fatfrertor Neugestaltung des WÄt-Kobonvalbssitzes wird von vielem PvogrammpuE seiner Zeit die Rede sein.
SechftenS:
RäumungdesrufsischenGebietes.
Nachdem die Gntentestuatsn es abg-lehnt häl^n. innerhalb dev von Rußland und deren vier verbrindeten Mächte vereinbarten Frist sich den Verhandlungen anzuschließen. muß. ich namens der lenteren eure nackträalick)e Einmischung ablehnen. Mr stehen hier vor Fragen, die allein Rußland und die vier verbündeten Mächte angehcn. Ach halte an der Hoffnung fest, daß es unter Anerkennung der Selbstbestimmung der westlichen Randvoller des ehemaligen russischen Kaiserreiche gelingen wird, zu einem guten Verhältnis sowohl nüt diesen als mir dein übrigen Rußland zu gelanget,, dem wir aufs dringlichste die Rückkehr geordneter, die Ruhe '.und Wohliahrr des Landes gewährleistender Zustände wünschen.
Punkt sieben komntt ans dre
belgische Frage.
Was die belgische Frage betrifft, ist von meinen Amts Vorgängern wiederholt erklärt worden, daß zu reiner Zeit während des Krieges die gewaltsame Angliederung Belgiens an Deutschland einen Programmpunkt twr deutschen Polüik gebildet habe. Tie belgische Frage gehört zum Komplex- der Fragen, deren Einzel- 'Heiken durch die Friedensverhandlungen zu ordncrr sein werden.
Solange sich unsere Gegner nicht rückhaltlos auf den Boden stellen, daß die Integrität des Gebiets der Verbündeten die einzig mögliche Grundlage von Friedensbesprechnngen bieten kann, muß ich an dem bisher stets stntfemmtnienen Standpunkt fest halten und ein Vorwegnebmen der belgischen ?lngel-egenheit aus der Gesamt- diskussion ab lehnen.
Achtens:
Befreiung des französischen Territoriums.
Die okkupierten Teile Frankreichs sind ein wertvolles Faust- hfand in unserer Hand. Auch hier bildet die gewaltsame Angliederung keinen Teil der amtlichen deutschen Politik. Tic Bedingungen und Modalitäten der Räumung, die den vitalen Interessen Deutschlands Rechnung tragen müssen, sind zwischen Deutschland und Frankreich zu vereinbaren. Ich kann nur nockpuals ausdrücklich betonen, daß von einer Abtretung von Reichsgebiet nie und nimmer die Rede sern kann. Das Reichsland, das sich seitdem, immer mehr dein Deutschtum innerlich angeschl offen. das sich in hochersrculicher Weste wirtschaftlich immer mehr fortentwickelt hat, von dem meln als 87 Prozent die deutsche Muttersprache sprechen, werden wir im» von dem Feinde unter irgendwelchen schönen Redensarten nicht wieder alnvehmen lassen. (Lebhaftes Bravo?)
T er Ba l kan.
9, 10 und 11: Italienische Grenzen, Nationalitätenfragen der Donaumonarchie, Balkanstaaren. Was dre von Wilson unter 9, 10 irnd 11 behandelten Fragen betrifft, so berühren sie sowohl in den italienischen Grenzfragen als in denen der künftigen Entnncklung brx österreichisch-ungariscken Monarchie und den Fragen der Zukunft der Balkanstaaten Punkte, bet denen zum größten Teil die politischen Interessen unseres Verbündeten Oesterrcich-Ungarn übcr- wi^en. ^ deutsche Interessen im Spiele sind, werden wir sie aufs nachdrücklichste wahren, doch möchte ich die Beantwortung der Wilsonschen Vorschläge tu diesen Punkts! in erster Linie dem auswärtigen Minister der österreichisch-ungarischen Monarchie über Lassens Tie enge Verbindung mit der verbündeten Donaum-narchie ist der Kernpunkt unserer heutigen Politik und muß die Richtlinie fttr die Zudrnft sein. Tie treue Waffenbrüderschaft, die sich im Kriege so glänzend bewährt bat. muß auch im Frieden nackwirftn, und so weiden wir auch unsererseits alles daran setzen, daß für Oesterreich-Ungarn ein Friede zustande kommt, der den berechtigten Ansprüchen Rechnung trägt.
