Lred w. Taylor +.
' Der Begründer der „wissenschaftlichen ! Betriebs führ ung.
Aus Amerika kommt die Nachricht, daß Fred W. Taylor, der Erfinder des sogenannten „Taylor-Systems", gestorben ist. Er selbst hatte seinein Systeme das Kennwort „Scientific Mauaae- ment" gegeben, ein Ausdruck, den man etwa als „w i s se n s ch a f d- licheBetriebsführu n g" verdeutschen kann. Der Kern dieses Systems besteht darin, daß Taylor auf das bisher fast ganz vernachlässigte Studium der menschlichen Arbeitsleistung, soweit sie lei d<nn im Dienste der Technik tätigen Arbeiter in Frage kommt, -um ersten Male die Methoden streng wissenschaftlicher Beobachtung anwandte. Seit Leitgedanke war der, den Arbeiter selbst und die von ihm betriebene Arbeitstätigkeit bis zum kleinsten Bruchteste dieser Arbeit zum Objekte strengster wissenfchastlicher Untersuchung zu machen. Was bis dahin in dieser Hinsicht geschehen! ävar, darf ats völlig unzulänglich bezeichnet werden. Tapüir. der ülrigens auch als Erfinder des Schnelldrehstahles sich bekannt
Ö hat, schlug nun einen Lwllig eigenen Weg ein. ^Als ersten and seiner Untersuchung wählte er sich einen kräftigen Arbeiter, der bei der bekannten Stahlgesellschaft in Bethlehem Roheisenbarren zu verladen hatte. Ter Mann verlud, bevor Taylor seine Versuche mit ihm begann, etwa 121/3 Tons Eisen am Tag, eine Leistung, die etwa dem Durchschnitte der Tagesarbeit der dort beschäftigten Männer entsprach. Taylor begann nun — »vir folgen! hierbei im wesentlichen der sehr klaren Darstellung seiner Versuche, die Ingenieur Fritz Röll vor einiger Zeit in den „Naturwissenschaften" veröffentlicht hat — den Arbeitsvorgang von dem Augenblick, in dem der Arbeiter sich niederbeugte, um den Barren zu! erfassen, bis zu jenem, in dem das Eisenstückl seinen Platz im Wagen gefunden hatte und der Arbeiter zu seiner Anfangsstellung zurück- gekehrt war, mit Hilfe der Stoppuhr oder Stechuhr in seine Zeit- und Bcwegungselemente zu zerlegen. So gewann er die „Zeitstudie", die die Grundlage für die weitere Untersuchung abgab. Die Elemente dieser Zeitstudie wurden nun auf ihren Wirkungsgrad einzeln geprüft, d. h. es wurde jetzt jeder überflüssigen Bewegung! und jeder Kraftvergeudung, mochte sie noch so klein und unerheblich) erscheinen, nachgespürt, und auf Grund dieser Beobachtungen wurde nunmehr eine Formel für die höchstmöglichste Arbeitsleistung gefunden. In derselben sinngemäßen Weise wie Bewegung und Kraftaufwand wurden die Ruhepausen verteilt, um eine Erschlaffung des Arbeitenden zu vermeiden.
Hatte Taylor auf diese Weise eine genaue Feststellung der tatsächlichen sowie der ideal möglichen Arbeitsleistung gewonnen, so begann jetzt erst der schwerste Teil seiner Arbeit: den Arbeiten dazu anzuleiten, daß er seinen Arbeitsvorgang nach dem vorgedachten rationellen Arbeitspläne durchzuführcn lerne. Die mangelnde Einsicht des Arbeiters, die natürliche Neigung zur Beharrung auf überlieferter Arbeitsweise und manche andere ernste Schwierigkeit stellte sich bei diesem Versuche Taylor entgegen, und er mußte natürlich unter dem Arbeitsmatcrial eine Auslese vornehmen. Es gelang ihm aber schließlich doch, eine größere Anzahl Arbeiter in der gewünschten Weise auszubildcn, und der Erfolg, der hierbei erreicht wurde, lohnte allerdings die aufgewandte Mühe reichlich. Dieselben Arbeiter, deren Höchstleistung bisher etwa 12Vr Tons am Tage war, verluden nunmehr in derselben Arbeitszeit ca. 47 Tons, ohne daß eine größere Ermüdung als früher festgestellt werden konnte. Damit erhöhte sich ihr Arbeitslohn von Mk. 4.60 auf Mk. 7.60, also um ettoa 60 v. H. — und dieser gelvaltige Fortschritt war allein dadurch erreicht worden, daß ein bisher nutzlos verpuffter Kraftaufwand in produktive Kraftans- nützung Übergeleitet worden war. Als weitere Beispiele des Tay- lorschen Verfahrens mögen einige Ergebnisse angeführt sein, die ein Schüler Taylors: Gilbreth, erzielt hat. Gilbreth wandte das Verfahren auf die Tätigkeit des Mauerns an und es zeigte sich, daß auch bei diesem uralt überlieferten Handwerke eine schier unglaubliche Vergeudung menschlicher Arbeitskraft getrieben »vird. Nachdem die Maurer umgelernt hatten, konnten sie statt, wie zuvor, 120 Steine in der Stunde etwa das dreifache Arbeitspensum' leisten. Auf der englisch-japanischen Ausstellung in London leitete Gilbreth eine kleine Japanerin, die im Zeitraum von 40 Sekun-^ den 24 Streichholzschachteln mit Firmenschildern beklebte, durch die Anwendung der Taylorschen Methode so lveit an, daß sie für die Beklebuny dieser 24 Schachteln nur noch 20 Sekunden, also die Hälfte der bisher benötigten Zeit, gebrauchte und damit ihre Arbeitskraft verdoppelte.
