Vermischtes.

* Ci- 1 rv preußischer KriegSmtntster in alten Kleidern. Daß ein preußischer General auS echt soldatischem Gehorsam gegen seinen obersten Kriegsherrn zum Altkleiderhändler gehen muß, mir sich abgelegte Sachen zu kaufen und anzuziehen, ist sicherlich ein ungewöhnlicher Fall. Aber Fürst BtSmarck, der ein­mal an einem seiner parlamentarischen Abende die seltsame Ge­schichte zum besten gab, ist Bürge für die Wahrheit der Erzählung, bereit Held der General und Kriegsmintster v. Strotha war, der Vorgänger des preußischen Kriegsministers v. Bonin. General v. Strotha war Kommandant der Bundesgarnison in Frankfurt am Main, als er eines Tages vom preußischen Ministerpräsidenten Grasen von Brandenburg, ein Schreiben empfing, das ihn sofort nach Berlin berief und aufforderte, sich im Ministerium einzufinden. General v. Strotha kam und Graf von Brandenburg sprach zu ihm:Ich habe Eure Exzellenz rufen lasten, um Sie zu bitten, das Ministerium des Krieges zu übernehmen."Mich?" fragte Strotha erstaunt.Um Gotteswtllen! Ich bin ja dazu keineswegs ge­eignet."Ja, das Hilst nun alles nichts! Sehen Sie hier die KabinettSorder Seiner Majestät de- Königs, der Sie zum KrteaS minister wünscht." Strotha liest mit Bestürzung und sagt:Ja, wenn Seine Majestät befiehlt, muß ich freilich gehorchen." »Nun, lieber Kollege," fährt Graf Brandenburg fort,nun müsten Sie aber mtef) heute um 10 Uhr in der Kammer erscheinen." 0 bewahre," sagt Strotha abwehrend.Ja, das Hilst nun mcht," sagt der Ministerpräsident,sehen Sie hier, ein anderes Schreiben Seiner Majestät, daS ausdrücklich verlangt,'daß Sie daS Kriegsministerium der Ka>nmer gegenüber vertreten." -Dann muß ich freilich gehorchen," antwortet der neue Kriegsmintster, seufzt und ist im Begriff, sich zu verabschieden,. um sich auf diese Vertretung vor der Kammer vorzubereiten. Da'sagt der Minister­präsident:Das wissen Sie doch, Kollege, daß Sie in Zivil in der Kammer erscheinen müssen." (Das war damals Brauch und Sitte.) Herr v. Strotha stand sprachlos vor Entsetzen da. Endlich stotterte er:Ich habe gar keine Zivilkleider!"Ja, da müssen Sie sich eben bis lOUlhr einen Anzug besorgen! Der König will es so," sagte Graf Brandenburg.Dann muß ich freilich gehorchen," sagte General v, Strotha, ging eilends hinaus, fuhr nach dem Mühlen­damm, wo damals zahlreiche Altkleiderhändler wohnten, und er­schien um 10 Uhr am Ministertisch, wie Bismarck berichtet,mit unendlich hohem Kragen und Frackärmeln, die ihm bis über die Hände reichten ein merkwürdiger Kriegsminister in Zivil!"

