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ftjmben fei. 25te schon aus chvenc Nameil Deutsche Demokratisch? Partei hervorgeht, betont sie in entschiederrer Weise die Einheit des Reiches. Die separatistischen Bestrebungeil mürben in kurzer Zeit zu einer vollständigen Zersplitterung des Reiches mit allen ihren! unabweisbaren Folgen führen."

Großindusttirlle wegen Landesverrats verhaftet!

Mülheim (Richr), 8. Dez. Wegen Landesverrats, be­dangen durch den Bersicch, die Entente zu einer Besetzung des .Industriegebietes zu bestimmen, wurden in der vergangenen Nacht 'nach stundenlangem Verhör vom Arbeiter- und Soldatenrrt in Mülheim die Großindustriellen A u g u st Thyssen Fritz Thyssen iun., Edmund Stinnes, sowie die Di­rektoren Herrle, Becker und Wir tz, Kommerzienrat Küchen Und Bergassessor Stenz verhaftet. Die Festgenom menen wurden nach Münster gebracht und werden von dort wahrscheinlich nach Berlin gebracht, wo sie sich verantworten sollen.

Aus Hessen.

Ulrich über den Ausbau der Republik.

Darmstadt, 8.Dez. (WTB.) lieber den Ausbau der Neuen Republik sprach Ministerpräsidntt Ulrich heute vor­mittag in einer sozialdemokratischen Volksver­sammlung vor einer vieltausendköpfigen Zuhörerschaft, die sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusmnmensetzve. Der Minister­präsident sprach einleitend der hessischen Beamtenschaft seine An­erkennung aus, daß sie ihrer Pflicht dem Vatcrlande gegenüber durch treues Ausharren aus ihrem Posten treu geblieben sei. Er skizzierte men den militärisch-politischen Zusammerrbrnch Deutschlands und den verhältnismäßig ruhigen Verlauf der Revolution. Ms er am Revolutionssamstag ins Schloß gerufen wurde, ftilje er dem vor bulligen Großherzvg sofort erklärt, wenn Blutvergießen ver hindert werden solle, dann müsse der Großherzog freiwillig ab­danken. Leider habe der vormalige Großherzvg, dessen tragischem Geschick als Mensch man nicht die Achtung versagen dürfe, anders entschieden. Daß dennoch Blutvergießen verl-indert worden sei, sei der anerkennMsroerten opferbereiten Arbeit der Arbeiter- und Sol datenräte zu verdanken. Nach dem schmählichen Verhalten seiner Träger sei der monarchische Gedanke in Deutschland erledigt. Für die ordnungsmäßige Turchsül-rung des Rückmarsches der Feld- söldaten gebühre diesen wie ihren Offizieren, auch Hindenburg, der Dank des Vaterlandes. (£rft wenn, die Nativ nalversamm lung, für die ans technischen Gründen beider ein früherer Termin sich iricfit habe an beraumen lassen, gebildet ist, wird die Frage der Sr^ialisiernng der dazu geeigneten Großbetriebe erwogen werden können. Die Fideikommisse müssen anderweitig nutzbar gemacht werden.: hessische Regierung wird dafür eine Kommission cin- setzen, ebenso tvie für die Frage der Ziviltiste und der damit zu- sammenHangenden Ueberführung der Domänen in ungetttlten Staatsbesitz. Das lasse sich jedoch nicht über Nacht machen. Wer dings daran wird nicht gerüttelt werden dürfen, daß die Zeit der lohnkapitaliftischen Ausbeutung vorüber sein muß. Tie vaupt- sorge der Regierung sind die Ernährungs- und Berkehrsfragen. Die Landwirtschaft scheint ihrer Pflicht zur Ablieferung ihrer Er­zeugnisse nachzu kommen. Rohstoffe sind nach Auskunft der zuiän- digen Reichsstelle rroch genügend vorhanden. Von mancher Seite würden besonders letztere Fragen übertrieben in der dunklen 9lb- sicht, die vorhandene Unsicherheit zu steigern. Die besitzenden Kl a s ße n müssen sich mm daran gewöhnen, daß sie zu wesent­lich höhercnSteuern herangczogen werden müssen. Weitere Ausgaben des neuen Volksstaates sind die Reform des Schul­wesens und die Förderung von Kunst und Wissenschaft. £?rt der Kunst, die dem Volke gehören soll, muß für die schaffende Lugend freie Balm gegeben werden. Weitere Prvgrammpuntte sind: Koalitionsfreiheit, auch für die Beamten, Freiheit der Presse, Neu- .gestaltnny der Polizei, Beseitig: mg aller Schranken für hie religiöse Betätigung. Unter allen Umständen muß die Einheit Deutschlands aufrecht erhalten bleiben. An der Pforte der neuen Republik sollten die Worte stehen: Pflicht der Arbeit, Recht des Lebens.

