Ausgabe 
19.8.1915
 
Einzelbild herunterladen

513

dir' Sache kurz zu macheu, bei imserer Feldwache lud ich unseren Fürsten aus. ww wir trabten wieder aus Borczu.chow zu. Endlich tvaren tvir in dem kleinen Wald vor dem Dorfe, »vv man schon, die Häuser sehen konnte. Da zeigte ich dem Konstantin den Wea, gab ihm einen Tritt denn ich mußte mir ein bißchen Luft machen und ließ ihn laufen."

Stibbeke schwieg und sah sich um. Aber wir schwiegen auch alle und sahen ihn ran: stumm mit vorwurfsvollem Blick an. Der Kamerad, der vorhin die Forderrmg nach der reinen Wal/rheit ausgesprochen hatte, bückte sich unmerklich. Stibbeke räusperte stchr

Tja und drei Tage später schickte mir Hindenburg daS Eiserne Kreuz hier, sozusagen als Pflaster aus mein Pech! Hätten wir den Fürsten behalten dürfen, so hätte ich sicher heute das Eiserne Kreuz erster Klasse!"

Kaum hatte er ausgesprochen, so sprang er blitzschnell auf und eilte zur Tür. Und keine Sekunde zu früh denn schon flog ein schwerer Kommißstiefel durch die Luft und siel polternd hinter ihm nieder ..._

Der Krieg im Kindermund.

Glück und Vorzug der Kindheit bildet jene frische, noch rat* berührte Originalität, mit der die junge Welt alle Erscheinungen; und Ereignisse aufsaßt und verarbeitet. Auch der Krieg, der natür­lich auf die Phantasie der Kinder einen gewaltigen Eindruck macht, lyat eine Fülle überraschender Aeußerungen aus Kindermund her- vorg-eruscn, und es war ein glücklicher Gedanke von Hanns Flörke, daß er in seinem soeben bei Georg Miller in München erscheinen- beu BucheDie Kinder und der Krieg" eine ganze Sammluntzj von Kinderansfprüchen und Kmdertaten, die mit dem Krieg zu- srmmenhängen, veranstaltete. Wie jeder Beobachter der Kinder^ ivett iveiß, ist sie von einer glücklichen Parteilichkeit erfüllt. Nichts liegt ihr ferner als Objektivität: sie kennt nur die Sache des eigenen Volkes und ist leidenschaftlich vom Wunsche nach deren Siege erfüllt. Ein Berliner Vater erzählt, daß seine Jüngste eines Tages hereinstttrmt, sich außer Wem an den gedeckten Tisch setzt, die Hände faltet und betet:Unseren ,täglichen Sieg gib uns heute!" Ueberrascht sagt die Atutter:Wo warst du schon wieder? Sv heißt das Gebet nicht." Ich war in der FrieLzrich- straßc." erwidert die Kleine und schweift.So, dann bekommst bn zur Strafe nichts zu essen," sagt die Atutter. Am nächsten Mittag ist Anna pünktlicher und betet:Unser täglich Bröl und Sieg gib uns heute."> Der kleine fünsiährige Otto wird ermahnt, jeden Slbcnd auch für unsere Soldaten und seinen im Kriege befindlichen Vater zu beten. Er hat daher sein übliches Gebet folgendermaßen vervollständigt:Lieber Gott, beschütze alle deutschen Soldaten Vater am tollsten. Laß auch alle deutschen Soldaten siegen aber Vater am tollsten."

