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12.12.1917 Erstes Blatt
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(WTV.) GroßesHauptquartier.ll. Dezember. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Ru pyrecht.

Jir Flandern und von der Scarpc bis zur Somme ent­wickelten sich am Nachmittag vielfach lebhafte Artttterie-

kämpse.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Die Feucrtäligkeit war auf der ganzen Front rege. In überragendem Vorstoß hollen Sturmtruppen iwrdsstlich von Craonne zwciundzwanzig Franzosen aus den feindlichen Grä- beu. Auch in anderen Abschnitten wurden in Ertundungs- gefechten Gefangene eingebracht.

Starker Einsatz der Fliegerverbände. namentlich! an der französischen Front, führte zu heftigen Luftlümpfen. unsere Gegner verloren elf Flugzeuge und einen Fesselballon. Oestlicher Kriegsschauplatz. ^

Nichts Neues.

Mazedonische F r o n t.

Keine größeren Kampfhanblnrgcn.

Italienische Front.

Zu beiden Seiten der Brenta und längs der unteren Piave zeitweilig gesteigerte Artillerie ätiglnt.

Der Erste Generalchiart ermcister L u d e n d o v j f.

Der Abeudbericht.

B-erlin. 11. Dez., abends. (WTB. Anttlich.)

In einzelnen Abschnitten der italienischen Front er­höhte Feuertätigkeit.

Von den anderen Kiüegsschauplätzen nichts Neues.

Einige überraschende und nicht ganz klare Meldungen aus Rußland müssen tmcbcr einmal unser Nachdenken ho schuftigen. General Dscherbatschew soll danach als Ober­befehlshaber mit der Vollmacht betraut toorden sein. Fr iedensVerhandlungen einzuleiten, und zwar unver dein Einverständnis der Enterbte, jedoch nur für die russische Front und unter der Bedingung, daß die russischen Sxeoc von der Front vorläufig keinen Schritt zurückweichen. Offenbar sind die Veröffentlichungen solcher Worte gcgen- wartig nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Vorläufig handelt es sich nur um Waffenstillstands-, keine Friedens- verhanDlungen. In einer andern Meldung heißt es, die Rufserr hätten schon mit der Demobilisierung begonnen. Das würde also bedeuten, daß sie über das Einverständnis oder den Widerspruch ihrer Verbündeten hinweggeschritten sind. So viel ersehen wir aber aus allem.: die Beziehungen zwischen Rußland und der Entente siird noch nicht abge- l>rochen, sondern sie werden durch allerlei künstliche Wieder­belebungsversuche der Engländer aufrechterhallen. Man gibt in London die Hoffnung nicht aus, doch noch einmal .in Petersburg einen Regierungswechsel zu erleben, der den Bestrebungen der gesamten Eittente günstiger ist. Von einein guten Einvernchmen der englistl)-en Diplomatie mit der maximalistischen Regierung ist natürlich feine Rede. Die Kluft ist zu groß, das Mißtrauen auf beiden Seiten nicht aus der Welt zu schaffen. Manberiecht" sich gegenseitig, sucht sich auszunützen,' und einer will dem andern die Waffen aus der Hand schlagerr Der englische Botschafter Buchanan konnte gegen die Absichten der gegenwärtigeil Regierung ganz ungescheut öffentlich Slimmung machen. Trotzki und Lenin lassen ihn gewähren, vielleicht weil sie aus solchen Verö-sfenttichungen nichts befürchten, oder lrur eine fortschreitende Erklärung in ihrem eignen Sinne er- warte-lr. Der Engländer vertritt ja zu offensichtlich rein egoistische Interessen, als daß seine Ernb-läsereien Erfolg haben könnten. Wir sehen aus seiner Rede, daß die russische Bolksstrmmung dem englischen Bundes­genossen sehr ungünstig gegenüber steht, und Herr Buchanan bemüht sül>, den Russen zu zeigen, wie viel schlimmer sie dastünden, wenn England nicht in den Krieg eingegriffen hätte. Er malt ihnen aus, wie dann die deutsche Autokratie längst über Rußland und Europa herrsche. Aber die Ur- saä-en, die Schuldfragen des Krieges? Es wird auf dem weiten Erdenrund immer offensichtlicher, daß England die treibende Kraft zum Kriege war. Daß es sich jetzt so stellt, als habe es uur um der schönen Au-Mi Rußlands und allgemeiner Ateschlichkeit'willen in den Krieg eingegriffen, tv-ird ihm bei den Russen wenig nützen. Es war fiir diese selbstverständlich, daß der große Bundesgenosse sich auch selbst Mi seiner Kriegskeule in den Kampf stellte. Aber die Kräfte reichen eben nicht aus! Und die englischen Kriegsziele stehen im umgekehrten Verhältnis zur militärischen Leistungsfährg- leu der Entente. Die schwachen Schultern eines Buchanan werden das Unvermeidliche nicht aufhalten.

