$ie amerikanischen Eisenbahnen in Staatsverwaltung.
Daag, 27. Dez. (Priv.-Tel.) Reuter meldet aus Wa- chmgton: Wilson teilte mit, er werde am Freitag alle E: senbahnen in den Bereinigten Staaten inStaats- Verwaltung übernehrnen. Mac Adoo wurde zum Generaldirektor der Eisenbahnen ernannt.
Die Brotkarte in Frankreich.
Die „Neue Zürcher Ztg." berichtet von der italienischen Grenze: Am Neuiahrstag werden, wie die „Perseveranza" aus Daris erfährt, in ganz Frankreich die Brotkarten eingeführt.
Geldmarkt und Frieden.
Berlin, 27. Dez. (Priv.-Tel.) Die „B. Z. am Mittag" meldet aus Bern: Das „Berner TagblatL" berichtet: Seit einigen Tagen steigen die Wechselkurse der kriegfüh^. renden Länder ganz rapide, allen voran diejenigen der Zen- 'Mttagr. rralmächte. Die Hundertmarkscheine, welche noch vor einigen Wochen mit 59 Franks bezahlt wurden, stehen heute auf 85 Fr. Besonders auffallend ist das Steigen des Rubels von 60 auf ebenfalls 85 Franks, was als ein gutes Friedens-.
Zeichen gedeutet wird.
Aus Stadt «nd Land.
Gießen, den 31. Dezember 1917. Die Weihnachtsfeiertage.
Weihnachten im Schnee! Seit Jahren mar das Weihnachtsfest nicht so begünstigt von den Zeichen äußerer Pracht, wie dieses Jahr. In dicken Flocken wirbettr der Schiree durch die Luft, und immer dichter und weicher wurde der weiße Teppich, der sich «ruf Dach, Baum und Strauch legte. Datz: kam eine milde Kaste, mild im Vergleich zu der des Jahres :.^16, und bald klang, knirschte der Schn« unter den Füßen. Ter Verkehr an den Feiertagen war äußerst rege. In den Straßen tauchten die farbigen Fest gem ander unserer Landinädchen auf. Feldgrau vermischte sich mit den: Blau und Schwarz der Friedensröcke, und Feiertagsstinianung lag auf den Gesichtern. Theater, Konzerte und Cafes hatten stch regsten Besuches zu erfreuen. Schwere Arbeit harte wieder .die Dahn ^u leisten, denn trotz aller Mahnungen und behördlichen Erlasse mar der Verkehr außerordentlich stark und demgemäß entstanden Schwierigkeiten nicht unerheblicher Natur. Ruhig vergingen im übrigen
Der Seekrieg.
Ein U-Boot verloren.
Berlin, 27. Dez. (WTB.) Nach einer von der Agence spaoas verbreiteten ausführlichen Meldung über die Versenkung des französischen Kreuzers „Chateau Renauld" muß die V e r n ich tungdesTauchboots, das in einem hartnäckigen Angriff den französischen Kreuzer versenkte, als sehr wahrscheinlich angenommen werden. Erfreulicherweise ist der französischen Meldung zufolge fast die gesamte Besatzung gerettet.
Berlin, 27. Dez. (Priv.-Tel.) Wie wir hören, handelt es sich bei dem beim Angriff auf den französischen Kreuzer „Chateau Renauld" vernichteten Tauchboot um das Boot des Kapitänleutnants Wendlandt, der selbst gerettet ist.
Aus dem Reiche.
Stuttgart, 27. Dez. (Priv.-Tel.) Vizekanzler von Payer, der schon seit Ende Oktober ans Krankenlager gefesselt ist, har, wie das „Neue Tagblatt" hört, sein Amt rmmer noch nicht übernehnren können. Er leidet an einer zwar hartnäckigen, aber in absehbarer Zeit heilbaren Occipital- Neuralgie (Nervenschmerz im Nacken), hervorgerufen durch allgemeine Ueberaristrengung. Er befindet sich in ärztlicher Behmrdlung des Geheimen Hofrates Professor Dr. v. Köst- lm, der. den bekannten Berliner Nervenspezialisten Professor Oppenheim zur Beratung beigezogen hat.
Kartoffel-, Brotversorgung und Schweinehaltung.
