Ausgabe 
31.3.1915
 
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Mittwoch, -en 31 März

Jan von Werth.

Noman aus dem Dreißigjährigen Kriege von Franz Herwig.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Hunger und Seuche zwangen Gustav Adolf zum Abzug. Die protestantischen Reichsfürsten, die sich mit ihrer Begeiste­rung für ihn heiser geschrien hatten, brachten keinen Laut mehr aus der Kehle. Der sächsische Kurfürst verhandelte offen mit dem Friedländer. Gustav Adolf zog nach Norden. Und als der Kurfürst Maximilian von Bayern mit Aldringhen und Jan wieder an die Donau kam und aus Herzensgrund sagte:Gott Dank, daß ich wieder bayrische Erde trete: der Friedländer hat mich nicht wenig mortifiziert", wurde in dem Novembernebel da oben auf der Lützener Heide der Friedländer geschlagen, aber auf der Walstatt lag der, welcher die Hoffnung und der Stern der Protestanten gewesen war: Gustav Adolf, blutig, halbnackt, tot.

In das erschütterte Schweigen, das Freund und Feind gelähmt hielt, löste sich erst allmählich der Klang der Pfeifen und großen Trommeln, mit dem die Schweden entschlossen und finster, von Horn und Bernhard von Weimar geführt, wieder durch Franken und Bayern marschierten.

Jan saß bei der ersten Nachricht im Sattel.

Der Narrentag ist angebrochen", lachte er.

Weshalb?" fragte Jos6 Maria, der neben ihm ritt.

Die Schweden, Junge, haben aus unserem Jammer nichts gelernt. Sie haben sich schleunigst zwei Oberbefehls­haber zugelegt, und ihr Kanzler Ochsenstern hält sie aus der Ferne am Draht. Glück zu!"

Er stieß drein, wo ein schwedischer Haufen sich zeigte. War kein Quartier sicher vor ihm, er schlugs auf. Selbst in des Herzogs Bernhard Leibregiment sprang er und würgte die blonden Enakssöhne

Grad auf den Weimarer Hab ich's abgesehen." sagte er,den wackeren Deutschen, der den Reichsseind ins Land führt!"

Zuweilen glaubte ihn Bernhard zwischen den eisernen Zangen seiner Armaden zu haben. Er kniff Jan wohl ein­mal blutig, aber in der nächsten Nacht, wenn er meinte ihn geschreckt zu haben, so zwischen zwei, drei Uhr, schrie'^ - Jesus Ferdinandus! Und Brände flogen und Schüsse knatterten und der Werthsche Schrecken stürzte über die Erwachenden.

Da ballte Bernhard seine Truppen zusammen und drängte so schnell es ging, nach Nördlingen. das die Kaiser­lichen belagerten und dem er bei seinem fürstlichen Eide Hilfe rugesagt. Drängte unaufhörlich und schleppte auch den zau­dernden Horn mit sich.

Voran! Voran! Herr Kamerad! Ehe Werth zu ihnen stößt, müssen wir an sie sein."

Pipen und Flöten, Jan war früher aufgestanden. Und als Herzog Bernhard mit der Vorhut bei Nördlingen an­

langte und aus dem Goldbachwalde hinter Ederhein und Hirnheim herausdefilierte, zogen die viertausend Mann Jans am Fuß des Tannenberges dahin, auf die kaiserliche Stel- lung zu und sangen aus vollem Halse:

Dragoner und Kroaten Dazu die Musketier Seyn allsamt gut geraten,

Und auch die Kürassier.

Maria voll Erbarmen *

Dazu der heilige Ehrist,

Schützt Alls mit euren Armen >

Was gut katholisch ist!"

*

Die Septembersonne kämpfte wie ein Ertrinkender in dem feuchten Qualm der Nebel, die aus den finsteren, end­losen Wäldern um Nördlingen stiegen. Auf der freien Nei­gung des Albuchs, auf dem der rechte Flügel der kaiser­lichen, ligistischen und span: chen Völker stand, aing Jan mit dem Herzog Karl von Lothringen auf und ab. Das lange feuchte Gras schlug ihnen um die Stiesel.

Wahrt nur den rechten Flügel gut, Werth," sagte der Herzog,seid nicht so hitzig?" Er klopfte ihin mahnend und freundlich auf die Schulter.Muß heute Viktoria geben. Ich hab's der erlauchten Königinmutter von Frankreich ver­sprochen."

Der Königinmutter Maria, die der Kardinal haßt?"

Und die der milchbärtige Louis auf sein Geheiß ver­bannt hat!"

Jan blieb stehen und bohrte den Absatz in den feuchten Grund.

Fahrt wohl, Gnaden Herr Herzog, und gute Verrich­tung! Will sehen, ob meine Kerls aus dem Polten sind. Ich habe Gründe, vor der Königin gut zu bestehen."

Glück und Sieg. Werth "

Vom linken Flügel her donnerte es bereits dumpf. Da war Horn schon an der Arbeit.

Zwei Pagen hielten schweißtriefend Jans hellbraunen Ungarn an den Zügeln.

Der wittert den Pulverdampf," sagte Jan, sprang in den Sattel und war im Nu vor seinen Regimentern. Der Gau! bebte in allen Muskeln und riß seinen Reiter fast über den Hals.

Da hielt Jose Maria. Sie hatten sich lange nicht ge­sehen. Jan wollte ihn umarmen, aber er brachte den Ungarn nicht heran. So ließ er ihn um Jose Maria im Linksgalopp Kreise beschreiben. Die Nebel stiegen. Der weite, grüne Wiesengaua bis an die gegenüberliegende Höhe wurde frei. Bernhard stak noch jenseits im Wald, indessen Horns Mus­keten verworren und übereifrig schon in den dnmpsen Donner der Geschütze knatterten.

Kommst du von Nördlingen?" fragte Jan.Hat man näheren Bericht, wie Aldringhen starb?"

Es scheint, aber es scheint nur so, daß er fiel wie jener Bolini fiel, Jan. als wir von Mantua abzogen."