Ausgabe 
16.9.1915
 
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bet folgende Arbeit verrichtet: Er saugt und drückt daS notwendige Kaltwasier »»» den Kaltwasserbehälter auf daS Dach deS Wagens, erwärmt das Wasser im Warmwasserbehälter, drückt das warme Wasser durch die Brausen und erwärmt die Lust des Badehanses. Mehr kann man von einem Motor billigerweise wirklich nicht ver­langen! Der Wagen ist mit Zinkblech auSgeschlagen und wird vorn durch einen »vasserdichten Vorhang in der ganzen Breite deS Wagens nochmals abgeschlossen, so daß die Bade»»den einen zng- freien Zugang habe»». ES erhalten daselbst 31 t gleicher Zeit sechs Mann 4 Minuten lang ,vari»»es Wasser von 30 bis 35 Grad und in der sanften Minute kaltes Wasser. Die Hochstzahl der Badende»» innerhalb zehi» St»n»de>» eines Tages betrug 1037 lami; das war in einen» zerschossenen Dorfe »»n,oeit Ppern. Ko»»nte der Bade- On»nibus nicht in die Nähe eine- noch brauchbaren Nanines znn» Entkleide»» herairgezogen »verde»», so »vurde et»» z»veiler Oiuntbns haru»ontkaart»g »r,it »hm verbunden. Dr. Flen»n»ing berechnet die .Koste»» des Brausebades mit Hin- und Rückfahrt, unter der Vor­aussetzung eines Preises von 50 Pfg. für das Liter Benzol, aus 12 Pfg. für dei» Kopf.

