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rratschläge und Verordnungen zur Ersparnis von Brennstoffen bei der Heizung
Erläuterungen zum „Merkblatt zur Ersparnis von Brennstoffen bei der Heizung" (s. Gießener Anzeiger vom 6. Dezember 1917),
a) Ratschläge.
Die zurzeit herrschende Knappheit an Kohlen zwingt zur Einschränkung
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der Beheizung, was in wirksamer weise nur durch die Verminderung der zu heizenden Bäume erzielt werden kann: es ist offenbar leichter zu ertragen, in wenigen Bäumen eine behagliche und der Gesundheit zuträgliche Temperatur zu haben, als in einer größeren Bnzahl solcher zu frieren und sich zu erkälten. Für die Buswahl der zu heizenden Zimmer sind folgende Gesichtspunkte maßgebend:
1. Zimmer, welche die meiste Sonne erhalten, sind am leichtesten zu beheizen.
2. Zimmer, welche inmitten anderer liegen, werden durch den wind und die Wärmeausstrahlung der Bußenwände am wenigsten abgekühlt und sind deshatt) leichter zu Heizen als Bußen- und Eckzimmer.
3. In einem mehrstöckigen Hause erhalten die oberen Stockwerke einen Teil der Wärme der unteren: man heize deshalb, wenn irgend tunlich, nur übereinander gelegene Zimmer.
Der Zweck der Heizung ist die Herstellung einer Zimmertemperatur, bei der man sich in seiner gewohnten hauskleldung „behaglich" fühlt, womit auch den Rücksichten auf die Gesundheit genügt wird. Das wärmebeüürfnis ist je nach Blter, Geschlecht, Llutreichtum, Temperament und Beschäftigung verschieden, weshalb eine für alle Personen streng verbindliche Temperaturgrenze nicht festgesetzt werden kann. Im allgemeinen gilt eine solche von 18 bis 200 tzes hundertteiligen Telsius-Thermometers (14i/ 2 bis 16° Beaumur) als ausreichend: das zur Feststellung der Zimmertemperatur benutzte Thermometer soll sich in Tischhöhe (75 bis 80 cm über dem Fußboden), in der bei dem sitzenden Menschen die in erster Linie wichtigen großen Organe der Btmung, Blutbewegung und Verdauung liegen, nicht aber, wie vielfach unzweckmäßigerweise vorgeschrieben, in Bugenhöhe (1,5 bis 1,6 m über dem Fußboden) befinden,' es darf aber weder von der Sonne, noch vom Ofen oder einer zu nahen Lampe über die Lufttemperatur erwärmt, ebensowenig aber auch durch die Nähe eines Fensters oder einer offenen Tür abgekühlt werden: auf einem Tische inmitten oder an einer Innenwand des Zimmers stehend oder liegend, liefert es die für die Beurteilung der Heizung zuverlässigsten Ergebnisse. Bm Fußboden eines geheizten Zimmers, unter welchem ein ungeheiztes Zimmer liegt, ist die Temperatur um 2 bis 3° niedriger als in Tischhöhe, weshalb die Benutzung eines Fußsackes beim Sitzen zu empfehlen ist' in Bugenhöbe ist sie um 1 bis 2» höher, an der Decke um 4 bis 5».
Eine Einschränkung der Heizung nach der Tageszeit erscheint nicht gerechtfertigt, zumal sie durch eine Kontrolle kaum oder doch nur mit unliebsamer Härte zu erzwingen wäre. Bei Dauerbrandöfen, wie sie in Gießen hauptsächlich im Gebrauch sind, würde eine vollständige nächtliche Unterbrechung auch unwirtschaftlich sein und den Grundlagen der Konstruktion derselben direkt zuwiderlaufen. Der durch den Dauerbrand in den Mauern erzeugte „Wärmevorrat" verhindert am besten eine zu starke Buskühlung der wände und damit das Einfrieren der Wasserleitungen. Bei Warmwasser-Zentralheizungen erfolgt die Bbkühlung des warmen Wassers außerordentlich langsam, so daß man, solange nicht Frost herrscht, sehr wohl die Heizung während der Nacht und dadurch erheb- liche Mengen Kokes ersparen kann. Dampfheizungen besitzen diesen Vorzug nicht, da mit dem Sinken der Kesselwasser-Temperatur unter 1000 C. kein Dampf mehr erzeugt wird, und die Heizkörper infolgedessen schnell erkalten,' sie müssen deshalb auch bei verhältnismäßig wärmerem Wetter während der ganzen Nacht im Gange erhalten werden. Bis ein Maß für d,e Zimmertemperatur, welche erzeugt werden muß, um ein Einfrieren der Wasserleitungen zu verhindern, gilt die Begel, daß man dieselbe etwa auf der Hälfte der Temperaturgrade über 0 « (dem Gefrierpunkte) zu halten hat, als die Bußentemperatur unter 0° (meist als „Kältegrade" bezeichnet) liegt: bei einer Bußentemperatur von 10° soll also die Temperatur der mit Wasserleitungen in den Bußenwänden versehenen Baume nicht unter -f 5° herabgehen. Dasselbe gilt für die mit Wasser gefüllten Böhren der Warmwasser-Zentralheizungen.
