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Die Beschränkung des Umfangs der Zeitungen Magdeburg, 8. De-. (WB.) Der Vorsitzende des Vereins Deutscher Zettungsverloger, Dr. Faber, hat gestern an den Staats­sekretär des Reichswirtschaftscrutts Tr. Müller und den Staats­sekretär Scheidemannin Berlin folgendes Telegramm gerichtet:

Am 3. Dezember hat bereits der ivrterzeichnete Vorsitzende des Beverns Teutscher Zeitungsverleger u-nd der Berliner Vorstands- Vertreter unseres Vereins, Herr Direktor Müller, von der Zeitung >,Germania"', gegen die geplante Umfangsbeschränkung der Zeitungen schärfsten Protest eingelegt und gebeten, vor Erlaß der Verordnung noch einmal einen erweiterten Kreis von Sackioerstmrdigml über deren Zioeckmäßigkeit und die schädigen­den Wirkungen, die sie ausüben müßten, zu hören. Dieser be­gründeten und dringenden Bitte ist rricht entsprochen morden. Viele Zeitungen meiden in geradezu ruinöser Werse in ihrem textlichen und in ihrem Jnseratenumstrnge besck^ränkt: es wird ihnen die Möglichkeit, in die wichtigste politische Diskussion einzu greifen, in einer Weise verkürzt, die auf eine schwere Bedrohung der P res sefre i heit hin auskv m m t. Statt mit solchen mackemischien Eingriffen die Existenz der deutschen Presse auf das schwerste zu gefährden, sollte nrit allen Mitteln versuch,t werden, die Prodi rktion des Zeitungspapiers zu erhöhen.

Dkrtwt des Religionsunterrichts in den Schulen.

Hamburg, 8. Dez. (WB.) Der Arbeiter- und Soldaten rat beschloß, daß vom 1. Januar ab der Religionsunter- richt in allen öfferttlichen Schulen und Erziehungsanstatten des ehemaligen Ham burgischen Staates fortfällt. Auch die Schulandach- ten sollen rrrtterbleiben. Es bleibt icnbenvmmen, den Religions­unterricht außerhalb der Schule erteilen zu lassen.

Der Wahltermin für die Nationalversammlung.

Stuttgart, >8.lDez. Bei der heutigen Tagung der Ar­beiterräte Wlirttembergs wurde ein Antrag aus Früherlegung der Wahltermine für die Reichs- und National- versammlnng (womöglich in der ersten Hälfte des Januar) mit großer Stimmenmehrheit angenommen. Im Verlaufe der Ver­sammlung erklärte der Ministerpräsident, er werde sich bei tzer Gestaltung der Dinge der Reichsregiernng anschließen, so­weit es die eigeiurrttgen Verhälttriffe Württembergs gestatten. Eft drückte ferner die Ueberzeugung aus, daß aus den Wahlen zuck Lcmdesversammlung eine 'sozialistische Mehrheit her Vorgehen werde.

Au» Hessen,

Darm stadl, 9. Dez. (WTB4 Der frühere Ministerialrat und .Vorsitzende der Abteilungen für alle Angelegenheiten im Ministe­rium des Innern Staatsrat Ernst S ü s f e r t wurde zum Präsi- dertten der Oberrechnungskammer ernannt.

Au» Stadt «nd Land.

Gießen, dm 10. Dezember 1918.

Gültige Lebensmittelmarken

für die 50. Woche, vom 9. Dez. bis 15. Dez. 1918.

Brvt (2250 Gramm Brot oder 1680 Gramm Mehl):

Brot pro Klg.. 45 Pf.

Weizenbrotmehl pro Klg.56

Krankenbrot pro Klg. ......... 64

Kraukenbrotbäcker: Konsumverein: Abgabestellen:

Asterweg, Bleichstr., Neuen Baue u. Schanzenstr Fleisch: Wochenvbschmtt 50.

Metzger für Fremde: Eduard Sack.

Urlauber: Ernst L. Sack.

Kartoffeln: (Anteil 7 Pfund zum Preise von 56 Pf.). Nährmittel: Marke 12 (Dez. 1918).

