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Rr. z \6 Zweites Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejsen) Lamrtag. 1 '. September |9|8

Sinnlonö und das Haus vrabant.

Do« Dr. A. Zell selber.

Ailläuu-l der Berufung des Prinzen Friedrich Karl non H es s cn an f den fi nn.is chen Thron sei daran erinnert, daß die Kasseler Linie des Hauses Brabant schon einmal und zwar in der ersten Halste des 18. Jahrhunderts, Finnland einem Herrscher gegeben hat.

Es war Erbprinz Friedrich von Kassel, geb. 1676, der in jun-'.m Jahren in englische Kriegsdienste trat und das hessische Hilsslocps im englisch holländischen Heere während des spanischen Erbfolgeniegs befehligte. Er hatte 1700 Luise Dorothee Sophie, eine .Tockler König Friedrichs I. von Preußen geheiratet, eine Ehe, die schon 1705 durch den Tod gelöst wurde. Zehn Jahre später vermählte er sich mit Ulrike Eleonore, der älteren Schwester König Karls XII., des letzten Wittelsbachers auf dem schwedischen Thron. Unter diesem verlor Schweden im Nordischen Krieg trotz der anfänglicl en glänzenden Siege des Königs über Dänemark, Ruß­land und Sachsen-Polen seine nordische Vormachtstellung an Ruß­land, das durch Peter den Großen in die europäisch Staaten geschälte eingcführt wurde. Noch während des Krieges gründete Peter in der bisher schvedischn Provinz Jngermanland die neue Hauptstadt seines Reiches St. Petersburg. Karl XII .hatte auch den .Versuch gemacht, mit Hilfe des Hctmanns Mazeppa die Ukraine von 9iußlach> los'ureißen. Dieser Versuch scheiterte und.Karl :unßteanf türkisches Gebiet flüchten. Nachdem seine Hoff­nung auf türkische Hilfe gescheitert war, kehrte er allein, in aben­teuerlicher Verkleidung. durch die Länder seiner Gegner, m benen sich auch Preußen und H-.mnover gesellt hatten, nach Schweden zurück. Bald darauf traf ihn, 1718, bei der Belagerimg bet iwr- wegischen Festung Frederiksh all, die tödliche Musketenkugel. Wie man munkelte, kam sie nicht aus der belagerten Festung, sondern von einem bestochenen französischen Ofnzier in seinem Heere.

_ Nach seinem Tode wählten 1720 die schwedischen Stände den Erbprinz Friedrich zu.m Mnig. doch luutbeit die Rechte des König­tums stark beschnitten. Friedrich mußte die Erbschaft seines Schva- Pws liquidieren. In den Friedensschüssen von 171921 trat Schweden an Hannover das Bi^ttnn Bremen-Verden, cni Preußen balb Vorpommern mi. Stettin und den J .setn Usedom und Wollin, cm Rußland Livlai^, Estland uno Jngernianland, sowie den Kreis Wiborg ab. Die MZeser-, Elbe- und Odermündung waren von ^rchveden befreit. Mirnland erhielt Schweden zurück, doch ging in einem weiteren nnglücklichn Kriege gegen Rußland 1743 noch die simlländisch. Provinz Kymengard verloren.

Jnr übrigen brachte Friedrichs Regierung dem schwedischen Reich, zu dem bis' 1809 noch Finnland gehörte, Erholung von den langen Kriegsnöten. Sein Handel dehnte sich über Europa und bis Amerika und China mif. Ein neues Zivil- und Strafgesetzbuch wurde geschaffen., die Stockholmer Akademie der Wissenschaften erhielt die königliche Bestatigiurg.

, Nach dem Tode seines Vaters, des Landgrafen Kärl, erbte Friedrich 1730 auch die väterliche Landgrafschaft Hessen, über- Ließ jedoch die Regierung dortftlbst seinem Bruder, Landgraf Wilhelm VIII. Er selbst starb 1751 ohne Leibeserben. Seine Ge­mahlin war schon 1741 gestorben.