Französische Orden. Obgleich die dritte Republik außer der Ehrenlegion noch eine ganze Reihe von Medaillen und anderen Auszeichnungen zu vergeben hat, hat sie für diesen Krieg noch eine besondere Dekoration geschaffen. Die Regierung ist da­mit den: Beispiele gefolgt, das alle früheren Regierungen, mon­archische oder republikanische, gegeben haben. Angeblich soll schon Chlodwig nach feiner Salbung durch den heiligen Remigius den Orden von der heiligen Oelflasche (sainte ampoule) gestiftet haben. In Wahrheit aber ist wohl der erste ernsthafte, rein französische Orden der von Ludivig XI. 1469 geschaffene Sankt Michael-Orden. 1579 gründete Heinrich HI. den Orden vom heiligen Geist, mit dem der andere 1661 von Ludwig XIV. verschn-olzen wurde. Der heilige Geistorden hat bis zur endgültigen Vertreibung der Bour­bonen bestanden. Ludwig XIV. schuf 1696 auch den St.-Ludwigs- Orden und Ludwig XV. 1759 den Militär-Verdienstorden. Die Revolution schaffte alle Orden ab, und viele Ritter wanderten nur wegen ihrer Ordenszugehörigkeit aufs Schafott. Aber die franzö­sische Eitelkeit vermochte obne Orden nicht auSzukommen, unb so erstand am 29. Floröal deS Jahres X die Ehrenlegion. Napoleon I. behielt sie während seiner Negierung bei und stiftete außerdem noch den Orden von der Vereinigung, der an Untertanen der mit Frankreich vereinigten Länder verliehen wurde. Doch ging dieser Orden nach zwei Jahre,: ein, wohl weil cr als eine Art Kains­zeichen empfunden wurde. Napoleon III. schuf eine ganze Reihe von Medaillen, so die m6daille militaire, Sankt-Helena-Medaitle und Denkmünzen für die Feldzüge in der Krim, China, Italien und Mexiko. Die Republik verleiht gleichfalls eine Menge Ehren­zeichen und die Ehrenlegion gehört sozusagen zur Toilette eines Franzosen.

* Der Krieg und die englische H e i r a t s l u st. Ter Krieg hat, wie Lady Nandolph Churchill, die Mutter des einstigen Marinelords, in einem Artikel in Pearsous Magazine aus'ührt, die Zahl der heiratslustigen Engländer in erstaunlichem Maße ge­steigert.In London allein sind seit Kriegsbeginn viermal soviel Heiraten geschlossen worden wie in früheren Jahren. Die meisten dieser jungen Ehemänner gehören den, Landheer oder der Marine an. Dian fragt sich, auf welche Ursachen diese bedeutende Ver­mehrung der Eheschließungen zurückzulühren sein mag. Besteht ein geheimes Bündnis zwischen den Göttern MarS und Cupido? Vom psychologischen Standpunkt aus ist es' begreiflich, daß der Mann, der hinauszieht, um sein Leben aus« Spiel zu setzen, den sehr menschlichen Mansch hat, eine Gefährtin zu hinterlassen, die seinen Namen nicht erlöschen läßt. Und vom weiblichen Stand­punkt aus dürfen wir nicht die Wirkung vergessen, die die Uniform auf die Frauen ausübt. Außerdem ist es eine unrnnstößliche Tat­sache, daß das Leben derer, die wir lieben, uns um so teurer er­scheint. je großer die Gefahr ist, s,e zu verlieren. Ott wird ein

Gefühl, dcffen man sich nicht bewußt war, tm Augenblick der Trennung zu Liebe. Nicht unbedeutend ist auch die finanzielle Sette der Frage. Der Soldat ohne Vermögen sucht der AuS- erwählten seines Herzens im schlimmsten Falle die Witwenpension zu sichern."

* »Esel" als Ehrenname. Wie unberechtigt es ist, sich durch die BezeichnungEsel" beleidigt zu fühlen, will ein Aufsatz de-Mondo animale" erweisen.Die hebräischen Gelehrten" sagt das Blatt,sahen in dem Langohr viele gute Eigenschaften ver­körpert, so die Geduld, die Beharrlichkeit und die Kraft, die zur Weisheit führen. Die Mohammedaner hielten den Esel so hoch in Ehren, daß sie sogar drei Esel in ihr Paradies versetzten. Auch wurde der Kalif Mervan seiner Bedeutung und seiner Hochherzig­keit wegenEsel" genannt. Homer vergleicht Ajax um seine« kriegerischen StnneS willen mit einem Ejel, weil die Esel in Asien als kampflustige Tiere bekannt waren. Eine bestimmte Kaste der Inder macht eS sich zur Ehre, von einem Esel abzustammen; sie behandeln diese Tiere wie Brüder, verteidigen sie und bringen jede Mißhandlung vor daS Gericht. Aus alle dem wäre zu entnehmen, daß man die BezeichnungEsel", wenn man sie einmal zu hören bekommt, eigentlich als Ehre auffassen müßte."