* Ein Mörder als Mitautor der Großen Eng­lische»» Enzyklopädie. Der kürzlich gemeldete Tod des be­ratendsten engl.Philologen »u»d Hera»»sgebers der Großen Englischen Mznklopädie, Sir James A. M. Murra»), hat z»»r Ausdecku,»g eines Menschenschicksals geführt, wie es so seltsam »»»»d »vidersvr»»chsvoll nur das Lebe»» selbst 311 dichte»» vermag. Die Geschichte deS Dr. Minor, dem neben Murra») das Ha»»ptverdienst ai» derSchaff»»ng des englischen Sprachwerkes z»»ko»»»u»t, erschien z»»erst i,nStrand Magazine^ und erregte so großes Aussehen, daß sie in kurzen» die Spalten der größten englischen Blätter beherrschte. Der Verfasser, dessen Aussnhrungen ans authentischem Material beruhen, eröffnet die erstaunliche Tatsache, daß der geschätzte Mita»ltor der englischen Enznklopädie ein i»»ternierter Mörder »var. Der in seiner Art einzig dastehende Verlaus der Begebenheiten verdient es, in kurzen Umrissen »viedergegeben zu »verden: Es war die Gewohnheit Sir Murrays, jedesmal, »venu er eine Analyse eines neuen Wortes ausgestellt hatte, diese an seine an de»» verschiedensten Orten >voh,»ende»» wissenschaftlichen Korrespondenten z»»r Be»»»teilung und zur Ergänzung zu senden, bevor die Arbeit endgültig ihren Platz in der Enzyklopädie erhielt. Bald halte Murray entdeckt, daß die besten philologische»» Unters»»chunge»r, die ihm zugt»»gen, sowie die bedeutendsten und zahlreichsten Kommentare von etnent gewiffen Dr. M. E. SDitnor stan»n»ter», deffen Adresse Dorf Crorvthorne, Berkshire, la»»tete. M»»rray nahn» an feinem imbefmmten Mit­arbeiter das lebhafteste J»»tereffe, um so »»»ehr, als er sich bald sagen »nnßte, daß Dr. Minors philologische Kenntnisse kau,»» hinter seiner eigenen Wiffenschaft zurückstande»». Tie »viffenschastlichen Leistungen Dr. Diinors steigerten sich im La»»fe der Korrespondenz in solchen» Maße, daß Murray daS Profefforeilkollegiun» der Oxford Universität aufforderte, den geheimnisvollen Gelehrten durch eine ossizielle Einladung der Universität zu ehren. Ties geschah auch-, aber »vie stau,»te Sir Murray, als eine kurze Absage als Antwort einlies. Sein Jntereffe »vurde d»»rch diese Weigerung noch stärker, und er bat den »nerkwürdigen Wiflenschastler brieflich un» Aus- klärung. Hieraus schrieb Tr. Minor, daß er gesundheitlich an der Re»se nach Londo,» verhindert sei, daß er sich aber freuen würde, wenn Sir Murray ihn» die Ehre seines Bes»»ches er»ve»se,» »volle. Murra») trat sogleich die Fahrt an und bestieg in Crowthorue den Wage»», der ihn in» A»»strage des Gelehrten erwartete. Unbeschreib­lich aber »var die Verblüffung des großen Sprachforschers, als der Kutscher einen Seiten,veg einschlug u»»d schließlich vor den» Tore von Droadrnoor, der berühinten Anstalt für geisteskranke Verbrecher, L>alt »nachte. Im Verlause einer langen Unterredung mit den» Letter der Anstalt erfuhr Murray, daß Tr. Minor, der gelehrte Korrespondent, der ihn» an 8000 philologische Analyse»» von höchster Bede»»t,lng gesandt hatte, als Mörder in Broadn»oor interniert »var. Dr. Minor »vurde Sir Murray vorgeslellt, und dieser lernte in ihn» einen jo feinen, gelehrten Mann kennen, daß er auch späterhin die regste Korrespondenz mit ihn» unterhielt. Seltsamer »och als diese Geschichte ist der Bericht von Tr. MinorS Mordtat. Dr. Minor, ein gebore,»er Anrerikaner, der ursprünglich als Arzt in seiner Hei,nat tätig »var, hielt sich längere Zeit zun» Besuch in London auf. Eines Nachts, es n»ochte schon 2 Uhr sei,», begab er sich, von einer Gesellschaft hkimkehrend, zu seiner Wohnung. Tie Nacht »var hell uitb ruhig. Vor der Hanstüre begegnete Dr. Mino»- einen» cinsamen jungen Manne, der zu seiner Arbeit ging. ES »var ein Mann, den er nicht kannte, überhaupt noch niemäls ge­sehen hatte. Ganz ruhig, ohne irge,»d einen erkenntlichen Grund zog Tr. Minor seinen Revolver, zielte auf den friedlichen Passanten und tra» ihn tödlich mit zwei Schliffe»». Ohne sichtbare Gemüts- beivegnng, den rauchenden Revolver noch in der Hand, rief er hieraus einen Sch»»tzn,ani» »n»d ließ sich abführen. Vor den Schranken des Gerichtshofes vermochte Dr. Minor keinerlei Grund Uiv seine Xat anzugeben, und die Aerzte erklärten ihn für da« Opfer einer sonderbaren und seltenen seelischen Erkrankung. Er wurae in die Anstalt vo»» Broadn»oor gebracht und lebt noch heute, -ras j>l die »oahrhafte Geschickte eines Mannes, der sich un» die Philologie ganz a»»ßerorde»ltliche Verdie»»ste crivorbe«» hat.