/ Bei der allgemeinen Futter tnappheit ht diesen: Jahr ist es r/icht möglich, die zurzeit rwch vvrhaildenen S chw e i n e b e st ä n d c den Winter über durchzubalten, geschweige t^un sie in einen, schlachtreife:) Zustand zu bringen. Die Kartoffelernte ivird zur menschlichen Ernährung, zur Deckung des notwendigen Bvennerei- bedarss und zur Anlegung der dringend nötigen Reserven restlos Verwendung finden. Was den Land wirten zur Versütteruug belassen -lvird, »nutz zur Erhaltung der unbedingt erforderlichen Arbeitstiere (Pferde. Zugoch'en) bestiinmt werden. Dabri ist auch zu berücksichtigen, daß Schweine allein mit Kartoffeln ohne Zusatz von eiweißhaltigem Kraftfutter nicht gemästet werden können. Tie Weitererhaltung unserer Schw-einebestände auf der am 15. Oktober festgesetzten Höhe birgt daher die Gefahr in sich, daß auf Kosten unserer Brotgetreideversorgung unzulässige Berfütterungen erfolgen.. ,
Es bleibt daher war übrig, eine beschleunigte Ber-, wind er u n g unseres Schvernel-estandes herbeizuführen, lind zwar müssen alle nich' zur alsbaldigen Hausschlachtung oder zur Zuckt benötigten Schweine sofort abgestoßen werden, lim dieses sofortige Abstößen den Landwirten zu erleichtern, sind erheblich? Zuschläge zamr Höchstpreis für nrindergewichtige Schweine fest,gesetzt worden. Tie Zuschläge werden jedoch nur bis zum 15. Januar 1918 gezahlt.
Von dem vaterländischer: Sinn der deutschen Landwirt-, schaff darf erwartet Werder:, daß sie den von: Kriegsernährungsamt für das ganze Reich angeordnelri: Maßnahmen, die eine Verringerung des Schweinebestandes bezwecken, kleinen Widerstand entgegensetz, sie vielmehr kräftig und überzeugt mitfördert, m der Erkenntnis, daß dieser Eingriff in die gewohnte Wirtschaftsführung für die siegreiche Beendigung des Krieges unbedingt nosiv-endig ist. Tie Zuchtschweine werde,: durch gehalten und im Frühjahr zun: Wiederaufban der Schweinehaltung benutzt werden, wenn der WeLegang mrd die Grr'lnfüttenmg die Hal- tirng der Schweine ohne Körnerfutter und Kartoffeln ermöglichen.
Die Bewirtschaftung der .Kartoffeln. ^/Neben dem Brot ist die Kartoffel zurzeit das zum Durch- halten^wichtigst.' Lebensmittel. Die Kartoffelernte ist im I Großherzögtum zwar durchgängig eine gute gewesen, gleich-
Kunst, wissensehast und Leben.
— Der „abgeschaffte" russische Adel und sein Bammelbuch. Mit einem Federstriche hat die nmximalistische Regierung alle Adelstitel und alle Adelsvorrcchte abgeschafft. Der Form nach gwb: es also keinen.russischen Adel mehr. Er hat eine in verschiedener Beziehung int-wsssornte Entwicklung und Schichtung aufzuweifen. Um mit den höchsten Adelsklassen zu beginnen, so ist es unter den Sachverständigen eine Streitfrage, pH und inwielveik inan in Rußland von .^Prinzen" und „Prinzessinnen" reden kann. Der Gochaffche Htofkalender gab diesen Titel allen Mitgliedern des Kaiserhauses, die nicht Kinder oder Enkel eines Kaisers sind. Außerdem aber gibt—oder gab es—in Rußland noch eine ganze Reihe von „Durchlauchlby:" und „Hoheiten", die nach unseren Begriffen Äs Prinzen und Prinzespinnes: anzusehen sind. Sie sind allerdings 'äst alle ausländischen Ursprungs. Dahin gehören z. B. die Mitglieder der ukrainischen Familien Sviatopoll-Czefivertynski, deren j Oberhaupt schon im 16. Jahrhundert polnischer Fürst wurde mW die jetzt ganz in Rußland ansässig ist Dasselbe gilt für den russische,: Zweig des Geschlechts Lubomrrsli für die litauische Familie Sapieha unb auch fütr das bekannte Haus Radziwill, von den, simge Zweige gleichfalls in Rußland lepew Hierzu tritt dann dis Familie Lenchtenberg, die bekanntlich von dem mit einer russischen Großfürstin verheirate-en Sohn Eugen Beauharnais' stammt und ganz in Rußland naturalisiert ist. Schließlich