Nr. 12
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«Idxinl täglich, außer Sonntag-. -- Beilaakn: H1etzr«r r FamilienblätKr;
Kfe.sblfttt
fif tze» Krtis Sietze«.
Vczu-Lprciz.
monarl.Nlk.1.20, viertel- jährlich Mt. 3.60. durch Abhole- u. Zwergslellen monatl Akk. 1.10; durch die Post Att. 3.60 viertel» fährt. auLfcht. Beüellg. Feristprech - Ansckliisie: für dte Lchrütle.iunq 113 Verlag,Gefchä'lsslrlleül Anschrift für Dralilnach- nchlelu Anzeiger Siehe».
Erstes vlatt 168. Jahrgang
Dienstag. 15. Januar MS
Eichener Anzeiger
äk. General-Anzeiger für Oberhessen ä
3wi!ling5nmd-r«ck «.Verlag: vrühl'sche Univ.Such. «.5tei»druckerei «.Lange. §christlei<nng, Sejä>iistsfteIIe u.Sruckerei: Schulftr.r.
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t. die iafleömtmm« dt« zum Nachmiktaq vorher ohne jedeBerbmdlichteit Seilenpreise: für örtliche Anzeigen 25M.,fürauswärtrge 30 Bi., 'ür Reklamen Mt. 1.—; bet Plaqvor» schrift 20 °/o Aufschlag. Hauptschriitleiter: Aug. Goeg. Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Aug. Goetz; L>tadt und Land, Vermischtes n.Ge» richtssaal: W. Meyer; Anzeigenteil: H. Beck; sämtlich in Gießen.
Eine entschiedene Erklärung der Obersten Heeresleitung
in Vreft-Litswsk.
MTB.) GrvheS vanptyuartier. 14. Januar. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht.
Die Feuertatigkeit blich tagsüber meist auf Störungsfeuer beschräntt. In einzelnen Abschnitten, besonders beiderseits von Lens, mar sie am Abend gesteigert.
Aufklärungsabteilungen drangen südöstlich mn Ar- menrieres und nördlich von La Baguene in die englischen Gräben und machten Gefangene.
Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und Herzog A lbrecht.
Abgesehen mn erfolgreichen Erkundungsgefechten in der Grgeno vvn Juvincourt und auf dem Westufer der Maas verlies der Tag ohne besondere Ereignisse.
Oeftlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Mazedonische Front.
Westlich vom Ochrida See, am Tobropolje und südwestlich vom Doiran-See Artillerietarigk.it.
Italienische Front.
Die Lage ist unverändert. .
Der Erste Generalauartiermeister Ludendorff.
*
Der Adendbericht.
Berlin. 14. Jan., rckends. (WTB. Amtlich.)
Von dm Kriegsschauplätzen nichts srdeues.
D« in der: Presse heute Lrrr Bevöffentlictzutig geLangeir- derr langen Berichte über die letzten Verhandlungen m Brest- LitowSk erklären uns die spanrrende Lage, in der wir bei den b^>eutungsvollen Berliner Beratungen uns befinden. Die neuesten Mitteilungen über diese Empfänge und Konferenzen beim Kaiser klingen durchaus nicht so krisenhaft und verzweifelt, daß sie das eigentümliche Gebaren einiger großer Blätter der äußersten Linken rechtfertigen, die sich schon crnmaßen, unsere verdienten Heerführer zu kritisieren und zu „warnen". Man braucht sich nur zü erinnern, daß von Rußland aus versucht worden ist, Berunglim p fun gen unserer Obersten Heeresleitung in unsere Reihen zu tragen, und daß unser militärischer Vertreter in Brest-Litow-sk dagegen in erhobenem Tone Widerspruch eingelegt hat, um zu fühlen, wie erbärmlich urrd sträflich solche gegen Hinden- mrrg und Ludendorff gerichteten Vorhaltungen sind. Es ist durchaus unrichtig, daß die beiden großen Männer ihre Kompetenzen überschreiten wollten. Ein Mick in die Ber- handlungsberick)ite lehrt uns die Wahrheit. Es handelt sich um die besetzten Gebiete, die Thbtzki und seine Genossen von uns geräumt haben wollen, bevor der Friede geschlossen ist. Man lasse die Tonart dieser Vertretet des russiscl^en Volkes einmal voll auf sich