Nr. 287 Zweites Blatt _Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Donnerstag, b. Dezember (917
Ans Stadt und Land.
Gießen, den 6.Dezember 1917.
** Aus A e i cf) it u n g. Dem Lehrer L c v y wurde anläßlich seines AusschHdens anS dem Amte daS Ritterkreuz 2. Masse mü der Krmtc des Philivl^sordenS verliel>en.
'** Opern ö a st l p i e t. Am Freitag, beit 14. bö. Atts., 7 Uhr. vemnstalret der TleLderm-rein im Stadttheater eine Wtssülmmg
ßcmiiKlKn Ojpcr: ..Die Regiinentslechter^ von. Tonizetti durch Mitglieder- des Frankfurter Olvrn Hauses. Ter Kartenverkauf b» tzchet tick in der Mnsikalian'hrndlnng von Ernst EUrllier.
** Der hiesige Schachklub hat die Einzahlungen zu Scltachivettkampf und den Inhalt einer Sammelbüchse, zu- japmven 23.63 Mf., dem Roten Kreuz übmvieseu.
** Reise nickst! Jan .vviup.lahnlw-f zu München befinden sich nenekdings lAnscNäige, die dein reiseirden Publikum, Zivil! xic Militär, dringend zur TarnachachtLmg emvsol' en werden. Bor gAem lxißt Unterlas;! ’i m->L inien, sonst komun
ö zur vollständigen Einstellung des Reiseverkehrs!" Dann: „Die Mitnahme von privaten Schriften, Nachricht«: jeder Art (Briefe. 'Postkarten nsw.l über' die deutschst: ALeichsgrvnAe ist jedermann ,^kch H««S- und Mariar ungehörigen) stvLtg nnt rsagt. tLegebennr- sall-:' sind derartige SkrifNtückc der Grenzüberwm^mgoueÜe zur Weitergabe an die Post adzugebe.tr." Da in der lebten Zeit mehrfach! Me vorgekormnen sind, das-, durckreisande Soldatm Pakete an Private zur Bes-orguna üLKÄeben haben, aber nnehrlich-n Ele^ menten in die foanb gefallen sind, sieht sftft die Blahnl-vfs-komman- dcrntnr paranloßi, folgende dringende Mahnung anzuschilagen: „Soldaten. wenn .Ihr Euch l>or /Schaden bewahven wollt, so. !»ertraut Eure Postpakete nicht fremden Personen cm: gebt sie sMt sm' Post oder wendet Euch an die Bahnhofs kommandan tur!"
LundkreiS Gießen.
** Garben teich, 6. D^. Dem Landstnrmmcknn Wilhelm Stumpf wurde die hessische Tapferkeitsmedaille verliehen.
** Lich, 6. Dez. Huer wurde ein Ortsverem der Deutschen Z^terlandspaatei gegründet, dem bereits 30 Niitglieder bei- getreten sind.
** Utphe, 6. Dez. Den, Kanonier Wilhelm Lind mürbe auf dem westliäieu zbriegssct-auplatz das Eiserne Kreuz zweiter Nasse
Vtttiehen.
Kreis Alsfeld.
** Bleichenrod, 6 Tez^ Dem Landsturin.rrfatten Friedr. 5>edrich wurde die Logische TapferkeitsMedaille verliehw.
Kreis'Schotten.
O Scholl en. 6. Dez. Musketier Karl Rausch erlnclt das Eiserne Kreuz. — Göhrn. Dem Lmrdstnrinmann .Heinrich Loh ^ourde das Eiserne ztzrenz verlielert. — Ulri ch st c i n. Pionier .Heinrich Schmidt. Sohn des Schmiedenteisters Schmidt, der bereits die Hessische Tapferkeitsme-daille besitzt, erhielt das Eiserne Kreuz. — Bob enhause n II. Ten Heldeirtod fürs DntertlM-d starb der Urrtervsftzier Ferdinand Stein, Inhaber des Eisernen KveuzcS. .
Kreis Friedberg.
