Einzelbild herunterladen

Nr. 263

Der Sies.«ncr Anzeiger

erscheint tätlich, allster Sonntags. - Beilagen:

GietzenerKamjUendlätter;

Xreirdlatt

für den Kreis Sieben.

Bejjigspreis: monatl.Bik.1.35, viertel­jährlich Mk. 4.05 ^ durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. Mk. 1.25.- durch diePost Alk. 4.05 viertel- jahrl. ausschl. Bestell». Fernsprech - Anschlüsse: sürdieSchristleikung 112 Verlag,Geschäit^.stelle51 AnschristfürDrahtnach. richten: Anzeiger Sieben.

Erster Bläh

V

168. Jahrgang

Kreitag. 8 . November 10X8

Annahme von Anzeigen

f. die LageSnnnnnerpis zum Nachmittag vorher ohnejedeBerbiiidlichkeit Zeilenpreise: für örtliche Anzeigen 25Pf.,fürauswä rtlge 30 Bi., für Reklamen Mk.1. -nebst 20°/., Teue- runqszuschlag; Plaßvor- schrist 20 % Aufschlag. Haluptichrütleiter: Aug. Goeg. Berautivortlich Vankverkehr: für Politik: Aug. Goetz:

Sewerbebank Siehen Mr den übrigen Teil: Dr.

tiiij .. ' w » Reiiihola Zenz; sur den

^Dillmgstim-druck ».Verlag: Srühl'sche Univ.-Vuch- u. Steindruckerei N. Lange. Schriftleitung. Sefchäfttitelle u.Druckerei- Schulftr.- ^eigcntea: ö, B--k;

Postscheckkonto: Frankfurt a.M. U686

General-Anzeiger für Gberhessen

7.

sämtlich in Gießen.

Die veberschrelümg derzrontdmchdie deutschen Unterhändler. , Rene Fordrnmge» der Sozialdeinokratie.

Der Adendbericht.

WeftfL ®*®- * mm ) ' tn Ö£r

Schtvere Prüfungen sind in den vier Kriegsiafyrert an 4 -! Lpfertoilligkeit und die Dapferckeit oes Volkes

gestellt worden. Heute kömmt noch etwas hinzu: die Prü- sirng, ob unser Volk, oder vielmehr seine Mehrheit politisch rerf, rn fernen Zielen und allgemeinen Anschauungen sicher E besonnen sei. Dann müssen Vernunft, Ordnungsliebe politische Klugheit Schutzdämme bilden gegen eine hem- mnngslose Flut von politischen Trieben, die für a l l e Teile verhängnisvoll werden müßten. Tie Sozialdemokratie hat frilher oft durch ihre Führer aussprechen lassen, daß sie in der Stunde dev Gefahr das Vaterland nicht im Stiche lassen werde. Jetzt ist es an ihr, dies durch die Tat zu be­weisen. Wann ist das Vaterland in Gefahr? '.Nur dann, wenn der Krieg mit den Waffen ani heißesten tobt? Ist in diesen Stunden, ivo unsere Unterhändler die feindliche Front über- schritteii haben, um mit Foch zu verhandeln, nicht ebenfalls alle Kraft des Volkes zusainmeiizuraffen, um die schlimm­sten Gefahren ab zu wenden? Darf es jetzt auch mir eine Möglichkeit geben, die Verhandlungen zu stören, den Gegnern die Ueberzengrrng beizubringen, daß sie mit einem Widerstand überhaupt nicht mehr zu rechnen haben? Müssen die Unbesonnenen, die Unreifen und Verführten nicht mit Entschiedensteit in die Schranken gewiesen werden? Jeder politisch Denkchlde muß sich doch klar darüber sein, daß ge­waltsame Aufstände fetzt den Frieden weder beschleunigen, 7 wch seine Bedingungen leickter gestalten. Im Gegenteil! Nur der Feind hat ein Interesse an solchen Viitschversuchen.

