Ausgabe 
15.5.1915
 
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Töchtern al- Siebengestirn an den Hütt»nel versetzt tvnrd«. An diese Sage erinnert folgender Spruch:

Englische Krankheit r»erschn»inde Wie der Tau vor der Sonne,

Wie der Kuckuck vor dem Siebenstern!

In Strelitz gibt eS die Redensart: Se läl'en aS Kuckuck un Däbenstern, d b- sie leben in Unfrieden und meiden sich daher.

vermischtes.

-* Was die englischen Soldaten von V pe c n er­zählen. Interessante Stellen aus Tagebüchern und Briefen eng­lischer Soldaten, die die Schlacht bei Ädern mitcrlebtcn, werden in denTimes" wiedergegcben. Von dem Beginn der Schlacht erzählt ein Kanonier in seinem Tagebuch:Donnerstag, den

22. Avril. Wir hatten heut einen sehr ruhigen Tag, aber es wird bald heiß hergehen, da ans unser« linken Flügel ein starker Angriff erfolgte... Dieser Angriff schritt fort, und wir mußten schleunigst zu unfern Kanonen, als wir etwa gegen sechs Uhr morgens den erhielten, zu schießen. Wir eröfsneten das Feuer auf 8000 in mit Lhddit. Wir gingen 200 m zurück, dann nochmals 200 m. So wußten wir genau, daß etwas nicht in Ordnung war. Doch als lvir wieder 200 m vorgingen,'dachten wir, alles sei wieder sicher. Der nächste Befehl warFeuer alle 30 Sekunden" und danachFeuer einstcllen und zur Munitionserneuerung vorbereiten". Unsere Batterie wurde beschossen, und wir verloren vier Mann. Ein .Gerücht lies um. daß unsere Mittellinie zurückgegangen und daß wir völlig eiirgeschlossen seien. Wir weigerten uns, das zu glauben. Wir sahen ein oder ztvei französische Kolonialsoldaten ans uns zukommen Und erhielten kurz darauf den Befehl, die Kanonen zum Losfeuern bcreitzuhalten. Wieder hofften wir, daß die Sache gut stünde. Die ganze Zeit Granaten, Granaten mit großer Explosiv­kraft. .Die Gespanne kamen heran und brachten neue Munition. Sie erzÄlten uns Neuigkeiten, die nicht schlecht klangen. Tann kamen Kanonengespanne, die unsere Kanonen znrncknehmen sollten, und wir erkannten, daß es nicht unsere eigenen waren. Da wußten wir. daß eS sehr ernst stand. Unsere eigenen Gespanne lvaren fort, und diese anderen hatten schon die eigenen Geschütze ans dein Feuer geholt, ehe sie zu uns kamen. Ein Mann begleitete jcbe Kanone, und die andern blieben bei. den Wagen und den Verwun­deten. Die Gespanne «rußten ztvermal fahren, und während wir auf ilire Rückkehr warteten, mußte ich einen Verwundeten in Deck­ung bringen. Wir mußten quer über die Feuerlinie. Granaten flogen um uns herum. Es war eine furchtbare Zeit..." Ein anderer Soldat erzählt von dem ersten Eindruck, den er von den Deutschen empfing:Wenn Ihr das geistige Zusammenwirken einer großen Neugierde und einer großen Furcht kennt, iverdet Ihre unsere Gefühle verstehen. Ich selbst zitterte: alles schien so unwirklich und gräßlich. Natürlich feuerten wir die ganze Zeit wie wild, und wir sahen viele Deutsche fallen. Aber gleich stand anstelle des gefallenen ein anderer Mann, sodaß es ganz gleich­gültig schien, wie viele wir verwundeten. Ich l>abe eine undeutliche Erinnerung an Gasgeruch und an das Geräusch von Granaten, die über unsere Köpfe hinwegsausten. Granaten explodierten um uns der. Wir erwarteten, daß die Deutschen herankommen würden, und ich glaube, sie kamen bis zu uns. Ich tveiß, daß uns befohlen wurde, uns zurückzuziehen und daß wir durch den Verbindungs­graben weiter hinten in einen alten Schützengraben gelangten« in dem Wasser stand. Wir gingen so ruhig zurück wie möglich und nahmen unsere Verwunetden ru.it, darunter auch ein oder zlvei, die unter den Wirkungen der Gase zu leiden hatten. Wäbrenst unseres Rückzuges feuerten wir immer weiter und fuhren damit fort, als wir den zweiten Schützengraben erreicht hatten. Unsere Geivehrläufe wurden ganz heiß. Wir waren alle furchtbar an­gestrengt. Dann kam die Nacht. Wir gingen wieder zurück, schossen aber weiter. Wir benutzten unsere Gewehre, wie es gerade kam: als Bajonett oder als Keule. Wir vereinigten uns mit der ersten herankommcrrden Brigade. Ich hatte das Land, außer bei Nacht, nie gesehen. Ich wußte nicht, wo ich war, aber wir blieben bei- rii«nder und erreichten eine Straße. Ich glaube, es lvar die St. Julien-Straße..."

