Ausgabe 
29.9.1915
 
Einzelbild herunterladen

602

der Garten baukaum, daß sie dem jungen Mädchen noch Raum gewährte, das neben ihm saß, ein Buch in der Hand. Aber plötzlich sah es auf und lauschte hinüber zum Ge- slügelhof.

Was sind die Hühner nur mit einem Male so um ruhig?"

Der Onkel neben ihr zuckte stunrnr die Schultern. Ihn interessierte nur jagdbares Getier. Hühnerzucht Weiber­sache. Und er schmauchte weiter. Aber ängstlicher noch scholl das Gegacker von dort drüben her. Da erhob sich Eke von Grund.

Ich will doch einmal Nachsehen."

Der Graubart unter der Linde hielt es nicht für wert, ihr nachzublicken. Gelassen stopfte er mit dem Daumen die Pseise nach. s Jhui sah er doch auf. Eke kam zurück, eilends urid griff plötzlich nach seinem Jagdgewehr. Schweigend^ ohne ein Wort.

Halloh was gibt's?"

Ein Sperber."

Und schon war sie zurück, drinnen im Gatter, und legte zum Schüsse an.

Der Onkel folgte ihr, verdrossen, daß sie ihm zuvor-, gekommen. Sein scharfes Zägerauge richtete sich nach oben.

Zn der Tat da hing er mit kurzem Rütteln, stoßs- bereit, der freche Räuber.

Jetzt hatte er sein Ziel gewählt, aber im selben Auaeir- blrck ein peitschender Knall, und mit zuckendem Flügelschlag fiel der braunweiße Körper schwer zu Boden.

Während Eke von Grund die noch rauchende Patrone ans dem Laufe warf, hob ihr Oheim den Sperber aus. Der Schuß war gut angebracht. Dennoch murrte er:

Schade der Balg ist hin." Und er wies auf seinen Patronengürtel.Nummer vier bätt's auch getan."

Bis ich die Patrone gewechselt, wär's wahrscheinlich zu spat gewesen."

Ruhig erwiderte es Eke, während sie dem Onkel das Gewehr überreichte.

Der peitschende Schlag des Schusses, der so jäh die feiertägliche Stille aus dem Hofe zerrissen hatte, war auch ans Ohr des Besuchers aeschlagen, der eben aus dem Schatten der Toreinfahrt in den sonnenflimmernden Hof des Guts trat. Pfarrer Burgmann.

Nun zogen sich die weißen Brauen in dem ftischroten Gesicht zornig zusammen. Die fältchenübersäte, aber noch feste Hand über die blitzenden Augen legeird, spähte er über den Hof, hinaus in den Sonnenglast. Richtig, da stand der Gutsherr ja noch, das Gewehr in der Hand. Hastig trat Psarrer Burgmann auf ihn zu.

Selbst am lieben Sonntag das lästerliche Geschieße Sie geben wahrlich ein schlechtes Beispiel hier im Grund. Kern Wunder, wenn da in der Gemeinde so mancherlei zu wünschen übrig bleibt!" 7 0

Henner von Grund sah herum. Als er den schwarzen Priesterrock gewahrte, wandelte sich seine Zornmiene zu ernenl Lachen. Laut und ungehindert. Aber ehe er noch antworten konnte, war ihm Eke schon znvorgekommen.

irren, Herr Pastor diesmal war ich's, dte

schoß." ' ' H

'-Um so schlimmer, solch unweibliches Unterfangen'"

Das Mädchen maß den Sprecher mit einem stolzen Blick. Doch dann blieb dieser an seinem weißen Haar hasten. Da ?* at ' te f$ mei Ö e Nfc), an dem Geistlichen vorbei, wieder au an b r er Linde hin. Pfarrer Burgmann aber ereiferte sich, zu ihrem Oheim hingewandt:

. r ,,0'leilich, wohl kein Wunder bei dieser eigenartigen Er­ziehung zwischen Wild und Hund!"

Lach Wieder nur lachte Henner von Grund sein dröhnendes

.. , '/Sind Sie bloß hergekommen, Ehrwürden, um mir diese Extrapredigt zu halten?"

zu sehen," ° bI! ® enn bie Kirche bekommt Sie ja nie

^»Und wird es auch nicht! Ich tauge nicbt zwischen dir» ^tschwesteru, halte lieber meine Andacht draußen im grünen Walddom ab. Und unser Herrgott ist's auch so zufrieden."

.Was wissen Sie von unserem Herrgott? Sie sollten seinen Namen lieber nicht so unziemlich im Munde führen!"