Taylor ist nun nicht bei der verhältnismäßig einfachen Methode stehen geblieben, die im obigen kurz beschrieben worden ist. Die Stoppuhr genügte nur bei jenen größeren Arbeiten, bei denen, wie beim Mauern oder beim Verladen, die einzelnen Bewegungs- und Arbeitselemente noch mit Hilfe der menschlichen Sinne von! einander getrennt »verden können. Dagegen hat er zur wissenschaftlichen Untersuchung jener Arbeiten, ber denen die Bewegungsfolge eine raschere ist, die einzelnen Bcweguugen schneller ineinander übergehen rmd der erforderliche Kraftanflvand nicht mehr mit Hilfe der Wage bestimmbar ist, neue, sehr sinnreiche, zum Teil freilich auch recht komplizierte Meßwerkzeuge konstruiert, die eigens dem jeweiligen Arbeitsvorgänge genau augepaßt sind. Solcl-e We rkzeuge hat er z. B. für die Untersuchung der Arbeitsleistung
beim Befeilen eines Etsenstückes ersonnen, währsch bei solchen Arbeiten, bei denen, wie z. B. beiin Drehen von Zigaretten, dev Kraftauflvand hinter der manuellen Fertigkeit zurücktritt, die rinematographische Methode mit Vorteil herangezogen wurde. Diese Andeutungen werden genügen, um eine Vorstellung davon
? u vermitteln, wie bahnbrechend Tavlors Leistung zu bcmteUeii ft. Er hat den Weg gewiesen, um die Uebertragung der Geschicklichkeit auf alle Tätigkeiten der Industrie in bewußter Weise durchznführen. Schon ist in den Bereinigten Staaten eine Reihe großer nnd einflußreicher Unternehmungen nach dem Taylorsystem organisiert mrd anch deutsche GroßunternehMnngen, wie z. B. die Auergefellschaft in Berlin und die Optische Werkstätte von Carl Zeiß in Jena, tzrben die Einführung des Taylorsystems in ihren Betrieben vorbereitet.
Beliebte und unbeliebte Schulfächer.
Einen tiefen Einblick in die Seele der Schulkinder gewährt eine groß angelegte Untersuchung an über 2000 Schulkindern, die Dr. Georg Brandell ausgesührt hat, und deren Ergebnisse der Verlag von Johann Ambrosirrs Barth in Leipzig jetzt unter denr Titel „Das Interesse der Schulkinder an den Unterrichtsfächern" als Beiheft der Zeitschrift für angcnoandte Psychologie und psychologische Sammelforschung veröffentlicht. Die Arbeit, die für Lehrer und Psychologen berechnet ist, dürfte fitr die Eltern von Schulkindern nicht weniger anziehend sein. Die Untersuchung ist an schwedischen Schulkindern ausgeführt worden, doch hat der deutsche Herausgeber entsprecherche Untersuchungen an deutschen Schulkindern mitherangezogen. Es waren den Schulkindern eine Reihe von Fragen über ihr Interesse an den einzelnen Unterrichtsfächern vorgelcgt worden, nnd zu jeder Antwort sollte auch eine Begründung gegeben werden; die Llllgemeinheit wird die Frage nach den beliebtesten und unbeliebtesten Schulfächern wohl besonders auzieben. Vollständige Klarheit hierüber läßt sich nicht erzielen. Bei Knaben sind Geschichte und Rechnen sicherlich besonders beliebt, bei Mädchen Geschichte und Lesen; vielleicht beliebt sind bei den Knaben hierzu noch fremde Sprachen, Handarbeiten tu Holz und Metall. Unbeliebt sind bei den Knaben Sprachlehre, Gesang nnd Schönschreiben, wozu als unsicheres Fach Linearzeichen hin- zukommt; bei den Mädchen: Sprachlehre (unsicher: fremde Sprachen), Rechnen, Rechtschreiben, Gesang, Schonschreiben