* E i n e A u s st e ll n n g d e u t s ch -s r a n z ö s i s ch e r G e g en- stände in Frankreich. Ein bezeichnendes Licht ans die Er­folge des deutschen Wettbewerbs im Welthandel wirst eine Eingabe, die die französische Vereinigung der kleinen Fabrikanten an den Handelsminister in Paris gerichtet hat: »Wir haben die sicheren Beweise für Misere Armut in Erzeugnissen erhallen, die früher ein­mal den Ruf der französischen Fabrikation begründeten. Wir waren erschreckt, als wir bemerkten, daß wenigstens 200 deutsche Kollektionen sich am Pariser Platze befanden, die fast alle außerordentlich reich an Modellen waren. Die Häuser, von denen die Modelle stammten, hatten angenjchelnlich nur einen Vertreter in derselben Stadt. Bet dem lcbhasten Interesse, die die Sache iür nur hatte, baden wir Nachforschungen über die Durchschnittsziffer der Geschäfte angcstellt, die d-.efe Vertreter deutscher Häuser gemacht habe«: jeder Vertreter empfing Bestellungen im Werte von 1216 Hunderttausend FrcS. im Jahre. Das war gewiß ein schönes Ergebnis für einen einzigen

Vertreter, der mit nur einem Angestellten arbeitet. Schließlich war uns der deutsche Wettbewerb nicht unbekannt, ach nein, aber wir hielten ihn nicht iür so furchtbar. Das war nicht tnehr Konkurrenz, da» war die Eroberung des französischen Handels. Deshalb, dert Minister, glauben wir. daß eine Ausstellung von deutsch-öster- reichtschen Artikeln in diesem Augenblicke für den Handel unseres Landes nützlicher wäre als die bedeutendsten Ausstellungen fran­zösischer Artikel/ Ob eS wohl auf!o einfache Weife möglich sein wird, die Kräsle, die zu der Ueberlegenhett deS deutscheu Wett­bewerbes geführt haben, für alle Zeiten zu besiegen t

viicherttsch.