einwirken — und ihre schriftlichen Formulierungen geben ja wirklich eine ausreichende Gelegenheit dazu — und man wird die zurückweisenden kurzen, treffenden, aber auch klugen und besonnene". Sätze des Generals Hoffmann, die darauf folgten, geradezu als eine befreiende Tat ernennen. Freiheit, die ich meine, und Selbst- beftimmnngsrecht, das ich meine? — General Hoffmann hat den Maximalisten einmal sehr bündig vorgehalten, wo denn bisher das Selbstbestimmungsrecht des russischen Volkes geblieben sei. Wer hat Trotzki und Lenin an die Spitze gehoben? Etwa eine allgemeine Volksabstimmung? Und wie gebrauchen sie ihre Macht, um am Ruder zu bleiben? Noch ist Bürgerkrieg in Rußland, und eine Regierung, die auf so wenig festen Füßen steht, wie die maximalistische, sollte sich hüten, beim Friedensschluß so hartnäckig und selbstbewußt mit staatsrechtlichen Gründen und Formeln zu jonglieren! Noch stehen die Dinge umgekehrt, wie sie sich einzubilden scheinen, noch stehen unsere Heere siegreich auf russischem Gebiete, und wir dürfen nicht daran denken, auf die Anlehnung an unsere Machtstellung zu verzichten. Das hat auch Graf Hertling erklärt, und darum liegt durchaus kein Grund vor, zu behaupten, unsere Heeresleitung habe aus einmal „Schwierigkeiten" gemacht. „Sicherungen" sind rwtwendig, und das Maß dieser Sicherungen muß die Heeresleitung am besten abschätzcn können. Wenn das „Selbstbestimmungsrecht der Völker" und diese Forderungen unseres nationale:! Interesses sich vereinbaren lasten, daun gibt es keine Meinungsverschiedenheiten. An der Ausstellung dehnbarer FormÄn oder Ent- scylietzungen hat die Oberste Heeresleitung gewiß keinen Anteil gehabt. Die Veröffentlichung der Berichte über die Verhandlungen in Btwst-Lidoivsk wirkt klärend nnd be- freieud, und wir glauben, daß für die Einheit unseres Volkes keine erhobtuhen Gefahren bestehen. Noch lebhafter als bisher Werder: die Kundgebungen empor schießen, .die sich auf das Urteil . und den Willen 'der Obersten Heeresleitung stützen und verlassen rvollen. Wir erwarten durchaus nicht,* daß die Sozialdemokratie von ihrer bisherigen Haltung der Bewilligung unserer Krieqskredrte auf die neueste Lage hin sich lossagen wird. Emzelne Blatter demokratischer Richtungen haben'in dieser Kezrehuug oen Mund viel voller genommen als selbst der vorwärts", der sich abwarteud verhält.
Die Zriedenzverhandlungen.
Vrest-Litowsk, 13. Jan. (WTB. Nichtamtlich.') Am 11. Januar KmrLrtuierte sich die deutsch^ösderonckstsch-ungarisch- | russische Kommtsswn zur Beratung der terriwrialcn Fcagen u,ü> hielt am 11. und 12. Januar drei lange Sitzungen ab, die folgenden Verlaus nahmen:
Nach einer türzen, einleitenden Diskussion Über formale Fragen der Beratungen wurde zunächst festgesbellt, daß an der ersten Stelle des abzn schließenden Friedensvertrages die Beendigng des Kriegszustandes zwischen den kriegführenden Teilen ausgesprochen werden solle. Dagegen lehnte es Trotzki ab,anschließend hieran auszusprechen, daß die vertragschließenden Teile entschlossen seien, „fortan in Frieden und Freundschaft zu leben". Trotzki fand, daß dies eine dekorative Phrase sei, die nicht den Sinn der Beziehungen kennzeichne, welche zukünftig zwischen dem russischen und deutschen Volke bzw. den Völkern Oesterreich-Ungarns bestehen würden: er hoffe, daß ganz andere Dinge die Beziehungen zwischen den Völkern beeinflussen würden. Rack) einer Diskussion über diesen Punkt wurde bsichlo sen, mit den Gegenstand in einem späteren Zeitpunkt iwchmals zurü'z-:kommen.