Ihm folgte Herzog Adolf Friedrich von Holsteür-Gettorp aus dem Thron. Seine Wahl zum Thronfolger war eine der russischen Friedenschdingirngen 1743 gewesen. Er war mit einer Schwester Friedri,t>s des .Großen, Ulrike, verheiratet Unter ihm wurde L-chwedcu in Wahrheit zu einer Melsrepublik. Ein Versuch, die Macht des Meis zu Urechn, wurde vou diesem blutig unterdrückt. Das Haus Hölstein-Gettorp regierte bis 1814, wo es durch das Haus Bernadette abgelöst wurde. Schon vorher, 1809, war Finn­land an Rußland verlorengegangen.

Aus Stadt und Catid.

Gießen, den 14. September 1918.

Lebensmittelmarken.

Für die Zeit vom 16. September bis 22. September 1918 haben nachstehende Levensmitlelmarken Gültigkeit:

Brotmarken der 3«. Woche, gültig vom 16. 9.1918 - 23. 9. 1918 Buttermarkeii * 33. 16 . 9. 1918 - 22. 9. 1918

Fleischmarton , 38. . , 16. 9. lti8 - 22. 9. 1918

Kartosselmarken. 38. , 16.9 1918 - 22. 9. 1918

Seifenmarken für den Monat September 1918.

Ein Nmtansch verfallener Marken findet nicht mehr statt; ebenso wird für verloren gegangene Marten kein Ersatz gewährt.

Nenanmcldnttgen und Anmeldung von Rengeboreuen haben unter Vorlage der nötige» Ausweise, insbesondere der Lcbensmittel-AuSweiskarte, auf dem Lebensmittel- amt zu erfolgen.

Umzüge innerhalb der Stadt nnd Wegzüge von Gießen sind in den zuständigen Bezirken anzumelden.

GeschäftSstundeu des LcbensmittelamteS vou 9-12 Uhr vorm., 24 Uhr nachm.

Markenausqabe st'ir Urlauber:

Sonntags von 1012 Uhr vormittags.

_ ** Silika-Eha motte steine und Mörtel. Am 14 ^chember 1918 ist eine Bekanntmachung. (Nr. E 1/9. 18. K ^,21 ) erschie en, durch die Höchstpreise für feuerfeste Materialien (Litika- imd Chamottestcine soivie Mörtel) festgesetzt werden. Die für die ern 2 ehten Riaterialien und ihre Qualitäten bestimmten Preise ergeben sich aus einer in der Bekanntmachmrg enthaltenen Preis­tafel. Xer Wortlaut der Belmmtmachung. ist in der heutigen Rüm­mer des Gießener Anzeigers einzusehen.

** Diebstahl. Am 12. d. M. wurde aus dem Hausflur des -L-badtpostamtcs eiu dort für kurze Zeit aufgestelltes Fahrrad entwendet. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei entgegen.

Starkenburg und Nheinhessen.

** Tarmstadt, 12 . Sept. Tie 4. .Kriegstagung (74. Jäbres- bersammlung) des hessischen Haupweveins der Gustav-Adolf-Stift tung, die hier unter dem Vorsitz von Kivchmrat O. Tingeldey- Dmmstadt zusamüientral, konnle 25 000 Mark hessischen. 15 500 Räark nichthessischen Tiasporagemeinden und dem Zentralvorstand m Leipzig zuwenden. Die Gemeinde Hütten selb wurde neu in den Unterstützungsplan ausgenommen. Amöneburg soll die nächstjährige !Kon firm andengäbe erhalten. Tie Arbeit des Gesamtvereins, dem fick Heften als einer -der 44 Hauptvereine eingliedert, ist durch neue Aufgaben iirt Osten von Estland bis zur Türkei mächttg erweitert worben. Packende Bilder von dem Leben der evangelischen Kirche in Livland gab in der Versamniktung uird abends öffentlich Oberpastor Keller aus Riga.

. I. T a r m st a d l, 12. Sept. Der Verband hessischer Ver­se h r s v e ve i n c hält am Donnerstag den 26. September seine Hauptverjammlung im Fürstensaal^in Tarmstadt ab.

