Ausgabe 
20.12.1917 Erstes Blatt
Seite
2
 
Einzelbild herunterladen

ws^twcßkhe merkbare Erfdlge gar nicht zu henflen ift. Aber I stob an. Der Feind wurde geworfen unter schweren Verlusten

WillTrhi/vfm Ihirmi r?i fv-ti4 ki.i C% A.m. rxs- I ...a O' i sti.a__ I i*. v t >. k> -> i«

«fm, hartnäckig und stürmisch hetzt die britische Heeresleitung und ließ an 30 Gegangene in den Händen des Siegers. Das alles

tili IlW jwt hf*nW Iv4*it (* »Tn'j Xmi I f aT«,. !k ^ 21 (i . n l 14 ___r_ o ^; j. *.

TOtmer ruxeber an bcrfcUrat stelle iljre bejtat Divisionen in den I spielte sich ab in dem völlig zerwühlten und versumpften Trichter-

Dad. Man dann schon nicht mehr zählen, wie oft die nähere Um yebung von PasschmLaele bereits der Schauplatz blutigster Kämpfe gewesen ist. Auch der 2. Dezember gekört zu den heißeren Tagen. Oertliche Kampfe pflegen an der OessentlulMt unbeachtet zu bleiben. weil die Berich e darüber nicht seioalttge Zahlen von ein- gesetztM feindlichen Tivi.sio.cen. Gefangenen usw. bringen können. Für die beteiligte Truppe sind sie jedoch häufig schoerer und be= deutw' gsvollr als große Schachen. Das gilt im weitesten Sinne aurh für die Schlacht vom 2. Dezember für die tapferen Hessen aus dem Großherzogtum.

In der ganz richtigen Erkenntnis, daß seine bisherige Kriegs­kunst kerne befriedigenden Resultate erzielt hat. glaubt der Eng­länder in der leyten Zeit sein Herl darin zu finden, daß er alle Augenblicke seine Angriffstaktik verändert. Bei Cainbrai sollte der überraschende Massenein sab von Tanks dm Erfolg erzwingen, bei Pasfchmdaccke am 2 'Dezember ein Mond'chinangriff ohne ArEerievorberei tung. Zwar führten drc'e Uebernaichnngen hier wie dort zu schw-ven Kämpfen, ein endgültiger Erfolg blieb ihnen aber j desmal versagt. An her Widerstand? k-akt mid dem Augnfis- geist unserer Infanterie und der überlegenen Führung schiterten Äle Versuche. Ter Verlauf der Kämpfe von Passchndaele am 2. Dezember war folgender.-

Im Sckwtze der Dunkelheit hatten sich die englischen Angriffs­truppen dicht an unserer vordersten Postenlirrie bereitgestellt. Uni Mrtternack'4 ging der Mond auf, uni 3 Uhr ungefähr brachen die Angreifer in dichten Massen aus ihren Granattrichtern vor. Tie Kompagnien empfingen den Feind sofort mit I-efligem Maschinen­gewehr-- und Gewehrfeuer. In Massen stürzten die Engländer tot oder verwundet in die Granattriü-ter!, und die ersten Reiben bei- gamven^ zu wanken. Aber neue Massen trugen den Angriff rücksichts­los weiter vor und brachen in unsere VerteidigungSzorve ein Ein wildes Handgemenge entsvann sich mit Handgranate und Bajonett wurden die Eindringlinge wierder vertrieben, nur an zwei schmalen Stellen sieben Engländer in unfern Linien sitzen. Das alles geschah 10 f chnell, daß nieinand recht wußte, was eigentlich los war. Das Turck^emander war groß. Engländer und Deutsche saßen völlig vermischt in benachbarten Granattrichtern: kreuz und quer flogen die Handgranaten, während die beiderseitigen Artillerien bemüht waren, Verstärkungen fernzuhaltcn. Der Mond hatte sich be­zogen, ein eisiger Wind peitt'chte schwere Regeriböen über das Schlachtfeld. Der Bataillonskommaudeur Hanptmann v. Arnim koimte aus den unklaren Meldungen natürlich kein Bild gewinnen .Kurz entschlossen stülpte er sich seinen Stahlhelm auf und gin>i ntit bcnJ^oar Leuten, die sich gerade in seiner Nähe besande-tz ur das Dunkel der Nacht hinein einfach auf den Feind los. Cp stieß auch richtig auf eine Einbruchsstelle und begann mit seinen 15 Mann und zwei leichten Niaschinengewehren das Gefecht mit dem Erfola, daß der Gegner nicht weiter durchbrechen konnte. Ms es endlich hell wurde, kroch Hauptmann v. Arnim bis an die von den Engländern besetzten Trichter heran und überzeugt nch, daß der Feind wohl zehnfach überlegen war. Dabei erhielt er von eurer Handgranate einen Splitter durch den S'ahllckm und eirrcn in den Rücken. Er kmnmer e 'ich nicht darum, holle >ich vom Nachbarba.aillon Verstärkung und setzte wiort den Gegen-