und Turnen. An den einzelnen Unterrichtsanstalten und natürlich anch je nach dem Alter der Kinder »wechseln Beliebtheit und Unbeliebtheit der einzelnen Fächer. Zahlenmäßig gibt die folgende Aufstellung eine Uebersicht über durchschnittliche Beliebtheit oder Unbeliebtheit der einzelnen Fäck)er; bei der Frage nach Beliebtheit einzelnen Fächer entschieden sich unter den Knaben in Prozenten aus- gedrückt, für fremde Sprachen 17,8 (unbeliebt tvar dieses Fach bei 1,1), Geschichte .17,4 (1,1), Handarbeit in Holz 15,6 (2,9), Naturkunde 1o,1 (2,2), Linearzeichen 11,9 (1,1), Rechnen 8,4
(3.3) , Freihandzeichnen 8,1 (4,5), Lesen 6,v (4,3), Turnen 5
(2.4) , Handarbeit in Metall 4,8 (3,9), Geographie 4,7 (5), Buchführung 3,6 (0,9), Katechismus 2,7 (2,7). Biblische Geschichte 2,4 (3,3), Aufsatzschreiben 0,8 (5,7), Schönschreiben 1.6 (6,4), Rccht- schreiben 1,4 (9), Sprachlehre 0,3 (16,4), Gesang 2,6 (16,8), Geometrie 0,7 (18,1). Für die Mädchen lautet die entsprechende Aufstellung: Handarbeit 25 (1,2), Geschichte 21,2 (1,1), Hanshaltnngs- lehre 15,1 (3), fremde Sprachen 9,4 (0), Lesen 0.4 (1,8), Freihandzeichnen 9,2 (6,1), Rechnen 6,9 (5,5), Turnen 5,4 (4,7), Geographie 5,2 (5,1), Naturkunde 3,9 (4,1), Biblische Geschichte 2,1 (0,8), Buchführung 1,9 (2,0), Katechismus 1,7 (0,2), Aufsatzschrei- oen 2,1 (6,3), Schönschreiben 1,1 (8,5), Gesang 1,7 (15,6), Rechtschreiben 1.5 (15,6) und Sprachlehre 0,4 (22,1). Bel der Be»ver- ttlng nach dem Nutzen, die übrigens in zunehmendem vllter immer mehr in den Vordergrund ttitt, stellten Knaben wie Mädchen
. Rechnen, Schreiben nnd Lesen in dieser Reihenfolge an die Spitze. Was die Begründung angeht, die die Schulkinder für ihre Entscheidung angaben, so läßt slch feststeUen, daß sie sie bei unbeliebten Fächern häufiger »veglassen, als bei beliebten und mit dieser Rücksicht — darum handelt es sich offenbar — gingen die Mädchen weiter als die Knaben. Die Begründungen für Beliebtheit oder Unbeliebtheit einzelner Fächer sind besonders lehrreiche. Das Lob, das der Lehrer gespendet l)attc, hatte 6 Mädchen veranlaßt, ein Fach als das beliebteste zu bezeichnen; keiner der Knaben hatte so etwas als Begründung angegeben. Religion lieben die Knaben der Kleinkinderschnle am meisten, „»veil ich ein guter Knabe werden will und dort (in der biblischen Geschichte) steht cs, »me ,ch das werde." Andere Knaben begründen die Beliebtheit der biblischen Geschichte damit, daß es „interessant sei zu lesen, wie die Menschen vor unserer Zeit lebten", oder daß es „nützlich sei, zu »vissen, wie Gott von uns denkt". Lesen ist beit Mädchen der Kleinkinderschule unangenehm, weil sie Kopfweh bekommen, »venu sie so lange ins Buch gucken, oder »veil ihnen die Augen schmerzen, und ein Knabe gibt an: „Es ist langweilig, wenn dasselbe mehrmals besprocl)eu wird." Aussatzschreibeu ist bei den Mädchen beliebter als bei den Knaben. Ein Mädchen liebt dieses Fach ant meisten: „Da darf man Personen darstellen, »vie man selbst will, und in verschiedenen Dingen seine eigene Meinung zum Ausdruck bringen . . ." Sprachlehre lehnt ein Mädchen als unbeliebt ab, »veil ich glaube, daß die wichtigsten Teile der Sprache auch ohne


