glanzende Equipaaen, blaue, braune und Aelbc Breaks und! Jagdwägen. Me lüngjeren Herren kamen meist im Sattel.
Der große Platz um den Springbrunnen war mit bunten Girlanden von Lampions und Wimpeln behängt. Darunter standen in langen Reihen die Festtafeln, mit schneeweißem Damast, altem Silber und leuchtenden Blumen bedeckt. Auf dem Schloßdach flatterte die schwarzweiße Preußenfahne, auf dem Turm an der Seite die Hausflagge mit dem Rothkirchschen Wappen, einer roten Kapelle zwischen zwei goldenen Sternen.
„Alle Wetter! Sehen brillant aus, Rothkirch!" rief Graf Torren, sein östlicher Nachbar, mit tiefem Baß durch die Menge. „In welchem Jungbrunnen haben Sie denn neuerdings gesteckt?"
Das fanden die andern auch, und die älteren Damen wisperten allerlei über das Gutwetter auf Bronin. In den letzten Jahren war es auf Rothkirchs Geburtstag immer etwas ledern zugegangen. Heute war auf dem Köocketplatz sogar ein nwißgedielter Tanzboden hergerichtet. Das war schon lange nicht mehr dagewesen.
Ein Landjunkerfest in der Ostmark ist immer etwas Besonderes. Einer kennt den andern wie seine Westentasche. Da gibt sich jeder wie er ist, und der schwere Rheinwein und die kernigen holländischen Liköre lösen die Zungen. Da kann man mancherlei erleben. So etwas Ungebundenes hatten die Berlinerinnen noch nicht mitgemacht. Sie ließen sich in den Strudel mitreißen. Auch Susi war nicht wieder zu erkennen. Die lange zurückgehaltene Lebenslust brach sich ungestüm Bahn.
„Wie gefällt Ihnen das ostelbische Bauernvolk, Herr Wölflin?" fragte sie Erich, mit dem sie im Walzer dahinschwebte.
„Bauernvolk? — Aber Baronesse!"
„Gewiß! Nennen sich die alten Herren, alle wie sie hier sind, nicht immer in ihren Versammlungen „Wir deutsche Bauern"? Mir macht das jedesmal Spaß, wenn ich das lese."
Sie sprachen also nicht vom Wetter oder Aehnlichem. Sie waren nie verlegen um ein Thema. Für Susi war es eine Erholung, nach den andern öden Gesprächen, wenn Erich zu ihr kam. Da gab es für das Denken immer einen kleinen Höhenflug. Was Erich von den übrigen jungen Männern unterschied, war der träumerische Zug in seinen Augen, in seinem Ton, in seiner Denkweise. Es war keine Aktivität, die von ihm ausging, wie etwa von Dietrich; es war eine Männlichkeit eigener Art. Bei aller frischen Offenheit und trotz der Bestimmtheit, die den geschulten Denker und selbstbewußten Künstler kennzeichnete, lag etwas Versonnenes in seinem Wesen, ein in sich selbst Befriedigtsein, wie in dem großen Pan der Griechen, der im einsamen Schilf weit hinter den Menschen und Meeren, selbstvergessen den Tönen seiner Flöte auscht. Es war dieselbe lebenswarme Stille, wenn auch nicht o deutlich ausgesprochen, die sie in Lotte Wölflin ge- unden hatte. Die Kavaliere, mit denen Susanne von Roth- irch sonst zusammengekommen war, hatten Absichten. Hier war ein ganz absichtsloser Charakter, der in sich selbst Genüge hatte. Susanne verglich ihn mit dem, den sie von allen am besten kannte, mit Herrn v. Saar. Welch ein Abstand! Bei diesem — und er war noch nicht der Geringste von allen — alles nur prätentiöse Aufmachung, jeder Gedanke eine abgewogene Ueberlegung, jedes Wort eine Formulierung, jeder Schritt eine Abmessung, ein Alltagsmensch, der seine gewöhnlichen Instinkte unter guten Allüren verbarg. Bei dem jungen Baumeister Inneres und Aeußeres in wohltuendem Einklang, die einfachen, natürlichen Gedanken ohne Falsch, jede Bewegung der Ausfluß eines gesunden, unkomplizierten Seelenlebens. Da war die kleinste Unterhaltung Anregung und Gewinn, und darüber hinaus zitterte es nach.
Und so war auch sein Tanz. Der Rhythmus seines Wesens floß mit dem Wiegen des süßen Walzers zusammen. Die Traumhaftigkeit des jungen Wölflin griff auf sie über, und sie glitten wortlos lange wie eine Einheit dahin. Da kamen ihr alle diese Gedanken, und sie schreckte leicht zusammen, als die Musik endete und Wölflin leise sagte:
„Ich danke Ihnen. Sie tanzen so schön!"
Es war gut, daß das Orchester absetzte. Die hagere Well- gunde v. Bollwitz, die nahebei auf Prondnowo wirtschaftete pnd vor: den Junkern die „eiserne Wittib" genannt wurde, hatte das junge Paar schon lange mit leisem Mißbehagen verfolgt. Sie stieß ihre Nachbarin, ein ältliches Fräulein von der Lauten, auffällig an und drehte sich mit der Schild- pattlorgnette zu ihr um.