selb von Passck-endaele, in dem der Fuß mit jedem Schritt metertief einsiutt und dessen Wasser und Schlamm alles durch­näßt und verdreckt, die Gewehre unbrauchbar macht. Daran muß man denken, wenn man würdigen will, was unsere Tapferem dort leisteten.

Man kann sich vorstellen, daß das durch den Nachtangriff hervorgerustene Durcheinander zu Einzelkämpsen führte, die jedem einzelnenLands" (so nennen sich die Hessen) Gelegenheit bot, seine persönlich Tapferkeit und seinen militärischen Scharfblick zu beweisen. In der Tal werden muh unzählige Episoden erzählt, die den prachtvollen Geist unserer Leute in sttahlendem Lichte ersclxnnen lassen. Die Zeitung bietet nicht Raum für so viel Heldenmut. Drum sei nur ein Beispiel hervorgesucht.

Die 9. Kümpagnie des Regiments hatte das Sckncksal, von den reclsts und links durchbreck-enden Engländern eingeschlossen zu

werden. Ter Kvmpagnieführer fiel im Nahkampf, mit ihm manch Tapferer. Ta faßte der Bizefeldwebel Sckierstuhl

die Reste zu-

sammen, und diese Handvoll eäster deutscher Helden verteidigte sich bis in den Mittag hinein nach allen vier Wichrichtungen gegen einen zehnfach überlegenen Feind, bis der Gegenstoß sie befreite. Ihnen gebührt das Hauptverdienst an dem Sck>eitern des feind-- lick^n DurckchruäB und dem Gelingen des Gegenstoßes. Unsere Stellungen ,ü:d jetzt wieder voll in unserem Besitz, und wenn die Briten zum bundensteumal versuckien sollten, unsere Flandern- frout zu durchbrechen, sie werden immer wieder an der eisernen Mauer zusammenbrechn. Stahl wird in Feuer härter, deutscher Mannesmut auch!

vrest-citowst.

Die Stadt der, Friedensverhandlungen.

Brest-Litowsk, der Ort der Friedensoerbandlungen mit Ruß­land, ist seit dem AuguÜ IflL j, als die Festung in die Han> Lnndenburgs sie!, in der Ocsfei.rl-chk i wenig geimnnt worden. Es ist eine 50 000 Einiochier zählende Kreisstadt im frülieren russischen Gouveriwmerit G vdno. Sie scheint wie geschffen, als Ve-rbindunqs- tunk, zwischen Rußland einerseits und T^utchland und Oesterreich- Ungarn andererseits. Denn sie liog-st »oh? ein Blick auf die Kane z^ngt. in der Mitte der polnisch Ul Grenze. bildet also die Biücke zwisch-en dem deutschen und dem ö.lerreichiich-ungaris.'hen Einfluß- gebiek^ an der Oittrvlt imd gehocl pn risch bereits zum östlich ansvßenden, alsWeißrußland" bdz-i nieten Teile Nordwest- rußlawds. Die Stadt Brest-Litt>»vAk lvivd trn zehntel Jahrhnndea't (981) als vom Großfürsten Wladimir unterrvorsen erltnralig er- Kvähnt. Später lunrue sie (1012) von Bolcslaw Chrobry durch die Polen wieder erobert. Sei. dem 12. Zlrhchuiroert sliind sie unter

wechselnder, bald po!ni,cher, bald russischer, bald wieder galizil-bec oder litauischer O'.^ er Hoheit, bis Kasinrir der Grolle nach dern T'ode