Heute ist der Jahres.«ag des deurfchen Nrredensvor- schlages! Einige zisfermaßige Angaben über die Entwick- lUTig der Lage seit diesem Zeitpunkte haben wir schon wiLderZcigebew Abe miL^cu0sck>en Fachtritiler sliimnen darin uwereür, daß unsere Lage heute weit günstiger ist als vor nnem Jahre. England l>at seine Aussichten, die U-Boot- ^afts der Deutschen erobern zu können, endgüttig aufgeben müssen. Generalleutnant v. Ardenne bespiegelt imBerl. Tagebl." die neuen Mögtichkeiteu auf dem italienischen

^vegsschmrpkatz:.

Tuvck) den Sieg, den Feldmorschall Conrad ixm Hötzendorff ^r^rber am Südrand der Venetiantscben Alpen er- rangen hat, wird dre An-grisfsarbeit der letzten Wochen gekrönt Lage der italienischen Armee an oer Piai^ noch ^serveZchlnnmert. Du Biv.iatvmi iitreo Nordslü^ls eriimcrt tft im ^ ore nagender Fluten bereits mlternxrfchen m uns \tine -oaltbarkert mrr noch miitfam b^oabren £xm. s Xrd(M

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nach de:i bisherigen Einbußen er itallelli- tL LLklwm n^rr Wj lmri> Die ffe 1»-, SW-

"^6 Nruz ö/vUich ho^e Zahl an Ge^airgenL« läßt *u-

dem vernruten, daß der nnoralisch.; Hall mich in der italienischen Nordarmee nicht überall der gleiche ist, wie ihn. *. B die topTecc Besatzung des Moirte Castelgvmberto vor ihrer Kapivllation be­wiesen hat."

Major Moraht betrachtet die netteste Erklärung des Grafen Czernrn über österreichisch-^ltngarische Wassenhilfe auf anderen Kriegsschrcuplätzen:

Dazu ist eine schwere Wolke im Anzuge. Die Wassenbrüder- schaft, welche Graf Czermin für die Westfront proklannerte, jenes rückhaltslose Bekenntnis von der Treue Oesterreich-Ungarns, welche nicht medriger dastehen will, als die Treue Deutschlands, stellt de^l Franzosen in erster Linie in Aussicht, daß sturmerprobte Truppen der Tonaurnonaräne an der Westfront Schulter an Schulter mit uns um den Sieg ringen werden. Wenn im Verlauf des Krieges der Oberste Kriegsherr Deutschlands oder Hinderrburg die Wafteirhilfe unserer Heere gegen Rußland den Bundesgenossen in Wien und Budapest in Aussicht gestellt hatte, so erfolgte auch bald ein wuchtiger Anmarsch und ein kräftiger, überraschender Schlag, der den -Russen aufhielt, seine Linien durchbrach, aufrollte und zurücktrieb Wir brauchen wirklich nicht daran zu zweifeln!, daß den Worten diesmal auch Taten folgen werden."

Schließlich möchten wir noch eine Zusammenstellung wiedergeben, die Generalleutnant v. Ardenne, wie er sagt, auf Grund autoritativer Quellen, über die Gesamtverluste der Entente gemacht k>at. Seit Kriegsbeginn hat die Entente 18 Millionen Streiter an Toten, Verwuride- ten und Gefangenen verloren, und zwar die Russen 9 500000, Franzosen 4 400 000, Engländer (ausschl. Inder) 1 600 000, Jtalrencr 1 fXX) 000, Söer.gicr 240 OOÜ, Serben 'XX) 000, Rumänen 300 000.

-"VW»*».-

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

11. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird egsschauplatz.

Wien verlautbart:

Oestlicher Kr Waffenruhe.

I t a l i e n i s ch e r K r i c' g s s ch a u p l a tz. JmPiave-Mündungsgehiel versuchte der Feind ohne Erfolg die vorgestern eroberten Gräben zurück- zngewinnen.

Der Chef des Generalstades. Ereignisse zur See.

