Nr. 293 Zweites Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Zrettag, 13. Dezember (9(8
Ans Stadt rind Cnnft.
Gießen, den 13. Dezember 1918.
Die Tätigkeit des Arbeiter- und Soldatenrate».
Wir erhalten ivlgcndc Zuschrift: Vor einigen Tagen wurde in einer Bekanntmachung des Gießener Arbeiter- uttb bol- datenrates darüber Klage geführt, daß unwahre Gerüchte über den A.- u. S.-Rat nn) feine Tätigkeit in Gießen verbreitet würden. Hierzu möchte ich mir den Vorschlag erlauben, der A.-- u. S.-Rat möge, um j>edem ungünstigen Gerücht von vornherein die Spitze abzubrechen, über seine Tätigkeit dem Volke öffentlich Rechenschaft ablegen. Das wäre besonders auf finanziellem Gebiet erforderlich. Wie unser Volk das Recht hatte, von der alten Regierung durch den Landtag über jeden ausgegebenen Pfennig A:cscunst zu crlialten, so sollte auch jetzt vom' A.-- u. S.-Rat, als der provisorische:: Regierung, dem Volke über die Ausgaben der Verwaltung Aiitteilung gemacht werden. Dadurch würde dann jedem ' Gerücht über hohe Entschädigimgen an die Mitglieder tes A.- u. S.-Rates, an Schrcibhilfen und andere Angestellte der Boden ent- -wgen werden können. Ebenso würde es nur im Interesse des A.- u. S.-Rates liegen, wenn er vhire Scheu belmrntgeben Nwlle, in welcher Weise Verfehlungen bestraft wurden, wie bic_ kürzlich gemeldete Plünderung der für die b'esigen V^rwunte^e'
Äcükisten auf dem Bahnhose durch vom A- u. S.-Rat bestellt» Wa-chcn. I-
Ans aiutlichen Bekanntmachungen des heb. Landes-Arve-i Baue ' ::.v. Soldatenvates in der „Dcrrmsd Zig." ist, wie wir zu
Reser . s. christ beinerkwi möchten, mmicherlei Wissen.sivertes zu cntnc'.mcn. u. a., daß Delegierte für die Teilnahme an Plenar-- und Ausschußsitzungen je 3 Ml., höchstens aber die Vergütung für 2 Sitzungen an .einem .Tag erhalten. Funktionäre in leitender Stellung irückimrrend ab 9. Nvv.) erhalüm eine Vergütung von ■) Mk. fin den fünf großen Stcchtett 10 Msk.) für den Tag. Für auswärtige Dienstgeschäfte steht allen Delegierten und Firnktiv- naren neben dem Ersatz der Fahrkvsten eine Auswandsentschädi- -Mng von 12 Mk. zu (halbe Tage, halbe Sätze). Im Falle der Ilebernachtung ivird ein Ueberirachiungsgeld von 7 Mk. gewährt. — Kosten, die im Geschäftsbereich eines Ortes des betr. Rates entstehen, sind von der Kasse des betr. Ortes zu tragen. Handelt es sich um Msgaben, die im Interesse eines Kreises erfolgen, ist der .Weis zahtun^pflichtig. Ausgaben für Zwecke des Staates trägt fcie Haupt staulskasse. Die Entscheidung darüber, wer zu zahlen hat. obliegt für die örtlichen Ausgaben den Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräten am Sitze des Kreisamtes, ^ür die Krcisausgaben dem Hess. LMides-Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrate. — Im (Anveisständnis mit dem Staatsministerium l>at der Hess. Oandes- . Arbeiter-, Bauern- und Sotdalenrat auch angeordnet, daß Maß- niahmten, die insbesondere geeignet sind, die Wetterführung von Betrieben usw. zu gefährden, nur im Einverständnis mit den: Hess. Landes-Arbcrter-, Bauern- und Svldatenrat getroffen weichen können. In allen Fällen ist die Zu stimm :mg des Hess. Landes-Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrates oder die des Äaatsurinisteriums in Darmstadt notwendig.