Au» Stadt und Land.

Gießen, den 9. Dezenrber 1918.

Einzug de» Landwehr - Regiments 116 in Gießen.

Dm Samstag vormittag gegen Vjll Uhr wurde die Stadt­verwaltung davon unterrichtet, daß das Ländwehr-Regi^ ment 116, das ursprünglich nach Lich und Hungen beordert! wurde, um dort demobil zu machen, in Gießen einziehen werde, um hier in unserer Stadt demobilisiert zu werden. Afts diesem' Grunde und namentlich deshalb, weil dem Landwehr-Regt. 116 sehr viele Gießener angehören, entschloß sich die Stadtverwaltung, -in aller Eile dem Landwehr-Regiment einen offiziellen Empfang zu bereiten. Der Einmarsch des Regiments erfolgte unter Glocken- geläute. Die Stadt ließ ent jeden einziehenden Krieger durch die Lehrerschaft Zigarren verabreichen. Damen des Roten Kreuzes verteilten Blumen, Zigarren, Zigaretten und ans der Bevölkerung erhielten die einziehenden Truppen Liebesgaben. Die vom Bülr-< gerrat für Stadt und Kreis Gießen gespendeten Beutel mit je 10 Zigarren waren mit folgender poetischen Widmung versehen: Ihr wolltet für uns sterben, wir wollen für Euch leben! Ohne Ende stets aufs Neue dankt die Heimat Eurer Treue." Von dem Stadthaus hatten sich auf der Tribüne die Mitglieder der Stadtvervrdneten-Versammlung eingesunden.. Ms das Regiment .vor der Tribüne angekvmmen war, ließ der Kommandeur halten, und es richtete der Oberbürgermeister eine kurze Ansprache an das Regiment, auf die der Regiments-,Kvmmandeur Oberstleutnant: Mansfeld erwiderte und dabei seinen Dank aussprach für denj schönen Empfang. Der (Ändruck, den die von einer großen Menschenmenge empfangenen Landwehrlente machten, war ein recht guter, ihr Aussehen entsprach dem bei den bisher durchmar-- schierten Truppen beobachteten. Die Kompagnien waren natur-j gemäß stark gelichtet; mancher brave Kamerad fehlte.

Zur Rückkehr der Studenten.

Ter Ausschuß der Gießener Studentenschaft schreibt uns:

Nach über vierjähriger Abwesenheit kehren die Studenteil der Universität Gießen zu ihren Studien zurück. Vier lange Jahre waren sie von all dem losgerissen, was ihnen Lebens­inhalt war, vier Jahre lang haben sie aus wissenschaftliche Arbeit verzichten müssen. Sie haben es gern getan, well sie wußten, was auf dem Spiele stand. Und nun kommen sic zurück, um mit neuem Mut da weiterzuschassen, wo ihnen vor Jahren' der Krieg die Arbeit aus der Hand genommen. Sie sehnen sich nach Arbeit, sie freuen sich auf ihre gemütlichenStudenteni- buden".