= ^fft -ein (Rh inh.), 13. Sept. Am Donnerstag erschlug

rn der hresrgen Gemarkung der Blitz einen russischen Kriegs­gefangenen samt leinen beiden Pferden, die er vom Fuhrwerk aus lenkte. Der das Gewitter begleitende Hagel richtete in den Wembergen großen Schaden an.

Dess n Nnsstiu.

. TL' ranfturt a. M., 13. Sept. Unter Führung des deurschon Milftär-Attach^ bei der deutschen Gesandtschaft in Stock- öckm sind 6 hohe sch!u?edische Offiziere in Frankfurt zu einer Be- eingetroffen. In den nächsten Tagen begeben sie sich an die Westfront.

Airchliche NacbrScbten

Gottesdienst am Sonntag den 15. September (16. nach Trin.)

Evangelische Gemeinde.

Jir der S t a dt ki r che. 8: Zugl. Christen!, f. d. Neukonfirm. ans d. Matth.-Gem. Pft. Mach; 91 / 2 : Pft. Schwabe; 11: Kinderk. s. d. Mark.-Gem. Pft. Schtvabe.-In der Jo h a n n es ki r che. 8: Zugl. Christen!. s. d. Neu.konftrm. aus d. Luk.-Gem. Pfr. Bech^ tolsheimer; 9V 2 : Pft. Ausseid: 11: .Kirrderk. f. d. Joh.-Gem. Pft. Ausrld: 8: Mbekbespr. im Johannes -aal. Mittwoch den 18. Scht., abds. 8: Kriegsbetstunde. Pfr. B.chtolsheimer. Kirchberg7 IQ; 11: Christenl. s. d. weibl. Zug. Mainzlar. 10. Lollar. Abds. 81 / 2 : Krieasbetstunde.

Uatholische Gemeinde.

6 Ve: Gel. z. hl. Beick:«!.; 7: Hl. Messe, gem. Komm. d. Jüngl.; 8 : Aust. d. hl. Komm.: 9: Hochamt m. PrÄ».; 11: Hl. Messe m. Pred.. Militärgottesdi-enst: nachm. 2: Simmental. Brudersckiafts- andacft. ^Dienstag und Freitag, abds. 8 : Kriegsbittandacht. Sams­tag 21. Sat t., n ' .1 5 u ?bds-. 8 : G'l. z. hl. Beicht Diasvova^ Gc>ttes dienst am 15. Sept.: Lich 9^5.

*

Israelitische Religionsgemeindc. Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Montag 16. Ser4. Versöhnungssest. Vorabd.: 7.45; Predigt: 8.00; morg.: 7.45; Predigt m. Seelenseier: 11.30; Schlußpredigt: 5.40; Festescrusgang: 7.20. (Während der Predigt ist^der^Eintrftftnicht gestattet.)

** Nährmittel- und Z u ck c r-'V e r b r au ch s r e g e- 1 Tre am 14. bf. Mts. zur Ausgabe gelangten Näbrmütel- und Zuckertärten smd bis spätestens 20. Sevtemoer einer Verkaufs­stelle zur Eintragung chrer Firma und Merennung des Kontroll­abschnittes vorzulegegr. Näheres im Anzeigemeil.

Zwiebel-Verteilung. Vom 16.21. ds. Mts. ge­langen gegen Abgabe des Bezugsabschnitles Nr. 1 der Leb'ens- unttelkarte in den Kleinhandelsgeschäften, bei denen die Vorbestel­lung erfolgt ist. Zwiebeln zur Ausgabe.

.** Tie Annahme von T r 0 ck en w a ren bei der Obst­und Gemusc-Trockenstellc der Stadt Gießen erfolgt nur vormittags von 810 Uhr, die Abgabe nachmittags von 24 Uhr

930 -1)7^-1050 nl 9)l01tla9 16 2 ~~ A U ^ r: ^ 871 bis

Die Auszahlung, her Familienunterstütz, unsen an dre Angchörig-en der zum Heeresdinrst Eingerufenen 6.-^0. September 1918 findet in den nächsten Tagen statt -Luch- AnMgmteil. >

vermischtes.

