„Wie predigt der Meister? — Die kleinliche Enge hassen, ist schien und groß. Aber noch« größer ist es, im engerv Raum geschickt eine Welt zu bergen!"
Während er so mit den Maßen der Wirklichkeit kämpfte, strahlte die Helle Svmniersonne über dem Ausstellungspark. Alexander von Rothkirch war dort schon eine halbe Stunde frül-er int Mietsautomobil eingetroffen und hatte für einen sreuudlsthen Platz Sorge getragen. Dann ließ er sich auf einem Sitz vor der großen Eingaitgstreppe nieber und zeichnete träumend mit seinem Ebenholzstock Figuren in den Sand.
Der wohlige Sonnenschein löste in seinem Innern eine weiche Rührung aus. Nein — es war nicht der Sonnenschein. Etwas anderes war über Mittag durch Herz und Nerv gezogen, etwas unsagbar Heißes, das die Schlacken seines düsteren Seelengrundes wegschmolz wie Wachs und ihn von einem Alp befreite.
War er derselbe? —i Er sah sich wie in einem Spiegel, leicht, jung und elastisch. Ein Neugeborener. Dann fuhr wieder cm nebliger Hauch über die blanke Fläche, und ein müdes Auge starrte ihn an.
Zn der Mitte der breiten Gartenanlage reckte ein marmorner Schwertkämpser die festgemeißelten Glieder. Unter dm Marken Augenbrauen schoß ein todverachtender, ein verächtlicher Blick hervor und bohrte sich dem Gegner in das Herz, von dem scharfen Schwert gefolgt. An diesem Blick blieb der Träumer hängen. Jener Kämpfer —
„Alex — du — du selbst!"
^Er richtete sich mit einem schmerzlichen Empfinden hoch. Da yorte er das Signal seiner Wagen. Der blanke Sonnen- Mieiln brach wieder hernieder und fegte die Nebel fort Mit leichtem, fröhlichem Schritt stieg er einige Stufen hinan. Das einschmeichelnde Bild der drei jungen Mädchen in den Men, farbigen Klerdern bezauberte ihn wie eine sein zu- samniengestimmte Sinfonie. Er ging ihnen entgegen und druckte ihnen die .Hände, ohne .Vorstellung, wie alten Be- kannten.
m ^ * e ” uen "ns ja bereits, Papa Ladonkmrg," rief Rothkirch lustig aus. „Willkommen, bester Professor! Guten Tag, junger Freund!"
Labenburg unterdrückte sein Erstauiten über die Wand- "vi Vormittag mit dem Freiherrii vorgegangeii
,, »ES ist ein liebliches Plätzchen, dieser Park unter der rasselnden Eisenbahn, nicht wahr, Herr Baron?"
Rothkirch nickte
Öffentlich finden Ihre Daincn heute das, was sie will,schew Darf ich Sie zu meinen, Tisch führen?"
ki.oÄr/« Kaffee lieh sich der Freiherr „einen Moment" w die Ausstellung führe». Gerhard Sabcnbnro »ab sich wider Erwarten reichlich Mühe, dem alten Herrn den Spaziergang LAS ""d nutzbringend wie nur möglich zu ninchen. Die M^?e» beurlaubten sich bald und trollten ihre eigenen Söesre Spater ließen sie sich nur ab nud zu blicken, wie die bs verlangte. Erst zum Abendtisch waren alle wieder vollzählig beisammen.
Gerhard Ladenburg zog die Uhr.
„Es ist gleich acht. In fünf Minuten ist Erich hier." r seinem fiel es auf, daß der Freiherr jetzt ganz schrveia-
&rs!!. U ? e s ^ ,l ? en die Mädchen an, ausgelassen zu
färben und hänselten den jungen Maler, der ihnen nichts' blieb ilird allerlei kleine Schwächen des übermütigen ^ arten öffentlichen Kritik ilnterzog. Als das " .^'ßte Papa Ladenbnrg einschreiten und
-Plaudereien.einer gewissen Charlottenburger Kinder- st l e ein wenig emdammen. Das half auf einen Augenblick.
wsVux r ? mmt bm Bursche träumend her", summte Gerhard Ladenburg, erhob sich und ging dem jungen Wölflin ent- gegen, der die Gesellsckwft schon gesund!!! hatte Professor Ladenburg machte ben Freiherrn mit Erich bekannt
om ft ™ ei A l letzt selber Meister."
eäfP^Ps^'s^arässss
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ejebören nun mal zusammen."
Betomn,g"^° b(X 5re i^ tr fiinK sechsmal^und sagte mit
rc? a 7~\ mnu üehört zusammen."
Es ivlurde serviert und unter Scherz und Ernst aeaessen und getrunken. Mit Aufmerksamkeit betrachtete Rothkirch die
jungeii Leute. Sein scharfer Blick zog einen deutlichen Strich zwischen den beiden Familiennestern. Die Ladenburgs alle- jamt, selbst das Nesthäkchen, die vierzehnjährige Trude, die selber noch nicht recht wußte, in ioelche Altersklasse sie eigentlich hineinrangierte, unruhiger Chatupagner, Kinder der tanzenden und singenden Großstadt, mit einer beneidenswerten, durch natürliche Anmut gemilderten Keckheit begabt — die beiden Wölslins von einent derberen Schlag, mehr bodenständig langsamer in Rede und Geste, eine frische, kraftvolle Gesundheit ausströmend, jeder eine seltsame Träutnerei in den Augen. Wenn sie allein miteinander zu tun hatten, marert sie wie zwei Vögel, die zu weit vom heimatlichen Nest und nun den einen Gedanken hatten, gemeinsam uw- gefahrdet wieder nach Hause zu kommen.
