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Wfroer tobt auch eine Auflösung im b Neuwcchlon während bc§

Krieges nehmen maq, die übrigens buTyf*ni3 nicht so viel Gegen­sätze aufrühren würden, wie das Neuwahlen Mn, die unter einer weniger klar umgrenzten Parole stattftnden. Im übrigen kann meines Dafürhaltens

die Entscheidung der preußischen Regierung als getroffen langenomEn werden. Geht nicht aus der Kommission des Herrenhauses das gleiche Wahlrecht hervor, wird sie auslöse n. Ucber den Ausgang dieser Wahl wird heute wohl nirgends mehr >Zweifel bestehen. Wenn sich die Regie- rwrg bemüht hat und heute noch bemüht, eine Verständi­gung zustande zu bringen, um den Wahlgang imj Kriege zu ver­meiden, so tut sie damit nur ihre Pflicht. Haben die (Gegner der Vorlage ein Ohr für die Forderungen des Tages und ein Auge für das Anwachsen der volkstümlichen Bewegung im Lande, so werden sie sich beeilen, einer Verständigung zuzu stimmen. Sie werden damit sich selbst einen Tienst leisten, nur dürfen sie nicht hoffen, die Vorlage rauf dem Wege der Verschlechterung in ihr Gegenteil verwandeln oder.ausbeinen zu können. Eine wirkliche, den Kamps beendigende und nicht umgekehrt verschärfende Ver­ständigung geht nur vor sich, wenn auch die der Reform freundliche Mchtung sich init ihr einverstanden erklären kann. Ein sage- Nanntesgleiches Wahlrecht", das durcl) die Stimmen der Wahlrechtsgegner gegen die Stimmen der Wahlrechts- sreunde zustande käme, wäre, politisch betrachtet, so ziemlich die verhängnisvollste Lösung, Tie nächsten Tage oder Wochen mögen die Entscheidung -bringen. Mögen sie den Zeichen der Zeit Rechnung trgen!

So ungereimt es erscheinen mag, in diesen Tagen des grim­migsten Kampfes vom

Frieden

zu reden, will ich es doch verantworten. Wer weiß, ob das verzweifelte Ringen unserer Feinde nicht die Ankündigung des Friedens bedeutet. Um sich von dem künftigen Frieden ein Bild zu machen, muß man sich loslösen von dem ausgesahrenen Ge­leise unseres historischen Wissens. Könnte man diesen Weltkrieg nur als einen Krieg wie die früheren mrsehen, baute man den zukünftigen Frieden nach den Rezepten aus, nach denen man die früheren Kriege adgesä-lossen hat, so würde beim Friedensschluß eben derjenige Teil, der sich als der stärkste erwies, voraussicht­sich so viel Land und Leute, auf die er kein Recht hat, als SiegeSbeute in die Taschen stecken, als er bekommen kann und denkt verdauen zu können. Er würde sich eine für den Besiegten fast unerschwingliche Entschädigung zahlen lassen, sich auch noch einige militärische und wirtschaftliche Vorteile auslxdingen und dann gewappnet bis an die Zahne den Wiedervergeltungskrieg von der anderen Seite neu erwarten. Man wird den gegnerischen Regie­rungen nicht unrecht tun, wenn man ihnen zutraut, daß sie es, sofern sie die Macht hätten, ohne Bedenken auch dieseslmal versuchen würden, nach dieser bewährten Methode zu arbeiten. Sie haben es uns ja oft genug urrd offiziell genug in Aussicht gestellt, urrd bei Uns gibt es heute noch manchen, der rein mechanisch an diesem früheren Gedankengangc weiter zu arbeiten, für vaterländische Pflicht ansieht. Kamr denn aber wirklich ein denkender Mensch annehmen, dieses entsetzlick)e Ringen, an dem fast die ganze Welt beteiligt ist, werde mit einem Frieden her­kömmlicher Art abschließend Karrn man denn glauben, das ganz selbstverständliche Streben der Menschheit, nach den Erfahrungen der letzten vier Jahre diesen Krieg der Kriege auch zu dem

