Ausgabe 
29.4.1915
 
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Lurück zur Schollt.

Nomon von Ewald Gerhard Seeliger (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

$?ebluig!" sagte der Pater und drückte ihr leise den Urni.Thomas hat so was vom Weggehen gesagt. Diesmal war's ihm Ernst, glaub ich!"

,,Laß ihn gehn!" antwortete sie, ohne den Blick zu wenden.Er taugt ja doch nicht viel, Kein Tag vergeht, wo du mcht auf ihn schimpfst!"

Ich schimpf auch aus mich selber," meinte August Zenorreck ruhig.So arg ist das nicht. Ich verlier ihn nicht gern. Viel ist ja nicht an ihm dran, das geb ich zu. Doch das kann sich alles noch auswachsen. Denn er hat einen Vorzug, aus dem alle andern kornmen. Er ist ehrlich, ein grundehrlicher Kerl! Wenn er auch ein Luftibus ist und ein Hans Obenhinaus!"

Meinst du, Vater?" rief sie erschreckt und ließ die Hände sinken.

Gar nichts mein ich!" antwortete er rasch.Ich bin vrellercht mit meinem Geschimpfe schuld, daß du ihn nicht lewen magst. Aber er ist wirklich kein übler Mensch. Er nimmt alles auf die leichte Schulter, das ist auch ein Vorzug. Sollst mal sehen, solche Leute werden am schnellsten glücklich."

Du hast also dieselben Absichten wie Mutter?" fragte sre sehr langsam und sah ihm forschend in die Augen.

Nein!" verwahrte er sich entschieden.Aber ich rate dir, nimm dir Zeit. Nicht überstürzen! Lern ihn erst mal kennen. Interessiere dich doch ein bissel für ihn. Im Augen­blick läßt er seine Dummheiten. Sieh mal, Hede, jetzt gefällt er dir noch nicht. Aber nimm ihn erst mal ein paar Mo nate auf Kandare und Trense, dann wird er schon seine Kapriolen lassen. Deine Mutter hat das mit mir ganz genau so gemacht. Das gibt allemal die glücklichsten Ehen!"

Ich will aber gar nicht heiraten!" ries sie und zuckte an der Leine.

Heute nicht, und morgen auch nicht. Aber übermorgen vielleicht!"

Niemals!" schwur sie und schmiyte dem Handpserd über den Rücken, daß es einen Seitenspruug machte.

Das kennt man!" lächelte er.Also wie steht's mit Thomas?"

Willst du, daß ich ihn nehmen soll?"

Du solltest deinen Vater besser kennen!"

Du willst also, daß ich mit ihm reden soll. Dann werde ich zu ihm sagen: Herr Hauschild, mein Vater wünscht, daß Kle hier bleiben, und ich wünsche es auch. Das ist nicht gelogen. Am Ende ist der Nächste noch viel unausstehlicher. Bei Herrn Hauschild weiß inan doch ivenigstens, daß er keine silbernen Löffel stiehlt."

Vielleicht weißt du in sechs Wochen schon ein bissel mehr von ihm," lachte der Vater und nahm ihr die Leine aus den Händen.

Hedwig steckte die steifen Finger in den Pelz und sprach bis Luschelau kein Wort mehr.

II.

Unterdessen fuhr Fritz von Winkelberg seiner Heimat entgegen. Das Wort aber gab ihm keinen trostenden Klang. Der Zug lief langsam und hielt bei jeder Station. Bis Frauenwaldau blieb das Coups leer. Hier dauerte der Auf­enthalt etwas länger.

Herr Friedlander!" schrie draußen der Schaffner. Nach Sulitsch? Hier ist noch Platz."

Zweiter Klasse!" hörte Fritz von Winkelberg draußen eine fette Stimme krähen.

Gleich daraus bekam er Gesellschaft. Die Tür wurde ausgerissen und drei Männer mit schlechten Manieren und unsauberer Kleidung polterten herein. Sie begannen sofort ein lautes Gespräch.

Vierzig Perzent!" stöhnte der dicke Friedländer und drehte schmunzelnd die Daumen umeinander.Sollst du sehen, Gottlieb!"

Höchstens dreißig!" erwiderte der Hagere, der ihm gegenübersaß.

Vierzig Perzent!" schrie der Dicke und hob die Hände. Du bist nur ein Goi, Gottlieb. Willst du einen alten Jüdden rechnen lehren."

So stritten sie eine Weite, und Fritz von Winkelberg, der den Kops müde in die Ecke lehnte, hörte, daß sie von einein guten Pferdebandel kamen. Er kannte die beiden nicht. Als aber der dritte den Mund austat, ivurde Fritz von Winkelberg aufmerksamer. Langsam forschte er über das scharsgeschnitteue Gesicht, über die ärmliche Kleidung und die beweglichen Hände. War das nicht der alte Abra­ham. Der alte Abraham aus Sulitsch, der schon vor zwanzig Jahren mit dem Schachersacke aus dem Rücken durch Britz kawe getrabt rvar? Und er war es auch! Die letzten dreizehn Jahre hatten ihn nicht älter gemacht. Er war übrigens noch gar nicht so sehr alt, der alte Abraham. Mit zwanzig Jahren hatte er von seinem Vater, dem ivahren alten Abraham, das Geschäft übernommen. Und die Bauern, die er auf seinen Geschäftsreisen besuchte, die ihn durch alle Dörfer der Umgegend führten, hießen ihn bald, wie sie seinen Vater genannt hatten. Und dabei war es beim auch geblieben.

Der erste Gruß der Heimat! dachte Fritz von Winkelberg und schloß die Augen.

Vierzig Perzent!" seufzte der alte Abraham und streckte die mageren Finger von sich.Ist ein Geschäft! Wenn hält ich mal vierzig Perzent gemacht? Bei den schlechten Zeiten!"

Schlechte Zeiten!" lachte ihn der Dicke ans.Was sagst du zu neunzig Perzent! Haben »vir gemacht vor zwei Wochen oben bei Zdurotschm. Hast du noch nichts gehört davon?"