Sehr originell äußerte sich die entschiedene Parteinahme sitr di» deutsche Sache bei dem vierjährigen kleinen Ulli, der alle Abend lncket, der liebe Gott möge doch alle imsere Soldaten zu Lande, zu Wasser und in der Luft beschützen, auch den Verwundeten helfen, und wenn welche sterben, so laß sie in den schönen Himmel kommen." Plötzlich unterbricht er sich:Mutter, was macht denn der liebe Gott aber mit den toten Russen? Die kann er doch nicht in den Himmel nehmen!" Die Mutter:Doch Ulli, wenn sie fromm sind, werden sie ivohl auch in den Hinunel kommen dürfen!" Ulli sehr energisch:Mutter, in den Himmel mag ick nicht! Ich möchte lieber in den deutschen Himmel!" Zumal die Russen haben osienbar überhaupt aus die kindlick>e lÄnbildungK- kraft einen sehr starken, aber nicht gerade vorteilhaften Eindruck gemacht, und besonders ist es ihr Verhältnis zur Reintichkett, das sie viel beschäftigt. Bei der abendlichen Waschung entdeckt die Aäntter an Fritzens Körper eine Unmenge von .Kratzern. Wo lwft du denn das her?"Ach, Adulter? Es war so schreck­lich! Wir haben Krieg gespielt und weil ich der Jüngste war, niußte ich Russe sein und mich innner kratzen?" Warum di« Russen so schlecht schießen, das erklärt ein Berliner Junge der, Umstehenden kurz und sicher mit der Behauptung:Die können! ja nur mit einer Hand schießen."Warum denn das?" fragt« rnaü rhn überrascht. Worauf der Sachkenner:Ja. mit der andern nüissen sie sich den Kopf kratzen." Natürlich hat sich nn Lause des Krieges die Phantasie, das Spiel und der Sprach­schatz der Kinderwelt anfs reichste mit kriegerischen und nnltz- tan|rf>eu Beziehungen gefüllt. Klein-Jlschen hört ans der Straße das bekannte Mailiedchen singen:Maikäfer flieg, dein Vater M im Krieg." Alsbald fragt sie die Mutter, wie sie in dev iungsicn Zett so oft hat fragen hören:Mutti, bei welchem Regiment steht denn der Papa vom Maikäfer?" Der klein« Halls iveiß, daß seine Atutter dem kleinen Schwesterchen Milch zu trinken gab und daß inan dasstillen" nennt. Jetzt ist sie aber damit beschäftigt, die durchreisenden Krieger aus dem Bahn- bose mit Kaffee, Milch und anderen Erfrischungen zu versorgen und als ihn eines Tages jemand fragt:Na, Hänschen, was macht denn deine Mama?" Da antwortet er stolz:Die stittt floaten! Zuweilen wird durch all das viele Neue, lvas sie jetzt letzen und hören, in den kleinen Köpfen eine drollige Ber- ivlrrung angerichtet. Dazu gehört daH folgende lustige Beispiel

ton Sprachreungung:Auf dem Kinderspielplatz eines Berliner Vorortes bildet, wie jetzt gewöhnlich, unter den Mädels der KNeg den Gesprächsgegenstand. Da erklärt die eine: Du, jetzt too wir nnt d ie Russen kämpfen, dürfen wir nicht mehrPardong" sagen!Me denn?"Na, auf Wiedersehen!"

vermischtes.

'Der Morgenkaffe der sranzösischsnSoldaten ES gehört zu den Eigenarten der Franzoseu, daß sie mit hart­näckigem Eigensinn an den kleinen, ihnen lieb gewordenen Gewohn­heiten deS täglichen Lebens festhalten. Wie wett dieser Eigensinn geht, beweist ein Geschtchtchen, daS der Dardanellen-Berichterstatter deS »Journal de Genßve' seinem Blatte zu erzählen weiß: »Der Morgenkaffee gehört zu den geheiligten Institutionen des franzö­sischen Soldatenlebens, im Felde sowohl wie in der Kaserne. Mit dtesein Kaffee wird der Tag eingelettet, und ein guter Morgen­kaffee bedeutet einen guten Perlaus deS ganzen TageS. Ich beob­achtete in Mudros Kolonialtruppen, die nach Gallipoli eingeschtfft werden sollten. Alles ging in Ordnung vonstatten bis ein Soldat knapp vor der Abfahrt den Rus auSstieß: »Und unser Morgenkaffees Und sogleich lief der Rus von Mund zu Mund, alle Mannschaften gerieten in Unruhe. Die Soldaten hatten zwar gesrühstückt, aber in der Eile hatte man vergeffen, den Kaffee ab­zukochen. Da erklärte ein energischer Leutnant: »Ich weigere mich, abzusahren, bevor die Leute den Kaffee bekommen haben!" Man blieb, der Kaffee wurde gekocht und getrunken, und dann schiffte man sich munter ein. . .* Wenn das nicht Disziplin heißt . . .