„Beobachten Sie nur Susi Rothkirch! Ich mokiere mich nicht leicht. Aber diese lauge Tour mit demselben Herrn -ä ich finde das denn doch ein bißchen stark. Nicht wahä^ meine Liebe?"
Die Lauken hatte dieselbe Wahrnehmung gemacht.
„Ordinär — einjach unmöglich! Was ist das für ein Mensch?"
Sie standen förmlich erbost auf und steuerten auf die alte Mümmri-Kathrin zu. die eben einem Schwarm junger Herren ein frisches Glas Bowle eingoß. Die mußte es wissen.
„Da — dort — das ist seine Schwester! Die Kinder von Herrn Professor Ladenourg aus Berlin, der uns alles umbaut."
Sie sähen sich mit einenl mokanten Lächeln an.
„Höchst sonderbar!" flüsterte die Bollwitz.
Lotte Wölflin kam am Arm Dietrichs vorüber. Sie schienen niemand zu sehen, so waren sie in einem lustigen Gespräch vertieft.
„Auf Bronin ist einiges nicht richtig, meine liebe Well- gunde. Wir müssen der Sache aus den Grund gehen."
Sie fächelten sich die heißen Köpfe und hefteten sich dem jungen Paar wie von ungefähr auf die Fersen. Um einen neuen interessanten Stoff für die nächsten Käffeevisiten brauchten sie sich nunmehr nicht zu sorgen.
Die italienische Nacht verlief glänzend, und die Jugend des Kreises sprach noch lange von dem Broniner Gartenfest.
Als Dietrich sich zur Abfahrt rüstete, fiel ihm die Mutter unter Freudentränen um den Hals.
„Jung, Jung, hättest du das gedacht?"
„Ich ^komme bald wieder, Mutting. Auf Bronin ist jetzt gut sein."
Sein Bruder sah ihn nicht ungern scheiden. In diesen Tagen, wo Dietrich den Tön angab, hatte er sich mehr und mehr zu seinen Büchern geflüchtet, urtb es fröstelte ihn mitten im Hochsommer in seinem abgelegener: Turmzimmer. Jetzt kam wohl für ihn wieder die Sonne hervor. Er fand sie in den wärmenden Blicken Lotte Wölflins.
(Fortsetzung folgt.)
Die Liebe des Veit hardefust.
Erzählung aus dem alten Köln.
.Von OttoBraun.
(Nachdruck verboten.) i I.
„Gotts Tod, im Karpfen ist der Weinteufel wieder am Rumoren!" Tie drei Spießbürger, die in der Lorenzgasse beisammenstanden, schüttelten mißbilligend die grauen Schädel, denn aus dem Butzensch-eibenfenster des Wirtshauses klirrten die Glasstücke aufs Pflaster hinunter, ein paar Krüge flogen hinterher und — Maria und Josef — gar ein Armsessel, und ein Johlen und Geschrei scholl aus dem zerschlagenen Fenster, daß man hätte vermeinen sollen, im ersten Stockwerke des „Blauen! Karpfens" im heiligen Köln seien die Schweden am Werke.
„Kommt Gevatter," meinte einer der Bürger, „wir wollen gehn, ehe die Saufbrüder uns weghaben; sonst möcht es wieder gehn, wie am vorigen Donnerstag, als sie mit den Fleischern Häiwel suchten. S:nd in der letzten Zeit wieder viel zu übermütig, die Herren Patriziersöhne! Wenn ihnen doch ein paar handfeste Gesellen einmal das Maul stopfen wollten."
Die drei bogen um die nächste Ecke. '
Ging in Wahrheit wieder einmal hoch her im Karpfeü. Vater Peckenschlager, der Wirt, hatte die Hände voll zu tun- um den lauten Wünschen seiner Gäste nachzukommen. Im Weinzimmer, das halbst-xW gegen die Straße hin lag, waren wie stets an den Donnerstagen, flaumbärtige Kölner Geschlechtersöhne beisammen, die den Herrgott einen guten Mann sein ließen, die Beutel voll Dukaten hatten und einstweilen die Alten für sich arbeiten ließen. Aus den grellbunten Fenstern klangen Lachen und Gesang. Dabei ließ es sich eine WeU aushalten. Dann! packte die jungen Sausebrause der Uebermut, uiü> sie sannen auf andere Kurzweil. Die drei Spießbürger, die eben den un« ruhigen Platz verlassen hatten, waren Zeugen gewesen, wie man mit dem neuen Zeitvertreib begann.
Sollte heut nicht weit kommen. Der alte Span zwischen den: schwarzen Veit Hardefust und dem langen Krispin Schwerdt verdarb den Spaß. Der Lange ließ im Trubel die scharfe Zunge schießen und mühte sich schon eine Stunde nach Kräften, dem! Widersacher, den er in den Tod nicht leiden mochte, eins aus« zuwiscyen. Als Veit ihms verwies, daß er den SessA zum Fenster yinausgeworfen habe, wurde es noch schlimmer. Mag sein, daß ein solcher Tadel im Munde des tollen Veit gar sonderbar klana. Nun, Veit Hardefust wahrte seinen Gleichmut, so lange es mit