Im weitererr Verwart e der Besprechmtg wurde feftgesteUt, daß ein Einvernehmen darüber herrsch', die Räumung der von den beiden krieg Ehrenden Parteien besetzten Gebiete prinzipiell auf die Grundlage der vollen Gugeuseisigkeit zu stellen, derart, daß die Räumung des besetzter! ritzsischnOGebiets an die Räumung der von Rußland besetzten Gebiete Oesterreich-Ungarns, der Türkei und Persterus zu ftcüpfen sei. In einem späterer: Stadium der Verhandlungen lvurde Persien aus diesem Zusammenhänge gestrichen, da es nicht kriegführender Teil sei. Trotzki schlug vor, am Schlüsse den Satz ernKulchalten: „Rußland verpflichtet sich, in möglichst schneller Zeit seine Truppen aus den Gebieten des besetzten neutralst Persiens herauszuführen", urrd fügte hinzu, daß er keinen anderen Grurrd zu dieser geplmnen Aenvermrg habe, als den Wunsch, das schreiende Unrecht Ku betonen, das von der früheren russischen Negierung gctzenüder dem neutralen Lande begangen worden sei.
Hierzu bemerkte Staatssekretär v. Kühlmanu, er begrüße diese Erklärung um so mehr, als auf der Seite der Zentralmächte für das alte Kulturvolk der Perser die allerlebhaftesten Svmpatbien bestünden und sie rnchts nrttfr wünschen, als da ßdie Perser in Zukunft frei von Unterdrückung ihre nationale Kultur pflegen könnten. Es kam sodann die Frage zur Besprechung, in welchem Zcit- pimkbe die Räumu.ng der Meüiete zu erfaßen haben werde.
Der deutsche Vorschlag güig dalstn, die Räummig an einen Zeit- punft zec müpfen, in welchem nach Friedensschluß Rußland seine Streitkräfte demobilisiert haben werde. Die Räunmng der besetzten Gebiete an die eriolgte Demobilisierung der russischen Streitkräfte zu binden, sei deshalb iwtwendig, weil die Gefahr vorliege, daß Rtrsstmrd, bevor senre Streitkräfte demobilisiert seien, infolge Veränderungen in seinem Regierungssystem und seinen Absichten jederzeit in der Lage wäre, wieder Oftensivoperationen durchzuführen.
Trotzki
sprach demgegenüber dm Wunsch aus. die Räumung der besetzten Gebiete parallel mit d>rn-Verlauste der beiderlei'igenl Demob'lisierung duräWuführen, worüber nA-ere Vereinbarungen zu itresten wären. Nach dem Hinweis v. Kühlmanns darauf, daß nach dem ruffisä^en Vorschläge die Räumund der besetzten Gebiete sich bis zum Abschluß des allgemeinen Friedens hinans- zichen müf'je, wurde die Beratung über dicsm Punkt abgebroäien. Es gelangte nmr die Frage zur Erörterung, auf lvelche Teile der besetzten Gebiete sich die Rämnluing zu erstreckm habe. Hierzu führte Staatssekretär
v. Kühlmnnn
aus: Wie aus der Definitiovr >der Räumung hervorgeht, erstreckt sie sich nur aus diejenigen besetzteik Gebiete, welche noch Teile vo t Staatsgebieten derjerrigen >Macht sind, mit der Friede geschlossen 'wird. Aus solche Gebiete, weüch: bei Eintrirl des Fr-iodens nicht mehr Teile dieses Staatsgebietes bilden, erstreckt sie sich nickst. Es wlirde also in eine Untersuchung eiirzutreten^ sein, ob urrd welche Teile ehernaligen russischen ,Gebietes bei Eintritt des Früchens noch als zum ruUscljm Gebiete gehörig betrachtet werden können. Die russisckpc Regierung hat, entsprechend ihren Grundsätzen, für alle in Rußland lebenden Völlh r ohne Ausnahme ein bis zu ihren vöNigm Abso:rdevrmg gehendes Selbstbesiiinmungsreckst proklamiert. Wir beharrpten, d [\ die Ausübung des Selbstbesüinrmungsreckr>tes in e inem Teile der von iuns besetzten Gebiete die zur Vertretung der betr-effendm Völker cke kaoto bevollmächtigten Körperschaftem ihr Selbstbestimnrrmgsrecht im Sinne der Absonderung von Rußland derart ausgeübt haben, daß nach unserer Wffass-ung dies« Gebiete hercte nicht nrch)r als Mw rufflfrfjtru Reicks m seinem ehemaligen Umfange gehörig, betrachtet werden können.
Hievcrus erklärte
Trotzki:
Wir halten unsere Erkläurng in vollenr Umfange ausi-echt, daß die Völkersck^aslen, die das russische Gebiet bevölkern, olWe äußeren Einfluß das Ateckst der Sclbslbesrimnrung haben und zwar bis zur -^Lostvennung von Rißlaud Wir könwnr jedoch die Anwendung ^dieses Prftizips nicht anders anerSemien, a>s gegmüber den Völkern selbst nnd nickst edira gegenüber gennssen primlegierten» Teilen derselben. Wir müssau die Auffassung des Vorsitzenden der deutschm T-elegcchion ab leimen, welche dahin ging, daß sich der Wille in den besetzten (Z^ebiMm durch die tatsächlichen bevollmächtigten Organe geäußert hat. Tenn diese tatsächlich bevollmälAigten Organe konnten sich nickst byTu'^n auf die von uns proklainierten PiTmzipim.
