Urankretchs beKSgsichErsaß-LVthrtngens unter* TCÜ t> enterbe. Was. Belgien betrifft, so muß feine Souveränv- tot mied« hergeftellt toerbeit unter Wahrung seines gesamten afti- tanffchen Besitzstandes, unbeschadet der EntschcLigungen, die es für die erlittenen BerLnste wird bekommen können. Serbien wird in seiner Unabhängigknt wieder hergestellt werden. Ms Unter-, Pfand unseres guten Willens sind wir geneigt, ihm einen billigen^ natürlichen Zugang zum Adria tischen Meer zu gewährleisten, wie auch weitgehende wirtschaftliche Zugeständnisse. Oesterreich-Ungarn seinerseits nmß als unerläßliche Grundbedingung verlangen, daß das Königreich Serbien in Zukunst jede Beziehungen abbricht uird jede Gemeinschaft unterdrück mit einer Gruppe, deren poetisches Ziel sich aus die Zerstückelung der Monarchie richtet, besonders mit der Navodna Otwana, welche es in lohaler Weise und mir allen/ Mitteler seiner Macht von jeder politischen Agitation imrerhalb und außerhalb der Grenzien. Serbiens nach dieser Richtung abhalten und dafür ihm unter Garantie der Mächte der Entente Sicherheit bieten muß. Die Ereignisse, die sich in Rußland zugelragen haben nötigen mich, mit internen Gedanken über diesen Gegenstand bis zu dem Tag, wv eine gesetzliche, endgültige Regierung dort wieder eingesetzt sein wird, tzarrüchuhalten. Nachdem ich Dir also mente Gedanken auseinandergesetzt habe, bitte ich Dich Deinerseits, nachdem Du mit diesen beiden Mächten uirterhandelt hast, die Meinung in erster Linie diejenige Frankreichs und Englands dieser Hinsicht mir $u erklären, um das Terrain für eine Berständr gung voMlbeveiten, auf deren Grundlage amtliche Vorbesprechungen eingeleitet und M einem befriedigenden Ergebnis geführt werden! können. Indem wir alle hoffen, daß 'wir auf diese Weise beiderseits die Leider, so vieler Millionen Menschen und so vieler Fanrilien fat Traurigkeit und Angst ein Ztel setzen können, bitte ich Dich, an mehre höcKaufrickstige und brüderliche Zuneigung zu glauben.
t gezi. Karl.
Nachdem Graf Cziernin in seiner Rote vom 8. April die Wistentz, dieser Verhandlung, die aus die Initiative einer Persön- bichleit' „in einem viel höheren Rang als dem seinigen" stattgs- künden hat, anerkannt hat, ist nun die österreichische Regierung an der Reihe, sich über den von ihir Augestandenen Versuch und die Einzelheiten der Verhandlungen rhres 'Delegierten zu erklären.
Rücktritt CzerninS.
Wien, 14. April. Das Wiener K. k. Telegraphen KlN-respvndenz-Wnremr meldet.' Der Minister des k. u. k. Hauses und des Aeußern Graf C z e r n i n hat heute Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät seine Demission unter breitet. Seine Majestät geruhte sie attergnüdigst anzuneh- menund Graf Czernin bis zur Ernennung eines Nachfol yers mit der Fortfülirnng der Geschäfte zu betrauen.
Budapest, 14. ylpril. (Vom Vertreter des WTB.) Tie Wiener dörchrichten über den bevorstehenden Rücktritt des Grafen Czernin haben ffr hiesigen potckffchAr Kreisen begreifliches Aussehen erregt. Es verlautet, daß Graf Czernin un-, bedingt von seinem Posten stheiden wolle und daß Körrig Karl einen Ungarn mit der Leitung her auswärtigen Politik betrauen werde. Imi Zusammenhang hiermck wurde ein plötzliche Reife des Grafen Tis za nack), Wien mit größtem Interesse besprochen. dem bei der Lösung der außerpolitischen .Krise angeblich die Entscheidung znfallnr soll. Auch der Reise des ©rufen Julius Andreassi wird in diesem Zusammenhaicge gedacht.