letzten der Kriege

zu machen, werde Ungehalten verhallen? Die Menschheit werde sich nach diesen Opfern an Leiden und Schaden mit einer Art Waffen­stillstand auf ein Jahrzehnt begnügen, werde gottergeben für alle Ewigkeit ven Krieg als ein schlechterdings unvermeidliches Uebel ansehen? Schon der Blick auf den Zustand der völligen Erschöpfung m dem die Welt aus diesem Völkerringen hervorgehen muß, schon der Gedanke, wie lange die Völker brauchen werden, bis sie wirt­schaftlich, kulturell und moralisch besser sind, als sie waren, schließt -ine solche Möglichkeit aus. Tie Welt sieht heute anders aus als nach dem Dreißigjährigen Kriege oder auch nur bei Ausbruch des gegenwärtigen Krieges.

Tie Jahre des Weltkrieges haben die Einwirkung dev Gesamtheit des Volkes auf die Gestaltung der inneren und äußeren Politik in allen Ländern wenigstens Europas außer­ordentlich gesteigert. Tie Lasten jedes Krieges sind noch zu allen, Zeiten am schwersten auf den mittleren urrd unteren Schichten der Bevölkerung gelegen. Auch in diesem Kriege haben die Massen! überall ihr Teil auf sich genommen, in Rußland bis zum Zusam­menbruch, in den anderen Ländern bis fast an die Grenze derj Leistungsfähigkeit. Unsere Gegner sind verleitet von leichtfertigen, gewissenlos spekulierenden Regierungen, wir und unsere Bundes­genossen getragen von dem Bewußtsein, daß wir in gerechter Ver­teidigung für Dasein und Freiheit kämpfen. Bei früheren Friedens­schlüssen sind die mittleren und unteren Bevölkerungsschichten, wenn es zu Verhandlungen kam, still in den Hintergrund getretene Andere waren es, die fast allein über ihr Geschick entschieden haben. Mit dieser Resignation ist es heutigentags vorüber. Ten kommen­den Frieden werden die Regierungen nicht allein, sondern im ftülenj Einv erneymen mit der Gesamtheit des Volkes schließen, hier ist nicht die Hauptsache ein Gewinn an Menschen, Land, Gut und Ehren, hier ist es mindestens heutiaentags in erster Linie um einen dauernden Frieden zu tun. Weil wir alles ver­meiden wollen, was einen neuen Krieg entfachen kann, wie wir alles begrüßen, was geeignet ist, ilm zu verhindern, darum wird es keinen Ervbermrgsfrieden

geben. Tas muß für unsere Gegner, die sich unsere rmd unserer Bundesgenossen Bernick-ttmg und staatliche Zertrümmerrmp zum Ziele c-esetzt haben, einen Verzicht, eine Enttäuschung bedeuten, die fast dem Eingeständnis einer Niederlage gleichkommt, nicht aber für Deutschland, dessen Regierung dem feier- lichen Kaiserwortuns treibt nicht Eroberun^lust" aller An­fechtung zum Trotz während des ganzen Krieges treu geblieben ist und damit bekundet hat, daß seine Polittk ht dieser Richtung nicht bloß eine gerechte, sondern auch eine voransschauende gewesen; ist. Ist Eroberung beiderseits ausgeschlossen, so ergibt sich mit Notwendigkeit die Wiederherstellung des territori­alen Zustandes vor dem Kriege. Ties ist überall ohne weiteres möglich, nur nicht im Osten. Tas alte Rußland war ein durch den rücksichtslosesten Despotismus aus den verschieden­sten Völkern zusammengeschweißter Staat: es hätte lebensfähig bleiben Linnen, wenn es die Absicht gehabt hätte, und tvenn es ihm gelungen wäre, durch föderalistische Gestaltung den unterjochten Völkerschaften erträgliche Lebensbedingungen zu gewähren, wenn es nicht seinen Völkern, wie den einzelnen Untertaneil jede frev­entlich? Entwicklung verwehrt hätte, und wenn es nicht im' Zu­sammenhang damit gezwungen gewesen wäre, die aus der allge-

'meinen Unzufriedercheit drohenden inneren Gefahren immer wieder durch kriegerische Grfolge und weitere Ausdeh um.