Es ist ein schlechtes Zeugnis für die politische Reife des Volkes, daß die sofortige Abdankung des Kaisers in dieser Stunde als die einzige Möglichkeit bezeichnet werden muß, Ausruhr und Unordnung wirksam zu begegnen. Es mag sein, daß es besser gewesen wäre, wenn in der Kaiserfrage innerhalb der Regierung schon früher bestimmte Beschlüsse gefaßt und bekannt gegeben worden wären. Man hatte doch eben mehr oder weniger mit der politischen Verständnis­losigkeit bestimmter Strömungen zu rechnen.

Der Reichskanzler und die Volksregiernng stehen jetzt vor schweren Entschlüssen. Möchten sie nach allen Richtun­gen sorgsam erwogen wrrdenWiederum kann der Außen­stehende Hier nicht vorschnell Partei ergreifen und das eine oder das andere unterstützen. In wenigen Stunden hat sich die Gesamtheit des Volkes wieder mit einer neuen Lage der Dinge abzuftndcn. Möchte durch! Verhandlungen, von beiden Seiten gewissenhaft und versöhnlich gefichrt, der richtige Weg gewiesen werden!

Die Einleitung der waffenstiüstandsverhandiungen.

B e r l i n, 7. Nov. (WTB. Amtlich.) Folgender F u n k- sprach ist diese Nacht von deutscher Seite hmausgegangen:

Die deutsche Oberste Heeresleitung auf Anordnung der Regie­rung cm Marschall Fach: Nachdem die deutsche Regierung im Aufträge des Präsidenten der Bereinigten Staaten benachrichtigt ist, daß Marschall Foch ermächtigt ist, beglaubigte Vertreter der deutschen Regierung zu empfangen, um ihnen die Waffenstlllstands- bedingungen miizuteilen, sind folgende Bevollmächtigte ernannt: General der Infanterie von Guendell, Staatssekretär Erzberger, Gesandter Graf Oberndorfs, General von Winterfeldt und Kapitän z. S. Vanselow.

Die Bevollmächtigten bitten um Mitteilung durch Funk­spruch, wo sie mit Marschall Foch zusammentreffen können. Sie werden begleitet sein von Kommissaren und Dolmetschern nebst Umerpersonal. nnd im Kraftwagen an dem zu bezeichnenden Orte eintvesfeu. Die deutsche Regierung würde es im Interesse der Menschlichkeit begrüßen, wenn mit dem Eintreffen der deutschen Delegation an der Front der Alliierten eine vorläufige Waffenruhe eintreteir könnte.

Marschall Foch hat darauf gefunkt: An das deutsche Ober­kommando von Marschall Foch: Wenn die deutschen Bevollmäch­tigten mit Marschall Foch ivegen des Waffenstillstandes zusammen- treffen wollen, mögen sie sich bei den französischen Vorposten auf der Straße ChimapFourmiesLa CapelleGuise einfinden. Cs sind Befehle erlassen, sie zu empfangen und sie an den für die 'Zusammenkunft bestimmten Ort zu geleiten.

Die Lage im westen.

Berlin, 6. Nov. (WTB.) Der Frontberichte rftvtter des Wo l fischen Telegraphenbureaus drahtet: Tie deutsche Heeresleitung hat bisher stets evrständen, die feindlichen Absicksten durch ent­sprechende Gegenmaßregeln zu durchkreuzen. So wie es ihr gelang, der von der früheren Taktik der Entente gänzlich abweichenden Angriffsmethvde dieses Jahres erfolgreich zu begegnen, und- wie sie trotz allar Anstrengungen des Gegners auch in der seit Juli andauernden grössten Schlacht der Weltgeschichte den Durchbruch verhinderte, so wird sie sich auch mit der durch das Aus sch ei-, den Oesterreich-Ungarns und der Türkei ge sch af­fe neu neuen Lage abzufiirden wissen. Diese stellt zweifellos an die Entschluß- und Urteilskraft unserer militärischen Führung erhebliche Anforderungen. Mit Ruhe können wir aber ihren Entschließungen entgegen sehen. Noch besitzt die Oberste Heeresleitung in den deutschen MMonenheeren an der Westfront, wie erst die letzten Tage bewiesen haben, ein Kriegs Werkzeug, das auch den schwersten Anforderrrngeu gerecht zu werden vermag. Noch bat sich die Heeresleitung sozusagen den Luxus leisten Fftnrncn, zwischen der Nordsee und der Ndaas den feindlichen Ansturm in

