Zurück zur Scholle.
Koman von Ewald Gerhard Deeliger.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
M .. Wiegelts früherer Munterkeit tvar auch mcyt mehr vrel übrig geblieoen, denn er hatte fckiSvere Sorgen. Kein Sonntag verAng, wo der neue Luschelauer Gen- oann, »der"es mit seinem Amt sehr genau nahm, nicht bei ihin heruingeschnuffelt hätte, und keine Tanzmusik, tvv er nicht
^K l am € * >€ ! : * r€ 5! n ? ^ er Polizeistunde ausgeschrieben wurde.
Attnuten Verspätung genügten schon. Seine Pflichten als Gastivirt und Gemeindevorsteher prallten hart auseinan- ^ dlmtsvorsteher verwarnte ihn mehrmals und
drohte, rhn bei der nächsten Wahl nicht als Gemeindevorsteher zu bestätigen, n-enn das so weiter ginge. Er nahm sich den Gendarm beiseite urch führte ihn in den Geist der Polizeiverordnungen ein. Der Wortlaut war dem Wachtmeister schon bekannt. Seitdem ließ er sich in Brrtz- ^we seltener sehen Aber Franz Wiegelts Freude an dem Kretscham war zerstört. Und er hätte es gern verpachtet, wenn sich nur ein Pächter gefunden hätte. Wer es fand sich ferner, denn die Summe, die Franz Wiegelt forderte, war jo groß, daß niemand anbeißen wollte.
Moritz Gassel aber hatte Ferien, und sie bekamen ihm ausgezeichnet. Sein Garten brachte ihm jetzt die ersten Ein- nahmen. Obst zwar wuchs noch nicht an den schlanken Bäumchen. Nur der eine Pfirsich hatte sich gehalten, tvar ■u ™ rimb ^worden und zeigte rote Backen. Doch als ihn Moritz Gassel abnahm, kroch ein fetter Wurm heraus, der rhn hohl gefressen hatte. Dagegen schrieb er sich mancheii Groschen kur das Gemüse gut, das er jeden Sonnabend mit der Milch führe des Domininrps nach Zdurotschin schickte, wo er feste Abnehmer hatte. Am meisten brachten ihn: die Bienen ein; zweimal trugen sie den Honigraum voll und sammelten nach der zweiten Brandschatzung noch genug, um durch den Winter zu kommen. Dien Honig nahm der alte Abraham mit nach Sulitsch, wo er ihn leicht an den Mann buchte- Moritz Gassels Pläne flogen in dieser schulfreien Zeit hoher als sonst. Er träumte von einer großen Geflügel- Mcht und besorgte sich in Zdurotschin ein dickes Buch über dre rationelle Züchtung der Kaninchen. Doch diesen Mail verwarf er wieder. Was ihm aber besonders am Herzen lag, war der große Schulacker, der zwei Morgen groß, gleich hinter dem Garten lag, und den er sehr gerne in den Garten eingezogen hätte. Aber seine Kasse war leer, und Drahtspalier war teuer. Der alte Abraham, der sich im Laufe des Jahres immer fester in Britzlawe eingenistet hatte, wollte ihm den Betrag vorschießen, doch Moritz Gassel wollte leine Schulden mach.cn. Er hatte genug in den Garten ge jtectt. Jetzt sollte er erst was bringen! lind er faßte sich in Geduld und hoffte auf das nächste Jahr.
Um so ungeduldiger tvar Thomas Hanschitd. Zwar
machte sein Vater noch immer nicht Mene, ihm den Hof von dreiundsechzig Morgen zu übergeben, aber mit Hedwig tvollte er eikdlich ins reine kommen. Ans Heiraten war ja vorläufig nicht zu denken, aber verloben wollte er sich lwenigstens. Moritz Gassel kam ihm auch zuweilen ins Gehege. Als die Rüben herausgenommen waren und nach Zdurotschin in die Zuckerfabrik gebracht wurden, drängte Thomas Hauschild bei August Knorreck auf eine Entscliei- düng.
„Geht mich gar nichts an!" wies ihn der zurück. „Das machen Sie mit Hedwig ab."
Doch wie sehr er sich auch bemühte, sie allein zur sprechen, um) um sie herumschlich, immer hatte sie jemand bei sich, meistens die kleine Baroneß Cäcilie, die ein /ehr aufgelvecktes Kind war und vor der er sich genierte.
Er suchte Hilfe bei Frau Knorreck, die ihn kaum anhörte, weil sie in Angst und Sorge um ihr Söhnchen Hugo schwebte, der in dem großen Berlin lebte, jede Geldamneisung stotz zurrickwies und sich ans flüchtige Postkartengrüße beschrankte.
Noch einmal verlangte Thomas Hauschüd von August Klwrreck den väterlichen Machtspruch und zwar so flehentlichst, daß er sich veranlaßt sah, Hedwig zu ermahnen, dem Gehilfen doch ein gutes Wort zu gönnen.
,/Was soll ich mit ihm!" erwiderte sie und drückte Cäcilic an sich. „Er ist mir zu fad. Was Vernünftiges kann man mit ihm überhaupt nicht sprechen."
Da merkte August Knorreck, daß die rechte Zeit irvch nicht gekommen war und vertröstete Thonras Hauschild auf die Zilkilnst.
„Ich habe vier Jahre um meine Frau geworben!" meinte er gutmütig. „Und Jakob sieben!"
„Ick bin doch kein alter Jude!" verteidigte sich Thomas Hauschild. „Ich laß mich nicht länger an der Nase herrun- führen!"
„Wer führt Sie deiin?" rief der Inspektor ärgerlich. „5)alten kann ich Sie nicht. Aber ich weiß nicht, wohin Sie wollen. Sie haben doch Zeit zum Warten. Sie können nicht eher heiraten, als bis Ihr Vater Platz macht und ans den Auszug geht. Und das hat, denk ick, noch gute Wege!"
„Ich könnte mir ja eine Stelle als Inspektor suchen!" begehrte Thomas Hauschild auf.
„Sie wären mir der rechte Inspektor!" lachte'Mgust Kiiorreck hell auf und ließ ihn stehen.
So blieb denn alles beim alten. Nur die polnischen Dienstleute milßten nach und nach das Bündel schnüren. Der alte Abraham verrichtete wieder Wundertaten und brachte für jeden ^c»len einen Deutschen: Wo er ihn hernahm, war feine Sorge. Aus allen vier Himmelsgegenden holte er sie heran, und brachte jeden wieder sort/dcssen Zeugnisse August Knorreck nicht gefielen. Der letzte Pole tvar Daniel Zpuppack, der mit einer Zähigkeit sondergleichen in Britzkawe haftete. Denn nun hatte er bei Pe- lagia Dnbin alle nächtlichen Mitbewerber ans dem Felde geschlagen. Er lies zum Baron und setzte es durch, daß er


