schädlichkeit. Oder geben Eie das Gesöff am Feierabend. Jedenfalls möchte ich nicht, daß sich solche Aergerlichkeiten wiederholen, schon in Ihrem Interesse nickst."

Und August Knorreck betrat den goldenen Mittelweg. Tie Polen bekamen ihren geliebten Schnaps, aber erst nach Feierabend und bis an die Grenze der Berdünnungsfähig- reit verwässert, und labten sich tagsüber an dem kalten Kaffee, den sie nicht mehr weggossen. Seitdem war Friede, bis die Ernte zu Ende war. Der Muschinist wurde abgelohnt, die Erntearbeiter abgeschoben, und August Knorreck setzte sich vor die Bücher. Einundzwanzig Prozent rechnete er heraus. Jetzt hiug's von den Zuckerrüben ab, ob die dreißig voll wurden.

Fritz von Winkelberg ließ sich nach der Schnapsrevo­lution öfters auf den Feldern sehen, und Daniel Zpuppack zog jedesmal schon von weiter Ferne die Mütze. Bei dem Inspektor hatte er ausgespielt. Und wenn er auch noch so fleißig war, August Knorreck hätte diesen heimtückischen De­nunzianten am liebsten gleich mit den Erntearbeitern ab- geschoben, wenn sein Kontrakt nicht auf ein ganzes Jahr ge­lautet hätte.

Auch die Bauern hatten endlich ihr Getreide geborgen, und nun wurde das Erntefest gefeiert. Knechte und Mägde zogen im Sonntagsstaat, mit der Musik voran, durchs Dorf. Hinter den Musikanten trugen zwei Mägde in weitabstehen­den, steifgestärkten Röcken den Weizenkranz, ein bienenkorb- förmiges Gebinde aus Stroh mit bunten Bändern und Schleifen verziert. Sv hielt der Zug vor dem Herrenhause. Sie ließen den Herrn Baron hochleben, den Herrn Inspektor daneben und rückten sofort ins Kretscham ab, wo ihnen Fritz von Winkelberg nach altem Brauche ein Faß Bier und ein paar Steinkrüge des geliebten Schnapses auflegen ließ.

Dann wurde bis ties in die Nacht hinein getanzt, gejuchzt und gezecht. Daniel Zpuppack war der beste Täuzer, nur konnte er seine Kunst nicht so zeigen, weil die Gaststube ge­drängt voll war. Die tanzenden Paare drückten sich nur mit Mühe in dem dichten Gewühl aneinander vorbei. Vom Brummbaß hörte man nichts, auch die Trompete richtete wenig aus, nur die Klarinette überkreischte zuweilen den Lärm. Doch das tat dem Vergnügen keinen Abbruch. Pelagia Dubin, die einzige Tochter des Pfarrgutpächters, der alt und zittrig am Ofen saß und sich den Freischnaps schmecken ließ, eine dralle, schwarzhaarige Dorfschönheit mit dunklen Augen und breiten Hüften, war die begehrteste Tänzerin. Sie erbte einmal einen Batzen Geld und wehrte sich nicht, wenn sie im Dunkeln geküßt wurde. Denn es war so heiß in der Stube, daß sie nach jedem Tanz draußen Kühlung suchen mußte. Daniel Zpuppack war fortwährend hinter ihr her, doch sie kümmerte sich nicht viel um ihn. Hier hatte sie bessere und reichere Bewerber als den armen Kutscher vom Dominium, mit dem sie nur eben vorlieb nahm, wenn kein anderer da war.

Der alte Abraham erschien gleich am nächsten Tage, bot gute Preise, uni Bartenstein und Levisohn, die sich schon auf die Ernte gefreut hatten, endgültig auszustechen und versprach August Knorreck zum Oktober deutsche Dienstleute heranzuschafsen. Da liefen die Kontrakte der Polen ab.

. . Fürchtegott Fritscher war der einzige im Dorf, der eine schlechte Ernte gemacht hatte. Die Gläubiger drängten ihn härter als jemals, und dreimal kam der Gerichtsvollzieher. Aber er fand nichts Pfändbares. Fürchtegott Fritscher war reif für den dicken Friedländer. Doch der war tot. Dafür er­schien eines Tages Gottlieb, sein Geschäftsfreund, und ver­sprach, Fürchtegott Fritscher zu helfen. Er bekam bar Geld ut die Finger, unterschrieb ein Papierchen und hatte vor­derhand Ruhe. Seine Mutter kam wieder etwas auf die Beine versorgte das Vieh, und Fürchtegott Fritscher bekam wieder neuen Lebenomut. Er scharrte seine Kartoffeln aus der Erde, Nickte das Stalldach und die Scheunenwand und tat ein paar Wochen so, als wenn er ein neuer Mensch werden möchte Doch es dauerte nicht lange. Als sich die alte Mutter wieder hinlegte, war's mit seiner Kraft zu Ende, das alte Elend schlug über ihm zusammen und er saß bald wie zuvor, tagein, tagaus, hinter der tröstenden Flasche.