Tie Universllät hat Kurse für Kriegstellnehmer eingerichtet, damit sie das Versäumte schnell nachholen können, aber wie steht es mit der Bude?' Werden die zurückkehrenden Studenten Zimmer finden? Tie Aussichten sind trüb. Selbst roemt, wie wir hoffen, alle diejenigen, die vor dem Krieg Zimmer cm Studenten vermotteten, es auch jetzt wieder tun, so bleibt doch ein großer Teil der Heimkchrenden ohne Obdach denn es tver- oen viel mehr Studenten in den ersten Semestern nach dem Krieg da sein, als vor vier Jahren. Es werden nämlich alle die die in den neun Semestern seit August 1914 Examen gemacht iund die Universllät verlassen hätten, jetzt erst ihre Studien beenden können. Zu ihnen kommen alle die andern, die erst während des Kriege» die Universität bezogen t-aben. Wenn nun noch die Universitäten Straßbnrg und Bonn ihre Tore schließen müssen, diese Universitäten also ihre Studenten an andere Uni­versitäten abgebcn, dann wllL die Wohnungsnot noch größer werden.

Wir richten darum an die Bürgerschaft Gießens die drin­gende Bitte: Laßt die Studenten jetzt nicht im Stich, helft denen die draußen ihr Leben für euch eingesetzt haben? Es genügt nicht, rvenn nur diejenigen Zimmer abqeben, die in dem Vermuten euren willkommenen Nebenverdienst sehen. Gerade aus den Kreisen muß uns Hilfe werden, die nicht auf das Ver­mieten angewiesen sind

Und besonders bei den äkademisch Gebildeten, die in .Frie­dens-ellen ihren Studien obliegen konnten, die niemals er-,

fuhren, was es heißt, keine Stube zu haben, die, hoffen wir, werden auch Verständnis haben für die schwere Lage der Stu­denten, und was mehr ist *t werden uns ihre Hllfe nicht versagen. l

Infolge Jnan- stel lu ng der

** Aufstellung der Wählerlisten, svruchnahme der stäi.ischen Beamten für die Auf st Wählerlisten für die deutsche Nationalversamm­lung und die Hessische Volkskammer sind die Dienst- ränme der Stadtveno-alttmg für die Folge nur von 11 Uhr vor­mittags bis IV» Uhr -nachmittags für das Publikum geöffnet. Die üblichen Dienststunden der Dtadtkasfe bleiben bestehen.

** Trnppendurchmars ch. Am gestrigen Somrtag war der Durchmarsch der aus dem Felde zurückkchreNden Truppen ein ganz gewaltiger. Vom frühen Morgen an bis zum Mittag zogen in langen Kolonnen Artillerie und große Fuhrpark-Abteilungen, teilweise mit Musik, über die Nord-Anlage in der Richtung nach Wieseck und Grünberg. Den Truppen wurden von Kindern Blumen, Aepfel usw. überreicht.

** Stadttheater, däochmals sei darauf hingewiesen, daß heute Montag als neunte Vorstellung im Diensdag-dlbonnement Supermanns SchauspielSodoms Ende" gegeben wird. Es ist der Bühnenleitung gelungen, in Herrn Walter Hauser, vormals am Colmarer Stadttheater, einen ausgesprochenen Dar­steller für erste Helden zu gewinnen: da außerdem einige frühere Mitglieder des technischen Personals, die jetzt aus bem Felde zurück- gekehrt sind, wieder eingestellt werden konnten, so wird es bald inöglich sein, den Spielplan wieder auf Stücks auszndehnen, die die letzten Jahre aus naheliegenden Gründen nicht gegeben werden fknmtnr.

** Städtiicher Pferdefleisch-Verkauf. Am 10. ds. Mts. werden im städtischen Schlachthof die grünen Bestell­nummern 132250 gegen Abgabe der Bestellmarken mit Pferde­fleisch beliefert. (Siehe Anzeige.)

** Freibank. Dienstag den 10. Dezember 1918. von 24 Uhr, von Rnnttner 41150.

** Keftne Ordensverleihungen mehr. Bei den Behörden gelten immer noch Anregungen wegen Verleihung von Orden und Beschwerden toegen Nichtberücksichtigung solcher An­regungen ein. Dm Petenten nrag zum Tröste gesagt sein, daß von der neuen Regierung Ordensauszeichnungen überhaupt nicht mehft verliehen werden. Es ist unvermeidlich, daß infolgedessen Personen, die ebenso große oder noch größere Verdienste haben wie bereits' Beliehenc, die Auszeichnung nicht erhallen. Sie werden sich aber damll ganz geioiß trösten, daß jede gute Tat in der Achtung der Mitbürger und in der eigenen Befriedigung ihren schönsten Lohn! ttägt.