. rung des Reiches zn besichvören. Es ist zusamlnengebrochen, iveil es sich innerlich nicket halten konnte, und unsere und unserer Bundesgenossen Siege haben nun den Angehörigen des Riesenreiches die Möglichkeit ge­geben, sich zu befreien. Sollen nun wir zur Wiederaufrichtung dieses despotischen, durch seinen Charakter, ja schon durch sein bloßes Da­sein stets die Welt und vor allem seine Nachbarn bedrohenden Zarenreichs selbst wieder beitragen, unsere Zukunft aufs neue ^efctiter., indem wir die Teile, in die sich das alte Rußland natur­gemäß und von rechtswegm aufgelöst hat. selbst wieder zusammen- bringen? Ter Gedanke ist undenkbar. Wir können das König­reich Polen, die Erfüllung des Sehnens, des polnischen Volkes, das wir selbst haben mitschaffen helfen, nicht wieder mit Gewalt an Rußland auSliefern, ebensowenig könnten wir mitwirren, wenn ,Finnland^ nachdem es seine opn der ganzen Welt mit Sym- pathie verfolgter! Kämpfe und seine Selbständigkeit schließ- lich zu einem guten Ende geführt hat, durch die Willkür Dritter wieder unter das russische Joch gezwungen werden sollte. Wir können die an das Deutsche Reich und an die Ostsee grenzenden Randstaaten, die vom Rußland mit seiner tatsächlichen imd 'ormalen Zustimm »mg losgelöst und vieliach gettagen von deutschem Weien und deutschem Denken, Anschluß und Schutz bei uns ge­bucht haben, nicht dem Schicksal überlassen, gegen ihren Willen entweder dem russischen Zarismus unterworfen oder in alle Kämpfe

des Bürgerkrieges und der Anarchie htneingSvorfen zu werden.

Wenn diese Staaten sich mit uns als den Nächstinteressrerten, auf die sie angewiesen sind, verständigt haben und vollends verständigen wuden, so ist das «irre Sache, die der Welt nur nützen kann, und die vom Standpunkt des sogenannten europäischen Gleichgewichts, oder deutlicher gesagt, der englischen Oberhoheit uns hineinzureden wir niemandem gestatten können, so wenig wir unsere mit der Ukraine, Rußland und Rumänien geschlossenen Friedens vertrage der Entente zur gefälligen GenehmigungoderAbänderungvorlegenwerden.

Im Osten ist für uns Frieden und bleibt für uns Frieden, mag es unseren westlichen Feinden gefallen oder nicht. (Beifall.)

Im übrigen kann der territoriale Besitz überall wieder herge­stellt werden. Voraussetzung für uns und unsere Bundesgenossen Muß sein, daß uns alles wieder zugestellt r'tb, was w i r an Gebiet am 1. August 1914 besessen haben. Deutschland muß also in erster Linie seine Kolonien wiedev erhalten, wobei der Gedanke eines Austausches aus Zweckmäßig­keitsgründen nicht ausgeschlossen ziu sein braucht. Voraussetzung! fitt unsere am kommenden Frieden beteiligten Gegner wrrd anderer­seits wohl sein, daß auch sie auf die von uns und unseren Bundes­genossen besetzten Teile ihres Gebietes Anspruch machn können. Tiefer Anspruch wird weder an unserer Weigerurig noch an der (unserer Bundesgenossen scheitern. Mir Deutsche können, sobald der Friede geschlossen ist, «die besetzten Gebiete räumen, wir könnest, wenn es erst einmal so weit ist, auch . i