Zwölftens:
Türkei.
Ebenso möchte «st in den imter Punkt 12 von Wilsorr berührten Angelegenheiten, die unsere treuen, tapferen und mächtigen Bundesgenossen, die Türkei, betre f fe n , in keiner Weise der Stellungnahme ihrer Staatsmänner vor greisen Tic Integrität der Türkei int die Sicherung ihrer Hauptstadt, die mit der Meerengenfrage eng zusammen bängt, sind wichtige Lebensinteressen auch des Deutschen Reiches. Unser Verbündeter kann hierbei nets auf unseren nachdrücklichsten Beistand rechnen.
Polen.
Punkt 13 behandelt Polen. Nicht die Eittentc, die für Polen nur inhaltlose Worte fand und vor dem Kriege nie bei Rußland für Polen eingetreten ist, sondern das Deutsche Reich und Oesterreich-Ungarn waren es, die Polen von dem seine nationale Eigenart unterdrückenden zarististl en. Regiment befreitem. So möge man denn auch Deutschland. Oesterreich - Ungarn und Polen es überlassen, sich über die zukünftige Gestaltung dieses Landes zu einigen. Wie die Verhandlrurgen und Mitteilungen des letzten Jahres beweisen, sind wir durchaus auf dem richtigen Wege hierzu.
Ter letzte Punkt behandelt den Verband der Völker. Aas diesen Punkt betrifft, so stehe ich, wie sich, aus meiner bisherigen politischen Tätigkeit ergibt, jedem Gedanken sympathisch gegenüber, der für die Zukunft die Möglichkeit rrnd Wahr'cheimichkeit von Kriegen aussebaltet und das friedliche und harmonische Zusammen arbeiten der Völker fördern will. Wenn der vom Präsidenten Wilson stammende Gedanke des Verbandes der Völker bei näherer Ansführung und Prüfung ergibt, daß er wirklich im Geiste ejner vollkommenen Gerechtigkeit gegen alle und einer vollkommenen Vorurteilslosigkeit gefaßt ist. so ist die kaiserliche Regierung gern bereit, wenn alle anderen schwebenden Fragen geregelt sein werden, einer Prüfung der Grundlagen eines solchen Völkerbundes näher zu treten.
Meine Herren? Sie haben die Reden von Lloyd George und die Vorschläge des Präsidenten Wilson kennen gelernt. Ich muß wiederholen, was ich zu Anfang sagte. Wir müsftn uns nun fragen, ob aus diesen Reden und Vorschlägen uns tcirklicki ein ernstlicher, ehrlicher Friedenswille entgegentritt.
Die deutsche Antwort.
Sie enthalten gewiß Grundsätze für einen allgemeinen Weltfrieden, denen auch wir zustimmen und die die Ausgangs- und Zielpunkte für Verhandlungen bilden könnten. Wo aber konkrete Fragen zur Sprache kommen. Punkte- die für uns und unsere Verbündeten von entscheidender Bedeutung sind, da ist ein Friedenswille weniger bemepkbar. Unsere Gegner wollen Deutschland niiht „vernichten", aber sie schielen begehrlich nach Teilen unserer und unserer Aerbündeven Länder. Sie sprechen mit Achtung von Deutschlands Stellung, aber dazwischen dringt immer > weder die Auffassung durch, als seien wir die Schuldigen, die Buße tun und Besserung geloben müßten.