** In Gefangenschaft. Der Musketier Karl Philipp, Jnf.-Rcgt. 131, 12. Kvmp., der sell 24. Sept. 1918 als vermißt gemeldet wurde, hat aus französischer Gefcurgenschast geschrieben.

** Holzfällungen. Das Ministerium der Finanzen hat Anordnung dahin erlassen, daß, falls die in dem Wirtschafts­plan vorgesehenen 'Holzfällungen mit ben sonstigen Waldarbeiter! nicht ansreichen, um den Arbeitsuchenden Beschäftigung zu bieten, die Fällungen über die vorgesehenen Hiebsmengen hinaus und ohne Rücksicht auf die durch die Forsteiurichtungen festgesetzten Hiebs- sätze auszndehnen sind. Sonach werden in staatlichen und Ge­meindewaldungen, der Forderung amserer Wirtschaftslage ent­sprechend. Arbeitsmöglichkeiten in besonders großem Umfange ge­sichert, die noch dadurch erweitert loerden, daß die standescherrlichm rntb Privatst rstverwalüm gen angegangen worden sind, in gleicher Richtung vorzngehen. Die frühzeitige Verwertung des gefällten Holzes wird gewährleisten, daß cs bald zur Verarbeitung kommt. Besondere Anordnungen wegen beschleunigter Abfuhr aus den Wal­dungen sind getroffen. t

Landkreis Gießen.

** N vnnenro th, 6. Dez. Aus englischer Gefangenschaft geschrieben hat der Gefreite August Koch ans der 3. Komp, des Jnf.-Regts. 168, welcher sell 23. Oktober vermißt war.

-ft Steinberg, 6. Dez. Gefreller Karl Schneid­müller, Sohn dos Hetterich Sckneidmüller IV., der am 1. Nov. als vermißt gemeldet wurde, hat sich am 3. Dezember ans englischer Gefangenschaft als wwcttvundet gemeldet.

Kreis Schnitten«

4t Schotten, 3. D^. Die vom Kreisobstbauvevein durch­geführte Sammlung von Wildfrüchten im Kreis zeitigte ein schönes Ergebnis. \ Es gelangten an den Sammet stellen des Vereins zur Ablieferung: 134 Zentner Hagebutten, 105 Zentner Mehlbreien, 400 Zentner Schehen, 264 Zentner Hinckeeren, 101 Zentner Brombeeren, 372 Zenttrer Holunderbeeren und 1604 Zentner Vogelbeeren (Ebereschen), zusammen 2980 Zentner. Tie Sammler des Kreises verdienten an Hagebutten 4020 Mk.. an Mehlbeeren 1575 Mk., an Schlehen 8000 Mk., an Himbeeren 31680>Mk., an Brombeeren 12 120 Mk., an Holunderbeeren 9300 Mk., an Vogelbeeren 48120 Mk., zusammen 114 815 Mk.

O Gedern 6. Tetz. Das Feld-Artillerie-Regiment Nr. 406 in Stärke von 30 Offneren, 1000 Mann und 850 Pferden, hat heute Ijicr für mehrere Tage Quartier bezogen.

Kreis Friedberg.

Friedberg, 6. Dez. Nach Mitteilungen des Kreis- amtes will eine größere Arrzahl Kriegsgefangene nicht! wieder in ihre Heimat zurückkehren, sondern in Deutschland ver-j bleiben. Die Gemeinden erhielten Anweisung, sicr diese Leute ent- 'prechende Arbeitsgelegenheit zu beschaffe^. (Hpffentlich nicht aus Kosten der deutschen Arbeitslosen!)

Starkenburg und Rhnnhessen.