Halloh, Pastor!" Im graubärtigen Antlitz schoß es fmfip"? 0 / Arbltte ich nur! Wie ich's mit meinem Herrgott halte, das ist meine Sache einzig und allein."

Herrisch klang es. Mer aus den weißbebuschten Blau­augen des streitbaren Gottesmannes zuckte der gleiche Blitz.

Ich Hab' nun einmal allerlei auf dem Herzen, und es soll auch herunter, da wir zwei uns grad einmal gegenüber­stehen!"

Na, dann packen Sie mal gründlich aus. Nichts soll \a schlimmer sein, als eine versetzte Predigt."

Spotten Sie nur! Es steht Ihnen wahrlich Wohl an, nach allem."

Zur Sache, Pastor!" (

Nun also was haben Sie sich damals gedacht, als Sie der ganzen Gemeinde zum öffentlichen Aergernis im Heu arbeiteten unter der.Kirche am Sonntag vor Johanni?"

Vor Johanni? Warten Sie mal jawohl, stimmt!"

Und den Andächtigen recht zum Hohn noch obendrein iin Gehrock, wie ihn nur der Kirchgänger anzieht!"

Auch das stimnit. Gehrock, Glaces und Zylinder so­gar. ^ ur .Zum Hohn?" Ein gemütliches Kopfschütteln Im Gegenteil: aus Hochachtung."

Treiben Sie Ihren Spott anderswo!"

Nein, nein, Herr Pastor, mein vollster Ernst. Aus Hochachtung vor denjenigen meiner Mitarbeiter, die mich in der notwendigen Arbeit nicht im Stiche ließen."

Ein zorniges Auflodern beinr Psarrer.

Herr von Grund!"

Ober verdienten sie etwa diese Hochachtung mcht? Meine Leute sie gehörten notabene zu den Muckern, die neuerdings hier unten im Rauhen Grund ihr Wesen zu treiben beginnen, mein Herr Pastor! die ließen mich im Stich. Trotzdem schwere Gewitter am Himmel stan­den. Na da legt' ich eben selbst Hand mit an, und das liebe Vieh, meine letzten Mitarbeiter, ließ mich nicht im Stich, Herr Pastor."

Was soll das? Wollen Sie mich etwa verantwortlich machen für diesen Auswuchs am Körper unserer Kirche? Frömmigkeit predige ich, nicht Frömmelei. Mit den Muckern habe ich nichts zu schaffen!"

.Ja, jetzt verleugnen Sie sie, wo die Geister, die Sie riefen. Ihnen unbeauem werden."

. Der weißhaarige Psarrer ftanipfte heftig mit dem Fuß im derben Bauernstiefel auf. Doch dann machte er eine ent­schlossene Bewegung mit der starkknochigen Hand.

Lassen wir das! Wir werden uns da ja nie verstehen. Ich kam auch nicht deswegen. Mir liegt anderes ain Herzen, und da wenigstens hoffe ich auf Ihr Verständnis. Also eine schwere Gefahr droht unsereni Rauhen Grund!"

Gefahr!"

Ja vom Bertsch-Gerhard."

Das Mädchen unter der Linde horchte auf, aber Henner von Grund wußte nicht gleich, wer gemeint war.

Gerhard Bertsch?"

Nun ja der Sohn vom verstorbenen Bergverwalter, der vor zehn Jahren nach Amerika ging."

Ach der! Also der ich wieder im Lande?"

Schon eine ganze Weile, hat sich nur nicht hier blicken lassen mit aller Absicht. Aber drunten in Siegen hat er schon seit Monaten sein Wesen getrieben."

Nun, und was will das Herrchen denn hier? Wohl unterkriechen, nachdem er draußen nicht mehr weiter kommt? Ja, so endet's immer!"

Diesmal aber nicht. Dem Bertsch, ist's geglückt. In > er sonst war, hat er's znm Leiter eines

Ehrle, oder wo ...... ., cult ^

großen Bergwerks und zu einem guten Stück Geld gebracht, und nun hat er Großes vor, hier bei nns."

,Da bin ich in der Tat begierig!'

(Fortsetzung folgt.)

Herbstzeitlosen.

Bon Franz Pflüger.

Herbstlich kühl wird es draußen in Feld und Flur, kürze« v bie Sonnenstrahlen. Blatt um Blatt, /olütc fällt vom Baum und Strauch, .und immer eifriger webt Mutter Natur du bunten Farben des Herbstes in des scheiden­den Sommers grünes Kleid. Georginen und Dahlien, Astern und Sonnenblumen schinücken die Gärten, den: grünen Teppich

Fast fruhlrngshast muten sie nns an, die lilafarbenen SMdtt auf rhrein mattweißen Stengel, die der Landschaft einen so eigei^

«