Me Nährmittel für Dezember sind noch nicht ein-, getroffen.

Fremde: Driesch, Setters weg.

Urlauber: M. Klein, Wvlfftraße.

ZuckeL: Marke 12, Dez. 1918.

Der Zucker für Dezember ist noch nicht emgxtrvffen. Urlauber: Reuter, Ludwiasplatz.

Zu gezogene: L. Kalkhof, Weib-Anlage.

Seife: Marken für den Monat Dezember 1918.

(Anteil 125 Gramm Seifenpulver zum Preise von 15 Pf. und 50 Gramm K.-A.-Seife zum Preise von 20 Pf.) Gemüse: Stadt. Obst- und Gemüseverkaufsstelle Turmhaus am Brand:

Weißkraut, Wirsing, Rvte Rüben und gelbe Rüben zu den Tagespreisen.

** Ter Verkauf von Wurst aus unterwertigen Rindern findet Dkittwoch den 11. ds. Mts. während der üb­lichen GesckZäftsstunden statt. (Siehe Anzeige in vorliegender Nr.)

** Städtischer Pferdefleisch-Verkauf. Am 11. d. M. werden im stEischen Schjlachthof die grünen Bestellnummern 251300 gegen Abgabe der Bcstxllmarken mit Pferdefleisch be­liefert. Nachmittags von 25 Uhr werden die noch nich: einge­lösten Bestellnummern beliefert. Außerdem werde» Köpfe, Her^, Leber usw. ohne Bestellrnarken abgegeben.

*

L. U. Bon der Landesuniversität. Morgen mit- ;tag 11 3 / 4 Uhr pünktlich findet noch eine Immatrikulation in der Kleinen Aula des Borlesungsgebäudes (Ludwigstr. 23) statt.

** Ter Volksbund für Freiheit und Vaterland i'Ortsgrikpve Gießen) hält am Mittwoch den 11. Dezember, abends ;87, Uhr, im GasthofHinüenburg" eine Mitglied er-Bersammlung. Prof. Dr. Gmelrn wird über die Berhältnistvahlen sprechen.

** Zugverkehr und achtstündiger Arbeitstag. 'Ein Arbetter vom Lande schreibt uns: Wie der achtstündige Arbeitstag für die Arbetter der Dörfer an der Strecke GießenGrünbera crussieht, darüber einige 'Borte: Vom 9. Dezember ab soll der Ärbetterzug, welcher seither um 6,09 .Uhr nach Gießen kam, fetzt 50 Mimtten früher, also um 5,20 Uhr ttüfommert. man sagt im Interesse der Arbeiter. Sie sangen erst um X IS8 Uhr an, sttid also 22 l / 2 Stunden früher in Gießen. Abends soll ein Zug um 7 Uhr abgehen, es wird aber häufig 8 Uhr. So kommen die Leute, welche schon um 4 Uhr morgens fort müssen, um 910 Uhr nach Hanse, sie sind dann 1718 Stunden unterwegs und das bei einem l-alben Pfund Brot. Könnte die Bahnverwaltung nicht mehr Rücksicht nehmen? Morgens könnteein Zugum 7 Uhr nach Gießen kommen und nachmittags um 5 Uhr einer abgehen. Hoffenttich be- > kümmert sich der Arbeiterrat um diese Angelegenhett, um so mehr, da jetzt auch der Winter vor der Türe steht und in den Zügen keine Beleuchtung und Heizung ist und meistens die Fenster zer­brochen sind.