X. FriedÄerg, 5. Dez. Ein Unbekannter hat hier unter der Llgabe. Wagner zu heißen nnd in Gießen zu wohnen, eine Geige im Werte von 1000 Mb erschwindelt. Der Scl>rvindler ist m Ha nau. als die Kriminalpolizei Feststellungen vorzunehmen batte, chgefaßt worden. Er bezeichnet sich als Artist nnd besitzt Papiere, dir aus den Namen Heinrich Hrrndgeburth aus Worringen bei Wo lauten. Tie Geige will er bereits in Frankfurt verkauft haben.
Stcnkenburg und Meiiihessen.
I. Da r m fta d t, 5. Dez. Bisl^r bestand im LMÜckreiS Darm- stadt keine Zweigstelle für Mutter-- und Säuglings- für sorge. Die Fürsorge wurde von der Zentrale im mittelbar ausgeübt. Nunmehr irntrbc auch für den Landkreis ein Bczirks- auSstchasj ins Leben gerufen, dessen Borstand von Frau Provinz iLl- bireitor Geheim rat Feh, Frau Dr. Kurz - Gräfenhcmsen und Frau Pfarrer von der An - Arhcilgen gebildet wird. Beim Arecsamt tvnrde eine Geschäftsstelle errickiteL.
I. Darm st adt, 6. Dez. Zu der für den Januar am hiesigen Hostheatrr angekündigten Uraufführung von Fritz v. Unruhs Tragödie „Ein b>eschlecht" erfahren wir mxh weitere Einzelheiten, vre den /Ausschluß der OessentliäiLctt allerdings begreiflicher machen.
Handelt es sich doch bei der eigenartigeii Tendenz und dem ganzen Eterakter des Stückes. dessen Textbuch übrigens bisher nur in einer ganz beschränkten numerierten Ausgabe verbreitet wurde, um einen zicnrlich gefragten Versuch, der es rötlich erscheinen lässt, die Bül>- uenwirksamkeit des Stückes erst einmal vor einem geschlossenen! Kreise zu erproben. .^Das Geschlecht" ist eine allegorische, ins Zeitlose gerückte Dichtung, eine B e r d a m m ungd c s K r i e - g es: sie entbehrt einer eigentlichen Handlung: Eine Mutter begräbt mit ihrer Tochter und ihrem jüngsten Sohn ihren in der ^d>lad>t gefallenen Sohn. Ta schleppt man zwei ihrer anderen Söhne herbei, denen daü Grauen des Kampfes den Sinn verwirrt hat. Ter eine ist zum Feigling geworden, der andere im Uebermaß entfesselter Wildheit zum Schänder. Sie sollen am nächsten Tage gerichtet werden. Eine Gewitternacht steigt aus. Tie Mutter hält lauge Akrmologe und Wechselrcden mit ihren Kindern. Der von wllder Raserei befallene Sohn steckt seine Schwester an. Sie löst ihm die Fesseln. Beide rasen in blutschänderischer Weise gegen Zullst und Gesetz. Tie Mutter erlebt eine Art Wiedergeburt. Sie sästlt- telt die beiden Kinder von sich ab. Ter wilde Sohn begebt darauf Selbstmord, bic Tochter verdammt sich zu einiger Unfruchtbarkeit. Tic Sieger, darunter der jüngste Sohn, kehren beczerstert aus der Schlacht .zurück, das Strafgericht zu vollzicl>en. Sic finden imr den Feigling noch am Lebvn. Die Mutter gerät in Verzückung, entreißt dem Feldl-errii den Stäbl und verkündet eine neue Zeit. Ter Führer bringt sie um. — 'Das Sll'lck soll das erste euicr Trilogie sein, aut die man nach diesem verheißungsvollen Anfang nur gefpamrt fein kann.
I. Bon der Bergstraße, 5. Dez. Aus den norddeutschen Großstädten haben sich zahlreich' reiche Familien au der Bergstraße an ge siedelt, so in Jugenheim, Auerbach und Seeheim, die hier die LebeuSmittelknapplxftt der KriegSzeit besser zu überstehen hoffen. Ter Zuzug dieser stcuerkräftigeu Elemente liat für die betreffenden Gemeinden den Vorteil, daß sie trotz der Kriegslasten ihre Go mcindestcuern beträchllich herabfetzen konnten, See heim z. B. von 1l5 aus 33 Prozent. Audeversttts aber trägt ec zur Berteueruug der Lebensmittel wefenllich bei.
