Ausgabe 
18.2.1915
 
Einzelbild herunterladen

110

Kong, komm mit!" ries sie, und als er lächelte:?or- chetto mio!"

Sie machte ausgelassen mit geblähten Backen den Takt der Dragonerpaukeu nach:Terumm tutn Lumtumtum, terumtum rttntmel rummel tmntumtum."

Aus einem Fenster lehnte die WirtinZum blauen Hecht" ihren gewaltigen Körper und schrie herunter:Sieh das Taternmensch nicht an, Jan; die Landstörzerin behext dich!"

Das Mädchen drehte sich um und schnitt der Wirtin gräßliche Gesichter zu, der Äffe kreischte, und Jan trat in die Haustür zurück. Jetzt hatte er die Hände wieder hinter dem Schurzleder, aber sie waren geballt. Ein Weilchen stand er noch. Sie reiten nach Jülich zu. Und kommen vielleicht in mein Dorf. Und dann ins Land Flandern und Brabant. Jeden Morgen, wenn die Sonne ansgeht, rufen frisch die Trompeten, und die Rosse schnauben. Er dachte so weiter; dann ging er ins Haus. An der Theke nahm er gedankenvoll die Tonkanne und aoß langsam den gelben Wein in den böhmischen Humpen. Er sah den Perlen zu, die magisch funkelnd nnsstiegen wie Geister des Lebens, und trank langsam aus.

Zackerbombenundflöh," knurrte er vor sich hin.Und dann kommen sie an den ,groote Mörizh und runter vom Gaul, Und zack, zack, krachen die Ladstöcke. Und Perrumm !"

Die Wendeltreppe knarrte. Frau Josepha Schmitz, die Wirtin, kaut herunter. Ihre volle Stimme zitterte.

Jan, du guter Junge."

Und als sie die Arme ausbreitete, schloß Jatt die Angen, wie jemand, der ins Wasser springen will, und folgte dem Druck der Arme, die ihn an die stolze, gebieterische Brust zogen.

Die Hausklinget schrie Zeter und Mord. Das Paar fuhr auseinander. Es war Snmstag, und die ersten Gäste kamen. Da schwenkte Jan schon die Kannen in: kupfernen Zuber, und Frau Schmitz ließ sich gewichtig auf der Wirtsbank nieder, die für zwei Raum bot und in dem kurzen Gang zwischen Trinkstube und Schenkraum stand. Es dämmerte. Die Tranlanrpen wurden angesteckt, mtb ihre Flämmchen zitterten in: Dabaksqnalm. Die Klingel zeterte unaufhörlich wie ein keifendes Weib.

Die hierher kamen, waren rechte Bürger von einigem Gewicht. Josepha hielt darauf. Es war ein langsam schwer­fälliges Gespräch über die unsicheren Zeiten. Die Klagen tropften endlos aus den bärtigen Mäutern der .Herren Bürger, und nur e i n Lob wußten sie, das ihres Herrn Kurfürsten, der so meisterfein verstand, in dem politischen See zu lavieren, der jedem fromme und vieldeutige Reden schenkte, und m&tn jemand, der Kaiser oder der Körrig von Frankreich, dergroote Moriz" oder Karl von Lothringen, die Katze anr Schwanz fassen nwllte, so griff er in die Luft. Solchen Herrn oh, den mochten sie leiden. Daß es ben Gewerken gut gehe, daß feine Einquartierung kam oder hebe dich weg, Satan! gar feindlich Kriegs Volk, dafür sorgte der hohe geistliche Herr, und int übrigen war Gott ein guter Mann.

Als Jan einntal dttrch den Gang lies, eine volle Kanne in der mächtigen Küserfanst, hielt ihn Frau Josepha an und ffob den Zeigefinger.

Bergiß die Beichte nicht, Jan. Und geh zu den Jesuiten und wenn Pater Andreas da ist, damt geh ztt dem."

Jan brummelte einJa". Die Beichte freilich, die hatte er vergessen. Er hatte int Tabaksqnalnt Pulvergewölk gerochen; wentt Herr Opderbecke, der ttoch der Lebhafteste ivar, auf den Tisch schlug, war's ein Musketenschuß, und wenn ein Lastwagen vont Werft her amBlauen Hecht" vorüberrumpelte, haltert fern die Kartaunen gebrummt. Aber nun wttrde er rvach. Es dauerte nicht zwei Minuten, da hatte er das Leder abgelegt und die Kappe ans dent blonden Haar. Zahlte beit Zoll fürs Freipassieren in Gestalt eines Kusses aus dett vollert Mund der Frau Josepha ttttd tvar draußen.