... r? ec a ? t Abraham, der seine Augen überall hatte und Nch selten em gutes Geschästcheii entgehen ließ, der besonders Britzkawe als seine Domäne betrachtete, hatte bald erfahren daß Fürchtegott Fritscher dem schoflen Gottlieb, dem Goi, eni schlimmes Papierchen unterschrieben hatte, und wußte sofort, welckies Schicksal ihm und seinem Gütchen bevorstand. Zuerst besprach er die Sache mit dem Inspektor, der jhn mit

zum Baron nahm. denn der zwölf Morgen große Rübensleck, der mitten durch den Donianialacker schnitt, stand in Frage.

Herr Baron!" rief der alte Abraham.Sie müssen kaufen. Sie dürfen nicht erlauben, daß sich ein anderer dahin- einsetzt. Oder das Gütchen wird in kleine Stücke zerspitzelt. Das ist noch schlimmer. Denn der Gottlieb ist schlimmer als zehn von unsere Leut. Er macht Krawattel. Nächsten Herbst setzt er den Fritscher auf die Straße. Er hat ihil in der Hand. Kaufen Sie! Dann mag er sehen, wieder zu seinem Gelde kommt."

Kaufen?" lächelte Fritz von Winkelberg und sah seinen Inspektor an.

Sie brauchen kein Geld!" fuhr der alte Abraham eifrig fort.Das Gütchen kriegen Sie ohne Geld. Sie übernehmen bloß die Verbindlichkeiten. Das kostet nichts, bloß die Zinsen!"

Der Baron sah wieder seinen Inspektor an und wartete.

Die Gelegenheit ist günstig!" gab August Knorreck zu. Aber ich glaube nicht, daß er verkaufen wird. Was soll aus dem Mann werden?"

Nu," machte der alte Abraham und zuckte mit den Achseln.Seine Sorge!"

Wir können ja den Versuch machen!" entschied der Baron nach kurzem Ueberlegen.Holen Sie mir den Mann her."

Am nächsten Morgen kam Fürchtegott Fritscher aufs Schloß. Er hatte sich schon den nötigen Mut getrunken, und seine Augen blickten starr.

Herr Fritscher!" begann Fritz von Winkelberg uub hieß ihn sitzen.Ich weiß, daß es Ihnen schlecht geht, und möchte Ihnen helfen. Ich werde Ihr Gut übernehmen. Sie bekommen ein paar Pfennige in die Hand uub brauchen sich nicht mehr mit den Interessen zu plagen."

Fürchtegott Fritscher sperrte den Mund auf, er konnte sich das nicht zusammenreimen. Der Baron wollte ihm helfen? Sein Blick wurde unstet.

Sie verstehen mich wohl nickst?" fragte Fritz von Win­kelberg.Ich möckste Ihr Gut kaufen?"

Kausen?" stotterte Fürchtegott Fritscher.Ich ver- kaus's nicht!"

Es wird Ihnen aber nichts übrig bleiben!" sprach der Baron.Ueberlegen Sie sich's genau. Heute können Sie noch ein paar hundert Mark Bargeld herausschlagen, übers Jahr"

/,Jch kann doch nicht Hofeknecht werden!" rief Fürchte­gott Fritscher mit dem beleidigten Stolz des freien Bauern.

Das verlangt ja niemand von Ihnen!" begütigte ihn Fritz von Winkelberg.Sie gehen dann nach Sulitsch und suchen sich eine passende Beschäftigung."

In die Stadt!" schrie Fürchtegott Fritscher und wurde plötzlich wild.Ich soll in die Stadt ziehen? Nu, daraus wird nichts! Ich bleib hier in Britzkawe. Ich geh nicht weg. Um keinen Preis."

Beruhigen Sie sich doch!" sprach der Baron.Ich habe ja nur gefragt."

Das kennt man!" ries Fürchtegott Fritscher böse. Wenn die großen Herrn was fragen, dann wissen sie schon warum. Sie sind auch einer von den großen Herrn, die die kleinen Leute auffressen. Aber das könnt mir passen! Da kennen Sie den Fürchtegott Fritscher schlecht. Ich laß mich nicht auffressen. Ich verkaufe nicht, auch keine Quadratrute. Was mein ist, das bleibt mein! Da kommt mir kein Baron drüber und kein Graf, und der Kaiser nicht."

Er brüllte zuketzt, daß seine Stimme überschnappte. In diesem Mlgenblick trat die Baronin ins Zimmer. Fürckste- gott Fritscher machte kehrt, schlug die Tür hinter sich zu, daß es krachte, und polterte die Treppe hinunter.

Was wollte er?" fragte Malvine erschreckt.

Nichts!" beruhigte sie der Baron, und zog sie an sich. ,/Jch wollte etwas von chm, und er hat sich gewehrt."

Ich habe Angst um dich!" flüsterte sie.

Sei ohne Sorge!" lachte er sicher.Der tut keiner Fliege ein Leid! Nächstes Jahr wird er bitten kommen."

Fürchtegott Fritscher aber setzte sich bei Franz Wiegelt hinter die Flasche und trank bis Mitternacht. Dann begann er jfct toben und um sich zu schlagen, zerbrach Flaschen und Gläser, zerstieß drei Fensterscheiben und vollführte einen solck>en Lärm, daß ihn Franz Wiegelt, dessen bester Gast er tvar, an die Lust setzen mutzte. Der Nachtwächter brachte rhu nach Kaufe.

(Fortsetzung folgt.)