Ausgabe 
25.1.1915
 
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zum Plaudern cinfaiion», lnngst nicht mehr beshanden, hl.eit.en die Leute de- Erzgebirge» und de- Bogtlcmdes noch an ihren Spinn­stuben. oder, wie sie dort genannt wurden, alt ihren Hntzen- stuben fest Mer mit der Zeit gingen diese abendlichen, bel den Dorsbewohirern umlpechscBkdcn Zuia»n»»»enkünfte doch eilt. Jetzt in der Kriegszeit nnd hailptsächticy seit der Winter sein«: Ein­zug gehalten hat. sind sie in »nanchen Dörfern des Erzgebirge- rwn neuem entstanden Allerdings haben diese Zusammenkünfte einen anderen Namen bekommen. man versantmelt sich nicht mehr in der Hntzenftube, sondern in derKriegsstirbe". Wer irgendwie anf ein paar Stunden Zeit bat, der lomnlt am Abend in dieKriegsstnbe". Irgend jemand, ein Mann oder ein Bnrscbe, eine Frau oder ein Mädchen, der im Borlesen einigermaßen geübt ist, mutz die Nachrichten über den Krieg ans den Zest -tungen vorlesen. Dabei wird oft jede Zeile vorgetragen, die den Krieg betrifft. Manchural ist auch eure Karte von den Kriegs­schauplätze,» zur §>and. Da »verden dann der rrersammelten Dorf' belvobuerschart die Stellungen unserer Deere und die Begebnisse des Krieges erNärt Daß dabcä die Erklärungen nicht so aus- fallen, wie sic ein Generalstab sofsizier machen würde, nrüssen die wikbegierigen Dorsb^ ivohner hingelren lasseil Sind Briefe von Freunden. Verwandten und Nachbarn aus dem Felde angetom- men. so werden sie wohl auch laut vorgelesen, und wenn einmal ein altes Mülterrlren da ist, die mit der Feder nicht so recht umzugchen versteht und die doch dem im Feindesland stehendem Sohn oder Enkel ein paar Worte der mütterlichen oder groß­mütterlichen Liebe Istnaussenden mochte, jo findet sich auch ein junges Mädchen, das sogleich einen Brief anfsetzt. In manchen Dörfern geht die ..Änegsstube' die Reihe um, sie wird bald bei diesem, bald bei jenem Dorfbewohner abgehalten, in anderen Orter, wieder bestebt die Einrichtung, daß die Zusammenkünfte immer an der gleichen Stelle abgebatten werden, daß aber die gesamte Beroohnerschaft die Kosten für die Beleuchtung trägt. Traurig geht es in derKriegsstube" zn, immn einmal dis Nachricht enttrifft, daß. einer aus beiu Freundeskreise fern der Heimat. aber für die Heimat sein Leben lassen mußte.

Die dunkleLichtstadt". Paris, dieLichtstadt", lvle sie stch stolz zu nen»»en beliebt folgt dem Beispiel Londons und bullt stch in tiefe Dunkelheit. Sieben ist die Verordnung des Poltzeiprätekten erschienen, die bezweckt, die bis dahin nicht ge­nügend durchgeführte Versinsten,ng der Stadt anch bei den Privat­leuten streng durchzu^ühreu, damit. »oenn die Zeppeline auf ihren «tächtlichen Fahrten üch der französischen Daliptstadt nähern, ihnen keinerlei Anhaltspunkte für ihre Unternehmungen gegeben werden. Die Verordnung, die Paris in Rächt und Dunkelheit versenkt, !a»tet: .In der Erivägung. daß es kein«!» Zweck haben würde,

die Herabicnunq der öffentlichen Beleuchtung aufrectttzuerhallen. die seit einigen Wochen außer den VertetdigungSinaßregeln der Militär­behörde gegen alle U eberfallversuche fetn&licbet Flugzeuge über Paris ober der (hineinde der Parlier Bannmeile durchgelükrt wird, wenn die private Beleuchtung fortführe, Straßen oder Aege, die im Dunkeln liegen, zu erleuchte»», wird verordnet: Vom Zeit- punTt der Veröffentlichung dieser Verordnung an »verden folgende Vorsichtsmaßregeln in Paris und in den Gemeinden des Departe­ments der Seine bis zu einer neuen Mitte«l»»ng getroffen: Vom -age-ende b»s zmn Morgen sind in den erleuchteten Zimmern die doppelten Vorhänge vorzuziehen oder die Rolläden an der Fassade oder zum Hof bluouS zu schließen. Wenn sie ielsten, ist die Hellig­keit des Zimmers durch wirksame Auordnm»gen für die Außenwelt zu verhüllen. Die Erleuchtung der öfie»»tlichen oder privaten Ge­bäude, der Werkstätteu. der Läden ,»nd im atlgerneine»» aller Gebäude. d»e eine starke Helligkeit durch die Fenster nach außen werden, ist aui das durchaus Notwendige z>» beschränken »ind qletch- saus durch jede »nögltchen Mittel z»» verhüllen. Die Außen- erleucktung der Terraffen und der Auslagen ist z», unterdri»cken Z»n Interesse der Sicherheit ist eS unu»ngängUch. ei»»en Teil der Erlenchtnng zu erhalten; für diese »vird erne besondere Erlaubnis gegeben »verden."