hat Alexander II. auch seine morganatische Gattin Katharina Dolguruk: zur Fürstin Funewstt erhoben, und alle Angehörigen dieser Häuser durften Wohl mit Recht auf den Titel von Prinzen und Prinzessinnen Anspruch erheben. Indes besaß Rußland, wie ein Mitarbeiter von ..Svenska Dagbladet" hervorhebt, auch ohne diese zumeist fremden Familien einen recht zahlreichen Ade! einheimischen Ursprungs. De, russische Adel gliedert sich :n fünf .Gruppen: Fürsten, Grafen, Barone, nichr titulierte Afölige aus der Zeit vor Beter I. und nicht ttruliene Adlige, die ihren Adel erst nach Peter 1. erhalten haben. Den obersten Rang behaupteten die unmittelbaren Abkömmlinge von Rurik und der Großfürstin Gedimin von Litauen. Solche finden sich in Mengen. Durch eine Maßnahme Iwans III. lvurden dessen Verwandte auf dieselbe Stellung lvie die Moskauer Bojaren lwraö- gedrückt. Iwan ließ ein genealogisches Buch einrichten, in.dem ebenso die Abkömmlinge des alten Fürstenhauses wie die Bojarengeschlechter verzeichnet wurden. Dieses Buch wurde zum letzten Mvlo in: Jahre [1682 abgeschrieben wird wurde seither, in rotem Sammet gebunden, m Petersburg verwahrt. Das ist das berühmte Sammetbuch des russischen Adels. In. dies Buch ist seit 1682 trotz unterschiedlicher Versuche Tein Eintrag mehr erfolgt. Zu den ^Rurik-Abkömmlingen gehören u. a. die Fürstcngeschlechter Dolguruki, Krapvt- kin, Lwow ünd jOdojewsk:. W:e man sieht, haben hie revolutionären 'Bestrebungen auch unter ihnen Anhänger gewonnen. Zu den Nachkommen Gedimins gehören die berühmten Fürstengeschlechtcr Galitzin und Trubetzkoi. Ändere Fürsten als die aus dem Blut, Nuriks uno Gedimins gab es in Rußland nicht, bis Peter der Groß, 1707 Menschikoff zum* Fürsten erhob. Im ganzen ist dre Fürstenwürde seitdem nur sparsam ausgeteitt worden. Suworosf erhielt sie als Fürst JtalijE: ferner sind auch die Feldherren. Soltikow. Barclah de Tollp und Paskiewitsch „Eriivanski" in den Fürsten- stand erhoben 'worden. Von ausländischen Fürstengeschlechtern -■jenen die russisckie Fürst-enwürde verliehen wurde, seien die kaukasischen Herrscherfamilien aus Mmgrelien und Kaukasier, erwähnt. Die erstere heißt jetzt Bagration. Ihr Haupt führt den Titel Füz'ü von Mmgrelien, während die anderen Mitglieder Prinzen und Prinzessinnen Tvdian heißen. Auf Adoption durch einen tortarifcSvn Ahn geht das Fürstengeschlecht Jnssupow zurück, silrafen- und Baronentitel waren in Rußland überhaupt unbekannt, bis Peter der Große 1706 Scheremetjew ®nmt Grafen und 1710 den Vizekanzler Schvsirow z<ud: Bp.ron ernannte. Seitdem haben die russischen Grafenfcrmrlien sich sehr vermehrt. Die Apraxin, Tolstoi, Münnich, Ostermann, Pvtemkin, Orlow usw. sind bekannt. Zu ihnen traten verschiedene Grafengeschlechter aus den Ostseeprovinz-en wie die Adlerckerg, die Stenbock-Fernror, von Fersen, Äoll und von Essen. Tie Baronenwürde stand anfangs in Rußland nicht hoch im 'Gerbe. Sie wurde nämlich ursprünglich wur den Hchbantiers ^verteilt und genoß daher- kein großes.Ansehen. 1726 wurde sogar einer der HofgauÜer und HoH'werge baronisiert. Auch der vielgenannte Hofminister Baron Frederrcks entstammt einer Bankiers- iamilie. Daß der nicht titulierte Mel in M,ßlmü> überaus zahlreich ist. beruht darauf, daß Peter l. 1722 eine Bestimmung traf, wonach der Adel die Berechtigung zu allem Militärgraden in Heer und Trlotte versieh. Daraufhin wurde eine große MrnqckOffiziere geadelt, und wenn auch die Bestimmung später aufgehoben Word?,: ist, so hat sie doch ßtur Vermehrung des nicht titulierten Adels ungemein beigetragen. Unter djm abefrt «& übrigens Famüsien, deren Nanreu
in das Sammetbuch ein getragen sind, mtb deren Ansehen sich daher von je mit dem der titulierten Adelsfamilien hat messen können.