Ankuüpsend <n, die^e prftizipiiellm Amßerimgm entwickelte sich eine lange, k)auvtsächlich im tsve-areftsck-en Rahmen geführte Aussprache über die ^rage, unter welchen Vonmcsse.tzwlge'^ und in welchem. Zeitpunkte'
» ein neuer Staat
ön Wege der Msondening eines Bestairddeiles eines existierenden Maates von diesem enchleht Staatssekretär
v.Kühl mann
faßt den Standpunkt der Mittelmächte in dieser Frage wie folgt zusaumren:
Unsere Ausfasfuna seht dahin, daß eine Staatsversönlichkeit
attüetz t und in der Lage ist, rechtsverbindliche Erklärungen tibtx
die Grundlagen ihres Daseins abzugeben, sobald irgend ekn zae Vertretung und als Spr-ack)cohr geeigneter Vertvetungskorper als dcr Llusdruck des unzwei elhaslen Willis der überwie^nden Mehr-- l?stt des bLtrcssendeu Bolkos den Entschluß zur Selbständibkeit und zur Ausübung des Selbstbebimm>ungsiech.s kundgibt. Mrr scheint unsere Auffassung denc Charakter und der sundamentalau Wichtig-' Feit des SeibstbeiItinnnungsrechtes erheblich näit-er zu kommen, als die von dem Vertreter der russischen Delegation hier niedergelegle Auffassung. Denn dieser sargte bisber nicht, wie ein Körper entstehen oder beschaffen sestn soll.l welcher in größtenteils noch nicht organisierten, die Bolkspersönlichkeit anstrebenden Völkern, eine Or-> 'ganisation des Votums auf breiterer Grundlage vornelWien muß. die nach Ansicht des russischen Vorsitzenden Voraussetzung für die Entstehung dieser Rechtspersönlichkeit bildet. Hierbei wies Kühl-- mann auf die Beispiele Finnlands und der Ukraine bin, .velche sich ja im Sinne der deutsckiersects entwickelten Grundsätze konstituiert hätten und welche die Petersburger Regierung die Sübständigkeit zu erkannt hat, obgleich ihre Ertstehung nicht nach den von ihr jetzt vertretenen Prinzipien erfolgt sei.
Demgegenüber hielt
Tvotzki
an dem von ihm vertreterren Standpunkt fest, und bemerkte zu den vcnr dem deutschen Staatssekretär ins Treffen g-führten Beispielen folgendes: Was Firrnlarrd betrifft, so war es nickst okkupiert von fremden Truppen. Ter Wille des finnländischen Volkes äußerte sich in einer Art und Weise, die als demokratisch bezeichnet werden kann und mufj, und von unserer Seite konnte nicht, die leiseste Eimvendung dagegen erhoben werden, daß der geäußerte Wille deS fftnüäudischen Volkes auch tatsächlich in die Praxis un»gesetzt wird. Was die Ukraine anbetrifst, so ist dort der Prozeß einer derartigen demokratischen Selbstbestimmung noch nicht durchgeführt. Ta aber die UFrcnne andererseits nickst l^setzt ist von ausländische« Truppen und wir auch der Ansicht sind, daß die Räumung bfS ukrainischen Gebietes durch die russischen Trpppen keinerlei Schw^- rigkeiten bereiten fann, piuiwl dies eftw rein technische und nW'. c-me politische Frage ist, so sehen wir keinerlei Hindernisse dageg«. daß die SelKtbesttmmung des u k ra in ischen Volkes cusi dem Wege der Anerkennung der unabhängigen ukrainischen Republik erfolg:.
Das Ergebnis der beiderfcitigeit Ausführungen über diesen Punkt wurde vom Staatssekretär v. Mhlmcmn folgendermaßen z»- sammengesaßt: Trotzki schlug vor: Tie Errichtung von BerrretunaS- körpern, denen die Organisation und Festsetzung derjenigen Modalitäten übertragen werden soll, unter denen von uns einstweilen rein theoretisch konzedierte Volksabstimmungen oder Bolkskund-- gedungen auf breiterer Basis erfolgen sollen, während wir auf dem Staudpunkl stehen urrd stehen bleiben müssen, daß inangels anderer Vertretungssiftper die vorhandenen und historisch getvordenen Ver-> tretungskörper der präsumtive Ausdruck des Bolkswillens sind, besonders in der einen vitalen Frage des Willens der Nation, eine Nation zu sein.