In der Nacht txm 9. auf den 10. Dezember ist S. M. S. Wien" durch feindlichen Torpedoangriff versenkt wor­den. Fast die ganze Bemannrmg wurde gerettet.

Flottenkommando.

Das Appassimgsvennsgen der Eiltente.

Kopenhagen, 11. Dez. (WTB.) Meldung des Vertreters vom WTB. Tie r p s s i s ch e D e m v b i l i s a t i o n hat bereits be­gonnen. General Tscherbatschcw, mit Unterstützung der Al­liierten zum Oberbefehlshaber ernannt, achtelt Voll machten mit Deutschland Fr ie de n s ve r Handlungen ein Bu­letten; sÄwch salben .die Untelchandlungen nur für die russische Formt gelten.

Kopenhagen, 11. Dez. (WTB.) Funkspruch der r u s s i s che n R e g i e r U u g in Zarskofe Selo: Der Rat der Ve-ll's- kmnmisscrre wird voraussichtlich während der FaredeirsVerhandlungen die Vorschläge und Aeußermr-gen der Vertreter der kriegtMaendcn Mächte den Truppen der verömrdeten .'und feindlichen Völker so­fort durck) Funkspamch mitteileu. Dergleichen wird auch der ganze Gwrg der Verhmrdlmrgen übermittelt werden. Laut nachträglich äingelaufeuen Nachrichten haben die Verbündeten prinzipiell ihr Einverständnis zur Eröffnamg von Berhcptd'lungen über einen W a f f e n st i l l st a n d uusererseits erklärt, bei deneri sie je­doch tricht rrur unsere Front, sondern auch die ihre in Betracht zögen, und «unter der Bedingung, daß wir auch nicht um einen Werst zurück- gähM und den deutschen Trnvlien keine cNahrimgsmittel liefern würden. SBöin gestern in Mrode gestellt wurde, daß sich die Ver­bündeten mit dei^ 2Lv'fensllllstandst>ertandlun^<nc widerstanden er­klärt haben, so muß dazu bemerkt werden, daß die Chefs der ver­bündeten Misponeu beim Hauptquartier, von denen in den Tele­gramm be6 allgemeinen Armeekomitees an den pwvisorisch.m Boll- ziehungsEsschuß der Eistvibahrrer die Rede war, unmittelbar nrit ihren Regierungen verkehren, da sie ihren Gestntdtschaften nicht unterstehen.

Buchanan an die Vertreter der russischen Presse.

Petersburg, 11. Dez. (WTD.') Reu.termeldung. Der eng­lische Botsck>aster Buchanan empfürg die Vertreter der ru s st scheu P r e s, e. Ec bcgrüs^e die GelUenhüt, ari die russi­sche Demokratie gegenüber denjenigen appeltteren zu können, die von der britischen Politik eine absichtlich falsche Darstellung geben. Er versickierte den Pressevertretern die Teilu^me Cmglands für das russische Volk, das durch die schweren Krieg.osifer imd al.genieine Desorganisation, die die uuvermeidlick>e Folge der großen Unrwäl- zung dieser Revolution sei, erschöpt sei. Ter Botschafter sagte: Werfrrben keinen Groll, und es gibt nickü ein Körnchen Wahrheit in den Berickstan, daß mir für >den Fall, daß Rußland einen Son­derfrieden schließt, irgendwelche Strafen oder Zwangsnm^ nährnen in Erwägung ziehen. Tie Tatsache, ^daß der Rat der Voll - kommissare Verhandlungen mit bem Feinde ohne vorhergehende Be­ratungen mit den Verbündeten eröffujet '/at, ist >ein Bouch der Ver­einbarungen vom September 1914, über den ,vir uns mit Recht beklagen. Mr können keinen Augenblick die Gültigkeit der Behaup­tung anerkenn«:, daß der mit der aut:>watisckien Regierung ge­schlossene Vertrag keine bürdende Kraft für die Temokoatie haben teil, denn ein solcher Grundsatz würde, einmal angenommen, die Stabilität aller internationalen Abmachungen untergraben. Aber wenn wir mich diese neue Lehre zurückweisen, so wünschen wir doch nicht einen Verbündeten, der nicht mehr mittun will, zu ver­anlassen, weiterhin seinen Teil zu den gemeinsamen Anstrengungen beizutvagen, indeni wft auf die Rechttc des Vertrags pochen