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** Städt. Gemüseverkauf. Morgen, Samstag, kommen in den Marktlauben Weißkraut, Gelberüben, Roterüben,Kohlraben und Dörrmischobst auf die Obstmarken 6 54 bis 25 zum Verkauf.
** Stvdtlheater. Da unsere 116er heute, Freitag, hier ernziehen, so muß die zur Begrüßung der heimkehrenden Krieger vom Stadttheater vorgesehene Sondervorstellung am morgigen Samstag stattfinden. Die für Samstag angekündigte 8. Freitag- Aoonnements-Vorstellung von „Kaufmann von Venedig" nnrd aus diesem Grunde verschoben. Bereits für „Kaufmann von Venedig" gelöste Billetts bittet man wieder zu nick zu geben.
** Oeffentliches Gesundheitswesen. Alle das (Gesundheitswesen betreffenden Fragen, Anregungen und Beschwere den sind an das vom Hess. Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat, Ausschuß für öffentliches Gesundheitswesen, im Anschluß an die einzelnen Kreisämter gebildete Gesundheitsamt zu richten. Soweit es in der Macht des (besimdheitsamtes steht, wird dies von dort aus geregelt, falls dies nicht der Fall ist, ist eine UnterbreitunA an den Ausschuß für öffentliches Gesundheitswesen durch das örtliche Gesundheitsamt erforderlich.
** Aus? unftsstelle. Die vom Bürgerrat für Stadt und .Weis Gießen im Gewrrbehaus, Kirchstir. 16, errichtete Auskunfts- stelle für entlassene Kriegsteilnehmer wurde bereits in den ersten 8 Tagen ihres Bestehens in über hundert Fällen in Anspruch genommen. Bon den erteilten Ausllinften betrafen: Militärversorgung 12, Lohnungsfragen 15, sonstige militärische Angelegenheiten 26, Kranken- imb Invalidenversicherung, Kriegswvc^nhilse. Fa- miliemrnterstützung, Erwerbslosenff^rsvrge 7, Berufsfragen 43. Re- ben bet Erteilung von Rat lnib Auskunft wurden durch die Auskunftsstelle die erforderlichen Schriftstücke unentgeltlich angefertigt; für Bedürftige auch die Kosten für Zeitungsanzeigen usw. durch die Auskunftsstelle übernommen.
** Soldaten-Bersammlung. Ter Arbeite r- und Soldatenrat schreibt uns: Am 11. d. M. fand im hiesigen Stadtthscrter eine Versammlung von Soldaten aller hier anwesenden Truppenv-erbände statt. Der .Besuch war so stark, daß schon lange vor Beginn, abgespcrrt werde:: mußte: viele Hunderte nxrven nicht in der Lage, sich zu beteiligen. Als Referent war .Kamerad Mzewachttnerster Kremser vom Generrlkommando Nauheim erschienen. Irr äußerst lvirksamer Rede schilderte er den Hergang der Revolution; den Tank für das Gelingen des grtten Werkes könne in erster Linie die Marine für sich in Anspruch nehmen. Durch eig7nmächtt.ges Vorgehen der Offiziere der Marine hätte diese entgegen den Bestimrmmaen der Obersten Heeresleitung noch eme zwecklose Schlacht auf Leben und Tod liefern sollen, die Mrrrwemailnschaften lehnten es ab. sich weiter zwecklos abschlachten zu lassen, und so brach die Revolution spontan aus. Der Redner forderte diejenigen Offiziere, »velche sich nicht mit den neuen Verhältnissen abfinden wollen, auf, die Konseauenzen zu ykfypt, andernfalls gebiete es das Gebot der Selbsterhalttmg, Zylinder hüte für diese Herren schleunigst ansertigen zu lassen. Wer mit uns, zum Wöhle des neuen freien Vaterlandes, arbeiten NÄl. ist uns willkommen. wer gegen uns zum Nachteile des
Vaterlandes arbeitet, wird rücksichtslos beseitigt. Die Diskussionsredner stimmten insgesamt den Ausführungen des Referenten zu, alle Redner ernteten begeisterten Beifall. 'Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die am 11. Dezember 1918 im Stadttheater tagende überfüllte Versammlung von Manrffchaften und Uuterofssziercn aller zur Zeit in Gießen anwesenden Formationen erklärt, voll und ganz zum Programm Und zur Regrerung Ebert-Haase zu stehen. Die Versammelten sind bereit, die Errung-mschaften der Revolution mit aller Macht verteidigen zu wollen. Die Anrvesendeir rufen das deutsche Volk auf, daß es die junge Freiheit schirme gegen jeden Versuch zur Gegenrevolution, ob von links oder rechts kommeird. Die Wahl zu bet Nationalversammlung, welche so rasch als technisch irgend möglich stattnnderr soll, muß so vorbereitet und betrieben weroen, datz sie ein Bollwerk der Demokratie und des Sozialismus lvird."