0 che Uhren. 30 Millionen Mark jährlich aus den naschen der Deutsche», in die Tajcire»» g»»ter echter Engländer zu letten -- daS ist die Aufgabe, die stch eine Versa»ninlu»rg der eng­lischen Uhunacher tu London gestellt hat. Ir» beweglichen Worten wurde hier daS alte L»ed gelingen, das de», Briten jetzt immer lauter und häufiger in den Ohre», gellt: daß sie mit ihrem Handel v''/er den De»»tscKe»l znrückgel lieben sind. D«e Uhren sind ein Avlatz m diesem große,: Kapitel. Vor 60 Jahren. \o sprachen die engl,ichen llhrmacl-er von l>e»tte, da waren die britischen Uhren als die besten m der ganzen Welt bekannt. Elerkenwett. ,vo sie ge» 'nacht wurden, war eine blühende nird ci<rt: tätig« GejelwstSstadt, und ,eder llhr.nacher ,oar ein Künstler, der seine Arbeit mit seine» Händen nusfichrte. Aber dann lanien die Deutschen, »nachten die Uhren mit Maschinen und stellten ei»» Dutzend her inderseiben 7*, 1 111 ^ ev * >ev britisch« »Künstler" eine einzige voll-,»dete. Ötruür- U l. ru.ircu die deutschen Uhre»r brlllger. mtb sie muffen »vohl auch

1 r r 25?oesen sei»», denn der englische Uhrenhandel gn,g völlig zu- rmr Wenn der Engländer jetzt auf seine Uhr,ua<1c in Gennany tl»ul, »ü iNtig »hu» dasach Ansicht der b» irischen Uhr»»»acher

emei« ctich durchs Herz geben: er »vtrd die Uhr »vegiver'eu »ind e»>»c englische kaufe»»« Und die Gelegenheit dazu sott ihn» in I

nicht allz»! la»»ger Zeit geböte»» »verde»». Z,vei oder drei englische Uhrenfabriken habe»» sich bereits mit deutfchen Maschinen versehen, und man beabsichtigt, die delitsche Fabrikation-weise in» große»» einzufübren. Dann soll a»»ch Elerkenwell wieder blühen wie einst, wenn »licht bis dahin die deutsche»» Waren schon wieder da sind, «»n die englischen anS dem Feld« z,» schlagen.

* Die sch,viertge Lage des russischen Kaviar- Handels. Ans Astrachan erhalten russische Blätter folgende Mitteiluiigei» eines genaue« Kenners der Ftscherei-Jndustne: .ES ist eine stehende Redensart ti» R»»ßland geivorden:Wir müffe»» »»nS von der deutschen Abhä»»gigkeit befreie»»." Das ist aber leichter gesagt als gctar» »l,,d »vir dürfen es »,ns nicht verhehlen, daß »vir noch auf vielen Gebieren des Wirtschaftslebens recht un­sicher gehen« Drn besten BeiveiS das»"ir crbri»rgt die Ftscheret- Znduskrie von Astrachan. Sie ist durch den Krieg in die bedenk­lichste Lage geraten, »ind ganz besonders schwierstg gestaltet sich das Kaviargeschäft. Den»vena»»teil an u»»se»e»n Kaviarerport hatte Deutschland, inden» es Massen v0i»5xaviar bezog und nach anderen Rlärkteu des Arislanbes absetzte. Znsolgedeffei, sitzen »vir jetzt fest n»it »insern» Kaviar u»»d der Preis ist von 45 Niibel auf 2 bis 3 Rubel heru»»tergegat»ge»i, so daß diese Delikateffe jetzt a»»ch »inserein kleinbürgerlichen Publ»k»nn zngüuqlich geworden Ut. Die Hariplirage bleibt aber die, ob »vir imstande sind,' ob»re Vennitt- liiirg TeiUschlands mit Frankreicl), England und A,nerika zu per- haiidel»». Tie letzten Erfahrungen auf de»n Markte in Astrachan berechtigen kaum zu dieser Erwartung! Die Hauptver,vall»tng des r»ts»ischen Aclerbauwesens »vollte nach Ausbruch des Krieges der Fischerei entgegenkommen und bestellte 120000 Pud Fische in Packungen von je 15 000 P»,d. DaS erivtes sich als nicht durch­führbar und der Ankauf eriolgte in Batri, »vährend Astrachan über

