Kr. 202
Der Siehener Anzeiger
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(68. Jahrgang
Donnerstag. 20. August 19X8
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MTB.) Grobes Hauptquartier, 28. August. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und G e n e r a l o b e r st v. B o e h n.
Bei Lmrgeumrck und nördlich, der Lys wurden feindliche Leilangriffe aügewieftn.
Die Armee des Generals von Velow (Otto) stand gestern wiederum in schwerem Kampf. Der Schwerpunkt der ^ englischen Angriffe lag südlich der Scarpe. Durch Masseneinsatz au Panzerwagen englischer und kanadischer Infanterie suchte der Feind beiderseits der Heeresstratze Arras—Lamvrai erneut den Durchbruch zu erzwingen.
Unsere in der Linie Pelves — östlich von Monäiy- roisilles kämpfenden Truppen — pommersche, westpreußische, Hessen nassaui jche und elsässische Regimenter — haben den mit gewaltiger Uebcrmacht an Menschen und Material am frühen Morgen geführten Stoß des Feindes in erbittertem Kamps bis östlich von Pelves bei Bic-en-Artioß und Croisilles ausgesangen. Im Verein mit württemd-rgifchen Bataillonen brachten sie am Nachmittage mit erneuter Kraft in tiefen Gliedern an der Heeresftvabe porgetragene feindliche Angriffe zum scheitern. Auch mchifach lmedertzslte Anstürme des Gegners gegen Noiry—Notrr-Davve und nordöstlich von Croisilles brachen zusannnen.
Der Fe'ttw hat. gestern schwere Verluste erlitten. Diele Panzerwagen umrden Lurch Geschütze und Minenfeuer aus vorderster Linie vernichtet. Batterien des Ncscrve-Fcldar- tilleric-Neginrents ND. 28 feuerten bki Die, offen wr unterer Infanterie au Ahnend, aus nächster Entftrnung idie dlch.cn Linien des Feindes. Der Kamps griff gegen Mittag auch aus das ddordufer der Scarpe und nach Süden bis Mory über. Mehrmalige Angriffe des Feindes wurden hier abg'-wie^en.
BeDerstits von Bapaunre blieb die Kraft der feindlichen Angriffe gegen die Vortage zurück. Der Engländer, der ber- lrerftits der Stadt überraschend und mit Artillericvorbrrel- tung. aber ohne Einsatz von Panzerwagen mehrfach vorsnck, wurde überall zurückge^chlagen.
Nördlich der Somme führte der Engländer heftige Angriffe gegen unsere neuen Linien zwischen Flers und Curlu. Wir wiesen sie ad und nahmen Flers und Longneval, wo der Feind vorübergehend eindrang, im Gegenangriff wieder. Süd- sich der Somme scheiterten Teilvorstöße des Gegners.
«wischen Somme und Oise haben wir unsere Linien vom Feinde ab gesetzt, die Trümmerfelder Chaulnes und Roye chm somit kampflos überlassen. Durch unsere erfolgreiche Abwehr war der Gegner seit dem 20. August zum Emstellen seiner Ltnariffe in dieser Front gezwungen worden. Dadurch wurde die reibungslose Durchführung unserer Bewegungen ermöglicht, die sich in den letzten Nächten vom Feinde völlig ungestört vollzogen.
Zwischen Oise und Aisne blieb die Gefechtstätigkeit aus kleinere Jnfanteriekämpfe beschränkt.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
An der Beste brachten mrcklenbm-gische Grenadiere dank hartnäckigem Eingreifen ihres Führers, Oberleutnants Boelcke vom Grenadier-Regiment Nr. 39, einen Angriff der Anrerikaner gegen Bazoches zum Scheiterm Baduche Truppen erstürmten Fiswette im VeÄe-^a.. Bei beiden lluter- nchmungen erlitt der Amerikaner schwere Verluste und lies; mehr als 250 Gefangene in unserer Hand.
In den Argonnen wurden bei erfolgreichem Vorstoß
Italiener gefangen. , ...
Der Erste Generalguarüermnster Ludendorf^
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Der AbendSericht.
Berlin, 28. Ang„ akrnds, (WTB. Amtlich..)