Bo e.laws von Mnsovieir (13'0> (dalizlen ^md W^cklchnreu mit Polen verei igle miö dadurch die lSladt erneict polnisch !vuree. Erst durch die zweite Teilung Polens (1/93, kam Brest-Li'o:vsk an Russland. Di? alte S adt Brest lag i l der natürlich g-fi.Herten Lage der heutigen Festung, in dem spitzen W-uikel am Zusammen-'

fluß des Muchawiez und des Bug. Sie wurde aber beim Bau Da russischen Militärfestung völlig rasiert. Me heutige moderne Stadt ist 1831 neu erbaut worden und liegt etwa zwei KÜvmeter östlich der Jieslung am rechten Muchawiezufer. aber iroch innerhalb des äuße­ren Festungsgürtels. Sie hat, da die 'H-alfte der Einwohner Inder, sind, eine sckchne Synagoge und ist Sitz eines griechisch-katholischen Bischofs. Ms etwa 2000 Ei-rwohner zählende Vorstadt von Brest liegt, einen Kilometer westlich der Festung, Terespol. Für die Fricdensverhandlungen ungemein wichtig sttrd die Berkehrsver­bindungen von Brest-Litowsk.

Tie Stadt und Festung liegt bekanntlich am Eingang in du von den deutschen Truppen teilweise durchdrungene Polesie. arn Tore der gefürchteten Rokitwo-Sümpse. Gleichrvohl hat Brest- Litowsk mit dem russischen Hairptkörper ausgezeichnete Verbin-. düngen. Es bildet den KnoteTrpunÜ der drei großen Eisenboh^ linien, welche die Polesie durchziehen. Nach Nordosten führt d« Bahn über Minsk-Smolensk rmch Moskau, narb Osten oie Linie über Pinsk nach Moskau und nach dem Südosten die StreL über Kowl nach Krew. Brest-Litowsk ist aber auch durch eine wichtige Bahnlinie btrcft mit dem großen Eisenbahnknotenpunkt B.elostok an der Linie Petersburg - Wilna - Warschru verbunden. Die Bahnen sind sämtlich! doppelgleisig und durch Querbahnen miteinander in Beziehung. W-enn jetzt auf der Gricudlage des Was enstillslandes vom 15. Dezember 1917 der ^Post- und Handels- verkehr wieder ausgenommen wird, ist den Beauftragten der Bolschennki die Reise zwischen Petersburg und Brest-Litowsk sehr erleichtert. Bei dieser Gelegenheit darf auch nicht unerwähnt bleiben, daß Brest-Litmvsk vorzügliche Wosserverbindnngen hat. Infolge des geringen Gefälles der Flüsse in der dortigen Gegend ist es schon in Friedenszeiten gelungert, über die Wasserscheide zwi- sch<m Mucksannetz und Priviet lchnweg den Bug-Dnjepr-Kanal zu ba cm. Jn olgedessen beherrscht Brest-Litowsk die einzige direkte schiffbare Wasserstraße, die das Weichsel gebiet mit dem Schwarzen Mecre, in das sich der Dnsepr ergießt, tu Berbrrch-ung setzt. Brest- Lttowsk wäre von jel>er eine glückliche Stadt von grvß^c Entwick­lung gewesen, wenn sie nichit als russische Fesmng erster Klasse hätte dienen sollen. In einem 1908 erschenenen BucheDöemroirc^ einer Großmutter" von Pairline Wengeroft wird sehr anschaulich geschsldert. wie die Stadt Brest-Litowsk 1831 geräumt wurde: Die Regierung mach.-r kurzen Prozeße Jeder Hauseigentümer '' mußte sein Hcrirs binnen einer karg bemessenen Frist selber ab- brechm und sich anderweit Unterkunft beschaffen. Im übrigen wurde er auf den R-ch stveg verwiesen, auf tet russischen Rechtsweg . . . Wer sein Hans nich geräumt hatte, wurde auf die Straße gesetzt.