Belgien

räumen. Sind wir und unsere Bundesgenossen erst wieder eiramrl im Besitz dessen, was uns gehörte, sind wir erst einmal sicher daß m Bel gien kein anderer Staat irgendwie besser gestellt wird als wir, so wird auch, das glaubz ich sagen zu-trnen, Belgien ohne Belastung und ohne Vorbehalt zurückgegeben werden können. Die erforderliche Verständigung zwi­schen Belgien und uns cwird um so leichter sein, weil unsere wirt­schaftlichen Interessen vielfach parallel laufen, da Belgien auf uns als Hinterland direkt angewiesen ist. Wir haben auch keinen Grund, M bezweifeln, daß die vielbespoock^ne Vlamenfrage von Belgien im Sinne der Gerechtigkeit und der Staatsmännischen Klugheit gelöst weiden wird. Es ist eine Heuchelei. Belgien als ein Unschuldiges Opfer unserer Politik hinzustellen. Die belgnche Re­gierung, und aus diese kommt es an, hat sich an der von England betriebenen Einkreisungspolittk gegen Deutschland lebhaft betei­ligt. Bleibt noch die

Frage einer Kriegsentschädigung

von der einen oder anderen Seile. Hätte man uns in Ruhe unserer Arbeit nachgeben lassen, so hätte er keinen Krieg und keine Schäden gegeben. Nicht darum kann eS sich handeln, daß wir bezahlen, sondern nur darum, ob wir einen Ersatz für die uns auiqezwunqenen Schäden erhalten sollen. Wir sind innerlich überzeugt, daß wir als die schuldlos Angegriffenen das Recht aus eine solche Entschädigung haben.

en Krieg aber bis zu diesem Zeitpunkt weiter zu kübren, würde uns von neuem so schwere, nnl Geld nicht zu ersetzende Opfer kosten, daß wir bei vernünftiger Ueberlegnng ans die Weüerver- solgnnq dieles Gedankens auch bei günstiger miluärischer Lage wieder verzichten, ganz abgesehen von der Geiäbr'oung des küns- tlgen Friedens, bie von der zwangsweisen Beitreibung einer Ent­schädigung untrennbar wäre. Trotz alledem wird der Friedens- Vertrag noch einen rechten positiven Inhalt bekommen. Tie Völker der Erde rufen nach Schutz gegen weitere Verelendung durch Kriege, nach einem

Völkerbund,

nach internationalen Schiedsgerichten, nach Vereinbarungen über gleichmäßige Abrüstung. Am Widersvruch des Deutschen Reiches, das, seit eS besteht, im Frieden lebte, wird keine dieser Forderungen scheitern. Wir sind vielmehr bereit, nach Kräften mitznarbeiten an dem Gedanken vom Bund der Volker, und zwar vom wahren, der alle, die wollen, umfaßt, und in dem Rechte und Pflichten gleichmäßig verteilt stnd. Schiedsgerichte stnd für un4 nt ylS Neues. Die Abrüstung wollen wir, volle Gegenseitigkeit vorausgesetzt, sogar gen, aus die Seestreitkräste, nicht bloß auf die Landheere ausdehnen. Demselben Jdeengang folgend und noch darüber hmauS werden wir das Verlangen nach der F r e i h e t t d e r M e e r e und der Meevesslraßen, nach offenen Türen in allen überseeischen Besitz­ungen, nach Schutz des Privateigentums z»,r See ln den Verhand­lungen erheben, und weun über den Schutz der kleinen Völker und der nationalen Minderheiten in den einzelnen Staaten verhandelt werden wird, werden wir willig für vertrag­liche Bestimmungen emireten, bic in den England unter» luorfcne n Ländern w i e eine Erlösung wirken werden. Unerfüllbare Vorbedingungen für unsere Teilnahme an den Friedens­verhandlungen dürfen allerdings nicht gestellt iverden. Wir lachen des Ansinnen«, daß wir erst reuig um Guave bitten sollen, eüe wir zugelassen werden, wir lachen der Toren, die von solchem faseln.

Ich wollte nur zeigen, daß auch ein Verstand,qungsir,eben, so schwer auch die Wirkungen des Krieges unstre Zukunft belasten iverden, weder etwas Deinütlgendes für unS haben noch eine Pe­riode des Elends und Jammers für uns herbesiühren wird. Stark tind mächtig im Bewußtsein unserer Unüberwindllchkeit, gleichbe­rechtigt unter den Völkern der Erde, werden wir ein Leben de» Arbeit, aber auch der Be'riediauug und der gesicherten Zukunft führen. Gemeinsam mit den anderen werden wir den Weltfrieden vor künftiger Gefährdung schützen.