1.>00 000 Pud lagernde Fische verfügte. Wir haben eben noch zu »venig vom ^lustaiide geler»»t und beso»»derS nichts getan, »»m anS eigener Kraft die Absatzmärkte des Aiislandes zu erober,».*

Zprachecke de§ Allgemekven Veutfchen Speachveeeinr.

*Der gemeine Soldat. Für .So.dat sein" gilt noch heute nebelt dem deut'chen Ausdruck .diene»,- der bis auf die Zeit der Landsknechte ziirückgekende. den» Latein entsta»n»nende AuS- dr»,ek .beim Kominlß fein-, d. h. eigentlich: in kriegsberrticher Verpflegung se»n. Wer mm neu zum.Kommiß- kon»n»t, muß sich natürllch als R«tr»tt von denalten Le»»ten" idie übrigens von den jüngeren Leuten auch mit Be,na»nen »vie Alte Knochen, LtöckskeS »l. a. bedacht »verdei») niancf>ccfei auf militärische Unreife hinzielende Spottnamen gefallen lasse»,, »vie der Grüne (in Bayern Wurfe, ebenfalls grün), nasser Stift (noch »»icht troeke,» hinter den Ohr-n), Hanrmel (weil inan sich leicht verlä»»ft und ohne Führer verlöre»» t Rliffe (weil noch roh und »tngeschliffe»».' Selte»»ere Bezeichnungen sind Mistkäfer (bei der Garde». Rehkopf, Spund u«a.

- Für de»» Ersatz in» Felde ist der verbrei'etste Ausdr.uk Schwanun und f»,r die ei>»zelnen Leute Schivannnbrüder (dnriebe»» auch für die ti» der Garnison Zilrückgcbliebenen »»nd für die Abkonnnan- dterten), oh,»e Z»veiiel eine Hindeutunq aus die gerillge Wider­standsfähigkeit, die man diese»» Lc»ltei» lut allgemeinen zutraut, dl »ich für d»e Ermtzreservisteu der Friedenszett a»bt es allerlei scherzhafte Ausdrüeke. »vic Eskimos (Preuße»,) und ^atzkarpfen oder bloß Karpfen, Warpen «Sachsen». Die Einjährigen sind d»e Lateiner, die feinen Herren, auch die Einspännigen, Ernhaarigen, Frösche oder Sommerrekrnten. Der Geire,te, der .den höheren Grad der Geineinheit erreicht hat" heißt K»»opisoldat. Spatz (An- vielung an» den kleinen Adler auf den» Gesreitenknops). Sechser «ergeanh Fünigroschenschlucter, Cpcckkopst

F,n»ne (Esten).

Silbeiträtyel.

af, bal, lf, bri, cyn», da, den, di, e, Hai, l>e, hn,n, ^ i, kei, na, l>, li, »nasch, »ni,, run, sal, so», dl» iS vorstehenden Silben imb Buchstaben sotten »temt Wörter

g ebildet und derart »intereinander gesetzt »verden, daß die Arrfcmgs- uchstabe,» vo»l oben iiach unten und die Eudbuchstaben von unten nach eben gelesen den Ra»nen eines 'AltectuniLforschers ergeben 06 «Cteutn, aber die einzelnen Wörter solgeiides:

1. Ei,»e Inseigrilppe.

2. Belanntcn Erfinder.

3. Weiblichen Vor>»a»»»ei».

4. Altteftainentttche»» Propheten.

5. Eine Pflanze.

6. Riissisctre Handelc-stadt.

7. Ein Toiiiverkzei'g.

8. Eßbaren Pilz.

9. En, -<>«»!,ntttel.

Auflösung in nächster Nun,»»,er.

Auslösung des Ergänzungsrätscls in voriger Nu»n»nert Et»l Kainpsplat; ist die Welt;

Das Kränzlem »»nd die Krön'

Trägt keiner, der nicht kän»pft,

Dtit Ruhm iiiid El^r' davon.

Schrkftleitrmg: Aug. Goetz^ - Rotatio.lSdruck und Verlag der Brlihl'sche,» UniversitätS-Buch- und Eteindruckeret, R. Lange, Gietze^