** Der Verkehr mit Kriegsgefangenen, Wir erhalten folgende Zuschrift: An den Pranger! Unter dieser Spitznrarke brachten ^ie am Dienstag eine Mitteilung, rvelche rrach der ganzen Aufmachung geeignet ist, die Frauenehre meiner Frau aufs schwerste zu verletzen. Deshalb teile ich zur Steuer der Wahrheit mit daß ich in einem hiesigen besseren Gasthose die drei Kriegsgefangenen kennen lernte. Dvese gehörten den besseren Ständen an und fragen dort nach möblierten Zimmern aus zwäl Tage. Ta dort .alles besetzt war. vermietete ich den Herren aus gewünschte Zeit ein Zimmer mit Betten gegen orts-

e Bezahlung. Der Vermietung gab ich um so eher statt, als die gefangenen glaubwürdig erklärten, das Lager in Gießen sei durch das Ankommen von Russen überfüllt, auch seien z. B. die Abortgelegenheiten in geradezu fürchterlichem Zustande. Ich kann nicht verstehen, daß der Angeber davon spricht, meine Frau habe Kriegsgefangene beherbergt! Wer mich rmd meine Frau kennt, weiß, daß wir beide bewußt kein Unrecht begehen. Auch schnöden Geldes wegen nicht. Tenn sonst würden wir nicht zu einer Zeit, wo es nur 15 Ps. für ein Bett für deutsche Soldaten quartiere gab, aus Gefälligkeit gegenüber Leuten, welche solche Last nicht auf sich rühmen mochten, > Hwiderten von Soldaten Schlafgelegenheit ge­boten haben. Achtungsvoll Jakob Siegel. Tie Veröffent­lichungen gehen uns bekanntlich vom Polizeiamte zu. Vielleicht war der vorliegende FE aus. ttgendemem Mißverständnis nicht ge­

nügend aufgeklärt worden. Wir hatten die Beherbergung von Kriegsgefangenen in Privatwohnungen zwar für unzulässig, aber das Borget»en gegen den Verkehr mtt solchen Leuten geht ia noch von anderen Voraussetzungen aus.

** In Gefangenschaft. Der Musketier Ludwig S ch a r d 1 vom Ers.-Batl. 460, 6. Komp., geriet am 24. Oktober in französische Gefangenschaft.

** Schwarz-Weiß,-Lichtspiele, Seltersweg 81.Der Friedl vom Hochland" betitelt sich das 2. Münchener Kunstftlmwetk Serie 191819. Ein Drama aus den Tiroler Bergen in vier hochkünstlerischen Akten und herrlichen Natur- ftenerien. Verfasser, Regisseur und Hauptdarsteller ist Ludwig Beck, erster bayr. Schauspieler. Mit den: seinpikanten dreiaktigen LustspielschlagerDer Lumpenbaron" schließt der erstklassige Spielplau.

Landkreis Gießen.

** Leihgestern. 9. Dez. Der Unteroffizier Wilhelm Will im Reserve-Jnfanterie-Rögiment Nr. 87, 6. Kompagnie, der seit 24. Oktober als vermißt gemeldet wurde, hat am 3. Dezember aus englischer Gefangenschaft aesckiaiebeu.

* Mainzlar, 9. Dez. Der Schütze Heinrich Rein, welcher in den letzten schweren Kämpfen seit dem 17. Oktober als vermißt galt, hat seinen Angehörigen .mttgeteilt, daß er sich gesund in englischer Gefangenschaft befindet. Ebenso der Unteroffizier Wilhelm Bv gel, lvelcher seit dem 20. Oktober vermißt ivar. Ps vermißt aus hiesigen! Orte gllt noch Ludwig Brück, Sohn des Schmiedemeisters Louis Brück.

** Wieseck .9. Tez. Musketier Eduard Michaelis, In­fanterie-Regiment 131, seit 24. September vermißt, hat sich letzt seinen Angehörigen aus französischer Gefangenschaft gemeldet.

Kreis Friedberg.

** Bad-Nauheim, 9. Tez. Unser Bad steht schon mitten in der Wahlbewegung fttt die Kommenden Wahlen zum Hessi'chen Landtag, Nationialversammllrng und Stadtverordneten- Wahlen. Gestern sprach Redatteur Wittrisch -Frankfurt a. M. im Sozialdernokrattsckien Wahlverein überRevolution und Na­tionalversammlung^'.. Heute findet eine Versammlung zwecks Gründung einer Beamtenvereinigung statt und am Mitt­woch wird Prof. Dr. Strecker im Demokratischen Verein über: Tie Aufgaben der deutschen Demokratie in der Gegenwart" sprechen.