So spricht immer noch der Sieger zu dem Besiegten, so spricht derjenige, der alle unsere früheren Aeußerungen vo:« Friedensbereitschaft als bloße Zeichen der Schwäche deutet. Von diesem Standpunkte, von dieser Täuschung sollen sich die Führer der Entente zuerst tosmachen. Um ihnen dies zu erleichtert möchte ich daran erinnern, wie denn die wirkliche Lage ist Mögen sie sich gesagt sein lassen: Unsere militärische Lage war niemals so günstig, wie sie jetzt ist. (Bravo?) Unsere genialem Heerführer sehen mit unverminderter Siegeszuversicht in die Zukunft. Durch die ganze Armee, durch Offiziere und Mannschaften gebt ungebrochene Kachpfestreude Ich erinnere an das Wort, das ich am 29. November im Hause sprach: Unsere wiederbott ausgesprochene Friedensbereitschaft, der Geist der Versölmlich- feit, der aus unseren Vorschlägen spricht, der dari kein Freibrief für die Entente sein, den Krieg immer wieder zu verlängern.
Zwingen uns unsere Feinde hierzu, so haben sie die sich daraus ergebenden Konsecmenzen zn tragen.
Ein guter Friede wird kommen.
Wenn die Führer der feindlichen Mächte wirklich zum Friede» geneigt lind, so mögen sie ihr Programm nochmals rev> frieren. oder, wie Lloyd George sagte, eine Rekonsideraiian ein- treten lassen. Wenn sie dos tun und mit neuen Vorschlägen, kommen, dann werden lvir sie auch ernstlich prüfen: denn unser Ziel ist kein anderes als die Wiederherstellung eines dauernden allgemeinen Friedens. Wer dieser dauernde» allgemeine Friede ist solange nicht möglich, als die Integrität des Deutschen Reiches, als 5-"» Scherung unserer Lehens rntereffen und die Würde unsere-^ Vaterlande- nicht gewahrt bleibt. Bis dabin heißt es ruhig Mrsam men stehen und abrvarien Im Ziele, meine Herren, sind wir wohl alle emig (Lebhaftes Bravo?) lieber oie Methoden und
Modalitäten kann man verschiedener Meinung sein. Aber lassen wir jetzt alle diese Meinungsverschiedenheiten zurücktreten. Streiken wir nicht über Formeln, die bei dem rasenden Lauf der Weltbegebenheiten immer zu kurz kommen, und behalten wir über trennende Parteigegensätze hinaus das eine gemeinsame Ziel im Auge: das Wohl des Vaterlandes. Stehen wir zusammen. Re- tziernlng und Volk, und der Sieg wird rrnser sein. Ein guter
Friede wird und muß kommen. Das deutsche Volk erträgt m
wundermswerter Weise die Leiden und Lasten des nun in seinem werten Jahre währenden Krieges. Bei diesen Lasten und Leiden denke ich qanz besonders an die Leiden der kleinen Handwerker und an dre der gering besoldeten Beamten, aber alle Männer und Frauen wollen aushalten und durchhalten? In politischer Reife lassen sie sich nicht von 'Schla-gwvrten betören, wissen sie zu unterscheiden zwischen den Realitäten des Lebens und glückverheißenden Träumen. Ein solches Volk kann nicht untergeben. Gott, ist mit uns und tvird ferner mit uns sein? (Lebhafte. Bravos!)