** Von der Kr iegerkamerad scha ft H.assia. In der letzten Nummer des „Hessischen Kamerad" veröffentlichte das Präsidium einen Aufruf, in welchem als Ausgaben des Verbandes bezeichnet werden: Erhaltung der Einheit des deutschen Volkes, Pflege der Vaterlandsliebe und der Kameradschaft, Fürsorge für die Kriegsbeschädigten, die Kriegshinterbliebenen und Kriegsteilnehmer. nachdrückliche Vertretung iljctx Ansprüche auf Versorgung und Hilfe, Ausbau der wirtschaftlicher: Einrichtungen. Im Jahre 1917 Haben die Hassia urrd ihre Vereine für Wohlfahrtszwecke 155 000 Mart aufgÄvendet. Das Präsidium will diese Lerstung noch bedeutend steigern.
**DieAuszahlungderFamilienunterstützung an die Angehörigen der zum Heeresdienst Einberufenen für 16. bis 31. Dezember 1918 ftndet am 16., 17. und 18. Dezember, von 8 1 /*—1 Uhr statt. (S. Anzeige.)
** Ehrenu rkunden für Angestellte und Arbeiter im Handelsgewerbe. Der Hessische Handelsürmnrertag beschloß die Ausstellung von Ehrenurkunden an Angestellte und Arbeiter, die mindestens 25 Jahre uwlrtterbvochen bei einer und derselben Fftma tätig sind :md leitete zunächst die Vorarbeiten zur Herstellung eines entsprechenden Entwurfes ein.
** Dilr Freie Hess. Landesverband Kriegs-- beschädigter, Ortsgruppe Gießen, hält am Sonntag, 15. Dez., nachm. 2 l / 2 Uhr. im „Pvstbeller" eine öffentliche Versammlung ab. (Siehe Anzeige.)
** Herr Heinz Balser feiert heute seinen 70. Geburtstag, Er wurde in Oppenrod geboren, lernte ein Hmwlverk und zog als' HandweMbursche in die Fremde. Später wurde er als Jnstitutsdiener an der hiesige Anatomie angestellt und war dort jahrzehntelang tätig. Es verbinden ihn mancherlei Bandet treuer AnhmiglickMit mtt ehemaligen Studenten, welck^ jetzt die höchsten Stellen bekleiden. Als ichrgjähriger Kdlnnnenführer dev hiesigm Prov.-Sanitätskolonne hat er sich besonders rn diesen Kriegsjahchm mancherlci Verdienste um unsere venvundeten und kranken Soldaten erivorben.
** Auszeichnung. Das Eiferrre Kreuz 1. Klasse erhielt der StabsM^t d. Res. Dr. Otto Wolf aus Gießen.
**Tiebetrogene .Kriegerwitwe. Vor einigen Tagen lernte in Wiesbaden eine Kriecxrwitwe eiiren Vizelvachtmeister kennen, .mit dem sie ein Verhältnis anknüpfte und ihn in seine Heimat Berlin boglcrten wollte. TasPr'ar stieg am Mittwoch in einem Giestener Hotel ab. .Kurz vor 12 Uhr mittags entferttte sich der Vize'.vachtmeister, angeblich, um auf der Bank Geld abzuholeu. Als er nach längerer Zeit nicht wieder erschien, mußte die Dame die! unangenehme Entdeckung machen, daß der Verehrer mit ihrem Gepäck, bestehend aus einen! mit einer roten Gardinenkordel verschnürten Schließt)rb, einem grünlichen Rucksack und einer gelben Handtasche, das bei der Handg^äcksiielle des hiesigen^ Bahachvfs cmfgegeben war, das Weite besucht hatte. Sachdienliche Mitteilung gen nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegett.