Es wäre trüge,ifch aut einen Friedenswillen in den­jenigen Kreisen unserer Feinde, die für die Eröffnung und die Weiteriührnnq des Krieges verantwortlich sind, überhaupt zu rech­nen. Seit Jahren leben sie von der Entflammung des KriegSfana- NSmuS. Sie können ihren Völkern nicht eingestehen, daß ihre Ziele unerreichbar,

daß ihre Ovfer umsonst gebracht sind. Ander- werden bei diesen Völkern wieder andere denken, Auch die werden zur Geltung kom- inen. vielleicht bald, vielleicht später. Bi« dahin aber bleibt unS nichts übrig, als »,ns unserer Haut zu wehren. Wir legen die Verantwortlichkeit für daS Blut, das noch fließen ivird, ans das Haupt unserer Feinde. Aber wer nicht hären will, muß fühlen. An unserer äußerei, und inneren Front wird der VernichtUngS- ivillen unserer Feinde zerschellen. TetUsche Kraft und deut­sches Können, deutscher Blut und deutsche Opserwilligkeit, denen wir seit vier Jahren alles verdanken, muffen sie belehr en. daß es für sie aussichtslos geworden ist, den unheilvollen Kampf weiter zu führen.

Aus dem Wahlrechtsausschutz des preutzischen Herrenhauses.

Berlin 12. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) In Fortsetzung der* allgemeinen Besprechung im Wahlrechtsausschuß des Herrenhauses über das Wahlgesetz für das Abgeordnetcm- haus und die dazu gesellten Anttäge betreffend das Berufswahl- recht erklärte ein Mitglied der Kommission, daß der 8 3 der Regierungsvorlage für ihn und seine Freunde unannehmbar bliebe. Ta er aber keinen Weg zur Verständigung unversucht lassen wolle, beantrage er, einstiveilen die Mstimmung Über den Antrag betreffend dos Berufswahl reckst auszusetzen und die Re­gierung zu bitten, weiteres Material über di sein Gegenstand lwrzulegen, insbesondere auch über die in gleicher Nietung gehende Gesetzgebung in den anderen Staaten. Von anderen Seiten wurde die Regierung um Material gebeten über die Wirkling des Verhältniswahlrecksts in den gemrschlsprachigen Landes stellen und über die Folgen der Einführung von Alterszu satzstimmen Weiter­hin wurden schwere Bedenken gegen das Berusswahlrecht prä­ge bracht. Tie Staatsregierung sagtr zu. das gewünsckste Material, smveit möglich, binnen kurzer Zeit beizubringen. Tie Kommission beschloß, unter einstweiliger Llussetzung der Abstimmung über das Berufswahlrecht in der weiteren Verhandlung über die Wahl- rechtsvorlage zum Abgeordneten Hause am Freilag vormittag sort- zufahren.

Der Sfterreichische Minifterpräfident v. Hussarek über die Llraft des StaatsgedankenS.

Wien, 11. Sept. (WTB.) Vor den Vertretern der rerchsdeutschen Vresse führte Ministerpräsident v. Husscrrek heute mittag u. a. aus:

