Ausgabe 
2.10.1915
 
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mit all den kleinen Pütts so einen nach dem andern lang­sam überschlucken."

Er sagte es scherzend, doch dahinter verbarg sich die leise Furcht für die eigene Grube, den Erbstollen, an dem er einer der Hauptbeteiligten war. Sein Blick spähte dann auch heimlich in Bertschs Mienen. Die aber blieben un­durchdringlich. Da forschte er noch weiter:

Und ist's denn richtig die Landesbank ist inter­essiert an Christiansglück?"

Fragen Sie sie doch selbst." Bertschs ablehnender Ton beugte jeder weiteren Vertraulichkeit für die Zukunft vor. Dvch dann sagte er leichter:Aber, was ich Sie fragen wollte ich suche ein Unterkommen hier im Ort, Wohn- und Schlafzimmer, hätten Sie im Hirschen Platz für mich?"

Das wohl, wenn's dem Herrn Direktor nur fein genug sein wird bei uns."

Ich habe droben in den Kordilleren jahrelang im Zelt gehaust. Also wie ist's?"

Dann will ich mit meiner Tochter reden." Hannes Reusch ging zur Tür und rief über den Flur hinüber: Magri, komm doch als gleich mal her!"

Aber die Gerufene erschien trotzdem fürs erste noch nicht. Statt ihrer trat von drüben, aus dem Familienzimmer, jetzt nn junger Mensch herein, mit städtischer, etwas auffallender Eleganz gekleidet.

Verwundert blickte Bertsch auf. Hannes Reusch bemerkte den fragenden Blick. Da legte er seine Rechte auf die Schulter des jungen Menschen, der jetzt zu ihm trat.

Sie kennen wohl meinen Sohn Hermann gar nicht mehr?"

Was? Das ist der Mannes? Der kleine Mannes!"

Ja, der Jung hat sich geröstert was?^

Mit Vaterstolz sagte es Reusch, doch ungeduldig entzog sich der Lohn seiner Hand, die ihm die Schulter klopfte.

Ra, da lassen Sie sich mal näher beaugenscheinigen, Herr Reusch junior." Bertschs Blick streifte mit leisem Lächeln den ausfallend hellen Anzug bis hinab zu den far­bigen Strümpfen und gelben Halbschuheu.Aufmachung - tadellos! Gratuliere. Ra, und sonst? Wir sind wohl am Eirde gar Student?"

Warum nicht? Wenn ich gewollt hätte! Glauben Sie, dast Sie das allein könnten in Rödig?"

Hochmütig blickte er Bertsch aus dein hübschen Gesicht an. Hannes Reusch aber erklärte:

Wenn auch nicht studiert ich wollt's nicht, her Mannes soll doch mal den Hirschen übernehmen, so hat er s doch bis zur Prima gebracht auf dem Gymnasium' und nachher sein Jahr abgedient in Kassel, bei den Husaren."

So, so na, das ist ja schön."

Bertsch*" ma,t ^ ann ^ ÖU( ^ v* er 8 U was bringen, Herr Gewiß, ohne Zweifel."

^ Bertschs Blick streifte noch einmal ironisch die

Erscheinung des aufgeputzten Wirtssohnes. Doch da ging hinter ihm die Tür. Er sah herum. * H

Ein junges Mädchen trat ein, einfach, aber sehr gut angezogen Der knappe, sandfarbene Kostümrock und die weiße Batistbluse brachten ihre seine Biegsamkeit aufs vor- teilhasteste zur Geltung. Also das war die Magri! Wahr- haftig, die Reusch-Mutter hatte recht gehabt vorhin:.Eine Blick^an^^E^ einc ~ öme! betroffen hing Bertschs

. Die Eintretende gewahrte unter den halbqesenkten dunkeln Wimpern mit unmerklichem Seitenblick dies Ver­wundern. Aber sie nahm anscheinend von dem neiien Gast keine Kenntnis, jondern trat auf den alten Reusch zu Tu riefst mich, Vater?"

Kf . Hier der neue Grubeudirettor von

Cyrtsttansgluck will bei uns wohnen. Aber du kennst ibu ia wohl von früher? Herr Gerhard Bertsch - weißt du der Sohn vom toten Bergverwalter."

Ja, ich besinne mich."

. Und Margarete Reusch sah jetzt zu dem Gast hinüber, der sich unwillkürlich erhob. Mit einem kleinen Kopfnicken dankte sie. Reserviert herablassend.