Tie Po'izei kannte kein Erbarmen. Es war ein trauriger Zug der fick) in jenen Tagen durch die Straßen der alten Residenz

der Fürsten Rat^iwill bewegte Dem Zuge des Elends folgte der ^ug des Todes. Tie ga.nze Gemeinde beteiligte sich daran, dm

OiftaO aufgeschnuselten Gräber in Säckchen zu schütten, mit einem Bindsa'>en zu^ verschnüren und auf die bereitsrehend«

Wagen zii schichte:!. Hier gab es keinen Unterschied. Me waren g'e'-ch. Hier trauerte nicht eine Familie um emen 2

0 dern eine ganze Bevö^erimg um ihre geschändeten Toten." Heute

trauert Brest-L'tvrvtck uich mein. Durch Krieg, Revolution, Was fenstill9and ir:b Friede ge'a igt die kleine Stadt zu welthistorischer

Be eu u^g Und ebr ivahncheinlich geht sie auch wirtschaftlich

einer schinen Zuk.rnft entgegen

Der vierte Londoner ricgswinter.

Bon Karl Wichmann.

Nn dänischer Freund, der sich über 5 Wochen in London gefchLMich aufhalten mußte und vor wenigen Tagen über Däne^ mark^ hierher kam. machte mir die folgenden Mitteilungen:

- wünschen doch, daß ich Ihnen alles wahrheitsgetreu nno ohne Beschönigungen mitteile, nicht wahr? Nun, ich will Zchnan sagen, daß noch immer ein großer Teil der Londoner gegen einen baldigen Berständigungsfrieden ist, zuversichtlich die 3ievo- lution in Deutschland rmd Oesterreich-Ungarn erhofft und aus den Endsieg Großbritanniens schwört. Dwse Leute stehen eben ganz unter dem Bann derRinnstein-Presse", wie die Lügen- vlätter Northclifses so zutreffend genannt werden. Und diese Rinnstein-Presse läßt keinen Tag verstreichen, ohne sich in wüste Hatz-- und Schmähreden gegen den Feind zu ergehen. Sie kennen w den Ton zur Genüge. Das; aber auf der andern Seite der Friedensgedanke mit jedem Tage neue Anhänger gewinnt, kann rch nicht in Abrede stellen. Man beginnt nüchtern zu rechnen und kommt langsam aber sicher zu dem Schüsse, daß die Fortsetzung des Krieges lüs ms Unendliche schließlichhad bu incß" bedeuien rörmte! Rußland hat dem Faß den Boden LusgeschLagen. Brn der Wut der Engläuder machen Sie sich unmöglich einen Begriff

wemgen Monaten, ja Wochen, geradezu verehrt wurden, haben letzt, wie über Nacht, einen recht schweren Stand bekommen. Es fercrc w weit kommen, daß es ihnen ebenso schlecht, wenn nrcht schlechter, ergehen könnte als den Deutschen. Die Leute zittern schon jetzt vor den Ausschreitungen des Pöbels und kommen ttch ime Geächlete vvr. Ich möchte nicht in ihrer Hauk ftafat. Wie es eigentlich mit der Verpflegung steht? Fleisch gibt es ziemlich viel; aber fast keine Butter, keinen Speck, sehr wenig Müch. um die Gemüse ist es schlecht bestellt und von der Zuckernot haben Sie gewiß gehört. Ich mußte mich geschäfttich eme Zettlang m der Provinz Kent, südlich von London, authalten und habe dort buchitäblich gehungert. In London selbst war es Nicht üm vieles besser. Die Erregung in der Bevölkerung ist sehr groß. Sie wissen ja, an welches verlchwenderische Leben die Eng­länder früher gewöhnt waren. Nur dadurch, daß die Gerichte drakonische Strafen verhängen, ist die Lebenomittelhamstcrel ver­hältnismäßig eingeschränkt und gewissen Preistreibern das Hand­werk gründlick) gelegt worden. Von der Sttenge der Strafen er­halten Sie durch die folgenden Beispiele einen Begriff: Ein Kaufmann, dev mit Kartoffeln Wucher trieb und in 37 Fällen weit verkaufte, wurde für jede UebeNretunq mit Ä0 (2000 Mk.), also im ganzen mir 3700 Pfund

