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dem Giften invb Belgien und hat meist durch den Transport gelitten. Alle Gemüse reisen lcick>t. Der Spargel Ist mrr ganz frisch gestochen eine »virklicbe Delikatesse. Und selbst unsere vorzüglichsten Konserven können mrr als schöner Behelf Anspruch auf Auerwn- nung erheben.
Ueber die Ausbewadrung ist viel gestritten Ivorden. aber neben dem Gesagten möchte ich mir nock) hinzusügen, daß das Frisch- halten im Wasser geradezu ein Unfug ist. Wer ihn aufbewahrcn Mtnh, lege ihn trocken wie er ist in feuchte- n>eißcs Papier verpackt in den Eisschrank, oder sofern dieses Möbel fehlt über Rackü arrs offene Fenster — am besten n>o Gegen zug ist. Diese beständige Kuhle erhält ihn frisch. Selbstverständlich dehne man die Frist nicht ungebührlich lange aus. Auch die sorgfältigste .Aufbewahrung schädigt das Aroma.
Tic Zubereitung richtet sich nod) dem Geschmack Tie landläufigste Darbietung ist wohl der Spargel in zerlassener Butter, die möglichst Heist zu reichen ist, da sie so das Aroma des Gemüses erhöhl. Feinschmecker bevorzugen die geschlagene Butter und hart- gekochte Eier. Es ist auch hier wieder zu betonen, dast der Spargel selbst sehr Heist zur Tafel gegeben werden must, und es empfiehlt sich, ihn ans einer sehr heisten Schüssel, worauf eine ebensolche gefaltete Serviette liegt, zu Tisch zu bringen.
Die Italiener geniesten den Spargel mit Butter und geriebenem Parmesankäse, waS nicht zu verwerfen ist; das Gericht schmeckt außerordentlich fein: es lvürde z. B mit gefüllten Tomaten als selbständiges Gertcht fllr die Abendtafel eine sehr feine Schüssel bilden Wer den Spargel als Mischung liebt, möge ihn mit Morcheln oder seinen Schoten als Bruchspargel servieren; dabei ist zu bedenken, dast man die Köpfe zehn Minute»' später in das kochende Wasser wirft, da sie schneller lveich werden. Jedes der Gcrnüsc ist besonders zu kochen, die Vdorcheln in Butter zu dlinsten. die Schotenkörner mit wenig ööasser, Butter und einem Stäubchen Zucker zu kochen. Das Gemüse wird zuletzt gesalzen und mit ein wenig Sahne und Mehl bündig gemacht Feiugehackle Petersilie ganz zuletzt damit vermischt — ohne r nieder aufzukorl>kn. Dieses Gemüse eignet sich recht gut jui kalter Beilage, Spargel mit Rührei iü für einen Spargel rest zu verwerten.
Außerordentlich sein als kaltes Gericht schnieckt far Spargel in einer gut gekühlten Majonnaise, die mit KvebSschwanzen oder Garnelen gereicht wird. Auch als Salat mit Essig, Qel. Salz, wenig Pfeffer und einigen Kopssalatherzcn vermischt ist er nicht
Witc»schätzen
Ais Beigabe zu Hummer mir BurM. zu geräuchertem Lachs, als Pastete verfehlt er niemals siMen Zweck, die Reize b<» Tafel zu erhöhen.
Für die Kriegsküchc dürste er zumeist wohl als dickteö G-e- mnsc Bevorzugung finden, schon desfalb, weil dafür nickt die Auslese m Betracht kommt und auch eine zweite Sorte, die natürlich frisch sein muß, genügt. Man verwendet die bekannte hollän- dlM Tunke oder eine Sakn»e»rtunke Recht gut schmeckt atich eine solche von fernen Kräutern, die mit Scknoitzmehl, Spargelwasser und tninn Eigelb -übereilet ist. 2Ulc Tunken, das ist zu befür- worten. dürfen nicht sck-arf feilte das Aroma des Spargels bars niemals übcrtönt werden. Und es gilt als eine feine Kunst. die Znsammettstekluna so zu mischen, daß auch die verwöhnteste Zunge ans ihre Kosten kommt.
Eine andere Mischung des Spargels ist mit Mohrrüben, die krmgeschnitten und sehr jung sem müjfen, zü erivähnen Die bewan Gemüse können zusammen in kochendem Salz Wasser gar 9 ^'E werden. Die Brühe. die nicht viel mehr sein darf als für die Personen zahl nötig ist, wird mit einer Hellen Mehlschwitze bündig gemacht und mit Salz, Zucker und etwas Prtersilie gemischt.