Landkreis Gießen.
** U tphe, 12. Dez. Nameirs der hier untergebracht gewesenen Abteilung des Feld-Artillerie-Regts. Nr. 34 hat der Leutnant und Adjutant Schirmer der Gemeinde den herzlichsten Tank für die fremidlichc- Aufnahnre in Utphe abgestattet mit dem Wunsche besten Wohlergehens für die Zukunft.
Slarkeuburtt und Rkieinhessen.
RMK. Darm stabt, 11. Dez. Verhaftet wurde gestem, nach einer Mitteilung des hiesigen „Volksfreund", der frühere Landtagsabgeordnete Senßfelderin Büttelborn, mit noch zwei dortigen Gemeinderäten, da sie sich weigerterr, von den überflüssigen Kartoffelvorräten an die Bedarfsgemeinden abzugeben. Nach der ersvlaiten Verhaftung war es möglich geworden, tausend Zentner Kartoffeln abzugeben. — Au derselben Angelegenheit berichtet eff: unseres Tarmshadter Blatt daß der Bürgermeister Senßfelder unter Bewachung gesetzt wuwe, nachdem er einer sechs Mann starke:: Mteilung des A- und S.-Rates erllärt hatte, daß er keine Kartoffeln abgeben könne, weil der Ort zum Fesüungs- beveich Maiivz gehöre. Nach vielen Hin- und Herreden brachte man es fertig, eine größere Menge Kartoffeln zu laden. Bei der dann folgenden Stärmng im „Löwen" sollen zwei Mam: der Abteilung versucht^ Haber:, die Wirtskasse mitzunehmen, aber durch die Wirtin erwischt worden sein.
DessiN Nassau.
mr. Frankfurt a. M., 11. Dez. Oberpostdrvektor Laueu- stein, der höchste Beamte des TirektiorrÄZezirks Frcn:kfurt, ist im Alter von 70 Jahren nach kurzer Krankheit plötzlich verstorben. Bevor er 1912 nach Frankfurt kam, war er Postdirektvr in Gum- binuer: und Kiel.
mr. Frankfurt a. M., 11. D^. Bei den Plündern nge n cm: Bekteidungscmtt in der Mainzer Landstraße wurden drei Personen erschossen.
Theater.
rfwc. Frankfurt a. M., 12. Dez. Dienstag abend fand im Schauspielhai:s die Uraufführung von Karl Rößlers neuestem Lustspiel „Eselei" statt. Das Stück ist eine etwas schwächliche Satire auf die moderne Jugenderziehung, die nebenbei gestreift wird, während es sich in der Haupft'ache um einen Junggeselle:: handelt, der nicht weiß, weml er sein großes Vermögen vererben soll. Schließlich entschließt er sich, es demjenige:: zu übercnrtworten, der die erste Eselei begeht. Dies trifft dann auch wunschgemäß ein,
und nach einigen Verwicklungen löst sich alles in Wohlgefallen auf. Die beiden ersten Akte fiitb recht unterhaltsam, dagegen fällt der dritte bebenFlid) gegen seine Vorgänger ab. Der Beifall war wohlwollend, doch niemals übermäßig.
Vermischtes.
\c. Aus der Pfalz, 11. Dez. In Queichheim warf ein zwölffähriger Schüler eii:en Feuerwerkskö rper unter ein fahrendes Auto mit französischem Militär. Durch die Explosion entstand an dem Aitto ein Schaden. Infolge dieses Vorfalls wurde der Gemeinde Queichheim eine Geldbuße auferlegt, zu der jede Familie herangezvgen wird. Die ganze Gemeinde muß unter einem solchen Lauslmbenstreich! leiben.