<74 000 Mk.) bestraft und erhielt obendrein nach 2 Monate Ge­fängnis, und ein kleiner Bäcker, der frischgebackenes Brot ver- lauib:, wurde zu emer Geldstrafe von nicht weniger als 25 Pfund -sterling (500 Mk.) verurlettt. Tvvtz aller dvalvni.'ckMi Maß­nahmen ist mdesieii die Lebensführung im allgemeinen zumindest zwereinhach bis dreimal teurer geworden.

An vielen Tagen laufen die Hausfrauen in heller Verzweiflung

Laden zu Laden, ahne auch nur einen beichädeilen Teil ihres Bedarfes decken zu können. Gleich mst dem Frühstück hat nian ,eme lrebe Not Butter gibt es, wie gesagt, nur gauz wenig oder gar keme. Erer furd, rvenn man sie überhaupt haben kann, unerschiving lich teuer ft al*«/** >» _s. _« *

rr.Q-bo tx v n B fehl, innerhalb 9 Tagen ihre Hau'er zu räumen. Sie mii e.i ihre Gärte.i. Wie en usw. usw..lZ üh im Stich lassen. N.emand in der Umgebung T>al Piatz, die Le.ne bei sich aufzu- uehmeu und ihnen Obc-ach zu gewähre?!. Ihr ganzer Besitz, all ihre Ha!>e linrd^ ihnen so jm Hauduuchrehen gew-mmen, und die Mm.ärbe.'w e: y\ g m iin e.Ufernle'lLN. ihnen irgend ct?vas zu er . tzeu, so das; die A-rinsten auf der Land Waste lierumstreichen löinen. Dabei stellte sich heraus, dag gar keine zwingende Not- wendigknt zur Evabrierung des Dörfchens ovrlag, das kernerlei stra!egi chni Zwecken bic:? tc .

Auch von der jetzigni Düsterkeit LrTvdons machen Sie sich raum eine auch mir annähernde Vorstellung Schon in Frichens- zntel? gab cs schauerlich cNvas Mabincho!isicheres als den Mute mit seinen Ncbc'ln in der Tnauscstadr. I<tzi aber fomm! die ent­setzliche Angst vor den Lustangriffen dazu die einen förmlich ner­vös machen kann. Daß Kv^izerle und Theater jetzt größtenteils am Nachmittag stattfinien, nrackst schließlich ivenig aus Daß man alvr stundenlang in graiumvoller Spannung auf d?s nächt!ick)e Ereignis eines deutschen Lnitb-.chuches nurtet. zerrüttet nach und nach die Ncrve?r urrd k.?nn zum lallen Wahnsinn treibcni. Die Lon­doner Zeitungen, b\c b'ri daß die Bevölkerung bei den Vvm- bardeme'.lts bur>stn?g kühl bleibt und guten Mut bewahst, sagen nicht die Wahrheit. Ich had? einen solchen Abend mit der Landlady l-es Boardinghouses und den übrigen Insassen, meistens Mädclxm und Frauen, in einem Keller zugeb' acht und kann nur sagen, daß man in kürzer Zeit um ein paar Jahre altert. Das mackst es be- greiflich, n>arum die stixmasten Strafen aufgesetzt sind, ivenn man dm. Feilster nicht gemigerkd verhängt und des Nachts ein verräte­rischer Lichtst kahl aus dem Hause drängt. So jb ein Nachbar von