— Heutiges Bukarest er Leben in dänischem Lichte. Ein Däne, Herr Axel Breidahl, bereist zurzeit Rumänien und veröffentlicht darüber in „Politiken" Schilderungen. Der iüngste seiner Berichte gilt dem Bukarester Leben, wie es sich unter der deutschen Besetzung entwickelt hat, und dieser Auffatz ist in mehrfacher Hinsicht anziehend und lehrreich. Er gibt eine Fülle anschanlicher und bezeichne,ü)er Emzelheiten über das heutige Bukarester Leben und bedeutet zugleich, ausgesprochen und stillschweigend, eine Anerkennung der deutschen Leistungen und des deutschen Verfahrens, das wir gern zur Kenntnis nehmen dürfen. Die äußeren Veränderungen im Bukarester Leben wären an sich nichr sehr erheblich, sähe man nicht die unzähligen deutschen und österreichischen Uniformen. Erst bei näherem Zusehen bemerkt der Kenner der Stadt, daß sich in ihren Zügen doch mancherlei verändert hat. Dazu gehört die Einführung deutscher Straßennamen, die Umtaufung der zahlreichen Gasthöfe und Kassee- bäuser, die sich zuvor alle französisch benamsten, jetzt aber nach ;/em deutschen Kronprinzen oder „Traube" nennen. Die lustige Nachlrueipe „Paris" heißt jetzt folgerichtig „Berlin", muß aber 'olide um 12 Uhr nachts schließen. An den Straßenecken sieht man neben den rumänischen Polizisten in ihren langen braunen Mänteln überall deutsche Soldaten, die die samtgekleideten Droschkenkutscher und die schläfrigen alten Eunuchen, die den Frachtverkehr besorgen, mit verblüffender Geschicklichkeit in ganz ungewohnten Trab bringen. Die einstige Pferdebahn hat sich in eine Elektrische verwandelt; die Pferdebahn ging den Deutschen zu langsam, auch hatten sie für die Pferde anderweitig besseren Gebrauch. In den Buchhandlungen, die früher natürlich von französischen Auslagen strotzten, hat jetzt die deutsche Literatur den Vortritt. Ueörigens fängt es auch in Bukarest an. in den Schaufenstern dünn auszusehen, und selbst die bekannten rumäni- schen Blusen beginnen aus Mangel an Stoff allmählich zu verschwinden. Eine L>a.uptverändcr1u:g besteht darin, daß die bewußte „elegante Welt", chie die Calea Bictoriei zu füllen pflegte, ver- schw'imden iß. Dieser Teil der Bevölkerung hat mit der Regierung nack Jassy Reißaus genommen und die flotten Kvnditvreren. die dermaleinst Stätten des ungeniertechm LÄchtsrnns war«:, diese dienen jetzt größtenteils als „Ernä'hrungszentralen" für die Feldgrauen.