Starkenburg und Rheinhessen.

Darmstadt 8. Dez. Das Gvoßherzegliche ,Hoftheater wird demnächst den Tttel Hessisches Landestheater führen. Ueber die weiteren Beziehungen zum seitheiügen Großherzog, der bekanntlich aus seiner Zivilliste mehrere Hunderttausend Mark bri- leuerte, ist, wie wir erfahren, eine bestimmte Regelung noch nicht getroffen.

Hessen-Nassau.

Frankfurt a. M., 9. Tez. (Priv.-Tel.) Im nahen Esch- horn fanden spielende Kinder eine Anzahl Granaten, die Non durchziehenden Artilleristen sträflickierweise fortgewvrfon waren. Beim Hantieren mit den Geschossen explodierte eins und tötete drei 611jährige Knaben auf der Stelle. Zwei andere Kinder wurden schwer verletzt, von denen eins ebenfalls noch kurzer Zeit seinen Verletzungen erlag.

---- Frankfurt a. M., 9. Dez. Vor dem Militärmagazin Mainzer Landstraße 1.55 kam es heute mittag zwischen einev großen Menschenmenge, die in das Gebäude einzudringen versuchte, und der Arbeiterwehr zu schweren Mseinandersttzungen, in deren» Verlaus die Wehr von ihrer Waffe Gebrauch machte. Hierbei wurde ein Zivilist von'etwa 30Jahren erschösse». Mehrere andere erlitten Verletzungen.

= Frankfurt a M, 9. Tetz. In den letzten Tagen hat sich auf Gerüchte hin ein Sturm nach, der Reichsbank erhoben, wo überänMiche Gemüter ihre Kriegsanleihe verkaufen wollten. Tie Reichsbank konnte deshalb, um ihren anderweitigen Verpflich­tungen weiterlftn ungestört nadtfbnrmeitMi können, nur Kriegs­anleihe im Werte von höchstens 200 Mark ankaufen, um ganz dringende.Notlagen auszugleichen.

= Frankfurt a. M., 9. Dez. Gestern mittag kurz nach 11 Uhr drangen Soldaten in die von der Militärverwaltung ge­mieteten Lagerhäuser der Fellhandlung von Gold­schmidt & Co., Mainzer Landstraße 155, und plürrderten die hier aufgestapelten Vorräte dorr MilitärauSrüstungsstücken, Aus allen Fenstern des freilieg-nden Gebäudekornplexes flogen Tausende und Abertausende von Mänteln, Stieseln, Hosen, Rucksäcken usto. auf die Straße und die Höfe, wo sich eine von Minute zu Minute anschwellende riesige Menschenmenge ansammelte, die schließllch den Hof stünnte unt> sogar die Täch-u eines Nachbarhauses besetzte. Tausend Hände griffen gierig nach den herabflatternden Gegen­ständen, und oft spielten sich erbitterte Kämpfe um den Besitz eines Mantels oder eines Paares Schche ab. Die Wachmannschaften» des Magazins waren gegen die Menge machtlos und verhielten sich von vornherein sehr paissiv. Sie erklärten, daß sie von ihrer Waffe keinen Gebrauch machen dürften. Gegen 12*/* Uhr war die Plünderung vorüber.

nrr. Frankfurt a. M 7. Dez. Der Magistrat hat be­stimmt, daß sämttiche Wirtschaftsmhaber verpllichtct sind, wäh­rend des Winters Personen, die sich wärmen wollen, olme Entgelt in ihre Räume aufzunehmen. Die Leute dürfen auch nicht g^'wuugen weiden, irgend etwas zu verzehren. An der Strafkammer und am Schöffengericht wurden in den letzten Tagen sämttiche Fälle abgesetzt und in keine Verhandlung eingetreten, da man eine wettgehende Amnestie erwartet.

mr. Griesheim a. M., 7. Dez. Unser Ort ist der letzte des Brtlckenkopfes Mainz, der von den Franzosen besetzt wird. Um jeden Anstoß zu vermeiden, haben die chemischen Fa­briken ihr sämtliches Kriegs'matecial, das noch aus Lager war, nach Hanau außerhalb der besetzten und neuttalen Zone bringen lassen. Ter Arbetter- und Soldatencat wird sich auflösen.