Darmstadt, 6. Dez. Der Arbeiter-, Dauern- und Soldaten­rat dahier gibt bekannt, daß der dort angestzellt gewesene Dr. Spruth nickt meyr in seinen Dieirsten isl und ettvaige von ihm erlassene Beschlagnahmen ungültig sind. HierM erfahren wir, daß Tr. Spr. es verstand, sich das Vertrouen der Lectung zu er­werben, da er in der Revolutionsnacht mit tätig, tvar. Durch sein. Auftreten brachste er es fertig, Utm Leller des KttafttvagenParks bestellten werden und hat als solcher eine ganze Reihe nnberttch-i tigftc Beschlamuchmen auf militärischer Bureaus, ^fernen ustv. ansgeführt, Kassen, Automobile besch>l<vgnahmt und in seinem eignen Interesse verwertet. Der Umfang seiner Unterschleife ist nicht genml festznstellen, doch schätzt nran den Betrag ans ettva 70000 Mark. Spr. wurde zunächst festgenommen, ist aber jetzt 'purlos verschwunden.

I. Tarmstedt, 6. Dez. Der ständige Rat für Kunst- Pflege in Hessen, der seinerzeit genreinsam vom Hofe, der Regierung und der Stadt i?rs Leben geruf^l wurde, und dessen erste Veranstaltung auf der Mathildeühöhe in diesem Sommer war, hat nun trotz des Umschwungs der äuf^ren Lage und der völligen Umwälzung im Innern einen für die hessische Künsüerschaft hoch>- wichitigen Plan dicrchgefühtt. Er hat am Luisenplatz eine stän­dige Ausstellung von hessischen Künstlern und Kunstgewerblern eröffnet, verbunden mit einer dlnskunftci, Vermittlung nnt» Beratungsstelle. Tie Ausstellungsräume und deren Einrichtung hat .Herr Fabrsikant Schmidt in edler Ge­meinnützigkeit zur Berftigung gestellt. Tie Weihnachtsausstellung merunützigkeit zur VerMgnng gestellt. Die Weihnachtsausstellung, zu der alle Kunstrichtungen in gleicher Weise zngelassen wurden, wurde vom Grafen Hinderrburg in sehr gesckMackvoller Weise zn- ^ammengestellt.

^ fc. Worms, 4. D^. Die hiesigen Bäcker hatten von der Militärverwaltung den Auftrag erhalten, für die Verpflegung der d,rrchncheicken Truptien Brot zu backen. Als sich ergab, daß die Truppen sich selbst verpflegten, wurden die extra gebackenen! 20 000 Brote überftüssig. Eine militärische Stelle gab min den Bäckern den Rat, das überzählige Brot unter der Hand zu ver­kaufen. Kllum war dieser Verkauf bekannt, als eine Jagd auf die markenfreien Brote entstand, die Bäckereien sozusagen gestürmt und die Brote im Handumdreh-n obgesetzt wurden.

Dessen Nassau.

- Frankfurt er. M., 7. Dez. Die Ermittlungen zur Aufklärung des Raubmordes an denr Kaufmann G-org P e r r o t aus Neu-Isenburg brachen beute folgende Ergebwsse. Dern Er­mordeten sind ein Brillantrrng mit einem 16 mal geschlissenen Brillcmteir und 2 Saphiren, ein älterer Siegelring mit pier- eckigem Stein, eure tofüxme Savonello-Uhr mit drei schvec massiv

jgoldenen Spruugdeckeln und eine goldene Annbaiwuhc nat goldener Armkette geraubt worden. Ferner ist bekannt geworden, daß Perrot für 10000 Mark Wertpapiere in Frauk- ftrrter Hypothekenbriefen und Eisenbahn papieren bei sich führte, die jetzt auch fehlen. Auf die Ermittlung der Mörder hat der Regrerungspräsident in Wiesbaden eine Belohnung bis zu 10'0 Mark ausgesetzt. Pervot verkehrte lxruptsächlich in Schieber- kreisen, bei'onders mit solchen Personen, die mit Autos und Trehbänkm (Geschäfte machten. Es ist wahrschellllich. daß die Mörder in diesen Kreisen zu suchn sind.

Fc. Wiesbaden, 6. Dez. Anstelle des von feinem Posten zurückgttretenen Landrats von Heimburg ionrde in einer Ver-> sammlung des Arbeiter- und Bauernrats im Landkreise Wiesbaden die Ernennung des bisherigen Vorsitzenden des hiesigen Arbeiter» und Soldatenrats Schlllt zum Laudrat des Kreises Wicsbadeu- Land beschlossen.