l gewaltigem, nach Osten geöffnetem! Bogen abzuwehren. Entschließt fte sich, was an sich naheliegt, und was blon den Militärschrift­stellern des In -und Auslandes bereits wiederholt betont worden ist, aus der langen Bogenstellnng in die kürzere Sehnen­stellung zurückzugehen, so erhält sie mft einem Schlage erhebliche Kräfte zur Verfügung, die die Freiheit ihres Handelns beträcht- lrch vergrößern. Die nächsten Tage ioerden Darüber Klarheit brin­gen,. ob die .im Heeresbericht gemeldete Frontverlegung mit der­artigen Maßnahmen etwa schon im ZusamimeNhang steht oder ob andere Beweggründe sie veranlaßt haben.

bayerische Truppen in Tirol.

Salzburg, 1. Nov. (WTB.) Heute nachmittag trafen hier bayrische Truppen in Stärke von ungefähr zwei Bataillonen ein, die ihre Fahrt ins Gebirge fort setzen < wollten. Tie Feldtrans- porlleitung verweigerte die Weiterbeförderung. Spkrauf begab sich­ern bayrischer Offizier zu dem Kommandantur der Militärstation nnd forderte die Freigabe des Schienenweges. ^ Ter Kommandant verweigerte dies und legte, als der Offizier auf seinem Verlangen bcharrte, gegen den ^Dnrchtzng der bayrischen Trrrppen Protest ein. Ter Nattonalrat legte schriftlich Vern-ahrung gegen den Durch­zug bayrischer Truppen ein. Die Bayern setzten sodann die Fahrt in der Richtung SchwarzachSt. Veit fort.

In7isbrück, 6. Nov. (WTB.) Tie Innsbrucker Nachaich- ten ' bringen an der Spitze ihrer heutigen Mittagsnummer folgende Meldung:

Das bayrischeKriegsministeriumin Münck-en über­mittelte dem Präsidenten des Tiroler National­rates am 5. November um 1 / 4 11 Uhr nackfts folgende Depesche: pw Wa ffensti llstandsbedingungen zUnschjen Oesterreich und der En­tente zwingen uns, zu der Sicherung unserer Landes­grenzen Truppen mach Nordtirol zu schicken. Gleich- zertig sollen diese Trup^pen inithelfeir, um den Abr-ug aufgelöster österrerchisther Heeresteile Mich Osten zu ordnen irnd das Larrd ^^o^Hosigkeit <zu schützen. U7lsere Vorhuten überschritten am 5. November -die Grenze und starke Kräfte ioerden folgen. Wir kommen als Freunde 7cnd erwarten, daß uns bei mrseren Bewe- grmgen kerne Hindernisse von st! -n des deittschi-österreichi! Yen Natwnalrates uird der österreichischen KomTnandobehörden iii den' Weg gelegt werden. Sollte das trotzdem der Fall sein, so sind! unsere Trrrppen angewiesen, sich nrit Waffengewalt den Weg zu bahnen. Ter kvmmarrdrerende General .Kvafft von Delnrensingen

Das Blatt fügt hinzu: Der Waffenstillstand mit der Eistente ist abgeschl-osien und der deirtsch-österreichische Nationalrat nahm ifm mit Bedauern zur .Kenntnis. Die Bedingungen sind in Durch­führung begriffen, Innsbruck handelte auch bereits danach Tie Bevölkerung j-cdoch, wird nstt Rücksicht auf die bereits cingetretenen schlimmen Ereigrrisse an vielen -Orten Tirols, das Erscheinen deut- sch-er Ordnn7igsma7inschaften irn Interesse des Landes und der heranyrömenden Soldaten, die selbst, gleich! welcher Nation sie auch angehören nrögen, unter der Unordmmg schwer leiden, nur be­grüßen.