In der
Aussprache
ergriff als erster Redner das Wort
Abg Trimborn (Z.). Wir stimmen dem Reichskanzler zu. Wenn auch die Auslassungen von Lloyd George und Wilson milder lauten, so sind doch die Forderungen hinsichtlich Elsaß- Lothringens unannehmbar. W-i.r danken dem Staatssekretär für die Geduld, 'Ausdauer mrd Geschicklichkeit, mit denen er die Verhandlungen in Brest-Litotvsk geführt hat, und weisen die Angriffe einer gewissen Presse mit Entschiedenheit zurück. In dem Treiben der a n n e x i o n i st i s ch e n Presse erblicken wir eine schtvere Schädigung. Wir mißbilligen es und hoffen, daß es künftig unterbleibt. General Hoffmaun war bei den VerhaiMungen in vollem Einvernehmen mit der politischen Leitung. Sein Ton war allerdings der des Soldaten, nicht des Diplomaten. Aber seine Worte haben in Deutschland lebhaften Widerhall gesunden. Es mußte nämlitfr ein deutliches Wort geredet werden. Was den materiellen Iühalt anlangt. so entsprechen die Worte des Generals Hvffmann den ausgestellten und allgemein gebilligten Grundlinien. Wir wünschen, daß beim Selbstbestimmungsrecht an den bestellenden Richttinien festgehalten wird. Tie militärische Räumung darf nicht eher erfolgen. als unsere militärische Sicherheft es erlaubt. Wlenn die ^Richtlinien eingehalten werden, so trägt Deutschland keine Schuld an einem eventuellen Scheitern der Verhandlungen. Tie Frage der Lockerung unseres Verhältnisses zur Donaumonarchie ist mit unverantwortlichem Leichtsinn von einem Teil unserer Presse behandelt worden. Wir erklären es für eine der Lebensfragen Deutschlands. das Bündnis zu erhalten. Der Redner spricht dem Reichskanzler und dem StaatssekretärIein Vertrauen aus.
Atg. Scheide mann (Soz.) weist auf die gegen ihn und Ebert gerichteten perfönlichLn Beschimpfungen hin und bespricht dann die Voraussagen für den ,Tauch öootkri eg. der gewiß nicht wirkungslos sei, aber als ersten Erfolg dm Eintritt Amerikas in die Reihe der F.Äude gebrach habe. Ec fährt fort: Im Volke werden Wunderdinge ckzählt von den 'Erfolgen der kommenden Offensive. Wer aug-euommm, die militärischen Erfolge treten! ein, sie würden ,ims keinen Frieden bringen. Wie will miau imä
entgegengetreten werden. Tte Gelegenheit hierzu läßt sich leder-» zeit schaffm. Die Antwortm müssen Zug uw. Zug erfoitgm. In dieser Hinsicht können die englischen Staatsmänner uns ebt Vorbild sein. Wir beixrueni, daß erst freute auf Wilson nr<i> Lloyd George geantwortet wird. Die Rede Lloyd Georges stellt
erst die Botschaft Wilsons ins rechte Licht. England wltl bis giLt Tode mr Frankreichs Seite kämpfen, sagt Lloyd, George. Tics
Et keine Friedenskundgebung. Tie elsaß-lothrrngiick^ Frage ist. für uns indiskutabel. Bezeichnend war. daß die betretende Erklärung Kühlmanns im Reichstag, selbst bei dm Neutralen, a'.$ eine lleberraschung gewirkt hat. Wilson will die Aufteilung der Türkei in optimu forma. Wir sind dagegen! verpflichtet, für die Integrität der Türkei etir#utreten, zumal da diese außerorventliche Leistungen aufzu- weisen bat. Auch von. Polen gilt, daß eine LÜbtrcl'ung vmu ReickOgebiet gar nicht in Frage kommen lärm. Ctuch Dir wo-llew keine Anneznvneri Belgiens, aber, rvie rchmr Bnbnurnn ertuirt Hai, Deutschland bars der y l ärn i scheu Bewvgur: g nach Selb--- ständigkeit kein Hindernis eirtgegeirsticllen.. Sie muß und; Möglichkeit: gefördert iverdau. Wenn man sonst das SelbstbestimmungsrechL pvök.amiert. warum nicht auch bei den Flumen'' Xöt Verharrdtrur-, gen in Brest-Liboivsk smd durch die Haltung der oeutschert Presse Schwierigkeiten enoachsen, aber diese Haltung deck: sich nicht mit irgendeiner^ Parteizugehörigkeit. Als die .Kaiserprvklamat ivn roegen Polen erfolgt war, lyaben wir unsere schweren Bedenken erhobewi Jetzt fein die Tatsache nicht mit einer Haitdbervegung beiseite ge», schoben werden. Von ihr ans ergibt sich unsere Stellung zu sämt-
llchen östlichen Fragen urrd die Sicherung Deutschlands nach Olten. Die austwpvlnische Lösung ist mxfj vften, aber einerlei.