verzehren in deckien Nahmen, und stoß ich mit dir au, st r s v l l L e b c n! Tann )vr.'llen )vir werter spr'eckgen. Du wirst doch auch, wohl heu nt an irgend einem plaifirlichlen Ort seine Gesund- he.t Trinken. Jetzt sag ich dirs, es hat geschmeckt ja es ist rech: einsam in deck rer und mei'ner Vattersvadl! bas 'Hab ich mir l)eunt überlegt beim Aufw«,hen; die Sonn hat gcsckMenen aus allen Kräften, und hat mir bald zu heiß eingesieuerl, aber ftmlst auckj) nicksts hat geschienen: Hemtt Morgen kommen ein paar keiner denkt daran, daß ich, Mmtrr bin Heunt.^Nunk dacht ich was Ist das vor dn ärgerlich geschickst daß meine Bettme niM da ist denn die hält mir gewiß den schönsten Strauß haunt gebrach-, Io ein reckst herrlickier Strauß wie im vorigen Iayr da tvarst du iwch> nickst bi-ei Wvckicn mein Täglich Brod.> warst doch sickon m.stur-teste Bekam!ttckx»ft von allen die ich auf^älsten kann. Den Fepeckttol in die Lvrnd nelMM und mühsam »ackern. Ui ist >rittst meine Sach da ick lieber im vollen Waitzen schneiden ma- und lieber er^chl als scheib: aber für den heutigen Tag und düst Emichn dung in meiner Brust ist Kraut gervachsen dem muß einmal mit einem v.rdien sl!litt»m Sckvveiß sein Recht gal Han werden. T« Pl.-.pver Elstern die StaMnuiihimrn lvas verslel-en die von imfern -wb>enen Sttcnden die wir mit einander verplaudern, die fallen daran koin Theil haben, aber du solkst und mmßt dein Thckil gdi nieß.m sonst könnt mirs H>.rz bersten. Jetzt Hab ich schon in der Früh wie meine Stule ganz vom Mvrgenvoth durckstchienen war an dich gWackft und da ist: die Liesck»ei! an mein Bett geSonrnien die l>at gesagt wie schad es ist d»H du in der Ferne bist an fc emem schönen Tag; ich Hab ihr aber Besck)«d gesagt daß einerlei ist wo du bist wirst du deüier Freundin deiner Mutter die dich gern

schlickmdcn »*<**,* unlängft LüL Ä ÄMÄÄ

Zu 50 P und (1000 Mk.) Strafe verurteilt worden.

Wieso es demnach kommt, daß nicht alle Londoner vom _

?bnug haben? Ja. da muß man eben den Größenwahnsinn deS i^"^i fcnui ich dir m>rfv ~hhx*nKu*m? ^urchch .rttsbrnen in Rechnung ziel)en. Seine Phantasie ist eben ^ ^ - nix ^ ymzufugan?

mit iln Gott dcru'en, das der sie so gnädig bis ans End in ihrem n-rieg 1 Antheil an den Himmlissten Freuden einer Mutter geschützt

daß ich

..jägsÄäSIS'ÄB ÄB att BJÄttl

^ricg nich t gewinnen. Das geht über seinen Vorsbellnngskreis hinaus. Knapp vor der Abreise sprach ich mit einigen Leuten über die Tordanellenerpedition, die noch immer nicht die Gencüter zur Ruhe kornmen läßt. Ta nwllte mir allen Ernstes ein alter Politiker )oeiSmack>en, daß die Eiigländer dort einen gloiweichen Sieg da

L

vongetragen hätten, ioeil sie freiwillig abgezogen toären, und da sw ihre Scknste absichtlich vom Feinde hätte?! in den Grum. Iwhren la,sen, da sie nichts mehr ioert geivesen seien! Das Gleiche wollte man mir wahrhafttg einreden. als ich auf die stets wach- senden Schsssverlückde durch den U-Boot-Krieg zu sprechen kam.

©3 ist fast unglaublich, von toelcher kindischen Naivität der Durch- sthnittsengländer ist. So läuteten am Morgen meiner Abreise alle Glocken der St. Pauls-Kathedrale, weil derSieg" von Cambrai

gefnert tvurde, und jedermann erklärte mir auf meine Frage, daß nunnreli-r in roenig Tagen die deutsche Grenze von den britischen Truppen erreich sein und die Invasion Gcrmcmps aUen Ernstes beginnen würde. . .