Letzte 2'4aet)vselten.
Einberufung des Reichstags?
Berlin. 12. Dez. Reichstagspräsident Fehrenbach hat an alle Mitglieder des Reichstages folgendes Shreibei: gerichtet, das vom Bureau des Reichstages unter dem 12. Te-ember zur Absendung gekomm«: ist: „Die Frist des Waffenstillstandes läuft in den nächsten Tagen ab. A::ch wenn sie verlängert werden sollte, der Abschluß>des Vor riedens muß sofort angestrebt werden, wenn 1xi3 Vaterland vor weiterem ungeheurem Schaden be- wahrt werde:: soll. Die Nachrichten aus dem Lager mfferec Feinde lauten mit immer größerer Bestimmtheit dahin, daß sie unserer jetzigen Reichsleitung die Verhandlungsfähigkeit abiprechen, daß sie jedoch die gesetzgebendea Körperschaften des alten Reiches,.Bundestag und Reichstag, als Vertretungen cmerkermen zur Schasftlng einer legitimen Reichsregierung sowohl als auch zur Beschlußfassung für das Wahlgesetz für die Natw- nalversammlung.
Meine fortgesetzten Bemühungen, Herrn Ebert im Interesse der Reichsleittrng von der Nottvendigkeit der Berufung des Reichstages zu überzeugen, sürd erfolglos geblieben. Die Not der .Zeit verbietet ein weiteres Zuwarten und verpflichtet mich, auch ohne Zustimmung der Regierung von der inder Sitzung vom 26. Oktober erhaltenen Ermächtigung zur Berufung des Reichstage- Gebrauch zu mack-en.
Ich berufe hiermit den Reichstag, behalte mir aber die Bestimmung von Ort und Zeit der Tagung vor. Die Herren Kollegen bitte ich, sich zur Abreise bereitzuhalten und zu der demnächst zusammentretenden Tagung vollzählig zn erscheinen.
Berlin NW. 7, den 12. Dezember 1918.
Fehrenbach, Präsident des Reichstage-."
An die Herren Reichstagsabgeordneten.
Die Wafftnftillsblndsverhandlunsen in Trier.
Trier. 13. Dez. (WTB.) Marschall Fo ch ist gestern mittag gegen 12 Uhr im Sonderzug mit etwa 40 Herren auf dem Haupte bahnhos angekommm. Er fuhr sodann mit seiner Begleitung im Auto zum Hotel „Zur DcosttZ wo die deutsche WafsenstillstandS- kommissi'M wohnt. Am Nachmittag kehrte der Marschall nach dem Bahnhof in seinen Salonwagen zurück. Wie die „Landeszeitungs^ meldet, ist auch General Pershing angekommen.
Die Demokratie in Württemberg.
Karlsruhe, 11. Dez. Es ist nunmehr zwischen derDemo- kratischenPartei und der badischen Volkspartei, bisheö Nationalliberale Partei, eine Ve^inbarung derart gei troffen worden, daß die badische Volkspartei in die Demokratische Partei eintritt.
Eine Vollmacht des Erkaifers für Eitel Friedrich.
Berlin, 12. Dez. Der frühere König von Preußen hat seinem Sohne Prinz Wtel Friedrich eine V o 1 l m a ch ß ertellt, deren Wortlaut folgender ist: Mft Rückffcht auf die poli^ tischen Verhältnisse und meinen Aufenthalt im Auslände, sowie bei der derzeitigen Abwesenheit meines derzeitigen ältesten Sohnes,' des Kronprinzen, beauftrage ich meinen zweiten Sohn, den Prin-« zen Eitel Friedrich von Preußen, mich in meinen Funktionen als Ol^rhaupt des königlich preußischen und fürstlich hohenzollernschenl Hauses in allen Familien- und Vermögensangelegenheiten rn vollem Umsange zu vertreten, mit der Ermächtigung, sich ebenfalls durch einen seiner Brüder vertteten zu lassen und zur Bear beitung ^ seiner Akte einen anderen geeigneten Bevollmächtigten zn ernennen.? Gegeben Amerongen, den 23. November 1918. Wilhelm.
