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Zeppeline bemerkbar würben, und ein Freund sagte betrübt zu Rodin. wie traurig ihm London jetzt erscheine. Gegenteü.
erwiderte ihm Rodin. ,London ist gerade jetzt sehr ,clwn, das Dunkel gibt London eine neue Ääwnheit." Das wärt,che L,cht laut ein eigenartiges, scharses Sclxtttenland Wiedererstehen und enthüllt das Münder dc>^ nächtlichen Fimmels, der fliegenden Wolken am tiefblauen Simurelsgewölbe und der friedlich schimmernden Sterne. So versickert ein Schwärmer, und er preist noch verzückt die besondere Schönheit des Schein,verfers. der in seinem jähen Aufleuchten immer neue überwältigende Wunder hervorlockt Das Programm. das Rodin andeutete, hat sich mm ein cngwcher Künstler,
I o s e pH P e n n el l. zu eigen gemacht, der soeben rn einer Ausstellung das Ergebnis seiner künstlerisckien Erforschung des nacht- dunklen London in Kohlezeichnungen und Lithographien vorfuhrt. Lock» oben in seinen, Atelier, dem vimmel am nächstem beobachtete er Nacht für Nacht die immer spärlicher iverdende Beleuch- tilng, die in Schatten versinkenden Linien der massigen Gebäude, und dann das Spiel der aufzuckenden Scheinlverfer, d,e erst zu zweien, dann immer mehr bis zwölf oder dreizehn, nnt ragenden Lichtern den Himmel nach dem gefürchteten Feurd ab,uchten. ES sind merkwürdige Dokumente des Krieges, die der '.Naler hier geschaffen hat und die geeignet sein konnten, den ^ondonern auch noch in späten Zeiten vor Augen zu führen, ^ ^re Tagv für immer vorüber sind, in denen sie in gemack-licher Ruhe Kriegsbrände cu T dem Festland als unbeteiligte Zuschauer von ihrer ncheren Insel aus beobachten konnten.
* Die dock, zeit im Schützengraben. WaS er alles im Schützengraben gibt und da geschieht, davon ist schon v,cl UeberraschendeS erzählt worden. Bon den Deremem Zeitungen, Spielen, Festen, von Jagden und Landpartien im Schützengraben haben wir gehört, aber «me Hochzeit im Schützengraben bleibt doch noch immer etwas Ungewöhnliches. Sie ist auch anders als andere Hochzeiten. Andreas Winding, ein Mitarbeiter der ,bou- tiken" in Kopenhagen, der die sranzöüschen Schützengraben besucht hat, weih von einer solchen Hochzeit i,n Schützengraben zu erzählen. Das Brautpaar stammte anS der Provence. Ter Bräutigam war der Ochsenhirt Jan Christol aus Saintes Maries und die Braut die Blumenhändlerin Janetoun Azalcns. Obgleich Hunderte von Meilen voneinander entfernt, beschlossen Jan und Janetoun die Ehe miteinander einzugehen. Es geschah dies in der Weise, daß sie.aul vorherige Verabredung zu einem bestimmten ZeUpunrte aneinander dachten, den Trauring am Finger befestigten, und sich, tedeS sür sich, gelobten, miteinander hiniort Freud und Lew zu teilen. So vermählten sich der Ochsenhirt und die Blumenhändlern, aus der Proveuce, und so werden nach Windings Berichte m den sranzosischen Schützengräben zahlreiche Soldateneben vollzogen. Ter Staat hat nämlich diese eigentümliche Form der KriegStrauung für den Fall anerkannt, daß es für ein junges Mädchen auS Gründen familiärer Natur erwünscht sein könnte, möglichst bald den Namen ihre« bisherigen Bräntigan,S anzunehinen.
'Amazonen in Khaki. In Paris wird ein Regiment von französischen Frauen gebildet, unter der Oberaufsicht emer OfsizierSwitwe Mme. Arnaud. An die Königin von Belgien will man bie Bitte richten, den Ehrenvorsih des Regiments zu übernehmen. Einer der weiblichen Leutnants teilte mit, daß die frei- willigen Frauen so lange von Oisizieren der Armee auSgebildet werden sollen, bis sie unter sich selbst Offiziere finden können. Sie werden khakifarbene Uniformen tragen und ein Gewehr handhaben lernen. Das Regiment soll aus militärlscher Grundlage ansaebaut werden: daher muß jede Frau, die eintreten will, sich erst ärztlich untersuchen lassen. Ein paar Kompagnien sind bereits gebildet worden. Tas Regiment soll auS mehreren Abteilungen bestehen. Die eine wird an die Stelle der Soldaten treten, die jetzt in den Bureaus des Heeres Verwendung finden und auf diese Weise die Männer für den Felddienst frei machen; eine andere wird ein militärische- Radsahr- und Automobtlkorps bilden. Eine dritle bereitet sich daraus vor, NahrnngSmittelwagen „nach den eroberten oder wieder eroberten Städten" zu führen und auch andere Pflichten zu übernehmen, so daß das Heer entlastet wird und viele Soldaten an die Front gehen können.
viichertisch.