Eine Frage! Wie erhalten wir der Zukunft die erhebenden Kräfte dieses Krieges? Bon Jo­hannes Marbod. Verlag Julius Springer, Berlin, 1915. Preis 0.50 Mk. Gine Flugschrift zum Kriege, deren Inhalt das Gegenteil bringt von dem, was die meisten nach dem Titel er­warten dürsten, nämlich den Hinweis auf positive Arbeit für den nährenden Boden der Grenzlande. Der Verfasser erinnert an die einmütige opferfreudige Bewegung, die unser Volk durchbrauste, als es von allen Seiten überfallen wurde. Dieser Hochstand des Volksempfindens soll, so meint der Verfasser, dadurch zu einem dauernden gemacht werden, daß man ihm eine große nationale Aufgabe auch nach .dem Kriege zulveist. Diese Aufgabe soll nach dem Kriege darin bestehen, in den neuen Grenzgebieten in Ost und West eineAustanschsiedelung" in die Hand zu nehmen, durch lvelche die bisherigen Bewohner veranlaßt werden, auszni- wandern und so freien Raum für deutsche Ansiedler zu schassen. Eine kräftige Ansiedlnngspolitik wird in gewissen nachbarlichen .Verhältnissen Unterstützung finden, nämlich in dem Bevölke- rnngsmangel in Frankreich und der barbarischen Russisizierung der Westprovinzen Rußlands. Die Bewohner der hinter unseren Truppen liegenden Gebiete wollen gar nicht bleiben. Sie haben nur die eine Frage: Werden lvir für das Land entschädigt? Diese Ent­schädigung in Friedenszeiten dem besiegten Gegner ausznerlegen, muß ein Hauptziel des uns anfgezwungenen Kampfes sein. Eine solche Siedlungspolitik wie sie Rom groß und stark gemacht und dem Osten deutsche Kultur gebracht hat, dürfte eine ganze Reihe unmittelbarer Vorteile haben. Sie würde dem Landhunger nnt abhelfen können und durch Seßhaftmachung zunächst die Zahl der periodisch Arbeitslosen und damit der Unzufriedenen vermindern. Sodann würde sie den wertvollsten Stand, die Bauern, an Zabl und Kraft mehren und stärken. Und daS nicht nur durch Misere eigenen Bauernsöhne, die bisher kein eigenes Anwesen haben konnten, sondern auch durch Zuzug deutscher Kolonisten ans anderen Ländern, wo sie infolge deo Krieges ganz besonders hart bedrängt werden, wie z. B. die Schlvaben am Schwarzen Meer und an der Wolga. Sie wäre auch eine wirtschaftlich vorteilhasbero Form der Kriegsentschädigung, da sie zu nachhaltiger produktiver Arbeit zwingt. Sie ist in letzter Linie eine Erweiterung unserer Eigenproduktion und bedeutet eine größere Unabhängigkeit unseres Binnenmarktes. Was das aber sagen will, das sind lvir in diesem Kriege besonders gclvahr geworden. Mit ihrer Richtung aus das Positive und bei der nationalen Bedeutung der hier erörterten Frage ist das Studium der Schrift jedem Baterlandssreunde auf das wärmste zu enipfehlen.

H i n d e n b n r g - A n e k d o t e » Zweite Serie. 1. bis 10. Tausend. 1915. Verlag von Kirchheim & (io. in Mainz. Preis geh. 20 Psg. Tie weitere Serie der Sauunlung enthält nach nach einem kurzen Vorwort:Unser Hindenbnrg* zahlreiche unter­haltende Einzelzüge aus dem Leben und Wirken unseres populär­sten Heerführers. Tie Lektüre bereitet einen erfrischenden Genuß, an bem man auch unsere tapfcren Feldgrauen draußen durch Zu­sendung des Hestchens sollte teilnehmen lassen.

Uapsel-Nätsel.

Bernstein, Zigarrenkiste, Reisender, Wanderer, augenblicklich, Reederei, Hungersnot, Verschwendung, Indigo, Hadseligkelt In vorstehenden Wörtern ist der Reihe nach je eine Silbe eines Zitats anS Schillers »Wattenstein" enthalten.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung der Skat-Anfgabe in voriger Nummert Abkürzungen: tr Treff, p = Pique, e Eoeur, car Earreau trZ Treff-Bube, pA. Pique-, cD = Coeur-Tarne usw Vorhand hat unverlierbares Null ouvert: tr7, tr8, tr9, trZ, trD, trK, car7, car9, carZ, carA. im Skat liegen c7 und p9, Hinter­hand bekommt den Nest. Spielgang:

1) V. carA M. carD H. car8 14

2) V. carZ M. carK H. cZ = 24

3) V. trZ 3)1. trA H. carB 23

Sa. = 61 Augen.

Kchristleltnna: Aug Goeh - Rotationsdruck und Vcrlaa der Brühl'schen UniversitätS-Bu.ch- und Steindrnckerei, R Lange, Gießen

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