Giefzener Stadttheatev«

Danz-Gastsprel von Nelly Knappe.

Gießen, 7. Dezember 1918.

, Tu Tmizkunst, d. h. der frei gestaltete, schöpferisch Tanz, wrrd heute in einem Maße gepflegt, wie das wohl bisher noch niemals der Fall war. Wohl gab es auch schon in früheren! Zähren bedeutende Vertreter dieser Kunstgattung, wie z. B. die Geschwister Wiesenthal, Clottlde von Terp, Alexander Sacharvff u. a., von Tanzensembles waren vorbildlich das Petersburger und das Warschauer Ballett, als die wichtigsten Tanzschulen existierten die, Tuncau-Schule und die von Jacques Dalcrvze. In der letzten Zeit aber v-rnmehrte sich die Zahl der Tanzkünstler mrd Kunst lerrnnen derart, daß hier die Verhältnisse fast denen auf de.n Gebrtte des musikalischen Virtuosentums gleick)en, wo auch eine nccht allzu große Anzahl wirklicher Größen von einer Schar- Epigonen und Mitläufern umrahmt wird. Das letzte Ziel dertz modernen Tanzkunst ist eben, daß nicht nur dos Rhythmisch der zugrunde gelegten Musik darin nachgezeichnet wird, sondern auch der musikalisch Seeleugehalt durch die körperliche Ausdrucks- nmft des TanzeTiden eine gleichwertige Nachgestaltung erfährt.

An dieser Aufgabe gemesen. erschiitt die Mnstleriu Nelly Knappe dre mit ihrem hiesigen Gastspiel zum erstenmal in die Oesfenllrchkeit trat, noch nicht ganz auf der Höhe ihres Wrr- nens. Anerkannt muß indessen werden, daß ihre Erfassung der musrkalcschn Seele selbständig ist; jedoch fxsuir Veraleich der ^nzelmm Tanzstücke drängt sich dem Zuschauer unwlltLrrlich die Empsindung auf. daß ihre AnsdruckSlunst bis jetzt nur dem narven, wrkomplizrerten Gefühl gewachsen ist. Das Schrmannsch Glücks genüg" und die Griegsch .Humoreske" ge­langen ihr entschieden am besten, während in demP re lüde" von, Rachmarmiow inrd der Serenade von Tschaikowskh eine snmsse Einförmigkeit und Gebundenheit der Bewegimgen er- Gelingt es Frl. Knappe, sich erst einmal von; der starken Befangenheit, die ihr noch eigen ist, völlig frei zu machen, -und dann alle Gefühle und Stimmungen, die ein inten- ftves. leidensck-aftliches Erleben voraussetzen, erschöpfend zum Aus­druck zu bringen, können noch recht angerundete, künstlerisch wertvolle, Leistungen entstehen, wenn sie auch immer nur als Vertreterm eurer bestimmten Tanzschule, eines bestimmten Systems' interessieren wird, da natürlich für jede Birtuosin der Tanzkunst iteben dem nöttgen Talent auch die körperliche Prädestination eine nicht geringe Rolle spielt. Es ist ferner zu bedauern, daß der dckovattve Rahmen zu den Darbietungerr der Künstlerin, besonders Ni l>ezug auf Farbenwirkung, in störendem Widerspruch stand' rW.JP* begleitende Pianist hätte sich einer größeren Sorgfalt befleißigen dürfen.

Die Tanzdarbietungen umrahmten den EinakterEinet $ Journier und Meyer. Das anmutige

Lustspitt schildert, wie eine Verlobung an einem beim Kartenspiel entstandenen Strell der beiden Väter beinahe aber auch nur beinahe gescheitert wäre. Die Darsoellung! ßvar flott und anspreckLnd So lwt Adolf Te le k y ein mimisches Kabinettstück; auch die Herren Hans Heinz He res und Karl Bolck wurden ihrer Auf­gabe durchaus gerecht. Als einzige Partnerin entzückte Friedet Dörr durch chr natürliches und reizvolles Spiel

Für die Spielleittorg zeichnete Adolf Teleky, brr die ge- schraubte Steifheit des französischen Stils aus der Mitte des vorigen ^alfthunderts realisttsch und einheitlich hernuszumerßeln verstand. Reicher Beifall wurde allen Tvasvellern zuteil. K.R-t.