^ Das ,'ind so einige Veränderungen'.im äußer«: Leben der Stadt. Tic deutsche Besetzung hat aber doch^ tiefer eingegrisf«: — nicht zum Schaden des Landes und des Volkes. Ta ist zunächst die im Osten überall so brennende Reinlichkcitsfrage. 'Daß Seife auch in Bukarest knapp geworden .ist, kann mär: schm an den Kellnern sehen, die „im Interesse des Vaterlandes" ihre Schürzen einen vollen Monat lang nicht trwch'eln und wo^ auchi sonst .... na, «chweigen wir darüber! Uebrigens aber I>at die deutsche Verwaltung die Säuberung der Bevölkerung systematisch in Gang gebracht. Tie niedrigeren Kvkksklassen tverden von Zeit zu Zeit einer Zwangs rein igung unterworfen, die in den Entlausungsanstalten stattfindet. Tort wird männiglich erst mit Petroleum gewaschen und toinu einem Dampfbade unterzogen, ivährend die Kleider in den Tesinfe'ktwnsosen gesteckt kverden. Die schlauen Rumänen pflegen dann deren Taschen mir Kartoffeln zu füllen, die sie auf diese Weife bei der Gelegenheit kostenfrei gekocht bekommen. Im übrige,: ist die Entlausung.für die ganze run:m:ischc Bevölkerung pflichtmaßig, und kein Reisender, ob vierter oder critcr Klasse, erhält eine Fahrkarte, ohne seinen Entlausmrgsschein vorzuweisen. Das llingt brutal, aber da fahre,: u,t schönen Lande Rumänien allerlxrnd Kriegs Millionäre m den höchsten Klassen, die aus beit niedrigsten Schichten ent stammen und bei 'denen nack) ihren Lebensgewohnhc^teu die Entlausung zur sittlichen Pflicht wird.
Viel Jnt^ressaittes weiß Breidahl von der Art z-u erzählen, wie die Teutschen die völlig ins Stocken geratene Staatsmaschme in dem besetzten Teile von Rumänien rme'der tu Gang zu bringt „ich dabei zugleich eine ganze Reihe wohltätiger Reform«: einzuführen verstanden. Zunächst lourdc der gregorianische Kalender eingcsührt und die bisher 200 Tage im Jahre beanspruchende,: Feste wurden ganz wesentlich eingeschränkt. 'Die Bauern bekamen acht Tage, um alle ihre Heiligen auf einmal zu feiern — und es ging auch so. Olmehin ist gegenwärtig für 200 Festtage im Jahre 'sicht genug Schiaps im Lande vochanden. Fnchlgedcssen konnte man auch die Zahl der Geisttchen l^rabsetzen. Tas Eisenbahnwesen wurde vereinfacht, zweckmäßige Fahrpläne wirrden ^.ilu^sührt. Eine Pracbtteistung ,var die Ordnung der Finanzen: in eine von Tertt- schen begründete Spar- imd Darlehnsbasse sind sei: der Besetzu,:g von der Beoökkermlg 7 Millionen L-ei eiwgezalh: worden. ,vas zugleich du spachendes Zeugnis für dass BerMvüs Mischen
woh! steht zu befürchten, datz d« ^artoffelvorräte rur Lovs. wenden Frühjahr knapp sein werden, weil, wie festgestellt werden konnte, gegenwärtig eine große Verschwendung mit den Kartoffeln getrieben wird. Es mache sich daher ein jeder Haushalt klar, daß er mit den ihm zugemessenen Kartvffel- rationen auskommen muß.
Die Anforderungen an die Kornmunalverbände wegen Ausfuhr von Kartoffeln in Gegenden, in denen die Ernte nicht ausreichend ist, sind groß. Die Marmeladerabriken erhalten große Kartoffelmengen: zur Herstellung von Kar- tosselsabrikate:: werden ebenfalls große Lieferungen verlangt und unter Umstcnrden muß auch mit der Freigabe für Futterzwecke gercchrret werden. Sparsamkeit ist also sehr wohl am Platze u:rd das altbekannte Mittel, die Bestände durch Erd- tohlraben zu strecken, sollte nicht unberücksichtigt bleiben.
** Kocht dieMilchab! Es tvird wiederholt me Fest- stellung gemacht, daß viele Leute die Milch, die sie Mp Genüss e erhalten, nicht ab kochen, sondern ungekocht verwenden. Da unter der, heutigen Umständen dieses Verfahren nur als schädlich bezeichnet werden kann, wird nachdrück, lichst darauf hingetmesen, die zum Genüsse bestimmte Milch gleich nach Empfang ubzutochen.
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** .Amtliche Personalnachrichteu Uebe>-tragN wurde am 22. Dezember der Schulamtsaspn-Lnttn Margit Biatthes aus Bodenrod eine Lehrermstelle an der höheren Bürgcrschcke ^ Reichelsheim si O. — Am 22. Dezember wurde der Vfandmeistzr August Beck zu Fürth :. O. ^zum Bureauassistenten bei der Mmd sterwlbuchhalttrng und Jakob Müller gus Höllerbach., Kreis Erbach, zum Schreibgehilfen mit Wirkung brau 16. Dezember 1917 an errimmt.