Erzberger.
Berlin, 14 April. (WTB.) Gegenüber der in der dlbend ousgäbe der .,Dtsch. Tgztg." vom 13. Apttl aufgestellten Behaup-
kung, Graf Czcrni n batte dem 95bgeordneten Erzberger den Kaiser Karl gerichteten Brief eingehändigt, ist die österreichisch-
Ml
Ungarische Botschaft ermäckstigt, zu erklären, daß Graf Czernin ,bem genannten Abgeordneten niemolsirgend einSchrist kstuck übergeben hat.
Wünsche der deutsch-nattonalen Parteien in Oesterreich.
Wien, 12. Avril. (WTB.) Meldung des Wiener Korr. Dur Der Verchandsausschnß der deutsch-nationalen Parteien faßte in der heutigen Sitznng einstimmig eine Entschließung, in der die Entschlossenheit des deutschen Voltes in Oesterreich ausgesprochen wird, für die Erkämpstmg eines gesicherten Friedens bis zum Ende ^rusKuhalten Es wird jedoch darauf hteigerotesen, daß es dem 'Anschein habe, als bemKhe man sich u i ch t um die Erfilllnng der nationalen Forderung der Deutschen sondern um die Durchführung von Theorien, die den slawischen Eroberungsbedürfnissen entsprechen und den Staat in neue Unordnung zu stürzen drohen. Auch wird die gleiche Behandlung in der Ernähnlngsfvaae bezüglich der deutschen und ffawischm Gebiete vernnht. Der BerbairdsaNsschuß erklärt, dem Beispiel der slawischen Parteien, die sich in Gegensatz zum Staat stellten, nicht zu folgen, sondern im Verhältnis zum Staate, abgesehen von der Haltung der jeweiligen Regierung, eine Aenderung in keiner Weise eintteten zu lassen. Indem die Deutschen sich auf die Opfer des deutschen Stammes an Gut und Bült in den vier letzten Jahren beziehen, erklären sie, den Staat nicht preiszugeben, sondern durch eine folgerichtige kräftige Politik die Leitung des Staates beeinflussen zu wollen. In dieser Weise würden sie am besten ihre Pflaht gegenüber dem Deutschtum und dem Staate erfüllen, insbesondere auch für die Erhaktimg und Stärkung des Bündnisses mit dem Deutschen Reiche.
Eine neue Aenßerririll der französischen Regierung.
Paris., 14. April. (Havas.) Eine amtliche Rote erklärt: Es gibt Leute, deren Gewissen verdorben ist. Kaiser Karl verfällt in der UnmöglichÄeit, ein Mittel zu finden, das Gesicht zu wahren, daraus, zu schwatzen wie ein Irrsinniger. Jetzt ist er geztou-lgen, seinen Schwager fälschlich zu beschuldigen, indem er eigenhändig einen lugnerisck>en Text konstruiert. Das Origmal-- hokument, dessen Text die französische Regierung veröffentlicht hat, Würde in Wgenwart JnleS Cambons. des Generalsekretär für jchvswärtige 'Angelegenheiten, der te>m Mirrifter entsairdt war, dem Präsidenten der Republik mitgeteilt, der eine Kopie des Schreibens mit (Genehmigung des Prinzen dem Ministen) ä'identen übermittelt Hat. Mit Rllwt selbst hat sich der Prinz darüber in Ausdrücken Unterhalten, die keinen Sinn gehabt hätten, wenn der Text nicht der wäre, tote er von der französischen Regierung veröffentlicht ptock»en ist. Ist cs nicht ganz klar, daß keine Besprechung hätte beginnen können und.daß der Präsident der Republik den Prinzen txxi zweites Mal garnicht empfangen hätte, wenn aus Veranlassung L)esterreichZ der PdiNz einen Bchief in der Hand gehabt hätte, der unsere Rechte bestritt, anstatt sie zu bestätigen? Der Brief des KEws Karl, so wie wir ihn zitiete haben, ist vom Prinzen Sixt persönlich dem Staatslenkern gezeigt worden. Uebrigens können Zwei Freunde des Prinzen die Richtigkeit bestätigen, besonders derjenige, der den Brief vom Prinzen zur Abschrift erhalten hat.