*DaS künstliche Gesicht. Ueber eine Wunderkur, die wenn sie der gegebenen Schilderung entspricht? tatsächlich wunderbar" zu nennen ist, berichtet ein Gewährsmann derDaily Mail" aus Paris:Kann ein Mann, der weder eine Nase zum Riechen, noch Lippen zum Trinken, noch Kinnbacken zum Kalien hat, überhaupt wieder ein Mensch werden? Jawohl ich habe den Fall gesehen, in dem dieses Wnnder auSgelührt wurde. Bei einem Best,che im Rothschild-Spital in Paris zeigte man mir die Photographie eines französischen Soldaten, der mit zerschmettertem Gesicht eingeliesert worden war. DaS Bild war fürchterlich: die untere Hälfte der linken Kinnlade fehlte, daS Kinn war zerschmettert, die Nase und die Lippen waren fortgeriffen. Doch wie crftaimtc ich, al» man mir den geheilten Patienten vorführte: keinerlei Ver­wundung war in seinem Gesicht zu erkennen. Die linke Kinnbacke svh genau so aus wie die rechte, die Lippen waren tadellos, Nase und Kinn heil und wohlgesormt. DaS Gesicht wies nur einige flüchtige Schnittnarben und einige dünne Nähte auf. Und der Assistent deS Wnnderarztes. Dr. Moresttn, erklärte mir die Art der Behandlung. Ta die vitalen Organe des Patienten unverletzt waren, gingen die Wundsiellen ohne Gefahr in Heilung über. Mit Knochensvltttern und Hautstücken, die dem Rücken des Verletzten entnommen waren, wurde die Kinnlade wieder hergestellt. Für die Lippen verwandte der Arzt ein Hautstück, das aus dem Bauch des Patienten geschnitten war, und aus ähnliche Weise wurde auch die Nase hergestellt. Als der Patient aus diese Weise geheilt worden war, sprach er den Wunsch auS, auch seinen Schnurrbart wieder zu bekommen, worauf Dr. Moresttn auch dieses möglich machte, indem er ein behaartes Halitstück des Nackens aus die Oderlippe verpflanzte. Und", fügt der Berichterstatter hinzu, »der Soldat geht auch tatsächlich bereits wieder zum Barbier!"

'Wie lange dauert ein Augenblick? Ein Augen­blick gilt und als das kleinste aller denkbaren Zeitmaße. Wie lange dauert denn nun aber ein Augenblick? Zur Beantwortung dieser Frage geht ein holländisches Blatt auf die ursprüngliche Be­deutung des Wortes zurück, indem es den Augenblick als einen Augen -Blick" auffaßt. Man hat nun photographische Ausnahmen von den Bewegungen des menschlichen Augenlides gemacht, und aus diesem ergibt es sich, daß man in 4 Sekunden 20 mal mit den Augen zu blinzeln, sowie die Augen 20 mal zu öffnen und zu schließen vermag. Hieraus folgt also, daß ein »Augen-Bltck" den ünsten Teil einer Sekunde währt.

Magisches Tuadrat.

1 In die Felder nebenstehenden Quadrats sind

_ _die Buchstaben AAABBB EEI NNRRT

TT derart einzutragen, daß die wagerechten u.

-senkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:

1. Asiatisches Tafelland.

-2. Kleines Sternbild.

3. Philosophen.

4. Ein Eigenschaftswort.

Auflösung in nächster Nummer«.

Auslösung der Charade in voriger Numürer» Bockbier.

Vchristi,it»n-r Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen UntversitälS-Buch- und Cteindruckerei. R. L-nge, Gießet