Kreis Wetzlar.
ra. Bon baden (Kr. Wetzlar), 5. Dez. Leutnant der Rcs. und Kompagnieführer Paul Schmidt, Sohn des verstorbenem Rektors Schmidt aus Bonbaden, erhielt das Eiserne Kvsus 1. Kl.
Hessen-Nassau.
- — Frankfurt a. M., o. Tez. Zum Leiter der gesamten Lebensmittcll>erf>orguug Fvcorkfirrts ivählte di^ Stadtverordneten» Versammlung ans die Tauer von 12 Jahren Dr. Schm ude-Ber- lin-Teltmv und setzte dessen Gel^alt aus 15 003 Mark jährlich fest. Ms Vertreter des neuen Leoensm stteldivSLiorS wühlte map den hiesigen 31 aht bib i io t i* Hans Sa fr eng. Gegen die vom Ober- p.ä i.e.cten verfügte ZiftLnmeule.Mlg der Herbst» und Weihuachts-- fericn erhoo die BersaminLung Evppruch und gab dem Wunsche Ausdruck, daß man in Zukunft sich bei der Bel-andtuing derart wichtiger Fragen mit den maßgebenden Stellen der größeren Stäbfce in Verbindung setzen möge. Nack) lämgevem ?Nemungsaus- tausch nahm die Bersanrnckung einen Antrag an, der den Magistrat ersucht-, für die Organijatimi der WtolMingsbeschrffuing nach! Fric- densickLuß schon jetzt einen besonderen Airs schaß aus Vertretern der Stabt ww der Baugeivosfenschifb >\ eruz/usetzen. Vom Magistrat wurde dazu mitgeteilt, daß die Stadl bereits die Schaffung eines BesiedLimgrsaintes beschlossen l-abe.
G. A. Wiesbaden, 6. Tez. Zur Festnahme des WiL« badener Raubmörders wird noch gemeldet: Zdarpezak tolle in lbobhlniki, Kreis Samtor eine Braut, mit welcher cc schon seit ,«HS Jahren verlobt ist. Sstwn einmal iinir die Trauung angcsetzt: die Hochzeitsgäste waren bereits anwe end, da aber die Papiere nicht in Ordnung waren, mußte die Trammg verlegt >verden. Am 30. Noveinber, nwrgens, erhiell Herr von Ttoardvwski, der Besitzer von ZVobylu-iki. ein Sciztreiben, »vonatti er die Braut des Kärp- mt beobachten lassen solle, da man vermute, daß der Mörder sich ihr vielleicht nähern werde. MittasS nahm der Wackchneistzer von Samt er bei der Braut Hmissuchung vor. dabei fand er ein gerade etngetroffene* Telegramm von Karpczak, worin dieser.seine Ankunft mittags um 3 Uhr in Samter ankündigtc. Ter Bahnhof wurde bewacht. Karozak kam aber schon um 2 Uhr cm und ging vu Fuß nach Kobvlliiki. Um 10 Uhr abends konnte er in der Wohnung ferner Braut festgenommen werde/r. MS man ihn fragte,
ob er wisse, warum cr_tierlwftct werde, entgegnetc er: ,Lan»ht, ivegen Fahncnflullzt." Sobald er gefesselt war, zeigte man ihm dm Steckbrief.
wz. Worms, 5. Tez. Heule morgen wurde am Lutberplap' bei dcm^Wettcrl-äuSchen .in Mann mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe tot aufgefunden. Ein Revvlrcr lag nebenan. Rach den bei der SeiftenMgui aufgeftindenen Papimn ist der betreffende ein gewisser Josef Sahnt mis Friesen (Bez. Allfirch)
(ßcricb^idal.
