Ausgabe 
21.8.1915
 
Einzelbild herunterladen

516

her chm beigegeoene Leibarzt ihm angeblich aus Rücksicht auf das «taatswohl nicht einmal das Sattessen gestattete. Ten größten Schmerz bereitete es hem braven Sancho, als eine Schüssel lecker gebratener Rebhühner auf seiner Statthaltertafel erschien und der Leibarzt ihm unter Berufung aus -den grasten Hivpokrates dl-n Leitstern und die Fackel der Heilkunde", deren Genuß untersagte Omnis satnratia mala, perdicis atem pessima" zitierte der 'lr;t aus Hippokrales, zu deutsch:Jede Sättigung ist schädlich, am schädlichsten aber ist sie, wenn sie durch den Genus; van Rebhühnern herbeigeführt wird." Zu Ehren des alten braven Hippok'rates wollen wir annehmen, das; er das nicht gesagt hat, sondern das; der spanische Arzt, der überhaupt ein arger Spaßvogel gewesen ist nur geflunkert hat. Auch andere Grunde sprechen geaen eine solche

Viyuiun ura orrvy-iyns N!ioge,vr0ll)en packe Zn einer Beziehung aber findet das angeblich Zitat des alten spanischen Arztes reute leme Erfüllung: es iit ein 1 sehr schädliche Sache, wenn jemand sich an Rebhühnern satt essen will: die Schädlichkeit beschränkt sich allerdings nur ans den Geldbeutel. Von Jahr zu Jahr sind die Rebhühner im Preise gestiegen: im fetzigen Kriege sind sie be­sonders teuer, ineil es an Rebhuhn sichern fehlt, von denen die meisten an der Front stehen. Junge Rebhühner sind die besten. Es gibt untrügliche Merkmale, mit deren Hilfe man feststellen kann, ob em Huhn jung oder alt ist. Ein dichtreisch veranlagter Jäger, so schreibt uns ein Mitarbeiter, hat diese Merkmale ernst in den nachstehenden Vers vereinigt:

Ist gelb der Tritt des Huhns gleich der Zitrone,

So ist's von diesem Jahre zweifelsohne.

Doch rechne davon znwi auf einen Kops,

Sie werden dir gar sehr gering im Topf!

Das Huhn mit Tritten, gelb wie Apfelsine,

Vor allem dir zum fast'gen Braten diene:

Bei hellem, grauem Tritte laß dir raten.

Ein halbes Stündchen länger es zu braten.

Scheint dunkel schon des .Huhnes Tritt und grau,

So kocht's vorm Braten erst die kluge Frau.

Blangraue Tritte, Schnabel beinah weiß,

Rings um die Angen ein hellroter Kreis:

Las; ab, umsonst sind Speck und Fett und Butter:

Hühner schenk der Schwiegermutter."

^ai; dieser s.ickster ein Jäger gewesen i't, geht schon daraus hervor, daß er immer nur von den Trittchen und nicht von den Füßen' des Rebhuhns redet. Es ist aber weit gefehlt, wenn inan glauben wollte, daß der letzte Vers den Dichter zu einem Widcrsach"r der Schwiegermutter stemple. Damit hot es vielmehr die folgende Bewandtnis: In manchen Kochbüchern gibt es Rezepte für die Bereitung des sog. Schwiegernmtterhuhns'Rchhnhn n la Schmie- oermutter" sagte man früher ans gut Deutsch. Die Ausführung dieser Rezepte erfordert immer eine große Erfahrung und Geschick- Ilchnnt in der Kochkunst, wie man sich augenscheinlich nur einer Schwiegermutter zutraut. Daher also wohl der NameSchwi-ger- miltterhnhn". Vielleicht hat nun der Dichter ausdrücken wollen daß mit einem ganz alten Huhn nicht einmal die kluge Frau son­dern nur die Schwiegermutter etwas auznfangen wisse.

vermischtes.