. * Der letzte Brief von GvethesMutteran Bet- t r n a. Einen köstlickzen Beitrag veröffentlich Prof. Albert Köster

iti Mm .v» S«». x-, Z ,1 _ O' _ . ._

Veirce koittt das Stück! und Speck kann man weit und brett suchm. Nich viel besser geht es den ÄLarinelaoen den bekannten Jams, weil ja der Zucker fehlt. Es blecht also nur Margarme, die die Engländer verabscheuen. Aber auch um dre Margarine ist es bereits fckstech bechllt, und in absehbarer Zeit nnrd man fick), ohne diei'e »mit er helfe:! müssen. Früher oder IVLter kommt es woch zur Rationierung. Tie Londoner machen sich gar nicht mehr über die deutschen Lebensmittelkarten lustig, sie sind ganz entschieden beschidener gervorden.

Unter den Londonern kann man eine mit Tag zuneh-

metibe Verrohung bwbachten. Früher mußte ich sie immer megm J& Cr ^m Hostlchert bewundern. Dar Krieg hat das gründ- luhgeändert Jnwlge der Ueberfüllung aller Veickthrsmütel kommt es oft zu wüsten Szenen. To Sie viele Jahre in England lebten, S,e. mtt welcher zarten Rücksichnahnie der Brite Frauen behandelte, aber beute si?st> Grobheiten gegen Ladies ourchvus nichs '^-Ätenes mehr. Und mttangit fam es in einer Gerickstsverhandlung zur spräche, daß ern Mann^eine Schaffnerin gesckstagen l)atte. weil sie ihn nrch: rn die überfüllte Tram einsbeigen lassen wollte. Für engl i ch' Begnffe ettvas Unerhörtes!

_ ^eberl«i»pt wird imfreien England" das ganze Leben

nach und nach mürtarislert und den Büraer?l eine Freiheit nach der anderen pmmmen. Me gefällt Ihnen beisvielsweise das klgeride ^ücklein: Tie Benwhnec einez kleinen Dor'eZ in der Provinz iYAmicdttqUrt ertfatlm tm einiget frxt vom Militärkom-

m bem tn den nadxften Tagen erscheinenden Jnsel-Almanach Är 1918: den letzten Brief von Goethes Mutter an Bettina Brentano. Zivar stcht er z T. schon in dem nicht ganz unbekannten ,^lius Pamplstlms", aber rn Betttnens phantasievdller Bearbeitung und mit unrrckstiger Datierung, er fehlt dagegen in der Ausgabe der Brikw von OWeches Mütter. Um so mehr Reiz geioÄ^t es, mm das für die Schreiberin so überaus ck)arakteristisck)e Sckweiben, das we­nige Tage vor Frau Ajas Tode ihrer ungefügen Feder entflossen ist, zum ersten Mal in der authentischen Form kennen U lernen, m der m die Hände ber jungen Freundin gelangt ist. Am Geburtstage ihres Lohnes, am 28. August 1808, schrieb Frau Rat Goethe au Bettina:Liebstes Bermächtnüß meiner Seele Tas ist einmal Mi gar erfwulick^r Tag für .Uns, denn es ist unseres lieben memes lreb,de.i Lohnes, irnd deines Bruders Geburtstag ich weiß,-zwar gar wohl, daß da gar nicht leiden kannst, daß ich di'<r als Bruder schenk aber warum? ist er dir zu aXt ? da setz Gott vor, denn ein so «ostbarer Stoff me in diesem seinen Leib und Seele tierwirkt ist! der bleibt ewig neu. und ja sogar seine Asche soll ernst vor andern das beste Salz haben am die eine Mutter abioiiderlch am Geburtstag zu denken Bedenken Tragen mfcfxt aber nnr zwei srnd Aberglmcküsch, utid für seine Unsterblichkett schon dergleichen Aengstlichkeit uberhoben. Ich vorab Hab gewomren ^pel, beim m diesem Jahr zähl ich 76 jahr und Hab also den Be.ch.-r der Mutterfreude bis auf den letzten Tropfen gelehrt: mir kmm »wst unklucks-Srhichal ausgeladen mehr »oerde?r. Dych TO drr jtfitmten, denn mein Lieschen hat mir all«oeib den besten Wern heransge^wacht und eine Aoutelle Wasser, denn du »veiltt, daß ich, em Wtisi.'cnytmff Rn: und zwei? Pchrsich smt, daneben, der ein für dich, der andere fstr milch ich roeä> ffe betf*