Ein neues Telegramm des Käfters Karl an Kaiser Wilhelm.
Wien 14. April. Se. k u. k. Apostolische Majestät hat an den Deutschen Kaffer sagende Depesche ab gesandt: Die Anschuldigungen Herrn Clemenceaus gegen mich sind so Niedrig, daß ich nicht gesonnen bin, mit Frankreich über die Sache /ferner zu diskutieren Unsere weitere Antwort sind mein« Kanonen im Westen In treuer Fveundschasl
Karl
Wien, 14. 2lpral. Amtlich wird v«r!,rutbart: Die letzten Ausführungen Herrn Clemenesaus ändern nichts an der Wiahtheck der bisherigen amtlichen Erklärungen des k. \L f. Ministeriums des Aeußern, Prinz SixtuS von Bourbon, beffeu Sr. f. u. f. At-ostolffchen Majestät bekannter Charakter ew\ Touschrng cm 5= Pchtteßt, wurde derselben eben sowenig beschüldtzft. wie irgendeine andere spezielle Persönlichkeit, da vom! k. u. k. Ministerium des Aenßern nich5 festgestellt weiden kann, wv die Unterschiebung des -aksck-en Briefes erßoigt fft. Hiermit wird die Angelegenheit für bea^et erklärt.
Ein Lnftfchiffangriff auf Mittele«sland.
Berlin. 14. April. (WTB. Amtlich.) In der Nacht vom 12. zum 13. April griff Fregattenkapitän S t r a ß e r mit einem unserer Marineluftschiff-Geschwader wichtige Stapel-, HerstellungS- und Verschifft!ngsplätze der Kriegsindustrie Mittel-Englands an. Beworfen wurden Virminglhrm, Nottingham, Sheffiew, Leeds, Hüll und Grimsby. Trotz außerordentlich starker artilleristischer Ge genwehr und Fliegerverftllgung sind alle Luftschifte wohlbehalten zurückgekehrt. An dem Fluge haben besonderen Anteil die Luftschifskommandanten Hauptmann Manger, Kapitänleutnant Ehrlich (Hervert), v. Freudenreich und Flern- ming, und Korvettenkapitän Arrrold Schütze mit ihren tapferen Besatzungen.
London, 13
.13. April. (WTB.) Reuter meldet amtlich: Feind- üche Lu f t s ch i f fe nberfkvgen -abcrrds die O st k ü ste und griffen
drc östlichen Bezirke Mittelenglands an. Ein oder zwei Angreifer drangen tiefer in das Binnenland und warfen einige Bomben ab. Ter. Angriff dauert noch an.
London, 13. April. (WTB.) Reuter. An dem Luftangriff ut der letzten Nacht nahmen vier Luftschiffe teil, zwei drangen einige Ndsiten in das Innere vor, von den beiden anderar erreichte eins die Midbands, das aridere erreichte bei nahe die Nordwestküste. Die Angreifer fuhren in großer Höhe und zeigten keine Neigung, Versuche zu unternehmen, in die verteidigter^ Gebiete durchzrchringen. Die meisten Bomben wur den auf offenes Feld abgeworsen. Mgesehen davon, daß in einem Orte vier Häuser zerstött wurden, fft . nach den vorliegenden Be richten der angerichtete Schadsr unbedeirtend. Zwei Männer, zwei Frauen und ein Kind wurden getötet. Acht Männer, seck)S Frauen und ein Kirst) wurden verwundet
Die „Times" über die ernste Lage Englands.
i. Köln. 15. April. Die „Köln. Bolksztg." meldet aus Basel: Der Parlamentsberichterstatter der „Times" schildert die durch die denffchen Angriffe hervorgerufene Lage als sehr ernst für die vereinigten Königreiche. Einberufung neuer Re^ krutemnassen bei solch schwerer Krisis sei durchaus .terechffertigt. Die englischen weitschiesterrden Kanonen.