Englische Angrifft auf Lloyd George.
Haag, 12. Dcz. Die „Westmrnster Gazette" schreibt: Der Mann, der seinen Wählern erzählt, daß er im neuen Par-, lament in die sofottige Aufhebung der Dienstpflicht stimmen wird, und innert bereits verspricht, daß Deutschland gezwungen werden soll, alle Rechmmgen aller Alliierten bis zum letzten Pfennig zu bezahlen und wenn xs 20 000, 30 000 oder 40 000 Millionen sind, ist ein sehr großer De magoge. Seine Bolitik würde zur Folge haben, daß Dentschland für viele kommenden Geschlechter militärisch besetzt werden müßte, und daß die militärischen Einrichtungen in ganz Europa tvährend dieser Zeit auftecbterhalten werden müßten. Mle die anderen zahlreichen gleichlautenden Wähleraufrufe, die die Wähler .einlade::, alle Feindschaft und allen Ausschluß nach den: Kriege nicht nur auf d:e Deutschen, sondern auf alle Ausländer anzuwenden und das Land.mtt einer Stachelumzäunung von Schutztarifen zu umgürten, ziehen unvermeidlich das Ergebnis mit sich, daß ivir eine militärische Welt mtt großen Militärgesetzen und mit Dienstpflicht bekommen tvürden. Auf einer KandidatenZusammenkunft hört man sehr selten eine derartig llare Sprache. Das Beste, was die Leute tun^ können, ist, auf Abschaffung der Dienstpflicht zu dringen, aber so leicht wie möglich über die Jingohmrkte hinzugtetten.
Präsidentenwahl in der Schwei).
Bern, 12. Dez. (Meldung der sckMüzerischen Depeschenagentur.) Die Bundesversarumlung wählte' zum schweizerischen! Bundespräsidenten für 1919 den Bundesrat Gustav Lldor von Genf, geboren 1845, Chef des Departements des Jrmern. 39 Stimmen fielen auf Bundesrat Müller von Bern. Zum Vizepräsidentenj des Bundesrats wurde ernannt Bundesrat Motta aus dem Tessin, geboren 1871; als Bundeskanzler wurde gewählt, der bisherig» Vizekanzler v. Steiger. Das .Bundesgericht wirrde in corpore bestätigt und Picot aus Genf zum Bundesgerichtspräsidenten gewählt.
Das Wlihttsam Abttttser Ses ßcnil l^alahiih Fsacs.
Rvmcm von A. H. Adams.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
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„Du bist mir wichtiger ckls ein Dutzend Banken!" kanzelte ihn seine Frau ab, uno aitz Galahad ob dieser Lästernng ftufzte, beugte sie sich über das durchsina:rder geivorfene Bett, glättete die .Kissen und legie ihoe vcruhe Hand auf seine Stirn.' „Fieber hast du," sagte sie. „Wenn dir heute abend nicht wohler ist, hole ich oen Dokttne."
Galahads fiebrischem Bewußtsein lvar die Berührung dieser Hand wie eine sanfte Liebkoftmg, sanft. . . sanft, als ob er Sibchts Hand in der seinen hEtte. Ergeben legte er sich zurück. Bank, Gerichtshof, Zuchthaus straft kümmerten ihn nicht mehr; diese Liebtosurrg yaitbe altes fortgelvischt.
Mehrere Tage lag Galahad Jones im Bett, und seine kleine Welt schrumpfte mehr und mehr Msamrnen — bis auf den Umkreis seines Zimmers. MÄgticherweift gesck-ah immer rvvch allerhand außerhalb dieser vier Wände. Gala- hads müßige Gedanken irrten um diese Dinge; aber sie kehrten glücklicherweise immer wieder zu seinem Zimmer mib hex Fleischbrühe, mit der Em ihn tränkte, zurück. Es war eine grimine Zärllicükett in ihrer Pflege versteckt. Sie behandelte ihn wie ein krankes Kind, dein man befehken, das man erheitern muß, das geschalter: und gestteichelt werden soll. Einem kvqnben Mmme ist; jede Frau eine Mutter.