SM stlich mn Arras sirli rrirrntt Durchbruchsv-rfuch« des Keindes gcU)«itert. Nördlich von Baraumr und nördlich der Soirnne brachen englische Angriffe unter schweren Berlust.n zusammen. Zwischen Somme und One Vorsrw- klimnsr vor unseren »reuen Stellungen. Franzoslftür Angriffe nördlich der Aisne wurde», blutig abgcwiescu.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 28. Aug. (WTB.) Amtlich wird verlaurbart:
Italienischer Kriegsschauplatz.
An den Ge-irgsfr-cmwn rege Erkundun.gstätigkeit.
Albanien.
In Albanier! wurde unter Nachhutkämpfen neuerlich Bodengewinn erzielt. a
Der Chef des Gencralstabs.
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men bis Longueval und Felville-Walo, aber der deutsche Gegenstoß warf sie wieder zurück. Weiter südlich griffen sic wiederholt voU Sezanne heraus an. Allein die flankierenden deutschen Batterrent zerschlugen jeden englischen Angriff. Das stürmende.Wetter behinderte die englische Flugtäligkeit erheblich. Die deutschen Jagd- Gaffeln fanden rn der Luft kaum Gegner. Sie gingen deshalb auf 100 Meter herurrter und nahmen die englischen Gräben unter das Feuer ihrer Maschinengewehre. Infanterieflieger versahen die vordere deutsche Linie mit Munckron. Auch Krastwagen^ei chutze, griffen erfolgreich in den Kampf ein. Einzelne fuhren des dicht hinter die Schützenlinien vor und beschossen die feindlichen Festes ballone und unterstützten mit ihrem Feuer wirksam die eigenen Vorstöße.
Das Best'den Hindenburgs.
Berlin, 28. Aug. (WTB. Amtlich.) Aus ein Telegramm, das die Vaterlandsparttn in Reichenberg i. Vogtland an den Gene- rcrlfeldmarschall v. Hrndenburg richtete mit der Bitte um ein Lebens zeichen, um Gerüchten über den Gesundheitszustand des Feldmars ck-alls entgegenrreten zu können, antwortete Hindcnbnrg: „Bür Gott sei Tmrk kerngesund und setze der Zukunft getrost entgegen,"
Finnische Abordnung im Großen Hauptquartier.
Berlin, 29. Aug. Nach einem Privattelegranrm des B. T. aus Stockholm bringt SvenfLa Tagbladet eii\e Meldung aus Hel- singfocs, daß die finnische Abordnung .für die Königswahl vom Rcichskairzler im Großen Hauptquartier empfangen wurde.
Herzog Adolf Friedrich.
Berlin, 23. Aug. (WTB.) Herzog Adolf Fricäwich zu Meck
Oie neue Front im IVes/en tf)An der o^cttc.
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lenburg teilt dem Wolffburerm mit, daß sein Name zu Unrechtz mit der Kandidatur für den ftnnifchen Thron in Verbindung gebracht werde. Obwohl man ursprünglich von finnischer Seite an ihn heran getreten sei, stehe der Herzog allen diesen Kombinationen durchaus fern und einer auf ihn etwa entfallenden Wahl würde der Herzog nicht entsprechen.
Um Ruhlano.
Welch ein Gezeter durchlief die gesamte Verbandspresse, >.ie cnglistlun Blätter an der Spitze, als Deutschland, zur 'Wiederherstellung der Ordnung und zur Befestigung eines neuen Staatengebildes aufgefvrdert, Truppen in die Ukraine und nach Finnland schickte. Unberechtigte Einmischung in innerstaatliche Verhältnisse wurden unsere Hilfsaktionen da mals genannt und zu einem der größten Verbrechen der Weltgesihichte gestempelt. Die „Beschützer der kleinen N<p
tionen", in ihrer Brandstiftertätigbeit behindert, vereinigten sich zu einem Chor der Rache und ergossen ihre ganze ohnmächtige Wut in Druckerschwärze auf geduldiges Paprer.