^ Auszeichnungen. Dkm TelograMsten K. Peppler wurde das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen. — Dem Gefr. W. Schieferstein von hier wurde das Kriegsehvenzeichm in Ersen verliehen.
** Städtischer Ge mü fever kauf. In der Gcnnt^ Perteilungsstelle, Brandplatz Z, findet morgen vor- und nachmittoa t* 7 ' ArAchf von Kohlrabi, gelben Mähren und weißen Rüben statt.
"" Die Auszahlung der Familienunrerstützun- gen anchie Angehörigen der zmst Hörestienst (Unberufenen für 1. bis 15. Jtznuar 19H8 bzw. für Dezember 1917 findet in bet nächsten Tagen statt. Siehe BeLanntmachung in: AnzeigenteÜ.
WTB. Verlängerung der Polizeistunde in der S i l v e it c r n a ch t. Wie mitgeteilt wird. si,ck> die Polizeibehörden ermächtigt, in der bevorstehenden Silvesterirachl die Pvl^eistunde bis spätestens 1 Uhr zu verlängern, soweit hch^u mi Bedürfnis • anzuerkennen ist
** Straßenraub. Am Samstag vor Weihnachten ist aus der Straße Gießer:—Rodheim auf preußischem ('öebiet eü: frecher Straßenraub verübt worden. Frau Major v. F. auf der ^chmitte war im Begriff, nach Gießen zu wmchern und »var bis an die Haltestelle 0-leiberg^ der Biebertalbahn gekommen. Sie nahm wahr, daß sich der Schuhriemgen gelöst hatte und trat in die am Wege stehende offene Halle. Im gleichen Llugenblick trat em Mann an sie heran, der hinter der Halle verborgen auf ihr Herannahen gewattet haben muß, und verlangte barsch ein Stück Brot. Freifrau v. F. anttvortete, sie habe kein Brot bei sich, worau: der Mann verlangte, dann solle sie ihm Geld geben. Die Dame öffnete ihr Hmchtäfchchen, um dem Begehren zu willfahre^
Bevölkerung und Eroberern ist Mir den unermeßlich langen Prozessen, von denen die rmnänischar.Advoürten ittr wurden, haben die Deutschen nicht viel Federlesens gemackn. In KrajowL, Bukarest und Kd nsürnza wurden drei deutsche Gerichtshöfe er- rrcksiet, die nun prompt die einllrustndei: Sacher: erledigen. Mach sieht, daß das Bild, das der Däne in BuÄrrest 'gewonnen chat, keineswegs die Züge der Not und des Jammers trogen, die sonst eroberte Städte so oft zu erleiden haben
— Die Uranfführnngeiner Kom ödievonThad- d au s N i t t n c v. Aus Wien wird uns geschrieben: Das Burgtheater hatte ^jnen Abend, dichterisch erhöht, vollendet an Stinlmnngsgchatt, verklärt von einer Bühmenweishert, wie man sie an dieser Stätte nicht mehr empfangen zu können vangtÄ. Das macht: es hat einer von den vorneb'm'sten, einer der Poeten dieser tantiemegierigEschönvn Zeit emc romantische Dichtung geschrieben; Thaddäus Ritter hat seinen „Garten der Ju-, gen d" einen: dankbaren und eTNvfangswillige!: Publökim: geschenkt, nud Herr .Holz hat als Spielleiter diese mm lächelnder^ zier-, licher, schmerzlicher und gütiger Gewalt erWtt Romanze dichterisch so sehr intensiv und eiirfüh'tend .nachgezeickmet, daß :mmj nach langen Jahren wieder einmal das Glück hatte, zu. emvsinden: hier ist altes, bestes, lebensstarkes Wiener Burgcheater. Die mödie Rittrrers hat nicht die griffige Technik theatralischer Macher, aber den Atem, den Rlchthmius des Dramatikers!, sie hat die Musik der leisen, feinen, schvebenden Tinge hinter den Seelen und das schöne, sichere Gefühl für alles Lbbcn. Rittn-ets Stzmkvlik ist klar, sanft nick) schjm, und dieses Thema vom berauschten Ausflug des Alters in den Garten der Jugend, eines Ausfluges, von. dem :nan ein wenig beschämt, ein wewg belehrt und ein wenig bekeW zurückkommt, ist die gemeinsame Menschenangvlegenheit aller.