Ich kann getrost sagen, daß die Kraft des österreichischen Staatsgedankens es mit allen Verärgerungsschlagworten aufnehmen kann, und daß unser gesunder .Körper diese Seuchenträger aus­stoßen und überwinden wird. Einer der Gedanken, welcher aus dem Lager der Feinde immer wieder, um das Wasser jat trüben, verkündet wird, ist die Frage von den unterdrückten Völ­kerschaften und der Notwendigkeit ihrer Befteiung durch einen Frieden der Gerechtigkeit. Wie steht es nun tatsächlich mit dieser Unterdrückurrg bei uns im Lande? Hat vielleicht der österreichische Stoat dem eirten oder anderen seiner Volksstämme gegenüber eine irische Politik getrieben oder ihre Entfaltung, gleich wie das zaristische Rußlarü) die seiirer Randvölker, verkümmett? Sie ge­statten, daß ich da zuu.Lchst auf unser« Berfassrmg hirtweise. Gibt es einen anderen gleich unserem aus einer Mehrheit von Völkern zusammengesetzten Staat, der in so nachhaltiger und durch­greifender Weise den Gedankeir der Gleichberechtigung aller Stämme in seine Charta aufgerrommen l-at, wie dies im Ar­tikel 19 unseres Sdaatsgriindgesetzes der Fall ist? Die Völker Oe)terreick>s haben sich aufs freieste imd gläTizendste uiiter dem Sckrutz dieses Staatsgrundgesetzes entwickeln können. Besitzt das tschechische Volk nicht ein Schulwesen von der untersten Stufe hinauf bis zu seinen Hochschulen urrd Akademien, welches auf der vollen Höhe aller Kultur steht und in seinm Erfolgen dem deutschen Unterrichtswesen ebenbürtig zur Seite steht? Aber auch die klei­neren in sich nicht so geschlosserten Volksstämme erfreuen sich der nachdrücklichsten Fürsorge der Staatsvcrwalnmq. Ich möchte dies an einer Episode aus meiner früheren Tätigkeit als Nnter- richtsminister beleuchten. Ich stellte mir zu einem parlamentarischen Zweck einen Vergleich zwischen dem Schul wesen deröster- reichischen^ Italiener und jenem des Königreichs Italien zusammen, und dieser Vergleich gab auf den Kopf ge­rechnet die siebenfache Zahl an Mittelschulen rmd ein Viel­faches an Bollsschulen und für unsere österictchlschen Italiener einen Prozentsatz von Analphabeten, der einen ganz minimalen Bruchteil jener im Königreich Italien darstellte. Das ist das Los der angeblich unterdrückten Völker in Oesterreich. Gewiß wird die Zukunft einen Weg wandeln, daß manckps konstitnttve Ele­ment des Völkersbaates noch mehr hervorgehoben wird, als dies gegenwärtig der Fall ist.^ Aber bei diesem Entwicklungsprozeß werden unverbrüchlich zwei Grenzlinien beachtet werden müssen: dre Achtung vor der Berschsung der Länder der ungarischen Krone und die Wahrurrg des Gedankens des Einheitsstaates^ Auch das verjüngte Oesterreich wird das eine kraftvolle Oesterreich sein.

Der Ministerprchident schloß mit einem Hoch auf die deutsche Presse. Für diese dankte der Direktor des Wolffschen Bureaus Tr.« Ma ntler.

Prinz Friedrich Karl von Hessen künftiger König von Finnland.

Helsingfors, 11. Sept. (WTB.) Aintlich wird bekannt­gegeben: Nachdem der Landtag die Regierung ersucht hatte, vor­bereitende^ Maßnahmen M treffen, damit der Landtag sobald wie lnöglich die Wahl des Königs vornehmen könne, sandte die Regierung, wie bekannt, eine besondere Abordnung nach Deittsch- um M erkunden, ob Prinz Friedrich .Karl von Hessen willens l?'. ow Krone Finnlands anzunelunen. Auf diese Anfrage erteilte Leme Hol-eit, nachdem er sich.zunächst eilte Bedenkzeit erbeteitz hatte, um lich über die Verhältnisse in Finnland Kermtnis zu ver­schaffen, am letzten Montag der Deputation eine bejahende ^ ^ l R^ri. .Der Landtag wurde für den 26. September einberufen, um die Wahl des Königs vorziunehmen.

^ .® ör * von Hessen ist am 1. Mai 1863 auf Schloß Pauker in Holstein als Sohn des Landgrafen Friedrich von Hessen und der Landgräfin Anna von Preußen geboren. Er beftrchte das Gymnasium in Frankfurt a. M. und studierte in Fveiburg, bis er 1888 als Leutnant ins erste Garde- drag-oner-Regiment eintrat. Am 25. Januar 1893 vermählte er sich mit Prinzessin Margarete von Preußen, einer Schwester des Kaisers. Der Ehe sind sechs Söhne entsprungen. Das E^paar hat seinen Wvhicsitz abwechselnd in Frankfurt und aus Schloß Friedrichshof in Cronberg. Prinz Frudrich Karl zog als Kom­mandeur des 81. Infanterie-Regiments ins Feld und wurde im ersten Kriegsjahre schwer verwundet. Sein« zwei ältesten Söhne. Prinz Friedrich Wilhelm und Prin^ Max sind gefallen, der ältere in Rumänien, der zweite Sohn in Flandern.