Amsterdam, 13. April. (WTB.) Wie ein hiesiges Blatt aus London erfährt, antwortete der Unterstaatssekretär des Krieges Macpherson den Parlamentariern schriftlich, daß es möglich sei, eine Kanone herzustellen, die weiter als 80 Meilen schießt. Die nöttgen Maßnahmen seien schon getroffen worden.
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Große Ansstände in St. LoniS.
Haag, 15. April. (B. T.) Die Neuyv-rker Times melden: In St. L o u i s sind derart viele Streiks ausgebrochen, daß man beradezu von einem Arbeiterkrieg reden kann. lW handelt ich um zahlreiche, mit wichtigen Kriegslieferungen — besonders für das Rote Hreuzj — beschäftigte Industrien. Die Durch-- ührung des Holzschifsbauprogramms ist bereits um' 8 Wochen rück- tsndig infolge des Streiks der Catesakterer. Ebenso sind Streiks auf den großen Regierungswerften auf Rock Islluch. und Philadelphia ausgebrochen.
Ein Dienstpftichtgesetz in Holland.
Haag, 12. April. Das Korrespondenzbureau teilt mit: Es ist ein Gesetzentwurf eingebracht worden, durch den ür die Dauer der außerordentlichen Verhältnisse die Dienstpfl ich t eingeführt werden soll. Zweck dieser Maßnahme ist, der Regierung für (den Fall eines Krieges die Verfügung für alle vorhandenen Kräfte zu jeder bürger- ichen Tätigkeit zu geben. Außerdem gibt sie bereits der Regierung die Befugnis, alle Personen, deren Tätigkeit im Landesinteresse nicht unterbrochen werden darf, zu zwingen, ihre Arbeit ohne Rücksicht auf Besc^verden oder Meinwrgs- Verschiedenheiten fortzusetzen.
Me Kleiderkarte in Schweden.
Stockholm, 15. April. In Schweden wurde die .Kleiderkarte eingeführt.
Line Nundgebung des vereinigten Landesrates von Livland, Estland. Riga und Gssei an den Raiser.
Berlin, 13. April. (WTB.) Der BereinigteLan- desrat von Livland, Estland, Riga und Oesel hat im Sck)loß zu Riga unter großer Beteiligung und Jubel einstimmig folgenden Beschluß gefaßt:
Ter Bereinigte Lcmdesvat vv-n Livland, ^Estland, Riga und Oesel beschließt:
1. Ten deutschen Kaiser zu bitten, Livland und Estlarid darcernd unter militärischem Schutz zu
e h a l t e n und bei endgültiger Durchführung der Loslosung von Rußland zu unterstützen.
2. Ten Wünsch auszusprechen, daß Livland, Estland, Kurland und die vorgelagerten Inseln und die Stadt Riga ein ei n heit- ' i ch e r, geschlossener u tt t> monarchisch-konstitu-
ioneller Staat mit einheitlicher Verfassung durch Vernml- tungsgemeinschaft werden und dem Deutschen Reich durch P e r [o = aluuion mit dem König von Preußen angeschkffstn werden, und den deutschen Kaiser zu bitten, diesen Wunsch der baltischen Bevölkenmg lmldvollst zu genehmigen und dessen Verwirklichung herbeizuführen.
3. Den denffcheri Kaiser zu bitten:
I daß er die Schaffung eigener Landeseinrichtun-- ! en für Livland und Estland ermv^lichc, die bis zum staatlichen . usantmenschluß der baltischen Gebiete die Verwaltung Livlands und Estlands fuhren sollen.