Der Aristokrat in Rothkirch entschied sich für die Laden- ^6scheu Kinder, der einfache Mensch in ihm für die Wolflrns. Aber der Gegeusatz der Familieii wurde in der seinen Erziehung, dem offenen Wesen, der heiteren Lebeus- bejahung völlig verschmolzen, die sie alle auszeichnete, und das gerade war es, was den Freiherrn immer mehr an den kleinen Kreis fesselte, in ben er heute geraten war. Er wuchs rn das genau abgetönte Milten, das ein jahrelanger Famitlenverkehr erzeugt, wie von selbst hinein und fand hier das, was er in seinem Hause —
. Bei diesem Gedanken stockte plötzlich alles Fließerrde rn chm. Er sah in der Heimat Weib urrd Kinder sitzen, still, rn einer fremden, abgemessenen Ruhe, in der schwülen Unbestimmtheit, die seine Lebensart ihnen aufgezwungen 1«, aufgezwungen hatte — aufgezwungen!
Es schlich grau auf ihn zu, wie er jetzt daran dachte, daß dort die Meise nun schon seit Jahren so lautlos! verzttterten wie die Rinae auf dem Wasser, in das von ungefähr ein Steinwurf fiel.
(Fortsetzung folgt.)
Aus den Zährten des hessischen Lazarettzugs T
Bon Dr-H- Steiner, Pfarrer zu Deckcnbach (Oberhesse,: h z. Zt. frerw. Krankenpfleger im Lazarettzug T. 1. Herrliche Frühlingstage liegen hinter nus. Air einem ivannen Nachmittag verließen wir unsere Heimatstation Dacmstadt. Dröli- nend fuhr un er Zug bei Worms über den Rhein. Ruhig und sicher streßt der vaterländische Strom dahin. Die treue Wacht unserer rampfendcn Bruder hat es verhütet, daß irgendein Feind seine User bcnlhren konn e. Die baherisckie Pfalz gewährt eine Fülle lieblicher und sonniger Bilder. Wir werden nicht müde, im Vorbeieilen die Berge und Taler, Felder und Dörfer und fremrdlichen Menschen zu grüßen. Wir haben uns auf der Plattform detv MannschastÄ- u QCl l • n J l // tü Ä l uud Klappsessel,i häuslich niedergelassen, i.m Ae Niedliche SchonlMt unseres Vaterlandes voll auskostci: rii fönnert ist bereits Nacht, da wir' das Saargebiet und Lothringen dnrchsahrm Unsere Augen dürfen immer neue Wunder schauen. Riesenhafte, vielgestaltige Bauten tanck-eu gespenstisch neben unsereni Zug aiif. .Aus ihrer Mitte schlagen hohe Feuergarben empor. Der ^A .^weln der Hochofen und Bogerilampen wechselt mit deni bläulichen Licht der werten Maschinenhallen und tausend anderer Lichter, An den Bergabhangen bezeichnet Heller Schein die Berq- werkserngaiige. Zu dem allen tritt noch das Licht des Vollmondes Sem fahler Schern mischt sich mit deni vielgestaltigen Lichtiu^r und verwandelt besonders die hohen. Rauchsäulen zu wunderbaren, fügsam tu großer Höhe verfluchteiiden -l.'rr können uns nicht satt sehen an dem mächtige,: Jndnstriefcuerwerk des neuen, großen Derttschlands. Da mitte!!
und Lärm und Lichten,leer der Eisenwncke huschen am Bahndamm erir paar Baume un duftigen, weißen Blütenschmuck
w ¥ Ieg m ? rrfjen ' das uns der Mond vor. zaubert. Neben den tosenden, grellen Werken des rastlosen, ino- dernen Menschen die alten ruhigen Werke der Natur: sie sndh^-- lrch, ivre am ersten Tag. ' ; '
™ Viorgeii erwachen wir bereits auf Frankreichs
§^den. Mrdfrankrclch bretet schöne Landschaftsbilder. Wir fahren durch das breite Maastal. Weithin dehne,: sich an beiden Ufern die grünen Werden. Große Scharen von Kühen und Rindern, meist Ä^er Heeresverwaltung angekauft rrnd von derrtschcn Land- ö-^Eüten bewacht, werde,: hier wie in Friedensz eiten. Junge Pferde tumnieln sich aus srischei: Triften in der Morgenluft Aus der Ferne grüßt uns ein Kranz von Dörfern. Niedrige Hohen grenzen das brerte Tal ab. Und das alles' taucht die Sv, ne k ^ freundliches Licht. Schöne Bilder dZ FriedE
dnn steine? Staw^rch zerstörte Häuser aus. Das Bahnhofs viertel rr^^r "willen Stadt ist völlig vernichtet. Hoch ragen die ftebeir- Mauern (n die Lust. AmBahudamm',L no* ent paar Saudsäcke und Reste emes Drähitvertzarres. Ein paar Banmkronen smd zerschmettert. Schon sind wir vonlber- oesahre». Draußen !m JVHb werten ein ©ritte mi, ein-