X. Hanau. 8. Dez. Bon Mannschaften eines hier durch- zieherrden Feldartillerie-Regiments wurde am Samstag früh die aus dem Landratsamtsgebäude wehende rote Fahne her-i untergeholt und mitgenommen. Der Vorsitzende des .Hanauerl Arbeitervats eilte in Begleitung einiger Soldaten im Mtto den. Artilleristen nach und kam mit der roten Fahne wieder zurück. Der Führer der Artillerie, ein Offizierstellvertreter, wurde ver­haftet. Inzwischen ist die rote Fahne an ihrem alten Platze wieder aufgezogen, ferner ist eine militärische Wache am Landratsamts­gebäude aufgesteltt worden.

]\ Marburg, 10. Dey. Zum Vorsitzenden der Ortsgruppe Marburg der Demokratischen Volks Partei, die sich in­folge Zusammenschlusses der Nationalliberalen und Fortschrittler hier bildete, wurde Prof. Dr. O t t o .moählt. Gleichzeitig fordert^ man in einer gwßeii von ersterer einberufenen Volksversamnttung die alsbaldige Einberufung der Nationalversanrmlung. Zwei große Versammlungen evmigelischer Ettuvvhner sprachen sich ge­gen die Trennung von Kirche und Staat aus.

Singesanvt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung.)

Dankbare Heimat!

Vergangenen Samstag (7. Dez.), kurz nnck) 7 Uhr abends, war ich Augenzeuge folgenden Vorfalles, der sich am Schalter für Telegramme und Ferngespräckie des lftesigen '.Hauptpostamtes zutrug. Einer unserer tapferen Feldgirauen, ein junger Offizier, nrit dem Eisernen Kreuz 1. Masse ausgezeichnet, den linken Arm bis zur Schulter vollständig, verloren, den rechten derartig zerschossm, daß er völlig, auf die ifat begleitende junge Dame angewiesen war. wollte, nachdem er schon längere Zett auf ein Telephongespräch grtvartet hatte, einen Eilbrief am Schalter abgeben. Ta das diensttnerrde Fräulein, vielleicht aus Mangel an Kenntnis, oder aus Ungefälligkeit (es war schon 7 Uhr) uick^ls mit dem Brief anzu- sml-gm wußte, äußerte unser Tapferer in spaßhaftem, ruhigen Tone:

Fräulein, hier scheint ja der Betrieb jetzt auch auf der Höhe zu sein." Gereizt und mtt hefttger Haichbewegung versetzte unser höf- lickies Fräulein:Bei Ihnen scheint er aber auch schon lange auf der Höhe zu sein, sonst wären wir heute

nicht so weit." 3tiff und ohne Worte »vandte sich unser Tchffercr ab. Settl armer zerschossener Körper bewies, daß er seinen Mann gestanden Ijattc und kein Feigling gewesen war. Gekränkt und mit feuchtem Auge erzälüte er mir kurz, daß er bis zum letzten Tage für die Heimat käinpfte. Wie beschaint und brtwffen sich jeder Anroes ende unserem Helden gegenüber sülstte. braucht wohl nicht erwähnt zu werden. K.

Pochschulnachrichten.

Frankfurt a. M., 7. Tez. Ter Ordinarius für.Minera­logie und Petrographie an der llniversität Frankfurt, Professor Hendrik Enno Boeke, ist Freitag früh einem Schlagansall er. legen. Der Verstorbene war 1881 in Holland geborm, f>aLrilitierte sich.1608 in Königsberg, war sodcrmr in Leipzig und Halle Uni- versitätsProfessor und wurde 1914 an die neilgegründete Franko furter Universttät berufen. Während des Krieges wirkte Proiessor Boeke auch längere Zett an der Universität Gent.

Letzte Nachrichten.

Vorschläge Lrdebours zu einer Neueinteilung des Reichs­gebiets?