Ein schweres Eisenbahnunglück in Holland.

A m st e r d a m, 13. Sept. (WTB.) Ten Blättern wird berich­tet, daß der Schnellzug von Apeldoorn, der um 10 Uhr 10 Minuten vormittags aus der Station Hilversum abfährt, auf der letzten Station vor Amsterdam bei Weesp e n t g l e i st sei. Nach den letzten Berichten sind vierzig Tote und 100 bis 150 Verwundete zu beklagen.

Amsterdam, 13. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Das Eisen­bahnunglück bei Weesp scheint das schwerste zu sein, das sich in Holland jemals ereignet hat. Es entstand dadurch, daß dev verhältnismäßig hohe, von den letzten Regengüssen durchweichte Bahndamm vor der Brücke stber den Mer/vede-Kanal die Last des schweren Zuges nicht ausznhalten vermochte und na ch- g a b Tie Lokomotive des Zuges blieb auf der Brücke gehen, an ihr hing der erste Wagen über den weggesnnkenen Teil des Dammes. Tie dahinetr beftndlick>en fünf Personenwagen und ein Güterwagen sind abgestürzt. Militär und eine große Zahl Aerzte ivnrden zur Hilfeleistung aufgeboten. Ter Verkehr auf der Strecke nach .Hil­versum ist vollständig unmöglich und kann nur über Utrecht auf­recht erhalten toerden.

Letzte llaciirtcbicn«

Dev neueste 3cridii dev ^eevesle^tung.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 14. Septemb. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Kronprinz Nupprecht und B 0 eh n.

Nordöstlich von BirfGoote machten wir bei eigenen Unternehmungen und bei Abwehr eines Teilangriffes Ge­fangene. Am Kanal-Ab'chnitt führten eigene und feindliche Vorstöße zu heftigen Kämpfen bei Maeuvres und Havrin- oourt. Teilangrifse des Gegners gegen Gou;eaucourt, nörd­lich von Vermand und beiderseits der Straße HamSt. Quentin wurden abgewre'en.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Angriffe, die der Feind am Nachmittag -wischen Ailette und Aisne nach starker Feuervorbereitung führte scheiterten vor unseren Linien. Ostpreußische Regimenter schlugen am

Nohliätigkeitskonzert >m Stidttheater.

r Gießen, deu 14. September 1918.

Unermüdlich brertet Gharftas ihre milde Haird über die krieas- ^unde Heimat; unecmMich als 9 J 'ue Vasallen stehen Kunst und Wlsienichaft in ihren Diensten. Die geben dem Opfer < ft'bwwlich Gewaiid. damit die Menschheft des Gebens nickst überbürflKi werde. Unzähl ige Wohltätigkeitsveransbaltungen in vier- gclchrt, daß Wollen und Können ltid# immer <m\ glWi Loh> tzhen und oftmals fing dasOoicrn" Entriß lunA des ^cherslems, sondern erst beim Anhören mid Wsche» eines ..Kmiz-Ites" Ml. Nicht so am Freitag abend, der m den Ranmen res ^tadtth aters e jj tc [ n Programm und Darbietung durchaus ^nstlensche Ntnsikverairstaltung wiederum zuni Besten der Gietzener Kcaegshurterbliebenen bnrchle Ter vereiirigte Musikkörper konnte dem st^en^g.^!^en Messen der Kritik standl-alten Die verstärkte Garnisonkapelle unter der tresftichen Leitung des Herrn Bruno Herrmann löste in er'reillicher Weise die Orchestralen Aulg-aben und ,chus rndividuelle Gebilde Poetische Wiedergabe fanden die Heiden Sätze der vollendeten jedoch nicht beendeten H - Moll-Symphonie von Schubert die mit der klanglichen Satte dxr Beethove^tischm Jnstriimentation Mchneben ,ind. Der erste LXltz Mit dem weltbekannten Ecllo- Thema hätte crn fteudigeres Tempo Vectrageii ; hingegen geriet der Me AbschniK mit bem entzückenden, für Schubert so typischen Wcch.cl von Dur nnd Moll, in dem Pastoralen Teil hervorrageitd.

cZ ?y ^ e ? on r r Q n ? * i q t gehört zu jenen

symphoninhen Dichtungen des Meisters, die virtuos gemacht sind, vortrefflich klingen, die aber wenig saaen und ans denen so gut

Abnünerncute Angriffe ab. Artillerietätigkeit zwischen Aisne und Bcsle.