Amerika zum Frieden kommen? Der 21. DezenDer war in den
Verhandlungen zu Brest-L:tow>sk verhängnisvoll, swvohl nach außen wie nach rnneri. Es b-errWt voll^nm^'w Unklarheit, lvie die maßgebenden P.rw nm s .ch zu den Vorgänge i der letzten Zeit gestellt haben. Darum i < ine Unruhe bei .1.13 and in Oester re i ch-U ngarn entstanden. Die Hetze gegen Oester rech ist unverantwortlich. Möge die Regierung sich losmachen von jden Einflüssen der Mldeun'chew öder, wenn sie es nicht fern, so gehe sie? Die Rebe des GeneralK iHoffmann, des ausgezeichneten Soldaten und Mdnfchen, war eine Entgleisung: sie fron die Streikbewegung in Oesterreich entfacht. Hier bei luns treiben die militärischen Stellen alle politisches Differenzen aus (bte Spitze. Baterlandverteidignng: ja, Milftaris- mus: nein! Wir hätten den ^Frieden im Osten haben können, haben aber die Gelegenheit verpaßt. Ein cheicheS EntgegenkommenU wie bei den Bolschewikis, werden wir nicht so leicht in Rußland und anderen Ländern finden. Man schtieße im O^jen Frieden -urd gehe dann mit einer Friedensoffensive im Westen vor. Cs ist unrecht, wenn Reickw tan zier be^veifelt, die Botschaft WilsonS
sei eine ehrliche Friedenskmidgebung. Warum alle die Bor-« behalte, die der Kanzler in. Faagen macht, in denen wir doch entgegcnzu Kommen geneigt sind? Die Mlsionsche Botschaft bietet in den allermeisten Punkten eine geeignete Grundlage zu Verhandlungen. Nur zwei strittige Fragen bleiben übrig. E l - s a ß - L v t h r i n g e n muß deutscht's Land bleiben. Sowie über
>Pi i>f./TTt>T» *■.> r f' -»l f no\r
Belgien Marhüt geschaffen ist, ist auch die elsaß-lothringische Frage erledigt. Sollen wir den Krieg fortsetzen, weil wir uns nicht über Polen in Verhandlungen einlassen wollen? Für die Türkei muß eine Lösung gefunden werden, ohne daß Deutschland der Treulosigkeit bezichtigt werden kann. Ter Landesrat in .Kurland kann nicht als eine wahre Landesvertrctuna angesehen toerden. Ter Vvlks- wlllc muß klar und offen zum Ausdrirck kommen. Wir haben es nicht ventanden, wenn die Feinde unser Friedensangebot schnöde zurückgerviesen k-aben, wir dürfen aber nickt in den gleichen Fehler verfallen, sonst wird man uns die Schuld zuschreiben. Niemand mutet uns zu, die Wilsonschen Bedingungen unbesehen anzunehmen. aber die Verhandlungen sind doch dgzu da, eine DerstänÄ.gung zu erzielen. Man muß auf beiden Seiten auf Illusionen verzichten.