Wie anders steht aber die „Verbandshilfsakiiow" va, die sich unberufen und trotz eindringlichster Proteste in die inneren Angelegenheiten Rußlands ei.nmischt! Englische, französische, amerikanische und japanisch« Erklärungen verkünden in Honig triefendsten Worden die kulturelle Pflicht, die einigermaßen gefestigten innerpolitischen russischen Zustände nochmals kaleidoskopartig durcheiucmtzerzürn tteln, weil sie sich nun einnral der trnglichen Hoffnung nicht begehen können, es liehe sich trotz allem eine neue Ostfront gegen das auf einer Front nicht niederznringende Deutschland aufrichten. Die fadenscheinigsten Gründe werden zu erdrückenden Notwendigkeiten herausstafsiert. Ein Trupp landesverräterischer Tschechv-Slvwaken wird als verbündete Nation anerkannt, vereinzelle deutsche Kriegs- aefangene, die aus Notwehr sich den Sowjettruppen arme- schlossin haben mögen, werden zu Truppenmassen von bedrohlicher Menge aufgebanscht — im Grunde genommen ein unbeabsichtigtes Eingeständnis, wie hoch der Kampfwert selbst vereinzelter und versprengter deutscher Soldaten einzuschätzen ist, — und schwächliche Regungen einer Gegenrevolution werden als umfassende Belvegungen hingesiellt. Auf Grund solcher Vorwände versucht man den nunmehrigen Eignern des russisck)en Reiches die Fenster einzuwerfen und das Dach überm Kopfe anzuzünden. Und kein Mittel ist zu schlecht, um das Ziel zu erreick-en. Nach einer letzten Mitteilung der Petersburger Telegraphen-Agcntur haben die Ententemächte die Erhaltung der ehemaligen russischen Gesandtschaften in den Ententsländern beschlossen. Die Mittel zur Fortführung dieser Gesandtsck)aften sind den Gesandten aber nur unter der Bedingung übergeben worden, daß sie die Sowjetherrschaft nicht anerkennen urrd sie bekämpfen wollen. Die Sowjetrnacht ist den russischen Imperialisten der Entente in csteicheni Maße wie den russischen Weißgardisten em Dorn im Auge. Es sind nicht deutsche Truppen oder deutsche Kriegsgefangene, sondern es ist die Sowjetregierung, der ihr Kanrps gilt. Und ihr gilt auch nur indirekt der Kampf, der sich direkt gegen Deutschland rick>trt, das neuerdings einem Zweisrontenkampf gegenübergestellt werden soll. Der Weg bis dahin ist weit. Und wie jetzt die Ergänzmigsverträge zum Brester Frieden unterzeichnet worden sind, obwohl der Verband aus Helfse- richs Rückkehr voreilig entgegengesetzte Schlüsse gezogen hatte, so werden wir hoffentlich auch im Westen trotz anscheinend unentschiedenem Schwanken und jedercfalls noch weiter zu erwartende Frontberichtigungen zu unserem Ziele gelangt sein, bevor England und seinen Genossen die Aufrichtung einer prvblcmatisthen Ostfwnt geglückt sein wird.
von der Gestsront.
Berlin, 28. Aug. (WTB.) Schritt für Schritt mühen sich die Engländer ab. die Sommewüste Mrückzuerobern, wvrauS sie im März dieses Jahres von übermächtigen deutschen Anstürmen so eilig heransgcworfen wurden. Anders als die Engländer versteht die deutsche Verteidigung die taktischen Vorteile der Trichtern Wildnis auszunntzen. Jedes gewonnene Torf, das in Mrklichkett ja seit langem aus nichts besteht als einer Tafel mü der Jnichnft: „Ties war Poziöres"^ oder „Dies war Martmpuich" muß vom Feinde mit empfindlichen Opfern bezahlt werden. Jeder Weitermarsch führt dabei die Truppe immer nur weiter m dre Miste ohne Unter-ümft, ohne Wasser und ohne jedes Hilfsmittel. Am 26 August setzten die Engländer ihre Angriffe auf der ganzen Front nördlich der Somme fort. Von 3 Uhr fri'ch ab hetzte ein. Ansturm den anderen. Artlllerievorbereitung und Jntantariealr- griff gingen ineinander über. Um Mittag bog die deutsckie Bev- widrgung einem starken englischer Migriff ans. Die Engländer La-
Lenin «nd die Bauern.