Berlin, 9. Dez. Ter Vollzugsrat teilt mtt: Jip Ziu^

sammenl)ang mit den häufiger auftretenden Gerüchten von Los-« lösimgsbestreblmgen deutscher Gebiete erfahren wir, daß bereits» ein Plmk aus gearbeitet wird, tote das Reichs gebiet sich nie» gliedern soll, und zwar soll die Ncueinteilung auf Grund einen wissenschaftlichen Untersuchung der einzelnen Staaten nach Wirt­schaft und nach Stämmen beabsichtigt sein, deren Verfallet Ledebour ist. Der Minister des Jnwern wird bezüglich Preußens der Frage schon in den nächsten Tagen nähertreteu. Ein-e Versammlung der Berliner Bankbeantten.

Berlin, 9.Dez. Zu einer stürmischen Kundgebung kam es am Sonntag in einer Versammlung des Allgemeinen deuti scheu Bankbeamten-Vereins, die nach dem ZirttlS Busch einberufen war. Als erster Redner sprach das Mitglied der Reichsregicrung Barth. Er teilte mit, daß er sich den ganzeis Tag ausschließlich mit der Untersuchung des Putsches vom Freitag beschäftigt habe. Die Machenschaften gingen sehr weit hinauf, und die Schuldigen würden rücksichtslos'nach der abschreckenden Theori<l bekämpft werden: man werde niemand nach Holland ftüchtertz lassen. Als Barth dann erklärte, daß alle revolutionären Versuche von rechts kommen, während die Spartakusgruppe nicht daran dcnke^ Ruhe und Ordnung zu stören, erfolgte stürmischer Wider­spruch. Der Redner warf dem Bürgertum vor, daß es ganz Deutschland gegen Berlin aushetze. Ter getreueste Sekundant dieser Bestrebungen sei derVortvärts". Hüer ertönten laute Zwischenrufe: Sie sind ein Lügner! Sprechen Sie zur Sache! Es entstand ein furchtbarer Lärm, als Bcrrth die Zwischenrufes als Flegel bezeichnete. Unter großer Untuhe erllärte er dann noch, wenn die Nationalversammlung keine sozialisüsche Mehrheit erhalte, würden alle Errungenschaften der Revolution zugrunde gehen. Der Bankboamte Marx betonte, daß die Hauptforderung der Bankbeamten die siebenstündige Arbeitszeit sei, sowie die Ein-" führung von Mindestgehältern mtt staffelweisen Zulagen. Andere Redner verlangten die Schaffung einer Einheitsorganisation d<w gesamten Beamtenschaft. In einer Eittschließung sprach sich die Versammlung für diese Forderungen aus und verlangte außerdem, daß bis zum 1. April keine Entlassungen bei den Banken statt- finden dürsten.

Bevorstchendr Freilassung Thyssens.

Berlin, 9. Dez. DieVoss. Ztg." schreibt: Die beiden Brüder T h y s s e n und der Sohn von Hugv Stttmes, die unter dem Verbäckst hochverräterischer Verbindung mit der Entente verhaftet worden waren, sind bereits gerichtlich vernommen worden. Der Verdacht hat sich nicht bestätigt .Tie Freilassung kann stündlich ertvartet werden.

Ein Wahlsieg d-er Mehrheitssozialisten in Chemnitz.

Chemnitz, 10. Dez. Bei den gestrigen Wahlen zum Ar­beiter- und Soldatenrat im Jndustriebezirk Chem­nitz wnrde nach den bisher vorliegenden Ergebnissen für die Mehr­heits-Sozialisten 78 500. für die Urrabhängigen 6600 Stimmen abgegeben. Einige Teilergebnisse stehen noch aus.

Für schleunige Einberufung der Nationalversammlung.

Bromberg, 10. Dez. In der gestrigen Sitzung der Dele­gierten der Arbeiter- und Soldatevräte des Regie­rungsbezirks Bromberg, in der Vertreter von 29 Ort­schaften zugegen waren, wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: Die heute in Bromberg tagende Kvnferenz der Ar­beiter- und Soldaten rate des Regierungsbezirks Brvmberg er­kennen die Notwendigkett einer schleunigen Einberufung der Na­tionalversammlung an n.nd erlvarten von der Zentralregierung, daß umgehend die erforderlichen Maßnahmen getroffen werden.

