Jan von Werth.
Roman aus dem Dreißigjährigen KrieM von Franz Herwig.
(Nachdruck verboten.) a. (Fortsetzung.)
Die Sonne hatte sich gesenkt. Ihr gedampfter Schein schien auch den Lärm des Festes zu beruhigen. Als Jan auf die Terrasse von Eonflaus kgm, wo Richelieu tfju erwartete, fand er weltabgeschiedene Stille.
„Ah! Ich danke Euch, daß Ihr gekommen seid, Herr voir Werth. Nehmt Platz, ich bitte Euch." Er winkte den Kavalier zu sich. „Raimonville," sagte er, „ich wünsche nicht gestört zu werden."
Der Edelmann ging langsam zurück, bis zu seinen Kameraden. Sie wandelten aus der untersten Terrasse langsam auf und ab.
„Ich habe Eure Eminenz nicht auf den: Feste bemerkt," sagte Jan, „sonst Hütte ich ohne Zweifel—-
„Die Geschäfte verbieten es mir säst gänzlich, an Verneigungen teilzunehmen. Auch mache ich kein Hehl daraus, aß ich an solchen Dingen wenig Gefallen sinde7"
Jan blickte ihn an. Er sah müde ans.
„Ich habe Bischöfe beim Feste gesellen, Eminenz, Und in Vincennes sitzt ein Heiliger gefangen, der Abb6 de Saint- Eyran. Ein seltsames Schauspiel."
„Der Abb6 de Saint-Cyran? Er war zu kühn. Ich liebe kühne Menschen, aber ich sperre sie ein, wenn ihre Kühnheit sich gegen mich richtet."
„Gottdank, daß ich nicht zu den Untertanen Seiner Majestät gehöre."
„Ist es Euch so wohl unter Eurein Kurfürsten? Man sagt, Ihr liebtet ihn nicht?"
Jan schwieg.
„Wie denkt der Kaiser über ihn?"
„Ich habe nicht die Ehre, zu den*Dert rauten des Kaisers zu gehören."
„Nun, ich wollte Euch nicht allsfragen. Reden wir von anderen Dingen. Obgleich ich nicht verschweigen will, daß der Kaiser von Oesterreich besser daran täte, dem Rate des Kurfürsten zuweilen mehr zu folgen. Denn seine Hilfsquellen erlauben ihn: doch wohl nicht, den Krieg noch lange sortzusetzen. Oder wie ist Eure Meinung?"
„Meine Meinung ist, daß Frankreich eher Grund hat, den Frieden zu suchen. Euer Eminenz führt Krieg gegen Spanien, Deutschland, .Holland: wenn ein Gegner ausschiede, und zwar der mächtigste —"
„Ihr vergeht, das; Schweden —"
„Ach, Eminenz, Ihr wißt so gnt wie ich, daß Schweden lieber heute als morgen Deutschland verließe, wo es seinen König ulid die Blüte des Adels gelassen hat. Ihr selbst seid zu klug, um Schweden zu trauen."
Der Kardinal neigte sich vor.
„Ihr habt bei Rheinfelden mit dem Herzog von Weimar gesprochen. Aber Ihr müßt Bernhards Worten nicht allzuviel Bedeutung geben."
„Schütz' mich Gott, daß ich mit dem Verräter vertraulich geredet hätte!"
„Man braucht auch zuweiten Verräter."
Jan zuckte die Achseln und schwieg.
Plötzlich lächelte der Kardinal.
„Ihr seid klug, Herr von Werth."
„Nur vorsichtig, Eminenz."
„Beliebt es Euch, einen Becher zu trinken?"
„Ich habe mir heute Enthaltsamkeit gelobt."
Der Kardinal erhob sich und ging langsam, mit gesenktem Kopf auf und ab. Plötzlich blieb er stehen.
,„Jch habe eine Neuigkeit für Euch: Herr Durante ist in Paris."
„Aber gegen Euren Willen und gegen Euer Erwarten Sonst hättet Ihr ihn wohl nicht vertraulich gewarnt.^
„Wer hat Euch das gesagt?"
„Seine Majestät der König."
Richelieu stampfte mit dem Fuße auf.
„Das ist Geschwätz!"
„Verzeiht — von dem König oder von mir?"
„Ihr braucht mir den Degen nicht aus die Brust zu setzen."
Er ließ sich dicht bei Jan nieder.
„Sagt — gibt es einen Menschen, den Ihr mehr haßt als mich? Nein, nein, antwortet ruhig. - Oder antwortet nicht. Ich kenne Eure Gedanken. Aber ich glaube, Ihr kennt die meinen nicht. Lassen wir doch für eine kurze Spanne Zeit den Feldherrn und den Kanzler fallen; sprechen nnr zw> sammen wie zwei Männer. Ich gestehe Euch, daß ich gerade, offene Männer wie Euch liebe, und nichts wäre mir angenehmer, als zu wissen, daß Ihr mich versteht. Werth, ich liebe mein Vaterland wie Ihr das Eure. Ich will es groß sehen. Ich strebe dieses Ziel an mit allen Mitteln. Ob ich's erreiche? Ich iveiß es nicht. Bis ich selbst sage: „Ich kann nicht mehr", soll aber kein Wille dem meinen entgegen sein! Versteht Ihr, keiner. — Ich habe viele Feinde, ihre Zahl ehrt mich."
„Ich weiß nicht, Eminenz, zu welcl>em Zweck Ihr mir —" .
Richelieu richtete sich lute erwachend auf und sagte nnt leiser Bitterkeit in der Stimme 5
„Ihr habt recht. Auch ich weiß nicht, weshalb ich Euch Konzessionen mache. Rur das weiß ich, wir beide kommen nie zusammen." „ _ .
„Auch ich verehre gern, Eminenz, glaubt nur das. Aber daß Ihr Unschuld'ge verfolgt, Frauen, die Euch nicht gefährlich werden können —"
„Herr von Werth, die Dame, die Ihr meint, und die Ihr in Corbeil gesehen habt — Ihr seht, ich weiß es - ist vorläufig noch nicht gefährlich. Gefährlicher Frauen