Die in den meisten Städten erlassenen Vorschriften über die Inbetriebnahme und Außerbetriebsetzung der Heizung sind im Widerspruch zu den klimatischen Verhältnissen, deshalb praktisch unausführbar und belasten das ohnehin durch die Kohlennot schwer betroffene Publikum in unlieb- samer weise D,e „Feststellungen des Geffentlichen Wetterdienstes" von 0 Uhr abends, auf denen diese Vorschriften fußen.'können naturgemäß dem Publikum er,t am nächsten Tage durch die Zeitung bekannt werden solche vom Samstag gar erst nach zwei Tagen, am Montag,- es dürfte schwierig sein, am Sonntage zu entscheiden, ob nach den Vorschriften qe- )eizt werden darf oder nicht, wenn man erst am Montage die hierzu min' Unterlagen erhält! Bus dem Lande zumal, wo nicht jeder-
erkolaen ! 9 ich, und amtliche meteorologische Beobachtungen nicht
erfolgen, ist eine Feststellung der „kritischen" Bbendtemperaturen vielfach überhaupt unmöglich. Die Temperaturveränderlichkeit unseres Klima! macht die für den Beginn der Heizperiode geforderte Folge von vier Tagen m,t Bbendtemperaturen von weniger als 1 2° C. sehr unwahrschein- hrf) emc Mm,maltemperatur von 5« C aber, die ebenfalls nach diesen
falt M'al7n .^betriebnahme der Heizung rechtfertigen soll kommt säst in allen Zpatsommermonaten vor: in Gießen war das z. B. schon am . und 24. Bugust sowie an 7 Tagen des September 1916 der Fall.
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Dasselbe erfolgt auch in den Tagen der Maifröste, der sogenannten „Gestrengen Herren" oder „Eisheiligen" und ebenso in den Kälterückfä'llen des Juni: in allen diesen Fällen würde der Beginn einer Heizperiode nach den Vorschriften gestattet sein, obwohl mittags sommerliche Temperaturen herrschen.
In gleicher weise ist die Forderung von 6 aufeinanderfolgenden Bbend- temperaturen von mehr als 12° C für die Beendigung der Heizperiode mit unseren Wärmebedürfnissen nicht vereinbar, da nicht feiten im Dezember und im Februar oder März eine Beihe von warmen Tagen vorkommt, welche diese Bedingung erfüllen, aber gerade dann meist von starken Spätwinterfrösten gefolgt werden, die ohne eine Heizung unerträglich sein würden, hieraus ist zu folgern, daß eine zweckdienliche meteorologische Formel für Bnfang und Ende der Heizperiode nicht aufgestellt werden kann und deshalb kein anderer Busweg bleibt, als ein Verzicht auf eine künstliche und unwissenschaftliche Reglementierung und an deren Stelle der gute Bat: „heize, wenn es dir in deiner Wohnung zu kalt ist, und höre damit aus, wenn es dir nicht mehr zu kalt ist: fei aber tunlichst sparsam mit dem erhaltenen Heizmaterial, besonders in den ersten Wintermonaten, da die späteren in unserem Klima meist die kältesten sind, und nach Lage der Verhältnisse eine Nachlieferung von Kohlen als ausgeschlossen gelten muß."
Die Heizung der Schlafzimmer sollte, wo nicht Gesundheit, Kräftezustand oder Blter ein größeres Wärmebedürfnis rechtfertigen, tunlichst auf die Zufuhr von Wärme aus einem benachbarten geheizten Wohnzimmer durch nächtliches Gffenlassen der verbindungstür beschränkt werden.