Die orlte SeMändigleit Belgiens wieder herzuftellen, ist unsere
Ely^npflicht. natürlich vorausgesetzt, daß die Gegner die Integrität des Neichsgebiets respektieren. ?lus der Rede des Reichskanzlers spricht ein gewandter Diplomat, aber kein Staatsmann. Wir lwben ernste Konslikisstoffe bei uns im Lande. Das müssen wir bedenken. Die Sozialdemokraten tverden für Volk und Land alles tun. aber nicht für eine Regierung, der sie nickt vertrauen und folgen können. » ,
Aba. Fis chbeck iVpt.): Tie Angnfte der Presse gegen den Staatssekretär von Mhlmann wegen seines Verhaltens in Brelt- Litowsk waren ungerechtfertigt. TaS S e l b st b e st i m m u n g s -- reckt der Völker muß ehrlich gewahrt werden und nicht nur Schein bleiben. Die bestehenden Landesvertretuugen müssen aus- mbeaxi werden und die Venvaltlmg in die Hand bebommen. Tie Räumung der vefetzten ösebiete ist allerdings unmöglich: augenblicklich ist dort eine l^ewallherrschast durch eine andere abgelöft. Am bedauerlichsten ist die Art, wie unsere Oberste Heeresleitung in die Treibereien hineingezog-m wurde. Nach Verständigung mit der militärischen Leitung hat die politische allein das Wort, und alles' muß fick ihrer Entscheidung fügen. Es hieß: Ludendorff trab sein Entlassungs-gefuch trogen Brest-Litmvsk eingereicht. Ick hatte diese Behauptung für ine Beeidigung des (^eneralauortiermcisters. Wie l>at sich ^as 5lriegSpresseamt in die an Dingen verhalten? Das ist ein trauriges Kapitel. Inzwischen ist eine gewisse Berubigimg eingetr eten, aber man sollte unseren Unter Händlern ihre Ausgabe nickt allzuschwer machen. Wir hoffen, daß die Mißverständnisse, die zwischen uns und Oesterreich auigetreten sind, alsba.lv aus dem Tbege geräumt werden. Zu dem Auftr cken des Generals Hofsnrami ist.'zu sagen, daß man ihm nickt verweb.an kann, als Vertreter der Obersten Heeresleitung in dS' Derfrandlnngen ernzunreiferr.. Ler Ton Wilsons und Lloyd Eeoraes ist anders geworden. Wir gbauben allerdings, daß die Botschaft Wilsons ernstgemeint ist. Ein nicht unwesentlicher Teil seiner T wdw'unMN entftwicktt den Forderunaen der Reickstagsmehrheit, über die man also verhandeln kann. Van Belgitm ist. sestzustellen, vnß gewaltsame Annexionen nicht beabsichtigt sind. Ueber Elsaß-Lothringen und seine Rückgabe verhandeln wir nicht. Keinen Fußbreit deutschen Landes g.'bm wir freiwillig her. Ebensvirenig denken wir daran, deiltsches fyrfritt an Polen zu überlassen. In den arrderen territorialen Fragen stiinnwu war dem. Reichskanzler zu.
Mg. Stresemann lNatl.): Ich zweifleIdaran, daß die 2te- führmtgem des ?kbg. Sckckdemarm über den U-Bvot-Krieg dem Frieden dienen. Dem Wunsch nach genauen Iniormationen über die Wirkuttgen ans die englische Wirtschaft schließe ick mcch an. Die Meldungen aus England lassen cnrf eine bedenklich^ Nahrnngs- knappheit schließen. Ohne Wirkung tvar der U-Boot-.Krieg wahrlich nicht. Als der U-Boot-Krieg beschlossen wurde, konnte niemand die russische Revolution voraussehen. Wir lnckauern, daß '.mü'p- StaatSmärmer so selten aut Auslassungen feindlicher Staatsmänner antworten, zumal, da sie bestimmt sind, aus die deutsche Psyche schädigend einzmoirken. Einer derartigen Propaganda muß
das neue Polen wird Deun'ckland als brnc G«mnor seiner' Einl^eiL ansehen, und d-araus wird ein dauerndes ftcundschaftlickes Verhält- nis mit unseren östlichen Nachbanr unmöglich. Eftre Erschiverung unserer meltpolitisckum Lage nach Osten wird die Folge sein. Wir erstreben ein kuares militärisches und wirtschafrliches Vev, hältnis zu den sich im Osten bildenden Staaten Die' bestehen-, den Vertretungen sind bereit, ein solches Verhältnis einzw- gehen. Warum sollen wir den Wert dieser Lntschliestuns
herabsetzen? Mit der Art, lvie die Verhandlungen, in Brests Litowsk in diesem Punkt geführt worden sind, --