Splclplan des Gletzener Stadttheaters.

Montag, 9. Dbz., 7 3 / 2 :Sodoms Ende". Gew. Pr. (9 TienS- ^g-Mormem-Vorst.) Samstag 14., 7y 2 :Der Kaufmann von Venedig'. (Gew. Pr. 8. Frtttag-?lLonnem.-ä8orst.) Sonntag 15. ^^..Dch^wMmädel^ (Gew. Pr.) 7Vs: bessere Hälfte"

Neuhell (Gsv. Pr ) Montag 16., 1%:Die Austern und der Fremdtt. Neuheit! (Gew. Pr. 10. DienstcLr.^onnem.-Vvrstt)

Vermischtes.

Dbä. (WTB.) Die iMifangreichen Gebäude der W erkbu n d aus stell un g in Köln-Deutz brennen ^V.Mwßm SM sell 1 Uhr nachmittags. Die Feuerwehr ist machtlos. Die Br andursache ist visl)er mrbekann t.

Amtlicher Teil.

alle irgcndwic gcergneten ErüorrllinAquittlen, %. B die Listzm Republik Hessen.

An den Oberbürgermeister zu Gießen und die Bürger- metster-eren der Landgemeinden des Kreises.

^ Aür b^vrdTnmgsmäßige Durchführung der Walflen und damit Mr das Ansehen der Hessischen Volkskammer ist von entscheidendes E^oeutung^ daß dw Wählerliste eine möglichst einwmrdfreie Grund-« läge bildet.

Dll. Ansertignng der Wählerlisten wird gegenwärtig im Hüi- blick ans die Heimkehr der neuerdings wahlberechtigten Truppen/ sonne die im Gange besindliche Vevölkerimgsverschllbiing infolge der Umstellung der Kriegsindustrie besonderen Schwierigkeiten bt* gefinen. Es empfiehlt sich daher als Unterlage für die Wählerlisten alle irgmdwie geeigneteir ErLmntnisau-ellen, z. B. die Listen der Brvtkommission u. dgl. zu Rate zu ziehen.

Zugleich empfehlen wir mit Ermächtigung der Kreisschulkom- mijfiOTt Gießen Ihnen, die Lehrerschaft für die Aufstellung der Listen üm ihre Mitwirkung Mizngehen.

Gießen, den 7. Dezember 1918.

Kreisamt Gießen.

_ Dr. Ufinger .

Bekanntmachung.

Betr.: Zeitliche Begreiizung der Hansschlachttnigen.

Gemäß Verfügung des Hessischen Landes-Ernährungsamtes vom 4. Dezember 1918 zu Nr. M. d. I. III 29 063 wird aiigevrd- net, daß sämtliche Haus schlackt un gen bis spätestens 31. Dezember 1918 durchgeführt sein müssen.

Kurzfristige «lüsnahnren könnmi, falls die Möglichkeit dm Weftcrhalttmg mit erlaubten Futtermitteln durch die Bürger­meistereien nachgewieseii,vird, auf schrifllichen Antrag irnter Bei­fügung des Nachloeises von uns geiietMigt werden.

Tic nach dem 1. Jammr 1919 noch in den Beständen ochre Genehmigung befindlichen Schweim werden abgesehen von ben Zucht- und den bis spätestens 31. März 1919 abzulieferndeii Ver- tragssckyveinen, ohm Verzug zur Erfüllung der Schlacküviehunilage heraug-zogen werden.

Schlack,tanträge für noch nicht beantragte Hans- schlachtungen sind bis spätestens 2 0. lfd. MtS Iner* her vorznlegicn.

Ter Oberbürgermeister zu Gießen sowie die

Bürgermeistereien der Landgemeinden des Krei­ses Iverden ersucht, dies sofort ortsirblich zu veröffentlichen.

Gießen, den 6. Dezember 1918.

Kreisamt Gießen^

, Di. Usingen /