Eine vorzüglich warme Schüssel, die auch für den bescheidenen Vansl>alt zu erschwingen ist, kann von Bruchspargel, einem halben Pfund m Butter geschmorten Morcheln, kleinen Fleischttößen, die in Spargelwaner gar gekocht sind und mit Butter gedämpften Reis hergestellt lveroen.
Das Spargelwasser, das man immer nur gerade in far aller- nolrgswn Menge hinzngeben soll, ist immer als Suv;>e zu ver tm'rten, da cs für den menschlichen Organismus außcrordentltch wertmrll ist.
Bei rxw Vorbereitung des Gemüses verfahre man möglichst Vvrncnttg. d h. man wasche die Pfeifen unter fließendem kalten YSasser, dag der Sand ans den zarten Schlippen der Köpfe heraus- ge!)t rmd schäle nach dem Waschen mit scharfen Messern und zirka «per Fiugcrgliedern weit unlex dem Kopf, beginne mit dünnem Aniatz und schale unten ,e nach Qualität dvS Spargels etivaS dicker', v^ll Un k cr ' n Sorte ist, ckmfo zarter sind seine
Beim Einkauf koste man eine Probe, ob er nicht bitter ist und tze es inerter beim Dckwlen, um die bttteke Pfeife fortznwers«m. die das ganze Gerietst verderben tvürde.
Der ausgedehnteste Spacgelhau in Deutschland befindet sich b^t Braunscknveig: aus diesem Grunde gilt der Braunschweigor Sptrrgel als der beste und ist gärtnerisch bekannt als Ruhm vor; ^^uustlüverg Indessen nicht minder gut ist der Lübecker und der markriche Spargctt den wir unter dem Namen Beelitzer rennen. G^ovc Kulturen zltckstet Hannover, die Umgegend von Kolmar Und Erfurt, "buch die Dresfauer Heide hält ans zarterr und ergiebigen
Spargel anlau Algenteuil reiwrgt die Pariser. Wahrend in Belgien große .'kulturen gebuchtet werden, ist man in .Holland nicht minder gut versorgt. Indessen gilt der Holländer als etlvas herbe.
Tie grün betörten Pleisen ivachsen auf Italiens Erde u»rd werden von uns mit Nnreclst ,-twos mißtrauisch angesehen. Ihr G-esckpnack ist fein und aromatisch. Unsere Hausfrauen betrachten auch die blauen Spa» ge! köpfe mit rvenig Wohlwollen Aber zu Unrecht. Ter Geschnrack leidet unter dem blauen Hütchen nicht. Man lagt, der Wind sei scharf drüber hin ge strichen, darüber sei die zarte Meist: ersckwockeu und blau angelanfen... Für die große Tafel, an der man nicht nur mit den» Gaumen, sondern auch mit den Ang-tM genießt, ist eS natürlich schöner, lmmn das Gericht ciu- farbig mit seinen -arteil Leibern auf der Platte oder im Spaegelkorb erscheint. Aber der. der auf dem täglichen Tisch Platz fiitNf, wlltc auch mit seinem blauen Hut für voll angesehen gelten.
Zuletzt rin Wort über Spargelesscn... Die Berührung mit dem Stabl gut als verpönt. Die alte Sitte gestattet die angc- borenc sünfzinkrge Gabel. Denen diese EssenSart nicht zusagt, -erdrücken die Stange und nstckeln sie geschickt um die silberne Forke In Amerika gilt die Zange für zulässig . . . ein zierliches Werkzeug vor. Silber oder '.'.ickei — vielleill>t auch vou Gold . Aber nur Multimillionäre oder Qz^ernlänger können sie sich leisten.
vom Kucfud und Hudurtsruf.