II. daß zwischen dem Deutschen Reich bzw. dem König von Preußen und dem aus den baltischen Gebieten gebildeten Staat die erforderlichen Militär-, Münz-, Verkehrs-, Zoll-, Maß-, Gewichtsund sonstige .Kvnven.tionen abgeschlossen iverden.
Der Landesrat bestand ans 58 ans den Landesversamm- nngen gewählten Mitgliedemr, und zwar von der Ritter- chaft 3 Deutschen, von den Landgütern 13 Deutschen, von )en Landgemeinden 13 (9 Esten, 4 Letten), von den Städten 20 (13 Deutschen, 5 Letten, 2 Esten), von der Oleistlichkeit 7 (4 Deutschen, 2 Esten, 1 Lette), von der Universität Dorpat ernenr Vertreter (Deutschen), aus dem Gebiet von Peftchory Vertreter (Lette).
An den Kaiser nnrrde folgendes Telegramm ge- andt: '
Tie im gemeinsamen Lan-desrat geeirrigten Vertreter der gram len Bevölkerung von Livland, Estland, Riga und Oesel danken Eurer Majestät aus tiefbewegtem Herzen für die Errettung äus schwerster BeLwängnis. Äesveit von Todesnot und Beraeivalffgung, kann die Bevölkerung jetzt ihre Wünsthe für die Zukunft des Landes offen vor aller Well ^kennen und bittet daher einmüttg, Euer Majestät wolle die baltischeir Lande für alle Zeiten unter dem machtvollen Zepter Eurer kaiserlichen und königlichen Majestät dem Deutschen Reich in Personalunion mit dem König von Preußen anichtießen.
Wien 14
pest «ckgevast.
April. Kaiser Karl fft abends nach Bud>a^
Der 5eekrleg.
Neue U°Boot-Erfolge.
Berlin. 13 . April. (WTB. Amtlich.) Im Sperrgebiet um England wurden von unseren U-Booten 23 000 ART. Midlichen HandelsMs ssraupves vertti^tet.
rxhtver blttroften wurde durch die Versenkungen w-rebernm der feindliche Transport im Aemnelkanal Uvisckien der han- zösisckien und englischen Küste. Zwei 6000 BRT. große, ttei beladene Danrpser wurden dort in gut durchgesührten Angriffen bei starker feindlicher Gegemvirkurrg aus Gelen zügen heransgesch^ossen. Ein 5000BRT. großer Tarrkdampfer. der drl.rck) Zerstörer aesichert war, Nnrrde an der englffchen Westküste vernichtet. An den ')lrfolgen hatte Kapitänleutnant Fleuch den Hauptanteil.
Der Chef des Admiralstabes der Marine Berlin, 14. April. (AmÜich.) Neue U- Boots -Erfolge auf dem nördlichen Kriegsschauplatz: 15000 B.-R.-T.. Zn-ei Dampfer wurden in hartnäckiger Berfvlgung aus dem selber groben, durch Kreuzer, Zerstörer und Flugzeuge stark gesicherter Geleitzuge herausgesck-ossen.
Ein U-Bootangriff vor Liberia.
Amsterdam, 13. 2lpril. (WTB.' Meldung des Reuter' ichen Bur^is. Nach einer Meldung des Washingtoner Staats- t^partements erschien ein deutsches U-Boot' M on r ov i c 'Liberia,, beschoß die drahtlose Station und verursachte aus^r- ordentlichen Schaden. Dann richtete es das Geschütz aus die Kabelstation.
Aus dem Reiche.
Stresemanu ütrer die Reform des diplomattschen Dtenjtes
i. Köln, 15. April. Die „Köln. Ztg. meldet aus Min- den: Gestern war tn Minden eine große Volksversammlung, in Neichstagsabgeordneter Dr. Stresemanu unter stürmischem Beifall über die Lage sprach. Stresemarm teilte mit, daß die nationalliberale Fraktion anregen werde, einen Ausschuß aus Vertretern des Auswärtigen Amtes, des Rcrschtags, Admiralstabs, Generalstabs und Vertretern von lteberseekaufleuten einzusetzen, um die Refornr des diplomati- igen Dienjtes grundlegend zu prüfen. Für die ^iegsziele im Westen gab er der Erwartung Ausdruck, dvß Flandern in ein ähnliches Verhältnis zu Deutschland treten möge wie Kurland.