M os ka u, 25. Aug. (WTB.) Meldung der Petersburger Tel-^- graphen-Agentur. Lenin Hut an alle Gouvernements-Sowjets und an alle ErnährungskomMissionen das folgende T^egramm gesandt: „Aus verschiedenen Nackpüchten geht hervor daß die Ausschüsse iarmer Bauern die Interessen der Bauern des mittleren Wohlstandes verletzen. Tic Losung der Ausschüsse armer Bauern wurde in dem Sinne gedmtet, als ob ldre, armen Bauern" in einem Gegensatz >zu der übrigen Bevöllcrung gestellt locrden sollen. Die Macht der Smvjets führte niemals einen »Kmnpf gegen die Bauern des mittleren Wohlstarrdes. Sie war und ist stets bestrebt, die Bedürfnisse der Bauern des Mittelstandes giu befriedigen. Ten selben) Sinn haben die Gesetze über die Sozialisierung von Grund und Boden,' die Verordnungen über die Einführung von Höchstpreisen! für Brot und die Organisation ,von Einbringungstrupvs über den Warenaustausch usw., in denen »die Sowietmacht die Interessen hauptsächlich der Bauern des mittleren Wohlstandes berücksichtigt, welche erst jetzt nach einer Jahrhunderte langen Kneckftschaft^ die Er.twickttmgsfteiheit bekamen. Es wird allen Gouvernements-Ssw^ jets und ErnährungskomUlissisnen strengstens vorgeschrieben, die Bereinigung der armen Bccuern mit den Bauern des mittleres standes zu erstreben."
Die Lage der Tschccho-Slowaken.
Moskau, 26. Aug. (WTB.) Meldung der Petersburger Delcgr<ttck>en-Agcnttcr. Zugleich mit der: Nachrichten von den großen Sicr?ru unserer Armee an der tschechoslowakischen Front geht eine Mitteilung von \>:z fortgesetzten Ergänzung unserer Armee durch Fveücnlligc unserer Fügend ein. Die Feindschaft zwischm den Kvialen und den Tschiccho-Slowaken vertieft sich unaufhörlich und führt fortgesetzt zu.Zusammenstößen. Die Kirgisen der uralischen Stei>pe erioarten mit llngeduld die Ankunft der Sowiettrnvpen, um die kirgisische .Föderativ-Republik nuszurufen. Der Chef der Ostfront Zweckt auf die heldenmütige Tätig» keck der Eisenbahner an der tsck-echo-siowakffcheU Front hin.
rlrchaugclSk.
London, 23. Aug. Reuter meldet aus Archangelsk vom 18. August: ^lfnftlich wird mckgetzeilt, daß die Streitkräfte der Mllierten die Flußflottille der Bolschcwiki zersprengten. In meh- Heven Dörfern an der 'Südküste des Weißen Meeres herrscht Hungersnot.
Japanischer Bericht.
Tokio, 21. Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Neuter-Meldung Japanischer Bericht. Tie Transbaikattosaken, die sich dem Feinde anschlossen, zogen jetzt ckr die .Heimat ab. Infolgedessen zählt der Feind, der rn der Gegend von Taulia steht, nunmehr ungefähr 6000 Mtanin. Ein Teil der seindlichcn Truppen rückte in der Geigend nördlich von Grvdekowo vor, wurde aber von rnlssischen Truppen zurückgeschlagen. Auf unserer rechten.Nssuriflanke setzte der Feind seine Angriffe, die bis zur Nacht des 18. August dauerten, fort, die aber abgewiesen wurden. Seitdem besteht kein Anzeichen für eine Erneuerung der Aergrisfe.
Wladiwvstok.
Wladiwostok, 25. Aug. (WTB.) General PleSkow führte im Namen Horvaths einen Staatsstteich aus und erließ eine Proklamation, daß die russischen Streitkräste im fernerr Osten imteck seinem Oberbefehl ständen. Auf die (Vegenerllänmg der sibirischen Regierung, die sich gegen Horvath wendet, ging ein russischer Truppenteil von Freiwilligen vollzälüig zu Horvath über. Ties geschah ohne Blutvergießen. Die Konsularbeamten und die Militärs dev Verbündeten sind zusammengetreten, um über die Lage zu beraten.
Wladiwostok, 24. Äug. (Reuter.) Die Konsularbelwrden haben dem militärischen Beirat ern,vsohlen, die Truppen der Generale Pleschkow und Horvat Ul entttxrftnen. Dieser Rat wird wahr, sck^einlich befolgt werden. Ter allgemeine Vormarsch der alliierten Truppen nach der Usftrriftvnt hat heute begonnen.
Wirtschaftliche Einmischung Amerikas in Rußland..
Rotterdam, 20. Mg. Nach dem N. R. C. melden die aiue^. rikanisrben Blätter vom 18. Mgust, daß Präsident Wilson einen