U es sich bei Bertsch. Damit hatte sie bei

ihm kein Gluck! Und er lachte.

, - ^Wcis soll diese feierliche Vorstellung? Die Magri und ich rennen uns doch ganz genau. Alte Spielkameraden, wenn

ich freilich auch ein halb Dutzend Jahre älter bin. Nicht? Mso guten Tag, Fräulein Magri."

Und er streckte ihr die Rechte hin. Sie überließ ihm ihre Fingerspitzen, aber eben nur einen Augenblick, und ging auf seine Worte nicht ein. Immer noch ganz kühle Zurückhaltung.

Im Antlitz Karl Steinsiejens, der aus der Ecke her gespannt diese erste Begegnung der beiden beobachtet hatte, glänzte es auf, in geheimer Genugtuung.

Prost, Hermann!" trank er vertraulich ihrem Bruder zu. Herausfordernd klang es zu Bertsch hin. Er wollte ihm zeigen, gleich von Anfang an, wie hier der Wind wehte,

Also der Herr Bertsch will bei uns Wohnung nehmen, Magri. Welche Zimmer würden wir ihm denn am -besten geben?"

Die feineil Schultern, die mit mattem Elsenbeinton durch beit duftigen Batist der Bluse schimmerten, hoben sich. Eine nachlässige Bewegung.

Würdest du das nicht besser mit Mamsell besprechen, Vater?" '

Freilich wobl!" Der alte Reusch fühlte sich ordent­lich verlegen vor der vornehmen Art seiner Tochter. Dennoch strahlte sein Auge auf, wie er sie so dastehen sah. Ja, seine Kinder! Doch nun fuhr er fort:Ra, wo du nun grad' als mal hier bist, und Mamse'll hat ja auch in der Mich zu schaffen möchtest du da nicht doch die Sach' selbst in die Hand nehmen?"

Es war ein Bitten. Da ließ sie sich herab.

Wenn ich. dir damit einen Gefallen tun kann, gewiß, Vater."

Also, Herr Bertsch wenn Sie denn gleich mal hinaufgehen wollten mit der Magri und sich die Zimmer aussuchen?"

Bertschsyickte und trat um den Tisch herum zu ihr.

Karl Steinsiefeu sah es mit Unbehagen, und er be­schloß, einen Trumpf auszuspielen. Auch er erhob sich und kam nun zu dem Mädchen, in der Hand einen Strauß Rosen, den er neben sich auf dem Sofa kiegen gehabt hatte, seine übliche Sonntagsaufmerksamkeit. Er hatte ihr die Blumen freilich bei passender Gelegenheit unter vier Augen geben wollen, aber nun war's doch besser so! Und er reichte ihr die Rosen hin:

Darf ich mir erlauben, Fräulein Marga? Für Ihren Gürtel!" '

Mit einem heimlichen Triumphgefühl gegen den Gegner, der halb hinter ihnr stand, sah er Margarete erwartungs­voll ins Gesicht.

Leicht nickend nahm sie die Blumen. Ihr erster Ge­danke war, sie in der Tat im Gürtel zu befestigen. Gerade Bertschs wegen. Doch da gewahrte sie über Steinsiefens Schulter hinweg sein leises Lächeln.

Mit einer schnellen Bewegung legte sie die Rosen aus der Hand, neben sich auf den Tisch, nur mit einem flüchtigen Vielen Dank" zu dem Geber hin. Kurz: kehrte sie sich dann zur Tür, es Bertsch überlassend, ob er ihr folgen wollte.

Enttäuscht blickte Steinsiesen ihr nach und dem andern, der sich ihr mit ruhigem Schritt anschloß. Dann hob er den vernachlässigten Strauß auf und tat ihn in die Vase, die auf dem Klavier am Fenster stand. Da würde sie ihn nach^ her schon finden und noch an sich nehmeu.

Die beiden stiegen inzwischen die Treppe empor, ohne etwas zu sprechen. Run öffnete das Mädchen droben in dem langen Gang eine der Türen. Schweigend wies sie hinein in das Zimmer und den angrenzenden Nebenraum.

Er warf einen flüchtigen Blick über die beiden Stuben hin.

Gut ich nehme die Zimmer. Ich möchte Sie nicht noch weiter bemühen."

O bitte - ," aber es klang kühl. Sie ging ein paar Türen weiter und schloß auch dort zwei irteiuandergehende Räurne auf.

(Fortsetzung folgt.)