Berlin, 12. April. (WTB.) Die Kriegsteue rnngsbezüge an Beamten im Reiche und in Preußei wurden mit Wirkung vom 1. April 1918 erhöht. Gleichzeitig sind Erlasse an die einzelnen Ressorts bereits er gangen. Soweit die Auszahlung der erhöhten Teuernngs- zulagen m einzelnen Fällerr noch nicht erfo^t sein sollte, durfte sre m allernächster Zeit zu erwarten sein s. L^lin,13. April. (WTB.) Freiherr v. Lynker, der Chef des Mil itärkab inet ts, tmurde m General obersten befördert. 9
3n französischer Kriegsgefangenschaft.
der
Gießen, den 15. April 1918.
Ter Vortrag des Vizeseldwebels Heinrich Geißler von r 5. Kompagnie des Füsilier-Regiments' Nr. 80 über: „Meine Erlebmsse, Verurteillmg und Flucht aus französiscbn Kriegs- gesangenschaft".^ der nur mäßig besucht war. gab mcs ein sehr ^llerestantes Bill) vo:r der schlechten, unwürdigen Behandllmg der deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich, zeugte aber auch von echtenl deutschen Heldenmut, von der Kühnhnt, llnerschwckenheit, Findigkeit und Ausdauer der deutschen Soldaten, die kein Mittel unversticht ließen, ran aus der Gefangenschaft zu entkommen, bis es ihnen nach mancherlei Versuchen und Wechsel'allen gelang, weder zu ihrem Truppeitteil zu .gelangen. Geißler war bei einem Angriff an der Aisne am 16. Aprll 1917 mit 8 Mann »eines Zuges in einem verschütteten Unterstand gefangen iöü>
in
ein nahes französisches Tors abtrmisporttert worden/ wo ihneri kurMi Verhör alle Wertgegenstäiide, Uhren, Ringe
mich eineni ..
usw. abgenmmnen wurdeui. Nachdeni sie' vier Tage mÄ> Nächte direkt hinter der fvanzösischon Linie bei dem schlechten vorjährigen Wetter im April im Freien kampiett und gearbeitet hatten, mmen ste in ein Gefangenenlager in Zelte, wo sie mit andere,c Gefangenen Mrmitio:, nach vtorn schaffen mußten. Dabei halten sie durch bas deutsche Feuer sehr zu leiden, auch fände,: mehrere den Tod. >^urch die Hitze im Mai nrrd durch die schmale, schlechte Kost Ivurden viele krank. Sie erlstelten morgens einen Becher Kaffee rmd mittags eineic Teller Reis. In den Nächten war das hell erleucistete Lager ein guter Älngriffspunkt für die deutschen Flieger. In einer Nacht wurden durch abgeworsene Bomben eines deutschen Fliegers 62 Mann getötet und über 100 schwer oer wundet. Nach einiger Zeit wurde Geißler mit vielen seiner Kameraden nach Südfrankreich ttansporttett, wo sie in eine,' Maschiirenfabrik arbeiteten. Auf der Falwt dotthin ivaren sie in den Eisenbahnwagen sehr eng zusammengepfercht, und es fehlte rede Gelegenheit zur Befriedigung der tlllstdurst. Auf den Bahn Höfen wurden sie von der Bevölteruug beschimpft und mit Steinen beworfen, flöachdem Geißler dott kurze Zeit M Dolmetscher in der Küche tätig war, kam er dann Mitte Mai zu einein Ingenieur in eine Automobilfabrik bei Paris, wo er mit 30 anderen (Me faageueit in einer Mühle vor der Stadt sein Quanier ^itte. Bei dem täglichen Döarsche durch die Stadt nach der Arbeitsstätte und zurück wurden sie von der