Tic Bedeutung des KilckutkSrufs ''ür unser Bolkslebcn hemgr tzweifellos damit zusammen, daß der früher mehr als faule rätsel- haste Bogcl seiner Msonderlichkeiten tvegen als nett überualür^ lickxn Kräften ansgestattet und zu den Gölten! in näherer Be. zicbttng stefand aedackt n*i:rde. Er ersck-cint im Polksglaubcu rieb fach als Diener oer Gottdeir oder rvobl gar als der (verwandelte) Gott selbst, so in den Redensarten: Da urc,ß der Knchrck — Potz Kuckuck, d. i. Gottes KUckick? Rach E. M. Arndt >oar cs eheinals verboten, den Vogel zu töten. Der Ausruf: Da schlage der Kurklick drein! bientet: „da schlage d<iS Wetter (der Donner) dvcm!" und laßt verinuten, daß der Knettick »ii dem Donnergotte Donar in näheren Beziehungen gestanden bat. Deniar, der mit feinen Hammer die Winterriescn tötete, der im ersten Frühlingsgervittoc der Erde den belebenden Regen <pe?»dete rmd ihr Fruckstbarkeit verlieh, nurrdc auch als Fimhlingsgotl verehrt. Einer seiner Lenz- lwteu ivar der Kitckilck, Hessen Ersck>einen iiberaU freudig begriißt lvurk< Rach Jadob Grimms „Rcchtseltertümcrn" haben wir Frühlingsanfang, wenn dn Gculch niufucf, guckt oder juchzet Die BezielTiingen Kuckucks zu Donar, dem segnenden Gott, ergebe»» sich daraus, daß Umn nach seinem Rufen das Wetter und den Aus^ fall der Enuc zu bestimmen stlchte:
Wenn die Kuckuck' im März viel schreien.
Kann man sich auf einen naher! Frühling freuen.
Wenn der Kuckuck nach Iol-anni singt.
Einen nassen Herbst er bringt.
SVenn der Kuck.ick tiach Johanni schreit,
Provfazcit cr teure Zeit.
Wenn der Kuckuck Nur Johanni aufhört zu singen, so soll es zeitig ansa»rge»l zu frieren; wenn h bis Peter Paul ZUui) siugt, so hvfst Utäu aus etncu rvarnicu Herbst. Schreit der Kuckiick nach Johanni, so rvird der Wein herb Tic dem Zkuckuck einst bei- aeleate göitriche Bedenttlng !vr»rde unter dein Einfluß des EhrMntnms in eine teuslisckre verkehrt. Der Kuckuck »>rlt nun als teuflischer Vogel oder a'S Terifel selbst, so in den Rcdonsarterr, Das glaube der Kuckuck! Der Kuckuck ist loS! Der Kuckick soll dick, holen! u. a Das „Rheintveinlied" von Elaudinö lautet in keiner 7. Strophe:
Der Blocksberg ist der lange Herr Philister^
Und macht nur Wind wie der,
Es tanzt der Kuckuck und sein. Küster Aus ihm die Kreuz und Quer.
Die Ansdnlcke „D-er Kuckrck und sein Küster" haben verschiedene AiiSlegung erfahren. Unter dem Küster vcrsteht man gelvühnlich den Wiedehopf, der einige T<rge vor dem Kuckuck bei uns eintrifft. Grimws „Wörterbuch" sckwcibt zu der Formel: „Die Mecklenburger sagen, der Wiedehopf sei des Kuckucks Küster; denn wenn sich der mit semem närrisck>cn Gelächter und Geschrei a»if den Bäumen hören läßt, sy läßt sich auch fald hernach der andere Rarr, der Klickicck, hören; denn ich halte die ztvei für Narren unter den Vögeln." In Grimms „Mtztlwlogie" wi»H ähnliches darüber berichtet. Maunhardt nremt, daß der Name. „Küster" vielleicht aus oes Kuckucks segnenden Einfluß bei Ehcbündnisscn als Vertreter Donars Hinweise. Simrock dagegen befanptet, d»rß der Wiedehopf des Kuckucks Küster sei, sei im Volksglauben nicht ge- gn'indet, wenn er gleich e»ne Gemcinschrft zwilchen faiden an-- nimmt. Der Klicknck bedeutet hier den Tnilel, für den des K-uc!»»cks Name noch täglich aebrai^cl-t nürd. Einen Kitster hat er, weil in der längsten Nacht die knrche ihm zu gehören scheint." Sv hätte auch Sanders recht, der für-„Kuckuck Uüd sein Küster" Tensel und Tcufelsippschaft setzt, und Wander könnte gleichfalls beigestimmt werden, werrn er meint, daß „der Kilckuck und sein Küster" äfyi lichen Sinn haben wie „der Teufel und seine Großmutter".
Nach einer Sage ist der Kuckuck cüp rvegen seiner Hartfawziakeit venvandeltcr Bäcker, dessen mitl<sbige Frau mit ihren jeä>s