^ Heeresgruppe Gollwitz.

<->udlkch von Ornes und an der Straße VerdunEtain wurden Vorstöße des Feindes abgewiesen. An der Kampf- ü'-ont zwischen der Eotes-Lorraine und der Mosel verlief der Tag bei mäßiger Gefechtstärigkeit. Der Feind hat seine An- grts.evon gestern nicht fortgesetzt. Westlich von Eombres und uoidostlrch von Thiaucourt ftch.fte er gegen unsere neuen Linien vor. Oertlrche Kämpfe östlich von Thiaucourt.

Der Erste Generalguarriermeisttr Lude udorff.

< * . *

Wahlrechtsausschuh des Herrenhauses.

.. Berlin, 13. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Vor Eintritt in die Tagesordnung legte der Vorsitzende in der Voraussetzung, daß die L)ettungsberichte über die Rede des stlltvettretc:ft>en Reichskanzlers l1 . 1 Stuttgart zutreffend seien, nachdrücklich Verwahrung dagegen ein daß auf die Entsckstießungen der Kdnrntission unzulässiger- und unberechngterweise ein Druck cmszeubt werde. Er frage, ob v. Payer dre gemachten Angaben hinsichtlich des vom preußischen Staats- mimjttttum dein König gegebenen Rates, das Abgeordnetenhaus aufzulöseit, wenn die Kommißionsberatungen im Herrenhause die Staatsregierung nicht befriedigten, zutrefsen. Die Einmischung des Rerches oder anderer Bundesstaaten in innerpreußische Angelegen­heiten sei unzulässig. Aehnlickp: Auslührunge-n wurden aus der Kommission von verschiedenen Seiten gemacht. Der Vizepräsident des ^taatsminilteriums erllärte, daß der Staaisregierung. wie wiederholt bewnt worden sei. es fern läge, einen Druck aus die Beratungen der Kommission auszuüben. Was die Frage der Auf- lösnng des Abgeordirete^rhauses aallange, so sei auch heute noch die Erklärung maßgebend, die er seinerzeit namens der Staatsregie- A^ng im Abgeordnetenhausc abgegeben habe. Neue, von jener Ertlärung abtoeicl'ende Beschlüsse des Staatsministeriums hrnsichr- lich einer etwaigen Auflösung des Abgeordnetelthauses lägen nicht vac. Die Staursregieruitg erkenne an, daß es sich bei den Ver­saß ungs Vorlagen uin eine preußische Angelegenheit handle, mft der Einschränkung, daß diese Fragen auch für Deutschland mm großem politischen Interesse seien. Die Kommission werde der Staatsregierung ^zugeben müften, daß der Geist der Verständigung, der die Kommission beherrsche, seitens der Staatsregierung an­erkannt gmd erwidert lverde. Der Vizepräsident bat die KmnMission, ftch auch bei den weiteren Verhandlungen vom Geiste der Ver­ständigung leiten zu lassen.

Die Kämpfe im Westen.