Die Amerikaner in Coblenz.

Coblenz. 8. Dez. Unsere Besatzmrgstruppen, die Ameri­kaner. haben sich bisher korrekt gezeigt. Bestimmungen sind heraus: Kinder unter 14 Jahren dürfen nach 6 Uhr nicht mehr auf der Straße sein. Mehr wie 3 Personen dürfen auf der Straße nicht zusammenstehen. Polizeistunde ist um 11 Uhr. Die ganze Stadt wimmell voll amerikanischer Soldaten, beglettet von Kinder­scharen, an die sie Schokolade und Bonbons vertellen.' Tie letzte deutsche Uniform ist verschwunden. Gestern nachmittag um 3 Uhr war der letzte Parademarsch Daun zogen die Truppen unter den.Manien:Fest steht urrd treu die Wacht am Rhenft^ über die Psaffendorfer Brücke auf die andere Rheinseite ab. Alle Anweserrden sangen begeistert mit. Ein alter Offizier an der Spitze der letzten Truppen weinte wie ein kleines Kind. Die Svldalenj waren kvunr abglerückt, da wurden alle Fahnen eingezogen und die Gttlanden abgemacht und wenig später betraten die Ameri­kaner vom Bahnhof her truppweise die Stadt. Ern Umzug oder geschlossener Einzug der Amerikaner fand nicht statt. Es befinden sich sehr viele Deutsch-Amerikaner unter ihnen. Dfo Lebensmittelverhältnisse haben sich hier beretts erheb­lich gebessert. Es gibt jetzt zweimal Fleisch in der Woche. Die Stadt selbst verkauft auf Marken echten Kaffee und Tee zu 6 Mark das Pfund.

Die belgischen Besatzungstruppen in Rheydt.

Rheydt, 10. Dez. Gestern nachmtttag rückte als Besatzungs- Kommando das 8. belgische Linienr^egiment von Garz­weiler kommend mit llingendem Spiel in Stärke von 60 Offizieren und 1200 Mann hier ein. Die Offiziere wurden in Privathäusern, die Mannsck-aften in Massen quartieren^ untergebracht. Auf dem ))tttthcruse wurde die belgische Flagge gehißt. Regimentskommandeur Oberstteutnant H e r m a n e übernahm das Kommando über die Stadt und erließ einen Kommando beseht. wonach der Verkehr der Zivilbevölkerung auf der Straße nur von 8 Uhr vormittags bis 8 Uhr abercds belgischer Zett gestattet ist. AlS Vergeltungs­maßnahme ist die Bevölkerung bei Sttafe verpflichtet, die Fahnen und Offizziere der belgischen Armee zu grüßen. Die Wirtschaften sind von 122 Uhr und von 56 Uhr (belgischer Zeit offen zu halten Die Straßen der Stadt müssen die ganze Nacht beleuchtet werden. Ansammlungen sowie alle Versamm­lungen sind untersagt.' Im übrigen sind dem Verkehr kettle Be» schränkuTrgen auferteqt. Insbesondere erscheinen die Tageszeittmgen wie bisher. Die Uhren der Stadt werden um eine Stunde zurückgestellt.

Die Flottenfrage zwischen England und Amerika.

Rotterdam. 10. Dez. Das Hauptorgan der Demokraten, dieN e w o r k W o r l d", sckweiben: Wenn Erlgland sich nicht in die amerikarffsche Auslassung bezüglich der Bedürstigkrtt Englands auf dein Gebiete der Rüstungen zur See füge, so würden die Vereinigten Staaten ganz gewiß die Zmsen der von England ge­liehenen Summen zur Erbauung einer Fl ot ts verwenden, die mtt der britischen konkurrieren körrne.

Paris verlangt Schadenersatz.

Genf °. Tez. Die Stadt Paris fordert von Deutschland für die Luftbeschießung zwei Milliarden Franks Schaden­ersatz.