X. H anau, 5. Tez. Obermedrs Hcd>a-Seifc war der Gegenstand eines interessanten Prozesses vor dem .Hanauer Schöffengericht. Die Firma Obermeyer & Eo., G. m. b. H., in Hanau stellt diese Seife, die zu Heilzwecken bestimmt ist. Her und jetzt sie an Apvtlx'len und Troaerian dx Ws Mitglied des Markenschutz- Verbandes schreibt sie ihren Abnehmern die Enthaltung eines bestimmten Verkaufspreises vor. Dieser Verkaufspreis wurde während des Krieges mehrfach erhöht, zuletzt am 1. April 1916 auf 90 Pf. für dlts kleine nnd 1,10 Mk. für das große Stück. Tcr Firnra Obcrmehcr kc Eo. war nun nicht vvrgewvrfen, daß ste selbst zuviel an der Seife verdient hätte, es lvar ihr aber zur Last gelegt, daß die von ihr vorgesclrriebenen Berkmisspreise ihren Kunden einen übermäßigen Gcwüui versäjafften. Unter dieser Anklage hatte der Geschäs-tsfülnx'r der Firma, Herr.Hugo Obermeyer, vor dem hiesigen Scliöffengedchte zu erscheinen. Er bestritt auf das entschiedenste, sich strafbar gemacht zu haben, nnd führte <m3, die Herba seife sei eine reine Medizinal seife, die nur für Heilzwecke bestimmt sei. Trotzdem sei sie zu einem Preise verkauft worden, der weit unter dem der gelvöhiürcheu Toiletten seife geblieteu sei. Bon einem übermäßigen Gewüme könne gar keine Rcdc sein, iveder für itzt, noch für seine Abnehmer. Diese Angaben wurd«- von allen Sachverständigen in vollem Umfange bestätigt. Herr Tr. Braunmüller, Borstand des fyiefipen Nabrmtgomittelnnter- suchungüamtes, sagte aus, die Herbaseisc enthalte außer 78 Pro« zcnt iuernjeife — also den Bestandteilen eiirer guten Totlettenseise — Extrakte von lwilkrästigen Kräuttnt. Sie sei eine Medizinalseife. Dtt übrigen Sachverständigst — zwei Seis-ertfabrikanten, ein Llpothekeirbiesitzer und em Drogerieinhaber aus Hanau. Offen bach und Frankfurt a. M. -- erklärten übereinstimmend, lx'r Preis der Seife und der Gewinn daran seien keineswegs übermäßig. Ter AmtÄanwalt beantragte aus Grund dieser Aussagen selbst die Freispveclmng. Ter Bvrfitzendc des Gerichts verkündete das Urteil dahin: ES müsse allerdings mit aller Energie jeder übermäßigen Preissteigerung entgegcngetreten werten. TaS dürste aber nicht dazu führen, daß ohne ausreichenden Grund Anklage- erlroben würde. TieS sei im vorliegenden Falle gesctelnn. Dre Staats^ anwaltschaft treffe keine Sckylld, wohl aber sei es Sache der Preis- prüfungsstelle und des Kricaswucheramtes gewesen, vor Weitergabe an die StaatSammiltschasl Sachverständige zu hören. Aus rechtlichen und tatsächlichen Gründen werde der Angeklagte sreige^ sprvclien, und nach Lage der Sache sei es Hit angemessen ango> felgen worden, auch die Kosten der Verteidigung ans die Staatskasse zu übernehmen.
Vermidchte-.
* SaarL rücken, 4. Tez. (Priv.-Del.) In der Vergangenen Nacht entstand in einem Hanse der Deutschl-^-rrensttnßr ein Schanden f euer, das mit großer Gewalt nm sich griff. Während es den übrigen HmrsbeiwolMrn gelang, sich zu retten, kam der im zweiten Stocktverk wollende Reckmungrat a. D. F i s che r und dessen Schwägerin in den Flammen um. Tie Leichen konnten nur in verkohltetn Zustande geborgen werden. Ter Sachschaden ist- ziemlich beträchtlich.
* G ras Kuno zu Rantzau, der Schvoegersohn des Fürsten Bismarck, ist im Alter von 75 Iabren bei Schönkirchen in Holstein gestorlnrn. Seit dem November 1873 war er mit Gräfin Marie v. BiSmarck, der einzigen Tochter des Fürsten Bismarck vermählt gewesen. Ter Verstorbene hat verschcdene Gesandten- stellungen, so in München und im Ü)aag. innegehabt. 1895 nahm er seine Entlassung aus dem diplomatischen Dienste und lebte feit> dem in FriedriäiSruh unk bann in Tvberödors UH Kiel.
Cliitcrcftc dcr vielen Bruchleidenden lei a» dieser Stelle nochmals aanz besonders auf das du* eutiger Nummer blnaewieicn."
ierat in