Amerikanischer K r t e g 8 h u m o r. Tie einzige strate­gische Bewegung, die die Russen andauernd während des Krieges beherrschen, ist der Rückzug. (Philadelphia North American.) Das englische Kabel meldet, daß Deutschland vor dem Ruin steht. Nun es siebt wahrhaftig. (Boston TranScrtpt.) Tie neutrale Welt wird den Tag begrüßen, an dem Europa sich mit der Frage beschäftigt. waS es mit seinen ehemaligen Schützengräben beginnen soll. (Washington Post.)

Vüchertlsch.

Kronprinz Wilhelm im Felde ist daS neueste Kunstblatt aus der Scherl schen BilderserieDeutschlands Führer in großerZeit". Das nach der letzten Ausnahme hergestellte Bildnis zeigt unseren Kronprinzen in seiner natürlichen, jeder Pose abholden und doch ritterlichen Art. Bei einer Bild­größe von 40:28 Zentimeter kostet die Volksausgabe in künst­lerisch vollendetem Tiefdruck nur 1 Ma^k; zum gleichen Preise sind auch die vorher erschienenen Bildnisse unseres Kaisers, der Könige von Sachsen, Bayern, Württemberg und der bekannten Heerführer bet jeder Buch- und Kunsthandlung sowie vom Verlage August Scherl G. m. b. H. zu beziehen

H. S t. C h a m b e r l a i n und d e r K u n st w a r t" be­titelt sich eine Abhandlung im Septemberheit der von Wilhelm Kiefer heraySgegebenen Monatsschrift für das deutsche Kunst- und Geistes­lebenBühne und Welt". (Verlag vonBühne und Welt", Hamburg 36.) Johannes John spricht darin mit Worten unein­geschränkter Anerkennung von Chamberlatn, den er einen Waffen- genoffen DentschlandS nennt, und geht mit sachlicher Schärfe gegen die Kritik vor, die der Kunst,vart" an ThamberlainS Kriegsaussätzen übte. Der übrige Inhalt dieses Heftes bietet ebenfalls eine Fülle wertvoller Aussätze. Es seien davon genannt:Patriotisch und national" (Wilhelm Kiefer);Germanisch-dichterische Monumemal- fünft" (Paul Schulze-Berghof):Goethe und das Heroische" (Eberhard König);Tie Festspiele des Deutschen Schillerbundes" (Adolf BartelS);Die Zukunft drs Theaters" (Johannes Schlaf);Welt­literatur" (Rudolf Werner). Ludivig Sievert hat dem Hefte drei Szenenentwürfe zu. Opern von Richard Wagner beigegeben. Preis des Heftes 60 Psg., Halbjahrsbezug 3.50 Mk.

19 14. Ein Tagebuch. Das neueste Heft von Pro­fessor Eduard Engels im Erscheinen begriffenem, schnell all­gemein bekannt gewordenem kriegsgeschichtlichem Werk1914.

in Tagebuch" (George Westerinann, Braunschweig, Berlin, Hamburg) enthält folgende den,erkenSwerte Ausführung:Englische Zeitungen hatten den Deutschen den Humor während diese« Kriege« abgestritten: hieraus erwidert die Berliner Conlinental Times :Allerdings, die Deutschen halten ihre Clo,vus, Possenreißer und Spaßvögel an den dazu geeigneten Stellen und schicken sie icht an die Spitze von Heeren, in die Leitung des FlottenamteS nNd auf die Rednerbühne des Parlaments." ES ist ein Vergnüge,!, dergleichen in einer englisch geschriebenen Zeitung für'Amerikaner zu lesen.' _

homsgramm.

s

G © 9 © weiblicher Vorname.

G © © O 9 Mitteilung.

G © G 0 9 Himmelskörper.

G 9 9

Die Buchstaben a a, B B B B, c c c, f f, i, n n, r r, S S, t t sind nach dem Muster obiger Figur derart zu ordnen, daß die drei senkrechten Reihen gleichlautend mit den wagerechten sind und Wörter von der beigesügten Bedeutung ergeben.

Auflösung in nächster Nnmmer.

Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer:

DaS geht nicht zu mit rechten Dingen.

bchrijlleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Cteindruckerei. R. Lgnge, Gießen