Berlin, 13. Sept. Am 12. September erneuten die Eng- l ander ihre Anstrengungen, um in Richtung Ca mb rai durch- zubrechen. Starke Massen wurden von 6 l / 2 Uhr morgens cm zu geschloftenem Angriff angesetzt. Das Vernichtungsseuer der deut- scheu Artillerie zersplitterte den englischen Ansturm in Einzel- angrisfe. Trotzdem stürmten die Engländer weiter. Im Gewehr- mid Maschinengewehrfeuer brachen ihre Sturmwellen zusammen. Wirksam griffen dabei die vorgeschobenen deutschen Geschütze in den Kamps ein. Besonders zeichnete sich Vizewachtmeister Halb- rerter vom 1. Gardefeldartillerieregiment aus, der die stür­menden Engländer mit vernichtendein Schnellfeuer aus nächster Nähe empfing. Südlich der Straße BapaumeCambrai kam es teilweise zu erbftterten Nahiampfen^ Tie Deutschen räumten das Tors Havrincourt und setzten sich in den weßlich :nb nöi b^ üä) um das Dors hwunllaufeiwe.i Gräben fest. Durch Emsas zahl­reicher Nahkampsgeschütze, die in nächster Nähe vor den deutschen Linien ausfuhren, suchten die Engländer hier den Durchbruch zu er­zwingen. ©örte Mörserbatterie vom Fußartillerierogiment 17 lmte* Führung von Hauptmann Zielte sck- diese jedoch eines nach den: andern zus anrnwir. Trotz Regen und Wind setzten die England« bis zum Abeicd ihre Angrifft fort, ohne weiter Baden gewinnen zu köirnen. Tie Gewitterschwüle, die seft längerer Zeft an dar 1 0 Ihrmgischen Front herrsäste, hat sich in einem starken französisch, amerikanischen Lkngnsf gegen Pen vorspringenden Winkel von St. M i h i c l entladen. Ter Angriff war erwartet und dft Räumung dieses stark gefährdeten Frontvorsprungendes seft einigen .Tagen im Gange. Tie Deutsche stehen jetzt in lange üoibaxxUim. Ltellungen aus der Sehne des Bogens.

Neue U-Boot-Erfolge.

Berlin, 13. Sept. Im Sperrgebiet uni England nmiteu durch unsere U-Boote 9 0 00 WRT. versenkt.

Der lEhef des Admiralstabs der Marine.

Sülf in Sofia.

Sofia. 13. Sept. Ter deutsche Staatssekretär Dr. Solf traf heute hier ein und ließ nachuftttags einen Kranz auf dem Grabe der Königin Leonore mederlegen.

Das englische Blaubmft.

Berlin, 13. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Zn der Neurer- Meldung von dem nunmehrigen Eyscheineir des englischen Bl au buchs über die Eingeborenengreuel in Teutsck--Südwest- Asnka wird uns mftg weift:

Tie Tendenz dieser Schrift wurde schon vor ihrem Erscheinen von derBasler Nationolzeftung" folgendermaßen richtig go, ftnnzeichmet:Miau kann die Eigentümlickckeft beobachten,- daß solche Greuel immer dann zu bemerken sind, wenn England irgend^ wo das Bedürfnis nach Machtausdehnnng empfindet. ES fanMt sich um einen neuen Bnchetzungsversuch Englands. um Stimmung zu machen für den geplanten giauozug rn den deutsch«: Kolonien. Trotz der gutgesp'.alten Entrüstung eirglischvr Blätter über die angeblichen CSoenel kann Deutschland der Wefterentwickluirg dies« Frage mft Ruh) entgegcnsehen. Unsere Eingckorenenpolftik be-> rrieb vor dem Kriege keine Geheimnisse. Zahlreiche Ausländer von heute rreutralen Staaten, die in unseren Schutzgebieten lebten, tfen* neu unsere Methoden und sind geeigneter, ein richtiges Bill) über die Zustände zu geben, als tendenziöse Sch.isren mrserer Feinde. Selbst wenn es England gelungen ist. für Geld und gute Worte aus gefügigen Eingeborenen die gewünschten Aussagen über vor-, g. kommene Greuel herauSzuholan. ist es erstaunlich, daß es Deutsch, land aus einem Gebiete anzugreifen wagt, aus dem es selbst Sünden zu verzeichnen hat. mft denen man Bände füllen könnte. Wie könnten sicl, diejenigen, die aus den Schlachtfeldern Frankreichs fcimbert- tausende zwangsweise .ausgehabenen .Eingeborenen als Ka­non enftllter in «inen ihnen unverständlichen Kampf schicken, als Richer über die Eingeborenenbehandlung aufspielen. Die delttsche Antwort wird nicht aus bl ei bem

wie nichts heransgeholt werden kann. Wie anders baoeren Wagner ' sMeistersing er-Vor spie I", das den' Ab­schluß dos WendS bildete. Die mit vrächigen Uebergängen ver- ibundenen Themen geben eine.glücklich Verstchimelzung von musi- kalisch-dramatischr Kunst und urte- tichr Lebenspoesie, entwerfen -nnen Abriß der Handlung im Werte selbst. Dem einsetz.mden Mefttersmgermotiv fehlte die charakteristisch Poltrigfeit, wäh.end im Fft>le die Blasinstrumente allzustark die Oberhand geiva-nen.