Xman fuhr fort, die englische Rmierung wünsche ebenso wie die russische TemöSralie einen demokratischen Frieden. Der Rat der Äolkskommissare irre aber, tvemi er glaube, diesen Frieden dadurch sichern zu können, daß er einen sosortü^en Waffenstillstand

fordere, auf den daim die Vereinbarung zu' folgen hätte. Gegensatz dazu wünschten die Miierten, z-uer,tz zu einer altgeniei

teilt würden. Tie Berl-andlmigeri werden aber mit der deutschen Autokratie, nicht mit dcm deutschen Bolle gefühtt. Ist es wahr- fckieinlich, daß Kaiser Wilhelm, wenn er einmal sicher ist, dcch oie russische Armee als Kanipfeinl)eit aufgehört hat zu existieren, einen dauerl-aften demokcatisckM Frieden unterzeichnen wird, loie ihn das russisch? Volk will? Ter Frieden, den er plant, ist ein deutscher imperialistischer Frieden. W>enn die Alliierten auch keine Vertreter zu den Wasfenstülsmudsvert)andlnngen schicken können, so sind sie doch bereit, sobald eine dauerhafte, dem Willen des russischen Voltes entsprechende Regierung gebildet ist, mit dieser Regierung die Kriegsziele und die möglichen Bedingungen eines dauerhaften Friedens zu prüfen. Ws dahin erweisen sie Rußland den wirksamsten Bei stand, indem sie die gewaltigen deutschen Armeen an ihren Fronten aufhaltcm. Buchanan erklärte, daß ohne die britisch,: Flotte und ohne die britischen Armeen Ruß­land heute Deutschlands Vasall sein und in Europa die Autokrcftie herrschen würde. Hätten wir abseits gestanden, so hätte es keine Revolution und keine Frecheit für das russische Volk gegeben. Der Botschafter sprach von dem aufrichtigen Wunsche der Engländer, Rußland in der Stunde der Krise beizustechn, während kein Tag ohne einen ybitterteit Angriff der jetzigen Regierungspreffe am Großbrilannren vorübergehe. Man könnte glauben, Großbritannien' sei ^ der Feind, nicht Deutschland, und daß Großbritannien den Krieg firr eigene kapitalistische und imperialistische Zwecke her- vorgerufen hode, daß e% für das Blutvergießen verantwortlich sei.

Buchanan kam darauf zurück, daß Rußland w.hne die britische Flotte und Armeen heute der.Vasall DeMschlands'wäre, und fuhr sott:Wären iprr darum nicht berechtigt, ^den Anspruch zu er­heben. als freunde behandelt zu werden und nicht pöbelhaften! Angriffen ausgesetzt zu sein? Lenin stellte uns aus. eine tiefere Stufe als die Türken, denen er, ohne an die schrecklichen Massakres zu denken, Armenien ausliefern will. Die Lage der britischen Untertanen in Rußland ist nicht beneidenswert. Sie werden augenblicklich zum Gegenstand von Angriffen gemacht oder mit Mißtrauen betrachtet. Es gibt kernen Grund dafür, es sei denn, daß es ein Verbrechen sei, sein Land gegen Verleumdungen von deutschen Agenten zu verteidigen." Schließlich dankte der Bot­schafter der^rnssischen Demokratie und sagte:Ich wei.ß, daß Ihre Führer aufrichtig wünschen, Brüderlichkeit zu schaffen, aber die gegen Großbritannien gerichteten Versuche und Reden, die mrter-, nommen wurden, um in unserem Lande die Revolution enzu- j zetteln, haben dasftbritische Volk nur zu dem Beschluß veranlaßt, den Krieg zu Ende zu kämpfen. Sie haben es veranlag, sich um seine jetzige Negierung zu scharen und es bestärkt."

Zu Buchanans Aeußerungen ist folgendes zu bemerken: Wie man sieht, hält es die Entente für klüger, gute Miene zum bösen Spiele zu machen. Sie läßt scheinbar in edler Bundestreue alle EigenmächtigkeiLn des russischen Bundesgenossen über sich er­gehen. Sie hat erkannt, daß die unentwegte V^ckolgung des Friedensgedankens die Stärke der heutigen Regierung in Rußland ist, und so schwenkt sie ein und ist diesem Gedanken gefolgt, um der Regierung den Wind aus den Segeln zu nehmen, sie zu schwächen und, wenn möglich, durch eine Regierung zu ersetzen, die ihr wieder gefügiger ist. Das Manöver ist zu durchsichttg, um nicht erkannt zu werden. Erreicht wird der Zweck, die Friedensbewe­gung in Rußland aufzuhalten oder eigenen Zwecken dienstbar zu machen, hoffentlich nicht. Gegenüber der Verdächtigung, als ob wir verantwortlich seien, braucht nur auf die Reichs tagsrede desj Reichskanzlers hingewiesen zu werdeist in der dieser ausdrücklich betonte, daß die russischen Grundgedanken kein .Hindernis für den Frieden bieten.