Als er nim langsam wieder gesund wurde, sagte er sich daß am Ende gar nichts geschehen lverde. Erst hatte er ängstlich rurchgeforscht, ab Briefe für ihn von der Bank gekommen seien, und hatte im stillen fieberhaft darüber nachgearübelt, ob Em wobll mtt irgendeiner schrecklichen Mitteilung Mrückhalte. Uno am ersten Tage hatte er beständig auf jenes taute .Klopsen ai: der Tür gelauscht, das die gewichtige Gegerttvart eines Polizisten andeute. Mer jetzt, da seine Gesu:tt>heit zurück kehrte, sorgte er sich nicht mehr so sehr. Das Schweigen der Bank schien ihm natürlich, obgleich es ihn eiuigerinaßen verletzte, daß mm: ihn nicht einmal vermißt zu haben schien. Es war das erstemal, daß er — mit dlusnahcne seiner jährlichen Ferien — auf der Bank gefthlt hatte. Uno in den Zeitunge:: staitt) nichts von einem Anfall auf Herrn Beach. Die Fährrnarke war nicht entdeckt worden, würde nie entdeckt werden. Er war mit einem blaue:: Auge oavougekommen
Galahads Krankheit war eirre lvichtige Angelegenheit für seine Familie. Wahrhafttg, für die Jüngsten war es sogar ein Gruick» zu prahlen. Gracie war zufällig dabei behorcht worden, lvie sie über die kleine Gladys Gatters triumphierte, wett sie einen Vater habe, der krm:k sei.
Und eines Morgens, als Mthie pflichtgetreu hrä Zimmer kam, um das Teegeschirr wegz.uräumen, bemerkte Galahad mit jähem Schreck, lvie abgeharntt sie aussah, wie blaß ihr kleines, zartes, btumenhaftes Gesicht war.
„Fühlst du dich nicht tv-ohl?"' fragte er.
„Ach, mir ist ganz wohl," rief sie aus, bvinaihe mit Entrüstung.
„Du solltest nicht hierher kommen, Influenza ist ansteckend, und du bist zu hübsch um krank zu sein, Mchie."
„Ich stecke mich niemals mr solck-en Sachen arr," ant* wartete das Mädchen hart.
„Aber du siehst gmrz verhärmt mrs."
„Nein, nein!"
Es kam dem Vater vor, als ob sie sich mühte, ihre Mienen zu beherrschen. Dieser trotzige Widerstand sah seiner kleinen Mthie, die bei jedem strengen Wort errötete und schon beinl Hmrch einer Schmeick)e1ei förmlich aufblühte, gar nicht ähnlich. Er hatte jene Nacht nicht vergessen, als er sie ganz allein in: Dunkeln weilen hörte; und oft hatte er sich in der Mußezett, die seine Krankheit mit sich brachte, den Kopf dariiber zerbräche::, was wohl der geheime Kummer des Mädchens sein könne. Er hatte mit Em darüber gesprochen, aber sie hatte :u:r gelacht. Em hatte nach zu viel Dingen im Hause zu sehen, als daß sie sich um den Herzenskilmmer ihrer Tochter hätte künunern könne::. Das Kind konnte rech: wohl auf sich selber acht geben, obgleich sie meinte, daß Mthie aberrds zn oft misgehe. Wenn es sich um einen jungen :>Nam: handelte, war:rm brachte sie ihn nicht an einem Sonntage zum Tee, anstatt abends heimltch mit ihm zusamme::zukommen? Aber das Mädchen verlangte ungestüm die Abende für sich Sie arbeite den ganzen Tag im Laden und köirne ihre Me:tt>e für sich beansprucl)en! Em ließ sie mit einem Seufzer gehen. Nur aai^ int stillen beschloß sie, wem: ihr irgend etwas Nachteiliges über das Mädchwi zu Ohren: käme, ihren Aus-gät^en Einhalt zu ge>^
(Fvrtjetzimg Jolatl