Küchen, in denen mit Kohlen oder Holz gekocht wird, werden dabei meist so weit erwärmt, daß sie „bewohnbar" sind: eine Heizung der Küche durch den Kochherd ohne gleichzeitiges Kochen bedingt aber eine Verschwendung von Heizmaterial, da der Kochherd zur Erwärmung der Töpfe und ihres Inhaltes, nicht aber für die des Küchenraumes konstruiert ist. Besonders wenn ausschließlich mit Gas gekocht und eine „Kochkiste" benutzt wird, ist bei niedrigen Bußentemperaturen die Küche zum dauernden Bufenthalt nicht geeignet.
von der Beheizung auszufchliehen sind: Salon (sogenanntes „gutes Zimmer", deshalb auch scherzhaft als „kalte Pracht" bezeichnet), Speisezimmer, unbewohnbare Diele, Flure, Treppenbaus, Bborte, solange nickt Gefahr des Einfrierens besteht; Badezimmer außer der Zeit des Badens wo nicht ernstere Gesundheitsrücksichten in Frage kommen, schränke man die Zahl der sonst gewohnten Bäder auf eines in der Woche ein, wobei, um die Wärme des Badeofens möglichst auszunutzen, tunlichst alle Familienmitglieder nacheinander baden, Kinder unter teilweiser Benutzung desselben Wassers. Bn die Stelle des Vollbades kann auch eine lauwarme Übergießung treten, bei der man sich auf eine hölzerne Fußbank setzt die in die nur handhoch mit Wasser von 35° C (28° R) gefüllte Badewanne geftellt wird, und sich mittels eines größeren Badeschwammes oder mangels eines solchen mit einem Topfe überspült. Der verbrauch an Heizmaterial und Wasser beträgt bei-diesem Verfahren kaum ein viertel des für ein Vollbad erforderlichen.
Es empfiehlt sich, die unteren Scheiben der Fenster durch Decken sogenannte „Fenstermäntel", zu schützen, doch dürfen diese die Heizkörper von Zentralheizungen, die sich vielfach in den Fensternischen befinden, nicht überdecken, wodurch die von diesen ausströmende warme Luft gegen die Fensterscheibe statt in das Zimmer geleitet wird.
Die vielfach üblichen Schalen zur Verdampfung von Wasser, um die Z.mmerluft feuchter zu machen, sind als überflüssig unö' wärmeoerbrauchend überall zu beseitigen. Die scheinbare Trockenheit der Luft rührt von Staub her. der durch die Wärme der Gfen und Heizkörper der Sammelheizungen emporgehoben wird,' eine Reinhaltung derselben ist deshalb sehr zu empfehlen.
b) Verordnungen.
während im vorstehenden im wesentlichen „Ratschläge" zur sparsamen Verwendung des dem einzelnen Haushalte nach Lage der verbältnisse verfügbaren heizungsmateriales gegeben, von einem behördlichen Eingriff in die persönlichen, auf die eigene Wohnung beschränkten Maßnahmen aber abgesehen wurde, werden im folgenden „Verordnungen" erlassen, welche eine Schaoigung Dritter oder der Bllgemeinheit durch nachlässige^ oder eigensüchtiges Verhalten verhindern und damit einer Vergeudung von Heizmaterial entgegentreten sollen.
In allen Fällen, in denen sich in einem Hause mehrere Familien oder Haushaltungen befinden, ist die in ihm durch Heizung erzeugte Wärme als ein „Gemeingut des ganzen Hauses" anzusehen, da sich die Wärme durch die Zwischenwände und Zimmerdecken auf alle Bäume, zu einem Teile auch auf die ungeheizten, verbreitet. Findet an irgendeiner Stelle eine unnötige Wärmeentziehung statt, so werden dadurch alle Teile eines Hauses in Mitleidenschaft gezogen, und dessen sämtliche Bewohner eines Teiles der auf ihre Kosten erzeugten Wärme beraubt. Vas gilt in erster Lime für die Lüftung der Zimmer, die in unserer zu Übertreibungen n igenden Zeit vielfach zu einer Brt „fanatischen Sports" ausgeartet ist. Ein dauernd oder auch nur stundenlang geöffnetes Fenster entzieht, auch Mrm. ln^Eh°r'S- Raum selbst nicht geheizt ist, dem ganzen Hause v^rbävn . n Maße das mit dem erreichbaren Zwecke in keinem
haltnis steht. Ie niedriger die Bußentemperatur ist, um so schneller strömt die wärmere und deshalb leichtere Innenluft durch das offen«,
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