Die Lage in Dentsch-Vöhmen.

Brünn, 6. Nov. (WTB.) MeldiUig des Wiener Telegraphen- ^^^^Pondenzbnreans. TerDagesbote'^ veröffentlicht einen von den Mitgliedern des Gemeiirderates Brünns sowie von dem deutschen Nationalrat in Brünn Unterzeichneten Aufruf, in dein erklärt wird, daß die Mitglieder des Gemeinderats im Eiriver- nehmen mit der Brunner deutschen Natronalregieriuig beschlossen hstoeu, ihre Mandate niederzulegen. Dieser schwerwiegende Entschluß wird damit begründet, daß sich die Verhältnisse in Brünn ur den letzten Tagen derart zuspitzten, daß die Stadtverwaltung an oife ruhige Erfüllimg ihrer Ausgaben nicht mehr denken konnte. An den von dem tschechischen Na ti 0 n al a u s s ch u ß am Sonntag erngeleiteten Verhandlungen toegen Uebergabe der Stadt­verwaltung an die tschechische Regierimg wurden den dentscksen. Vertretern unerhörte und demütigende Bedingun- g e n gestellt und später erklärt, daß sich die tschechischen Vertreter ans weitere Verhandlungen nicht einließen. Der Fortbestand der gegenwärtigen Gemeindeverloaltung werde von der tschechischen Bevölkerun-g als eine Herausforderimg empfunden, und ft'rr Ruhe und Ordnung könne nicht gebürgt werden. Auch dürften die Teut- chen in Brünn beim Fortbestand der gegenwärtigen Gemeinde­vertretung rstcht mit Lebensmitteln versorgt werden können. Tat- ächlich drang am selben Tage eine Volksmenge in das Rathaus ein, wobei die Organe der Stadtverwaltung aufs schwerste be- drohr nnirden. Seither waren die Swaßen uin das Rathaus der Schauplatz ständiger bedrohlicher Kundgebungen. An­gesichts dieser Sachlage glaubten die Mitglieder des Gemeinde- rates der Gewalt weichen zu sollen, um die deutsche Bevölkeriing vor der Aushungerung zu bewahren und eine Gefährdung ihres Lebens und Eigentums zu verbinderrr. Die Gcmeindemitglieder legen feierlichen Protest dagegen ein, daß sie als Vertreter der' Mehrheit der Bevölkerung gezwungen tverden, von ihren Stellen^ zu weichen. Tie osftzielte Uel>crgabe der Stadt fand fcnte vormit­tag statt. Zum Negierungskommissar der Landeshauptstadt wurde der bisherige Leiter der Bezirkslianptmannschaft von Petrau, Korndlmayer von Ehrenfeld, bestellt.

Reichenberg, 6. Nov. (WTB.) Meldung des Wiener Tele­graphen-Korrespondenzbureaus. Heute fand hier die erste Sitz­ung des Landtages von Deutsch-Böhmen statt. Lodg-