*

Eine Erklärung Fapan».

Kopenhagen, 11. Dez. (WTB0 Funkspruch der russi^ jchen Regierung in Zarskoje Sselo: Der japanische Ge­sandte teilt mit, daß Japan weder die Absicht gehabt habe, nocb haben werde, Rußland den Krieg zu erklären. Ein Mitglied der Gesandtschaft dementierte das Gerücht, nach dem zwischen England und Japa'.r ein Vertrag bestehe, laut dem Japan, falls Rußland mit Deutschland einen Separatfrieden schließe, an Ruß­land den Krieg erklären würde.

*

Die Zinsen der russischen Schuld.

L o n b o n, 10. Dez. (WTB.) Meldung des Reuterschen Bureaus..Laut einer Bekanntmachung können die Inhaber der russischen üprozentigen R e g i e r n n g s-A n - leihevon 1906, die Talons zum Bezüge von neuen Zins­scheinbogen eingereicht haben, gegen Vorzeigung der für die Talons ausgestellten Empfangsbescheinigungen die Bezah­lung der am 1. November fälligen Zinsen bei Baring Bro­thers in London erlangen. Die neuen Zinsscheinbogen sollen dann ohne Zinsschein vom 1. November ausgehändigt wer- den, wenn sie aus Rußland eingetroffen sind.

*

KerenSki.

Stockholm, 11. Dez. Ter frühere russische MiiristerprLsi>

. denk Kerensn ist dem Djan zufolge in Ssaratow zum Mitglied der verfassunggebenden Versammlung gewählt worden.

Russische Pressestimmen.

Petersburg, 9. Dez. (WTB. Nichtamllich.) Meldung der Petersburger Telearaphen-Agentur. Tie übelwollende bürgerliche Presse, sagt das Organ der BolschewikiPrawda", freut sich,

. «?" dre Regierung mcht im Verlauf von wenigen Tagen röten . Waffenstillstand erreicht hat. Es ist eine schamlose Lüge, zu sagen, daß wir versproa-en hätten, binnen' wenigen Tagen den Frieden zu erlangen Tie Unterbrechung der Besprechungen lim eme Woche- i?% n Völkern der Alliierten helfen, ihre Regierungen zuv KEuahme an den Besprechungeii zu zwingen. Das ist von den VoWmassen in Frankreich, Italien, Belgien und Rumänien ab- hanmg Tie gebeuteckige Auffassung der Regierungen der betteffen- den Länder wird sie m den Augen ihrer Völker brandmarken Tw Mern vom Präsidenten Wilson gehaltene Rede und die Erllarung des ttanzosffcteu Botschafters Noickens' zeigt, nach An» sicht des Organs des Rates der Bauern und Arbeiter m Petert-

^r^Wsickst, den Krieg der Regierungen England^ Frank-

?{ m< ^ fa t cB a" f0 lme den ^r deutschen Regierung noch mW l 5 n bie t £Q3l 9e zu ziehen. Ter Zusanimenbruch Vep

grens, Serbceils, Monteiregros und Rumäniens bringt die Alliier- a v ^ Unsere Soldaten, die den Feind unter un-

^ emer Front von 1800 Werst zurückgrhalten

emenicn

Bereinbarung in UebervichXcm nvmg mit ihren ecAärlen Zielen zu gelangen und formt einen Waff-Drsblllstand anzustreben. Bis jetzt sei iwchi kckn Wort von irgendeinem deutsche Stcurtsmamie geäußert nwrde.,, t dem hnvorgehe. daß die JfonLe der ruffisch-n Demo- heiie vo> bei ittäen Kaijer oder von der deutschen Regierung ge-

haben, werden geschmäht. Es ist immer derselbe Kehrrrön'- "Krte bis zur Superrmgc Wie oft sollen dem Kriegsgott nock- TaufWÜ von MensIlleben geopfert toerden? 1

^vas Matt der Menschewik, dieFackel" glaubt daß di !^/brbrechung der Kampsl>andlungen im Ausland während 10 Ta Verhältnissen führen werde. Der Trrt fo- Uefouernkomlnens betvepe es. Punkt 5 des UebereinkommeiZ deute, daß die Deupck>en tatsächlich in der Lage seien, Truppen d