Für dcjn. gesanglichen Part -des Achnds lmtte die Hofopern-, sängerin Frau Lina Bau ck ans Berlin freundlichst zur Ver­fügung gejtellt. Tie Künstlerin besitzt einen tmsprechnden, warm gefärbten Sopran, der jedoch nur nach der Höhe hin gut durch­gebildet ist nnd zu gesättigtem Tone führt. Mittellage und Tiefe entbehren der dynamischen Nuanciersähigkeit. Jedoch mit künst- lerischm Geschmack und einer .gut durck)gearbeiteteu verimier^ lickfteu Bortragskimst weiß Frau .Baack tiefgehende Wirkung zu erzielen. De dramatische G^fttaltung der ,.O z e a n - A r i e" ans Weber'sOberon" mft eiulci endem.Rezitaftv verriet die Bühnen­künstlerin. Doch die schlichte Innigkeit, das ausgeglichene Piano, mit denen sie lyrisch Lieder wie R i cha r d S t r a u ßW i e g e u- l i e d" undS t ä n d che n" gestaltet, machn sie auch im Konzert­saal heimisch. Wenig glückliche war die Wahl von Franz Liszt's Loreley" die jeglichn melodischn Aufschwungs entbehrt und, 'was bei dem Klavscrtttanen Liszt am merkwürdigsten ist, auch jeder pianistischn Ausgestaltung. Mit jHugo Wolff's tief- 'empfundenenHeimweh" dankte die Sängerin, der Hans .Göbel am Flügel ein seiner, schmiegsamer Begleiter war, dem beifallsfreudigen Publikum, das den.Saal bis auf den letzten Platz

füllte. So war der Zweck des Abends in reichm Ddaße erfüllt : Charitas und die Zuhörerschaft waren in gleichem Maße befriedigt

M. K.

*

dz. Tarmstadt, 13. Sept. Engelbert HumperdinckS neue Oper ,,G a u d e a m u s", zu der Robert Misch den Text ge. schieben, ist, wie man hört, von der Generaldftektron des Groß, herzoglichen Hofthecners zur Uransfübrung erwerben nwrden. Das Darmstädtcr Publibim wird im nachs-eil Winter nick, w.miger wie 10 Orck-esterkonzerre unter vier berühmten Dirigenten genießen können, und zwar sechs Konzerte der Gvoßher^ogtichn Hosmnsik unter Artftir Nikftch, zioei unter Felix von Weingattner, .eines iuntor Ferdinand Loewe und ein Konzert der Gecaer Hoskapelle unter Heinrich Labor. Adols Schering wird mich in seinem neuen Wirkungskreise München wieder als Kammermusikspieler tätig sein; er ist an Professor Wilhelm Siebcurs Stelle, der nach Königsberg berufen ist, als Primgeiger in das Münchener Sttcichguartett eiw- ge treten.

I Tarmstadt, 13. Sept. Gestern öffneten sich dem Wien« Dichter Anton Wildgans, dessen Schauipiel£iebe" im vori­gen Winter durch die literarisch-künstlerisch Gesellschaft zur Vor­führung gelangte, auch die Pforten des Hoftchaters, das sein 1914 entstandenes TrauerspielArmut" Air Erstaufführung brachte. Armut" hatte nicht den Bühuencl-ftlg, wie das ein Jahr später entstandene StückTie Liebe". Es ist ein Ausläuftr der- Acmel.mt. Dramatik der vergangenen naturalistischen Periode, mit einer lyri­sche ^terbeszene im vierten Aufzug, während der f.ftifte Auszug noch einnral alle Bitternisse am Tottnbettt aumühltt