_ - * ® P !L e c ^" rs Daterla»»d. ES »var in» Te»»tsch-

< etterre»chtschen Kriege 1866. Eine Ko»npag»»ie hatte einen Aus-

trcig erhalte»», der sie »veitab von den übrigen Truppenteilen ge­führt Hatte. Der Auftrag »var gel»»ngen, aber die Ko»»»pagnie fand de»» Weg z»>r Heeresgruppe nicht zurück. Der Pren»ie'rleutnant war ii» einiger Verlegenheit. K»»rz cntschloffen requirierte er einen vührer. Nachdem diesem mit Erschießen gedroht und alle Folter­qualen der Hölle vor Augen geführt »varen, setzte »»'.an sich in Be­wegung. An der Spitze der Führer, ein echter Böhme, »»eben ihn» der Kompagnieführer und die übrigen Offiziere. Der Kompagnie- sührer griff in die Tasche »mb holte daraus zwei Zigarren, seine letzte»». Tie Kameraden halten schon lange nichts mehr zu rauchen. Wer w»rd , 00 hl die zweite Zigarre bekon»men? dachte jeder von den Offizieren unwillkürlich. Ter Herr Premier zündet sich eine Z»garre an und ,»ach einem kurzen, aber ersichtlich schweren Kainpf gibt er die andere Zigarre den» Führer. Gleichzeitig reicht er ihn» dte brennende Zigarre, dan»it sich der Böhrne die seine daran an- zunde. Der aber steckt unter fren»»dliche»n Grinsen die bre»»»»ende Zigarre des Kon»pagnief»"»hrers in den Mund und die a»»dere t»» die Hosentasche. Dte Verblüffung war groß, aber schließlich »var man auf de»» Führer angewiesen, und niemand sagte etwas. Als aber endlich die Koi»»pagi»ie z», den» gewü»»schle»» Truppenteil stieß, »»einte ein junger Fähnrich:Schade »un die Zigarren, er hätte vielleicht auch ohne die richtig geführt!"Fähnrich, »nerken Sie sich, erividerte der Preinier,für das Baterla»»d ist kein Opfer äu groß!'

vüchertisch.

Billige Kriegsbücher. In Hessk'S Volksbücherei dieser gediegenen, von der Ftrn»a Hesse & Becker Verlag in Leipzig herausgegebenen Sammlung, sind »vieder einige Bändchen er­schienen, die in der jetzige»» Zeit besoi»dereS J,»tereffe erregen »md sich a»»ßerden» vortrefflich als Liebesgabe»» eig»»en. Nr. 1016 bringt unter dem TitelK r i e g s b »l d e r aus O st »»,» d West" Er­zählungen und Skizzen des bekannten Schriftstellers Karl P a u 11, Nr. 1021 (Ungarns Heldensöhne") außcrordentlich seii»e Stin»m»»ngs- btlder von Thomas Aloly, die von der Opferivilligkeit unserer tapferen Bundesgenossen erzähle»». Die beiden Nummern 1023 und 1023 (jede in sich abgeschlossen) e»»thaltei» prächtige Feldpost­briefe und innige Gedichte, die »mter de»»» gute»» TitelHelden und Kameraden" zusan»»»»engefaßt sind und in beueti auch der Humor z»r Worte kommt. Endlich sei die w»»>»derhübsche Hu>»»oreske Kapitän Möller" des »veitbekani»ten Volksschri'tstellers Hei»»- rich Bandlow (Nr. 1030) er»vähnt, die a»»ss ergötzlichste schildert, »vie eir»st englische Seeleute von eineu» biederen deutschen Kapital» hinters Licht geführt ,vurde»». Ter niedrige Preis dieser Bändchen (je 20 Pfg.) erlaubt es selbst den» Aermsten, sie einen» Krieger ins Feld z»» senden. Die Ausstattung ist, wie bei alle»» Bändchen vo>» Hesse's Volksbücherei, mustergültig: großer, deutlicher Druck auf gutem Papier.

Der Wille siegt! Ein pädagogisch-kultureller Beitrag zur Kriegskrüppelfürsorge von H a ,» S r h , Erziehungsdirektor im OSkar-Helene-Heim, Zehlendorf-Berlin. Verlag Otto ElS»»er, Verlagsgesellschaft m. b. H. Berlin. 1915.

Schach-Ausgabe.

Schwarz.

Auflösung in nächster Nummer..

Auslösung des Tauschrätsels, in voriger Nmumer:

Vach Onfet Nase veder Aft Rab -

Vase - «and 9

Don Carlos.