Vom Rhein her rvehte es kühl. Der Himmel lvar ttoch- ein wenig! hell, aber die Sterne begannen schon zögernd zu ölinken. Jan ging mit schnellen, ans greifen den Schrit­ten in das Gewirr der Gäßchen hinein, die die Minoriten­kirche wie ein Spinttettgewebe umschlossen. Jtt ihr waren die Jesuiten, bis zur Fertigstellung ihrer tteuen Kirche in der Marzellengasse, vorläufig zu Gaste. Hier und da schimnterte vor einem Heiligenbild in der Mauernische ein Lämpchen die Schenken hatten Laternen über der Haustür, uttd wentt

ein vorttehmer Herr oder gar eine reiche Büigerstochter daherkam, schwankte ihnen ein Windlicht voraus. Das war ein behagltches, etwas geheimnisvolles Spiel von matt leuchtenden Flämmchen. Mer so recht hell tvar es nicht. Ueberall waren tiefe Schatten, die sich verschoben, und Menschen verschwandett darin, ohne daß man wußte, wo sie blieben. Bor Jan gingen zwei .Herren in schwarzen Mänteln. Jan holte sie ein, und sofort uttterbrachen sie ihr Gespräch und sahen ihn an. In dem Wunsche, den Kavalieren, wie es sich zietnte, anszuweichen, stolperte Jan über einen Stein und ranttte nnfanft an die Schulter des einen. Jan zog die Kappe.

Par le mort bleu!" schrie ihn der Kavalier an.Lüm­mel, kannst du mich, tticht sehen?"

Jan erwiderte geretzt:

Ohne Zweifel tticht, da ihr fein Stern seid!"

Monsü Durante!" sagte der aitdere Kavalier mah- nettd und hielt die Hand fest, die nach dem Degett griff. Mach', daß du sortkommp!" rief er Jan zu.

Der sagte spöttisch:Da der Weg frei ist, geh ich von selbst."

Es flogen ihnt ttoch ein paar französische Flüche nach, die ihm aber nicht tveh taten, da er sie tticht verstand.

Hach," ntachte Jan, als er schotr weit voraus war, wenn ich diese französischett Lassen sehe, kocht mir das Blut. Dürft' ich nur den Degett tragen! Zackerbomben- undslöh!"

Aber da staub der Giebel der Minoritettkirche, und seilte quadratischen Fenster schintmerten rötlich warm. Dicht vor ihnt schlüpfte ein Mädchen unter dem schweren Leder- Vorhang dttrch, ein wohlgebautes, zierliches Mädchen, soviel sich in dem nnsicherett Licht erkennen ließ. Und die Hand, die fünf Schritte vor den Augen Jans einen Attgenblick auf dem dttnkleit Vorhang gelegen hatte, tvar von aristokratischer Süße gewesett. Einen Augenblick dttrchlief es ihn freudig: Griet? War das Griet? Schnell hinterher. Aber sie war schott hinter dem ersten Pfeiler verschwuuden. Der bronzene Riesenengel, der da über beitt Weihwasserbecken schwebte, lächelte süßlich, halb schadenfroh, halb verheißungsvoll. Und als Jatt um den Pfeiler bog, sah er feine holde Kleine gerade in einem Betstuhl niederknien.

Jan liebte diese kleinen Abenteuer, die tut Halbdunkel der Kirchen sich anspannen, wo ein zarter Rachgeruch von Weihrauch die Sinne beflügelte und die Ahnung von der Nähe Gottes allzu dreiste Keckheit verbot. Er stemmte also die Hand mit der Kappe ttttteruehmuttgslnstig in die Seite und spielte mit der anderit an seinem Schnurrbärtchen. So schob er sich ait- dent Betstuhl der Schönen vorbei ttnb machte schott tut voraus verliebte Augen. Aber plötzlich blieb er stehen: ja, lvar also doch die Griet, von der er tticht wußte, wer sie tvar und wohitt sie gehörte, mit der er ttichts gewechselt hatte als ein paar eilige Worte att einer Straßen-- eefe, in einem finsteren Hanstor. Sofort fniete er neben ihr nieder tvie es sich gehörte; tticht ganz dicht, sondern so, daß eine ehrbare Person zwischen ihnen knien konitte, und da sah er aus ihren so rund und fein geschwungenen Wang-eir Spuren von Trättett. Kannte er da stumm bleiben?

Griet", flüsterte er.

O Jan," sagte das Mädchen und sah ihn mit einem schnellen Blick an.

Aber schon richtete sie ihre Augen tvieder aus den Altar, und er, allerdings ein wenig später, ntachte es ihr nach.

Gutett Abend, kleitie Griet", flüsterte er weiter.Wes­halb tveinst dit?"

Sie seufzte.

O Griet, sprich doch."

Frag' mich nicht, guter Jatt."

(Fortsetzung folgt.)

3000 Rubel!"

Skizze von Martin P r o s k a u e r > Berlin-.

Timosej Sudajesf, der Schreiber ans dem' Proviantamt, zog seinen Uniformrock zurecht, setzte die Mütze auf und sagte zu dem kleinen, dicken Getreide Hän dler, der ihn zur Tür begleitete:

Tu weißt, Paschka, Bruderherz, ich tu dir gern einen Gefallen; aber diesmal geht es nicht. Der neue Oberst ist zu streng, er nimmt wirklich ttichts!"

Und fassungslos fragte Pawel Semjonow, der GetreidehändlerL

Wirklich, er nimmt nichts, gar nichts?"