanpt il)r ganzes Wesen eben!

Nervös zuckte es über sein Antlitz hin. Abermals suhlte er es: Um ihn herum ging etwas vor etwas von Be­deutung. Wenn man es doch nur greifen könnte!

Unruhig erhob er sich und ging, hinauf auf sein. Zimmer. Aber auch '.hier ließ es ihn nicht los. In qnälendjem