_ ^ IW^WI . WWW .—, sind wir ein
verstanden. Angriffe verdienen unsere tlnterhändler nicht. Und ► u ‘ mißbilligen die in der Presse erhobenen Vorwürft. Die Herz-» haste Art dos Auftretens des Generals HosftnLnn billigen wir. Pvlrtische und strategische Fragen lassen sich nicht im'mrr tremvew, Es bei band sachliche Uebereinstimmung zwischen den Diplomaten und dem Gciieral Hvsfmauu. Wenn der Ton ein anderer war, io ist das begreiflich. Dem 9lbg. Fischbeck kmm ick nckcht ganz zustimünien, wemc er sagte, daß letzten'. Endes die politische Leitung die Ent- scheidung haben müsse ohne dauernde Mitwirkung der Heeresleitung^ Der Redner protestiert schließlich gegen den Artikel des Wiener „Fremdenblattes" gegen den Fürsten Bülow und gegen die absalligo. Kritik, die bei unseren Verckindeten über uirseke Heeresemnxfrtungat laut geworden ist. Wenn der Krieg neue Opfer fordert, so tragt nicht Deutschland die Schuld und Verantwortung. Wir wollen dech all gern einen Frieden und man darf uns das Gegenreil nicht unterstellen.
.Hierauf tritt Vertagung ein
?lbg. Fischbeck (Fortschr. Vp.) bezeickmer in persönlick)er Be-» nerfimn die dleußerung des Vorredners-über die Beteiligung
inerrung dre t'le>r:;erung des Vorredners über die Beteiligung der Heeresleitung bei den Fried-ensverhandlünp-n als ein Mißverständnis. _
Nächste Sitzung Freitag vormittag.
«Eine Rede des Grafen Lzernins.
Wien, 24. Jaru (WTB.) Meldung des Wiener t n. k. K.-Bur. Der Minister des Aeußern Graf Czernrn hielt heute im Ausschuß für Aeußeres der österreichischen Delegation nachstehende Rede:
Bei allen Friedens Verhandlungen, die wir kennen, haben ftckß deren verschiedene Phasen mehr oder weniger bei verschlossene^ Türen abgespielt, und erst nach Ablauf der Berchandlungen nmrte der Welt (das Ergebnis mitgeteftt. >Mks allen Bück^rn der Geschichte gelch hervor — es ist dies ja ganz s-elbstverständtich — daß der mühsame Weg solcher Fr cedens vcr Han dl rni ge u stets über Berg und Tal führte, daß die .AussickLrn^ manck^m Tag günstiger^ «manckien Tag weniger günsttg schienen. Wenn al»r diese verschio- denen Phasen und Details des EinzeUages in die Welt hinaus-- telegraphiert werden, so ist es wieder garrz selbstverständlich, daß sie bei der die ganz-e Welt beherrschenden Nervosität wie efef« trische Schläge roirken uind die öfft-ntlichr Mieftrung aufpeitschen^ Wir nmen uns' über den Nachteil dieses Vorganges volljtändig im klaren und gaben trotzdem dem. Wunsche der russischsen Regierung nach, wonach die VeröffenÜrämng erfolgt, weil wir unÄ entgegenkommend zeigen wollten, mtb weil -Mr nichts zu oew stecken haben, jund weil es einen falschen Eindruck hätte machen? können, rvenn wir an dem bisher bckstandensn Modus der oexf erstigen Geheimhaltung festgchatten hätten. Mer bie ')crrwcndigknt der Kehrseite dieser vollständigen Öffentlichkeit der Verdandlurvgeltz ist die, daß das Hinterland vor allem ruhige Nerven be- halren nmß. Tie Partie muß mit kaltem Blu.tr zu Ende gespielt werden, unb sie wird zu einem guten Ende kommen. :venn die Völker der Mmmrchic ihre verantwortlichen Vertreter^ aus der Friebensckonfer<mz unterstützen. Vorweg sei gesagt: Die Basis, aui der Oesterreich-Ungarn imi verschiedenen neuer.iiandenen russischen Reichen verhandelt, ist: v h n e K'o m p<e n f a 1 1 1 > it e n lurck ohne Annexionen. Das ist ein Programm, das ich vor einem Jahre knapp nach meiner Ernennung zum Minister denjenigen gegenüber, die über den Frieden reden motlen, auSsorach.. und das ick den russischen Mackckhabem aus ihr Friedensailgedot frm wieder- hole und wovon ick nicht ab weichen werde. Diejenigen, die glaubr-n, daß ich von dem Wege, den ich mir zu gehen vor-
naym, abzrldrangen sei, sind schlecht Psychologen. Ich ließ dir
Weg ich gehe.