0 1914« Ein Tagebuch. DaS neueste Heft von Professor Eduard Engels im Erscheinen begriffenen schnell allgemein bekannt gewordenem kriegsgeschichtlichem Werk .1914. Ein Tagebuch' (George Westermann, Braunschweig, Berlin, Hamburg) enthält folgende bemerkenswerte Ausführung: Wie wenig man selbst in den höheren geistigen Schichten Frankreichs von Deutschland wirklich weiß, wie tief noch immer die ruppige Un- wiffenheit in allem geblieben ist, was deutsche Bildung, deiitsche Lebensform betrifft, daS zeigt wis so recht ein Aussatz der französischen Leuchte Pierre Duhem in der Revue deS Teux-Mondes über die derltscheii Gelehrten. Zum Beweis« malt er eilt Bild des großen deutschen Gelehrten, der zwar in seinem Fache Meister sei, aber im Leben tief in der .Brutalität' stecke. Warum? „In den Bierkneipen findet er eine vollkommene Befriedigung an jenen groben Wirklichkeiten, wie sie sein Sauerkraut, sein Bier unb seine Tabaks
pfeife sind.' Seil bald 100 Jahren kämpfen die geistreichslen Franzosen gegen Deutschland mit deck, Sauerkraut, dein Bier und der Tabakspfeife und ahnen gar nicht, ivie geistlos, ja wie albern sie uns erscheinen. Man stelle sich Aloin,nsen, Helmholtz, Drrchow, Gucken in einer Kneipe bei Sauerkraut und Bier mit der Tabakpfeife vor! „ _ , , . .
•• Hochland. Verlag Joses Kösel, Kempten. Inhalt c-e* Maiheites: Tie Amerikaner und wir. Von Ministerialkommissar N. Kanmanns. Ter Panamakanal und die Weltn,acht Amerikas. Don Msgr. Graf Vay v. Baya und zu Lnskod. HauS Elderfing. Roinan von Ilse v. Stach. Krieg und Sozialismus. Von Th. Brauer. Worte von Görres. Ti* Freuden Mariens. Gedicht von Miriam Eck. Arbeckerversicherung und Krieg Bon Geh. Reg- Rat Dr. Witowski. Maria. Gedicht von A. v. Gleichen-Ruß- wurm. Kleine Bausteine: Ein Bestich in Ezenstocbau. Von Johann Georg, Herzog zu Sachsen. Die Erziehung eines Volkes. Bon Tr. Alaria Maresch. Ungeziefer in russischen Feldzügen. Don Prof. Tr. P. Holzhausen. Kritik: Syrien und Aegypten. Von ±x. Baumstark..Hochland-Echo : Positionskrieg und Sittlichkeit. Händler und Helden. Rundschau: Kriegsbelrachtung. lieber den Nationalcharakter der Franzosen. Tie Orientpolitik Oesterreichs, Alba- „lscheS und EttgllschcS. Die höheren Schulen und der Krieg. Ter Wasserhaushalt des' Mittelmeers. Miriam Eck ck- Daeon oder Shakespeare? Tas Triurnphlied von BrahmS.
— Die Kriegs n um n, er n der „Illustrierten Zeitung" tVerlag I. I. Weber, Leipzig) zeichnen sich besonders durch ihre ebenso vornehme wie reichhaltige Berichterstattung über den Weltkrieg ans. Die soeben erschienene Nummer 37',0 (41. Kriegs- nun,n,er) bestärkt diesen Ruf aufs neue; sie enthält wieder eme Fülle von Bildern aus allen Teilen der Front, darunter große Reproduktionen nach Zeichnungen von Professor HanS v. Hayek, Georg Lebrecht, Professor Hans Bohrdt, Marlin Frost, Kurt Liebtch, Fritz Grotemeyer. O. I. Olbertz, W. Starke, Viktor Schram,,, und Berthold Hoefer. Tiefe starke Betonung des zeichnerischen Elementes, die Mitarbeit so ausgezeichneter Künstler bedeutet das Charakteristikum der unübertroffenen Kriegshefte der beliebten Leipziger Wochenschrift. Unter den textlichen Beiträgen fesselt in der vorliegenden Nummer ein Artikel von Hosrat Professor Tr. Loeiveufeld, München, ,Die Suggestiverscheinungen in, gegenwärtigen Kriege*. A. de Nora plaudert über den Soldatenhumor, während Tr. Karl Storck eine Studie über die Geschichte der deutschen BolkShymne beigesteuert hat. — Preis der Nummer 1 Mk., VierteljahrSabounement 9 Mark.
Der Kriegsmai ISIS.
Das ist ein Mai wie keiner war,
Soweit zurück die Sinne reichen,
Co blütenschwer, so licht, so klar,
So tausendsältig wunderbar,
So glückverheißend ohnegleichen.
Das ist ein Mai, wie keiner je,
Seit Gott der Welt daS Licht gegeben,
So voller Wunden, Tod und Weh —
Daß wie im Traum ich um mich seh',
Ob nicht ein Trug dies Wonneweben.
(Stumm klagt in heißer HerzenSnot Germania un, ihre Toten,
Die von des Zornmuts Glut durchloht Getreu bis in den bittren Tod Den, Feind die Heldenstirn geboten.
Doch sieh', anS dunklen Tage», quillt DeS deutschen Frühlings heil'ger Segen Und wird zun, starken gold'nen Schild Ter Hoffnung, die durchs Blutgefild'
Uns führt dem hehren Ziel entgegen.
Ans deutschen Frühlings Blütenglanz Laß, Gott, unS neues Leben tagen,
T,e Opfersaat des Vaterlands Um seiner Freiheit gold'nen Kranz,
O laß sie ew'ge Früchte tragen. Romheld.
Logogriph.
Ich schütze dich zur heißen Sommerszeit,
Wenn drückend scheint die Sonne weit lind breit. Willst du jedoch »nein L* mit „t' vertauschen,
So kannst du nimmer frohem Sange lauschen. Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Wer mutterlos die Kindheit hat verbracht,
Zur Jugendzeit gefühlt der Armut Macht,
Und wen, in seinem Alter fehlt der Sohn,
Dem ist das Leben, ach, umsonst eutflohn.
Schrlstleituug: Aua. Goet,.
Rotationsdruck und Verlag
der Brühl'schcn UniversitälS-Buch-
und Steindrucke,ei, R. Lange, Gießen.