— Ein m ediz in geschichtliches Museum in Stockholm. Wie aus Stockholm l^erichret wird, betnüht sich die schwedische Aerztsgesellschcfft seit etwas über einem Iah«:, eine mediziu geschichtliche Sammlung zwsammenzustellen. di.' M emaa Museum ausgebaut werden Mt, in, der: letzten Mormren hat sie darü: bcdeutende Erfolge erzielt: in: ganzen verfügt ft>- jetzt über 3200 Einzelstücke, imb fast 2000 davon sind im lechen Jahre erworben. Eiirstweilen ist die Sammlung in der: Räume:: des! Nordischen Aduseums mttergebrxrcht. Tie Neusrwrrbungen fimmnar zun: großen Telle aus Garnison- und FlottenlazarertM: unter ariderem ist die ans Finnland stammende Edhotmschje Sammlung m !dei: Besitz der Aerztegessllschaft übergegmrgen. die längere Zeit im Garnichnkrank^thaiffc untergebvacht war nich dann, als man die Räume mwecweitig brauchte, yaxtt alten Gerümpel g^aorfst werden sollte. Tie alten Jnstrumeirten- :rnd VerdandkäidL^ Operrp, tio'iSstü'hle und -tische, zahnärztliche Bestocke nfw. geben ein gutes Bild der älteren Heilkunde; sie zeigen auch, mit welchen Riesen^ schritten sich die Heilkunde entwickelt llai. 'Die meisten der alten Jiistrumentenkästen der Militär» und Flottenärzte «wchalten bei- svielsweie nur Gegenstände zu Amputattonen, zn TrcpanLtwkNLN und zur Mutstillmrg. Bon Anrisepsts vder gar Asepsis ist natürlich nicht die 3iet>c, vielmehr sind die Verblnchsto-ffe meistens gewöhne lickes altes Lenmn. Als Kurimität sei.ein Gergsrstand erwähnt, der aus TottsckLand stammt, freilich nicht zur HeilkunLe im engeren! Sinne gehört. Es ist dies ein Platrnspatel a:L< dem Besitze Liebigs; 1843 sitsestkce Liebig ihn einem schwÄsifchen Fa-eunde Nils Berlin, dieser schenkte ilm weiter m: 'Professor Jolin, und aus'dessen Av-, sitz ist er in Sanrmllcug 'der AerztegefWchaft Klangt.
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Vüchertisch.
Alice Berend, Die zu Kittels rode. Rnman. 1.—15. Tausend. Umschlag- und EöMandzeichiurng von Karl Ar- :wld. Preis ge hefte: 4 Äöark, gründest 6 Marl. Verlag von Albert Lang«: tu München — Wenn dieser Hirmor die unverq wüsllichm Phüistergestalte:: in immer iwuen Abarten aufs .Kd-nr simmt. lvird er doch nie bitter ioft bissig, sondern ist in seinanl Spott beinah? zärtlich Ren ist hier die Umwelt; nicht das ftdiVj bürgerlich? ^öerlm, sondern das Dorf KittelSwde, das aus bäuer«. licker Weltfenw mm Kurort heramväckst; Bauern und Städter, die sich mißtrauisch beänger: i:: ^mündlicher gegrmseitiger Verachtung; Zusammenstöße sehr v>tt-schiedenor Äöenscheu, die sich, zun: ei..pnun ErMunen, zu guter Letzt verstehen lernen. — Aniah genug für den Bevendschen Humor, sich aufs glücklichste zu entfalten. Aber hinter dem lächKnden Spott solcher Schilderungen iuti> hinter den vielen lustigen Liebesgeschichten stehen der Ernst und die uachdenlliche LebenÄveishcht, dm das Substrat jedes tiefern HumvrS fein müssen, steht, als Berförps:rung dn eck«en Heime stiebe, dir das Buch duochziebt, die prachrige deutsche Baurrmi-eibiU dÄ Müllers 'Michael Hornichuh. dessen Lebensweg van der Bursch^nMt. bis Mw ungebrochenen Alter das 'Buch fckMiert.