Erstens und dann zweite?rs Hab ich dich in mein Herz geschlossen: apart, »veil du nüßt zum Narrenhaufen gehörst und hast dich z« mir reteriert als »veil ich allein einen rechnen Verstand von Uc Iwb denn du gehörst iziu der ?Lrt die mir Scel und Blutsverwandt ist: die »oird aber nicht so leicht gefunden und auch nicht ge» kaintt, so nehme doch weilten Tank daß du einen Wegweiser der Gott ist-ov'am warst, und hast dich nicht gewehrt bei eins alten Frau, so jung »vie du bist dein Lager uufzuschlagen; und eichmme m diesen schwackien Zeilen mein zu volles Her», das mit Sehnsucht deiner baldigen Artkunst eittgegenschlägt. Ich iLnm nichts mehr hervorbringen und verspave alles auf baldige köstlich.' mündlich Unterhaltung. Behalt Li«b deine ewig liebende Mutter Goethe."

Büchertisch.

Kunstblätter aus dem Berlage B. G. Deubner, Lech zig, eignen sich gut zu Weihnachsgeschenken. Hier ist Heimatkuust im schönsten Sinne des Wortes: Bilder deutschr Landschaft, aus Teutschmids malerisch»? Städten, weiter BUder aus dem DvNsleben und Mis der Gefchiche, alle von angesehenen Künstlern. Friese und Märchmbilder zur Ausschmückung von Kmderzimmern sind ebenfalls sehr empsehlensrvert, z. B. Baurnfeinds Darftel-' lung der sieben Schwaben und des gestiefelten Katers.

~ ie Gefahr", Erzählung aus der Hunnenzeit von Gustav Zausen. Verlag von Gsorg Merseburger, Leipzig. Bro^ 3 Mark, gebicnben 4 Mark. Ein vorzüglichs Buch auf ge. schchtlichr Grundlage. Tie gewalttge Macht der großen Persönlich, keit »md der Putschag üx unauchltsam vorwärtsdringendM Masse des Hunneicheres »mrd, dem Megerischn Ereignissen der Geschichte gegenüber bente empfanglichren Leser ausgezcichuet vermittelt.

Ter Rap polt stein er. Eine Erzählung aus der Ber- gangenhett des Elsaß von F. W. Bredt. Verlag von Albett Ahn, Berlm Köln ?rnd Leipzic;. Brosch. 3 Mark. Gerade jetzt, wo die Reichslande eine so wichtige .Kriegs ziel frage darstellen, wirv vielen dieser, au» ge»ckmvtlichr Grundlage aujarbaute, gut zählte Lesestoff nnlttommeu sein.

Tas l it era ri sche Echo. HalbmvnatSschrift für Litera, turfreunde iBegründet von Tr. Josef Ettlinger. ver-nrsgageb«

Tc. Ernst Hettborn.) Verlag: Egon Fleisch! & Co., Ber- J_ l ® 9. Das 2. Dezemberheft ist soeben erschienen und ent. ^lt u. a. . Nüonty Jacobs: Ter Bühnendicher G«rg Kaiser: OöWrg Kaffer: Bv^raplstsch Nottz: Georg .Beyer: Die Arbeiter und das Theater: Erich Hoogestraat: Anmaßung, Behauptuns, Beweis: Hans Wütschike: Eine Karikatur Hebbels' Paul Bour. emd: Thc-aterfragen der C^egemoart: Conrad Schmidt: BotV» bühnenbewegimg Ech der Bühnen Ech der Zeitungen föd» der Zettschiften Kurze Anzeigen.