mann wurde zum Landeshauptmann gewählt, der die Herren, die die Pflicht übernommen hatten, die Geschäfte zu führen, anfforderte, ganz Deutsch-Böhmen aufs feierlichste zu versprechen, daß sie auf ihrem^ Platze ansharren werden, möge kommen soas da wolle. Wegeisterte Zustimmung.) Lpndeshaicptmann-Stellvertreter Se­liger verwies daranf, daß es Sache der Staatsregiermrg sei, die Mnrichtung des BerwaltungSappavcstes dnrchzuftihren. Wir haben, erklärte er, nur einstweilige Verfügungen zu treffen, um so mehr, als es sich hier hauptsächlich darum handell, mfferen na­tionalen Gegnern gegenüber klar zu stellen: Für uns ist der Ge­danke, Deutsch-Böhmen nicht nur blanke Theoine, sondern wirk­liches, lebendiges Wollen. Abgeordneter S ch re it er stellte fest, daß die Abgeordneten auf ihren Posten ansharren und nötigenfalls Gewalt mit Gewalt vergelten würden. Lodgmmrn tollte noch mit,! daß morgen in Prag Beratungen der Tschechen mit der deutsch-österreichischen Regierung stattfinden wür-j

den, zu denen auch Vertreter der deutsch-böhmischen Landesregiv4 rnng entsandt werden würden.

Wien, 7. Nov. (WTB. Nichtamtlich,.) Der Staatsrat faßte über die Abrüstung des Heeres folgende Beschlüsse: Alle deutsch-östcrrreichischen Soldaten, die das 42. Lebensjahr überschritten haben, sind sofort zu entlassen. In den nächsten Tagen erfolgt von Fall zu Fall je nach den Transportmöglichkellen die Entlassung weiterer Jahrgänge.

Dar Wahlergebnis in Amerika.

Neu York, 7. Nov. (WTB.) Aus den bisherigen Wahl­ergebnissen geht hervor, daß der 'Ausgrng der Wahlen nicht zweifelhaft ist. Für das Reprüfe 77 tantenhaus sind, soweit bisher bekannt. 219 Repnblikaner und 183 Demokraten gemählt worden Tie übngen Wahlergebnisse stehen rvoch ans, aber eine r^e p n b l i k a n i s ch e Mehrheit ist bereits gesichert. Im E^enat erhielten die Demokraten 45, die Repnblikaner 44 Sitze.

vier von den übrig bleibenden sieben Wahldistrikten sind die Aussichten für die Republikaner günstig.

Washington, 7. Nov. (WTB.) T,rähtlos. Nach den bisher bekannt geivordenen Ergebnisseii sind bei den Neuwahlenzum Kongreß 19 Demokraten und 29 Republikaner gewählt worden.

Die Unruhen in den nordischen Städten.

V e r l i n, 7. Nov. (WTB. Amtlich.) Von zuständiger Stellest wrro über die Lage in den nördlichen ^Provinzen folgende'^ rmtgetellt: Die Unruhen haben sich auf eitrig? weitere Or N* ausgedehnt. In Bremen wurden auf dem MarÄplatz von ein QD unabhängigen Sozialisten, der vor wenigen Tagen aus dem fängnis entlassen worden war und.von einigen Mllitärperfv Reden gehalten, die zur Blldung einer sozllllistischen Repub und eines Arbeiter- und Soldatenrates clufforderten. Ter V freiung von Mllitärgefangenen schloß sich die Oeffnung auch d-> Zivilgefängnffse an. In den großen Werken ist alles ruhig. A den Straßen herrscht Ordnung; Zwischenfälle Tvurden bisher ni gemeldet. Für heute aberid rourt« in einer Verfamirilung Lie Unecht als Ncdner erwartet. In der Sitzung der Bürgersck stand ein sozialdemokratischer Antrag auf Einführung des gleit und direkten Wahlrechts zur Erörterung. Der Senat soll sich st Entscheidung Vorbehalten haben.