In der hieran sich anschließenden Aussprache über den Charakter und die Bedeutung der in den besetzten Gebieten fungieren^ den Volksverttctungsorgane wiesen Staatssekretär v. K ü h l - mann und Minister des Aeußern Graf C z e r n i n darauf bin, daß nach ihren Eindrücken bei der russischen Delegation während der im Dezember gepflogenen Verhandlungen Neigung vorhaEen war, die in den besetzten Gebieten bestehenden Volksvertretungen als de facto-Vcrtretungen auzuerkennen und zu präsumiereu, daß ihre Beschlüsse als solche den Willen der betreffenden Völker zum Ausdruck brächten. Man habe sich damals dahin verstanden, daß in einer solchen provisorischen Lösung der Frage, welches der Wunsch der betreffenden Völker hinsichtlich ihrer staatlichen Zugehörigkeit sei, ein großer Schritt zum gemeinsamen Ziele gemacht werden könnte.
Herr Joffe, welcher die damaligen Besprechungen führte, erwiderte hierauf, er habe stets die Notweildigkeir betont, die Volksabstimmung in Abwesenheit der okkupierenden Truppen durchzuführen, doch wolle er nicht in Abrede stellen, daß er gesprächsweise erklärt habe, die in einzelnen Teilen Rußlands bestehenden? Organe könnten für die Begründung der Notwendigkeit der Volksabstimmung allerdings eine gewisse Rotte spielen.
Anschließend hieran bemerkte Trotzki, daß die Willensäußerungen solcher Landtage allerdings eine große politische Be-? deutung besitzen würden. Er wolle den Tell der Bevölkerung des Lairdes von der Willensäußerung nicht ausschließen, der auf den Landtagen vertreten sei.
Zusammensassend stellte v. Kühlmann fest, daß sich ans den Ausführungen Trotzkis zu ergeben scheine, er wäre bereit, die in den besetzten Gebieten vorhandenen Organe der Volksvertretung als provisorische Organe anzuerkennen, wenn diese Landes-^ teile nickt mllitärisch besetzt seien. Er würde diesen dann auch die Befugnisse zuerken.nen, das von ihm geforderte Referendum durch- zu führen.
Trotzki erklärte hierauf, baß die Aeußermtg«» von LLnd» tagen, Stadtvertretuugcu nick dergleicheir als Acußernngen des Willens eines bestimmten einflußreick^cn Teiles der Bevölke- rrmg aufgefaßt werden könnten, die aber nur Grund zu der Aufnahme bildeten, daß das betreffende Poll mit seiner staatlichen Position unzusiieden sei. Hieraus ergebe sich die Schlußfolgerung, daß ein Iteserendum ein geholt werden müsse, wozu aber die Schaffung eines Organs Vorbedinmmg sei, das di« freie ErMvick« lang der Bokker garantieren könne.
Im iveiteren Verlaufe der Besprechmrgen behauptete Tr v tzki, daß zwischen den
Erklärungen der Zentralmächte vom 25. 12. imd* der Formulierung der Pirirkte 1 und 2 vom! 27. 12. ein Widerspruch beste!?«, der aus den Kommentaren der dentsckien Presse übrigens dLitlvch hervorgel)e.
Staatssekretär v. K ü h l m a n n erklärcke de»nge»nmübcr, drtz beide Dokumente Ausflüsse desselben Geistes und derselben Politik seien, wie sie der Reichskanzler ht seiner pwgrainmatischen Rctx' im Reichstage an gekündigt habe. Diese Rede eirt hielt im Grunde bereits die Deklaration der Verbündeten vom 25. 12. »rnd brachte ebenso auch den Hirrweis, daß die deutsche Politik ihre Beziehungen, zu Polen, Litmiei» und Klirlarrd irater Berücksichtigung des Selbst-- besftmnnmgsrechtes der Völker zu pflogen beabsichtige. Deö weiteren stellte sich. Staatssekretär v. Kühlmanu auf bcu Standpunkt, daß die nach Msvnderimg strebe?rden Teile Rußlands nach s!Ü»gabe der Willenserklärung der schon bestebende?i Organe jetzt schon berechtigt feien, Berabvüdmtgon zu treffen, die f« für ihre Zukunft