r" . . l 9 Ba ,V 8 A crbevt? ® ov dem Gericht in Manchester ist ruiilicq ein sehr seltsamer Fall zur Verhandlung gelangt, der floss- Inmenden Roinandichtern emploblen weiden kann. ?lm 26. Juli öjfjt§ ^ n / )re * erhielt Frau Dandy in Wdslgorton bei Manchester die traurige Nachricht, daß ihr Mann, der nls Sergeant mr den jür kamvlle, seit dem 15. als vermißt gemeldet lei. i?lm

nächsten Tage erschien in den Blättern von Manchester die Verlnst- liste und brachte das Verschivindcn des Sergeanten Herbert Dandy der Cenenj(i.I)fctt zur Kenntnis. A,n selben Abend hörte nun Frau ^andy. wie jemand von der Straße ans nach ihr ries. Sie ging «enkter, steckte den Kopf hinaus und sah unten einen Soldaten m k>eld»nnsor,n ivarten.Wer sind Sie?- ries st.e hinunter. Der Freinde antivortet:Ich bin Herbert." Ans diese Auskunft eilte

nrau ^andy die Treppe Himmler, schloß die Tür auf und sank dein Eintretenden gerührt in die Arme. Oben angelangt, scheinen ihr nl ! f luegestlegeu zn sein, ob der Ankömmling wirklich ,hr Mann se,. Lte gewissenhaste Dame beherrschte ihre Zweckel einen -rag. zivei Tage, eine Woche: immer noch konnte stc uue ne dem ütichter erklärte, beim besten Willen nicht beraub bekoni'iien, ob dieser Herbert ivirklich ihr Herbert sei. Troüdem behielt sie ihn die ganze Zeit hindurch bei sich und stellte ihn auch ihren 2 efminfen als ihren Mann vor. Diese konnten steh ebenso ivenlg nuee selber über den Mann in Khaki schlüssig meiden - und bo,e Zungen bebauptelei: bereits, der angebliche Sergeant sei cm 'nemder lind Frau Dandy leiste sieh nur eine ganz vnveiant- ivoi.liehe Extratour. Um diese empörendeil Gerüchte zum Schivcigen zu bringen, schickte die?l>,geschuldigte ihren 8oi-äi8.iut Gemahl iort aber nur zu ihrer Schwester »ach Marden in Porkshire. Nun miphte stch aber die hohe Obrigkeit hinein: das 'Regiment, dem ^andy angehorte, sandte einen Inspektor nach Marden, und dieser

brachte den Mann in Khaki nach Manchester in Gewahrsam. In diesen Tagen fand mm, wie gesagt, die Verhandlung statt. Der -lann uii Sujafi wurde sstms Angehörigen deL Regiments gegenüber- ges.eut. die mit. dein -Lergeanten Dandy an den Dardanellen zu­sammen ge'ochteu haben. i:nd anlgelordert, ihren Namen zu nennen, ruer bezeichnete er richtig, einen davon mit falscher Eharge. Trog, dem erklaUen die fünf einstimmig, der vorgeführte Dandy sei nicht ? er c t fe r.V'fy bcn l>e 6c-kamtt hätten. So blett t das ^gran- same Am el bis auf iveiteres nngelöst. Und da sage man noch, dag die Romantik ans der Gegenivart verscknvnnden sei! a { J- e r n v l adieSgarten aus Z e m e n t Die Stadt Kansas m Nordamerika hat einen neuen Anziehlingspnnkt ge- wonnen, einen Garten ans Zement. Urheber des unmderlichen .. \ . 1 km do:t ansäjstger Farmer, der stch von religiösen und

uymscben Gedanken beschwert suhlte und sie in einem leicht zu handhabenden Material verewigen zu misten glaubte. Um sein -Blockhaus herum erheben stch daher Heine sonderbare Geister- l>cr J n blatt.osen Aesten fnrio ! e Gespenster herumtnrnen. rv y ut mit einem Zaun umgeben nud trägt über dem