Ermordung der Zarenfamilie^

London, 12. Sept. (WTB. Nichtamtl.) Reuter-Meldung Daily Expreß" erfährt, daß die K a i s e r i n v o n R u ß l a n d und chre vier Töchter von Bolschewiki ermordet wurden. Aus die Kaiserin-Witwe wurde kürzlich ein Ueberfall unter­nommen: sie wurde aber von Matrosen der Schwarzmeeflotte ver-

leidigt. Ten Mattosen gelang es, die Roten Garden nach lltägigem Kampfe zu besiegen. Die Kaiserin-Witwe ist jetzt in Sicherheit.

Die Lage in Moskau und Petersburg.

Haag, 12. Sept. Reuter meldet aus Washington: Ein Tele­gramm der amerikanischen Gesandtfchast in Christimtia besagt: Nach ' hier eingegangenen zuverlässigen Berichten steht Petersburg an zwöls Stellen in Flammen. Auf den Straßen wird ein mit- leidlosLö Blutbad angerichtet.

Beschlüsse des englischen Gewerkschastskongrefles.

Bern, 11.Sept. (WTB.) Der fünfte Berhandlungstag des britischen Gewerkschastskongresses in Derby fülrrtc die nach den Ereignissen des Vortages nicht mehr fragliche Ent- schftdung über 5)avelock Wilsons Versuch herbei, die eng­lische^ Arbeiterschaft durch Gründung einer neuen kriegstreiber^'chen politischen Arbeiterpartei zu spaltcar. 3ein Antrag wird« nach einer ziemlich gereizten Debatte mit erdrückeuöer Mehrh-ttt a b g e l e h n t. Weitere Ereignisse waren die einstimmig angenommene Entschlie­ßung Mgunsten von Homerulc in Irland und die mit star­ker Mehrheit angenommene Resolution zugunsten der Anrecht- erhaltung des Freihandels nach dem 5siriege. Nahlep von den Londoner Schriftsetzern wies bei Begründung der Reso­lution^ auf die unlängst von der Regierung angekündigten Vorzugs, zolle innerhalb des brittsch^en Reiches, gegen welche die Arbeiter­schaft auf der Hut sein müsse, hin. Er verurtMe sehr energisch das Treiben des australischen Premiermftnsters Hughes, der als Hohepriester der Schntzzollpylitik das Lind bereise. Versuche, die Resolution durch dwt Hinweis zu Fall zu bringen, daß die ver­änderten wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Kriege Schutzzölle zur Sicherung der Lebensbedingungen der englischen Arbeiterschaft $ notwendig machen könnten, waren vergebens. Tie Resolution wurde mit 2 711000 Stimmen gegen 591 000 Stimmen angenommen .

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Die Erfolge unserer Luftstreitkräfte.

Berlin, 11. Sept. (WTB.) Tie deutschen Luftstreitkräfte haben im August die größten Erfolge seit Kriegs­beginn erzielt. Sie schossen im ganzen 592 feindliche Flugzeuge ab, von denen 251 in unserem Besitz blieben. Wir verloren 147 Flugzeuge, von denen 79 in Feindeshand sielen. Unsere Fluc> abwehraeschütze vernichteten 62 Flugzeuge und zahlreiche Tanktz. Unsere BombengesckMader bewarfen feindlick>e Ziele rnil 1158 Ton­nen und bewirkten 14 ungewöhnlich starke B^chlde und 9 besonders heftige Explosionen.

Der Zeekrieg.

Nepe U-Voot-Erfolge.

B t x 1 1 Tt, 12. Sept. (WTB. Amtlich.) Durch unsere Un­terseeboote tourden 10000 Brutto-Register-Tonnen feind­lichen Schiffsraums versenkt.

Der Chef des Admiralstabs der Marme,