Bevötkerrmg beschimpft, geschlagen, mit Steinen und Schmutz beworfen, einmal wurde ihnen sogar von einem Hause in einer engen Straße der Jnhall eines Nacht- topses aus die Köpfe^ geschüttet. Wer durch Entkräftung oder Kr>ankheit rncht mehr rüstig arbeiten konnte, wurde jvegim Mangels an gutem Willen mit schweren Strafen belegt. Gr mußte in, Freien schlaseir und drei satunden am Vormittag und drei Stunden am Nachmittag einen schweren Sandsack auf dem Micken eine Strecke Weges hin- und immer wieder zun'icktragen, oötn er wurde mir .Stricken /p einen aufrechtstehenden Pfahl .angebunden .und mußte so in Wind Und Wetter, in .Hitze, Kälte und Itegen, nur notdürftig bekleidet, viele Stunden aushalten. Andere wurden liegend mit herabhängendem 5kvps und yerabhängenden Füßen aus e?ne» Rost geschnallt: wer sich beschvette, wurde noch härter bestraft oder gar ersck-ossen. Ihre Kost bestand 63 Tage lang iuu aus schlechtem, verdorbenem Reis, m dem es alle 7 Tage etwas Maulesel)teisch gab. Da reifte l«i ihnen der Plan zur Fllrcht von der Mühle aus. Ein Elsaß-Äothringer-Ueberläuser verriet aber den Wan, und sie wurveir an der Ausführung gehindert, als sic sich in der ?tacht an zu saimnengebunderreir Deckerr aus dem oberen Steck- werk der Mühle gerade herablassen ivollten. 9öack> Itattgel>abter Untersuchung wurden sie zu 30 Tagen sck-svererr Arrest verurteilr und mußten lauf dem Boden einer fl einen Zelle ohne Decke schlafen, wo ihnen zur Erschwerung der Strafe jede. Gelegenheit zur Bcrrichung der Notdurft fehlte. Bei dem darauf folgenden erneuten Fluchtversuch, nachnen sie ihren Weg durch ein enges ^chleusmrohr der Mühle, das, mit Schlamm mid üblen Gasen
angefüllt, nur lebensgefährlich, zu passieren ,var. Tie in der Mühle mitgenommenen Lebensmittel
i;
lnaren ihnen dabei verdorben, die franzöiischerl Helme und Decken aber batten sie mit durch die Schleuse gerettet, diachdem sie sich gewaschen und gereinigt hatten, lanten sie riach eineur Dauermarsch von 30—40 Kilometer in ein einsames Hans, bei einenr Tors, 'wo sie in der Küche Nah- rmiigsmittel fanden, beinahe aber durch einen Hund verraten ivorden wären. Auf ihrer wackeren FliM fanden sie dann an der französischen Front bei Svjssons in einem französischen Unterstand mehrere Tage einen Unterschlupf. Bei einem näästlichen Einbruck ckl die Bar«l>' «eines französischen Lebensmckteldepots versahen sie sich mit Lebensmckteln, und wandten sich dann der Sc^veize, Grenze zu. Cs gelang ilwerr, Zwischen den Gruppen eines Vatacklo-ns ckirre Brücke über die Marne zn passieren, und so erreichten sie am 16. Tage eine verlassene Billa, in der sie 3 Tage und 4 NöckZi. Mbrachten. To sie anher Bohnen und Wein aber keine anders«. Nahrmrgsmittel hier vor fanden, so mack-en sie sich wieder auf den Marsch. Ste hätten sich hier gerne mit frisck>er Wäsche versehen, es ging ab<n nicht, denn wenn sie nntenveyS gefaßt wordeir lvären. fr wären sie rmvettbar rvegen .TiebshchW erschaffen nprdew. AaÜ»