Aus Hamburg wird gemeldet: Das Zentralbureau i Arbeiter- und Soldatenrates teilt folgendes mit: Sämtliche Am! gebäude und militärischen Gebäude sind besetzt. Die Nahrungs mtttelmagazine werden bewacht, Vlünderer werden mit sofortigen Erschießen bestraft. Zur Zeit fniden Verharchlnngen mit dem Senat statt. Der Zugverkehr ist bis auf zwei Züge eingestellt. Pvst- und Telegraphena7nt waren bis zur Stunde nicht besetzt. Die Leitung der Betoegung hat einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen, die Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Nach vo-r- lie»enden Nachrichten ist dies indes nicht gelungen. Es hat Aus­schreitungen gegeben. Kleinere Trupvenkör^e'' die sich ver- tn' gt n, wurden durch die Mas e x bec Au'ständffchen gewaltäm geznmngen, ihnen. Gefolgschaft zu leisten. An inehleeen Stellen der <^tadt sind Mißhandlungen und Morde vorgekommen Unter an>erem drangen Aufständische in eine Wohimng in der ^incolnstraße, aus der auf hernmziehende Soldaten geschoffen worden scirr sollte und töteten zwei Frauen als angeblich Schuldige, indem fte ihnen die Kehle durchschnitten. Wahrscheinlich werden alle Theater und Restaurants von: 7. Noveniber ab ge­schlossen. Die ganze Nacht vom 6. zum 7. Noveniber fielen in verschiedenne Gegenden der Stadt vereinzelte Schüsse

Dc^Hamburger Echo", das jetzt als Organ der Auf. stmidischen unter dem TitelTie rote Fahne" erscheint, veröffent- licht folgende Bekanntmachung an die Bevölkerung Hamburgs und Altonas: Alle Zivilpersonen müssen von heute (7. November ah um 6 Uhr abends von der Sttaße sein. Jede Zivllperson die ftch in der Zeit von 6 Uhr abends bis 7 hUr morgens aus der Straße auf hält, wird erschossen.

In C u x h a v e n ist es zu kernen ernsteren Unruhen und Aus- schrettimgen gekommen.

In,Kiel ist der Stadtkommandant, Kapllän z. S. Heine in ^r Nacht vom 5. zum 6. November von einer Patrouille, die den W ihii abzuführen, erschossen worden, da er sich

angeblich diesem Befehl widersetzen wollte.

Neue Fordenmgt'n der Sozialdnnokralie.

Berlin, 7. Nov. Wie dieSozialdemokrattsche Korrespoir- denz rneldet, hat die Parteileitung heute noch einmal die Gesamt- lage besprochcii und Staatssekretär Scheidemann beauftragt, dem Kanzler folgendes zu erklären:

Tie sozialdemokratische Partei fordert, daß *

1. die Versammlungsverbote für heute aufgehoben werden; lpcr^rt IlJei Unb ^ itär m äußersten Zurückhaltung angehaltenl

3. daß die preußische Regierung sofort im Sinne der Reicks- tagsmehrhect umgestaltet ivird;

r.^-^V.der sozialdemokrattsche Einfluß in der Reichsregierumtz verstärkt ivird;

5. daß die Mdankung des Kaisers und der Thronverzicht des Kronprinzen bis morgen mittag bewirkt werden.

Werden diese Forderungen nicht erfutll, so tritc die Sozial- demokratte aus der Regierung aus.

Gleichzeitig ergcht eine neue RLahnung an die Arbeiter zur Besoniienhert.

Dieses Ultimatum der sozialdemokrattschen Partei wurde heute nachmittag nach 5 Uhr dem Reichskanzler zugeftellt Ter inter- ftaktwnellc Ausschuß des Reichstags I>at sich heute in z,oei Sitzüu- gen unter Hinzuziehung führender Parlameittarier aus den Mehi-- heitsparteien des 9lbgeordnetenhauscs hauptsächlich mit den Fra^i, der Reformen in Preußen beschäftigt, die so schnell und o^Ä^ffeud wie nur möglich herbeigcführl werden sollen. Das ,,8-Uhr-Abenddlatt/ will wißen daß der interftaktionelle Slus- schuß heilte iwch keiwm Beschlich in der Kaiser frage gefaßt habe, daß aber auch die bürgerlichen Mehrheitsparteien sich der wii deii-Sozialdemokraten so scharf betonten Notnwndigkeit, dio Entscheiduns so schnell wie möglich herbeizuführen, nicht mehr ver schließen.