L>efsenklvckckeit niemals im Zweifel darüber, welchen Ich ließ mich niemals auch nur um eines Haares' Breite "vmr diesem Wege abdräng-eir. weder nach rechts no-cki nach lirrfS .Ich wurde seitdem der unbestrittLne „Liebling" oex Alldeutschen und derjenigen in der Mon-avchü, die die Mdeuts-cherr nachahnren, Ick werde gleick-tzeitig cks Kriegshetzer pcm üerwn verschrieen, die den Frieden mn reden Preis wchlen, lvie zahlreiche Briefe mir beiversen. Beides genierte mich niemals. Im Cöegenteil, diese doppelten Schimpfereien sind meine einzige Erheiterung in dies« ernsten 3eit. Ich erkläre hier nochmals, daß ich kein Quadrat- me t e r und keinen Kreuzer von Rußland verlairge. und daß, n enn Rußland, wie dies scheint, sich auf den gleiches Standpunkt stellt, der Friede zustande kommen mnß.
Die erste Schwierigkeit ist, das; wir gar nicht mit den russi-» scheir Komvaciszcntcn, sondern mit den verschiedenen neu et^ ftanbenen russischen Reichen z-u verhandeln haben, die unttweinander ihre Kompelenzfphären noch gar nicht abgegrenzt und geklärt haben. Es kommen hier in Betracht: Das von Peters- frmri geleitete Rußland, zweitens unser eigentlicher neuer ?rachbarftaat, die Große 11 k r a i n e, drittens Finnland und viertens der Kaukasus. Mit den ersten beiden Staates verhandeln wir direkt, ich meine von Aimesickw zu ?cknt7csicht, mit den oeiden anderen vorerst aus einem mehr oder weniger indirektem Wege, weit sic zur Zeit keine Unterhändler nach Brests Litowst gesänckt habeir. Diesen vier russischen .Kompaciszenten! steheir wir vier Mächte gegenscher und beispielsweise der Fall des ztaukams, wo wir direkt natürlich gar keine Schwierigkeiten hckben, der aber in Konflikt mit der T ü r k e i ist, beweist die Ausdehnung der Berhandlungsthemata.
Während die ukrainische Republik auf dem Standpunkt steht, daß sic vollkommen autonom und selbständig mit^ uns m verhandeln berechtigt sei, siebt die russische Delegation auf der Basis, daß die Greirzen ihres Reiches und der Ukraine twch nicht schiert sirch, daß die Grenzen der Ukraine überhaupt noch nicht definitiv? abgenmcht sind, und daß Petersburg infolgedessen berechtigt sei, an unseren Verhandlungen mit der Ukraine teilzunehmen, ente Ansicht, der sich die .Herren der ukrainischen Delegittian nicht an schließen wollen. Diese ungeklärte Lage der innewut Verhältnisse war der Grund der Verzögerung. Wirj waren auch über diese Schwierigkeit