,t° e V e * steoeimnisvolke InschriftVaradiittgarten". Freilich darf vermutet werden, daß Adam und Eva, wenn sic ans diesem marken vernieben worden wären, stch beglückwünscht hätten, cc .T- Entdeckung des Kautschuks. -Ohne Kant- lAn/ tt?n. Krattn>agen rrnd ohne Kraftwagen kein moderner Krieg. ..tu diesen kurzen Worten ist die Bedeutung der Entdeckung meseo wichtigen technischen Hilfsmittels wohl am besten charakteri- !.^n ' Europäer soll Kolumbus ans seiner zweiten Amerika

nste 143314% bei den Eingeborenen Haitis den Kautschuk ge sehen hlwen. Ler erste nähere Bericht über bio'en merkwürdigen .catmlorper stammt an? dem Jahre 1736 und hat znnl Verfasser den «panier Gonzolo Fernandes d'Oviedo y Baldas, der ihn bei oun. Indianern Südamerikas kennen lernte. Gleichzeitig be richteten die französischen Forscher La Condainine und Bouguer, die damals un Aufträge ihrer Regierung Gradmessungen am Umazonenstrom Vornahmen. Eondamine sandte als erster Paris. Die wichtigste Eigenschaft des Kautschuks, Bleistiftlinien auszuwischen, sollen 1770 Magellan und gleichzeitig Priestley entdeckt haben. Tie Entdeckung des Kautschuks als emev universellen Hilfsmittels, das ihn zum Träger der heutigen hochentwickelten Industrie gemacht hat, datiert aber erst von dem Zeitpunkte, in dem man ihn derart zu verarbeiten lernte, W. "'/u'chcckb weiter Temperaturgrenzen seine Elastizität,

' T. aurck)dringlichkeit und Dichte nahezu unveränderlich eihielt. xk Entdecker des als Vulkanisation bezeichneten -o ersah re ns sind Goodyear (1839) und Hancock -1843). Neben Südamerika bildet hauptsächlich Afrika die Quelle des Wildkant schuks, cnxh U'ird die systematische Gewinnung ans Plantagen be- ianntlickl immer ivetter ausgebant. Auch die deutschen airikarnsck-eu Kolonien, waren hieran hervorragend beteiligt. Die Wichtigkeit an J besten durch die Tatsache illustriert, daß dw Weltproduktion in der letzten Zeit auf etwa 100(100 Tonneu layrnch gesteigert war, was etwa einem Geldwerte von 1 Milliarde Mark entsprechen dürste.

Vüchertisch.

Ich kenne keine Parteien mehr. Ein Roman anS L entjchlandS großer Zeit von Henry Wende n. (Verlaa von Otto Jankc. Berlin 8>V. 11). Das flaifev.uoü .Ich kenne kein? Parteien mehr" hat die Gesinnnngsänderlirig ackemneichnet die sich mit dem Ansbruch des Weltkricaes im dcnkschen Bolle voll­zog. Diesen großen SliinnMngsnmschivung schildcit uns der Ber- sasser an typischen und charakteristischen Gestatten, die wir in ihrer ^iiedenswirk.amkeit keimen lernen und dam, nuf ilncn Krieas- sahiten begleiten. _ ü

Zitatenrätse!.

Au« jedem der lolgenden Zitate ist ein Wort zn nehmen, so da,; sich ein neues Zitat ergibt:

1. Wenn ihr das Leben gar zn ernsthait nehmt, ,vas ist denn ^ran'

2. WaS schert mich Weib, ivas schett mich Kind! ....

3. Ich iveiß nicht, was soll eS bedeuten.

4. Die reinen Frauen fteh'n im Leben Wie Rosen in dem dunklen Laub.

5. An der Quelle saß der Knabe,

Blumeii rvand er stch znm Kranz.

6. Eine Blntter ist der Schngengel ihres Kindes.

7. Richtet nur nie des Mannes einzelne Taten.

8. Minister sollen ivie Butterbrote, geivöbnlich ans die gute Seite

Auflösung in nächster Nummer.

Austösiing des magischen Quadrats in voriger Nummer:

Schn'flteitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Bnch- und

I \ R

A

>

R | A

B

E

A | B

B

T

N E|

T

T

tteindrnckerei, R. Lange, Gießen