Ausgabe 
23.11.1917 Zweites Blatt
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Sr. 275 Zweiter Blatt

ErtcheiM «ßNch mit Ausnahme bc§ Sonntags. ^

t6Z. Jahrgang

BtiUflen:Sletzeaer KamlllrndlStter" und Lretrblatt für dev Ureir Gietzev".

psßschEonto: FranksiM am Main Nr. Nd86. Svvkoeriehr: -ewerdedank Kietzen.

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Donnerstag, 22. November \9tf

ZwillingSrtmdoruck und Verlag.

B r ü hl'lche Unwerjnäts-Buch-u.St undrl.ckerei. R. Lauq e, Gießen.

General-Anzeiger für Oberhejjen

Schristleitung. Seschästsstelle und Druckerei:

Schulstcape?. GeschähsjreUe u. Pertag:

Schriftleiumg: e^fco* 112. Anschristfär Tr^htllachrlchtcn:AnzeigerGits;en.

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Stadt «nd Land. .

Gießen, den 22 . November 1917.

** Anszeichnnngen. SEn-rnt Rudolf Fourier Schn des GeschLftsführers der Octslaff- Seinrich Fourier, wurde nrit dein Eisernen Kreuz 1 . Klasse ausgezeichnet Der Schlitze Illerander Galinski erhielt ' dre Hessische Aapferveitstneduille.

" Beförderung. Zum Leutnant d. Res. der Fnßart. «rrde der Mzewachtmeriter H i l d, Serrtnant d. Res. der

Infanterie der Vizefvldwebel Dern, beide von hier, be-

fftrixrrt.

** Die Bestattung des Frl. v. Grvlman auf dem alben Friedhof aestattete sich gestern mtckmiittag zu einer erndtmcksvollen Trauer Feierlichkeit. In der FrieHhvfs- ßapelle lvar der Sarg, in dem die Verewigte ruhte, von Palmen, lMrrcziern und Mattgew-achseri wnrahmt. Eiar Mnder- chor leitete die Feier wirkungsvoll ein. Pfarrer Schwabe hielt die Gedächtnisrede, in der er ein packendes Lebensbild der EntsäLasenerl entrollte, die nrit allen Fasern ihres :rs an ihrer Vaterstadt Gießen hing und die ihr langes n. hindurch in jener Straße wohnte, die man einst neu die aber jefct mit zu unserer Altstadt zählt. Nach, Rede des Geistlichen widmete Beigeordneter Emme­lius namens der Stadt Gießen der Verstorbenen einen drrzen, aber warmempsundenen Abschredsgruß und legte eme prächrige Drcm^spende an der B>ahre nieder. Mit Gesang schloß die Feier in der Kapelle, worauf die zahlreich er­schienenen Leidtragenden die Verstorbene auf ihrem letzten boge zum v. Grolmarr schien Erbbegräbnis geleiteten.

L.ll. llniversitäts gottesdien st. Die Landes- mriversitat hat, obwohl sie non der Einrichtung eines regelmäßigen Umversitiitsgottesdienstes für diesen Dinier noch Llbstand gen-ormnen hat, beschlossen, am Toten­sonntag abernmls einen solä-en Gottesdienst abzuhalten. Er wird wieder in der Neuen Aula um II 1/4 Uhr stattfinden. Bestrnrmt ist er in erster Linie für die Angehörigen der Universität und ihre Familien; doch ist der Eintritt für jeteniuiim frei Die Predigt loird Pvosessor D. Schian

** S<t itptfbeitera mt. Tie Geschäftsräutnr sind um Sams- bfn 24. November l. I. aus Anlaß des Geburtstages des »Herzogs geMosftn.

^ Frachterhöhung. Vom 20. November an wird für die Beförderung von Gepäck und Expreßgut das Doppelte der bisherigen Fracht erhoben. Näheres siehe jmanntmachiu'ug.

** St adt t he ater. In der Festvor stell un g am Samstag wirken mit außer dem Gast Herrn Kurt Wefter- n a n n vorn Darmstädter Hoftheater die Dämmt W i s s e r und Dörr sowie die Herren Stengel und Wenzel.' Eine Schüteroorstellung vonBraut von Messt nck

Nt tr/ii+üff-ait ^TWf+ltinrü-

kft für nächsten Mittwoch nachmittag angesetzt worden.

** Fortschrittliche Volkspartei. Mittwoch 28. November, spricht im großen Saal des Hotels Fürstenhof Meichstagsabgoordneter Dr. Miemer überMede und FrecheitH Siehe Arrzeioe.

* Spa rt mit Licht. 9öcrch der Bundesvatsverordmmg vom 11. Dezember 1916 ist eine Enrschmckuug der Beleuchtung fitr Lädett, Gescknftshrörser. Gast-, Speise-- und Schankwirt sckml- ten. Cafes, TlMtters, Lichchpiellhäuser und überhaupt sämtliche Mognitgungsstälterr augvorünet. In allen diesen Betrieben muß die oelnchllmg auf das imbedingt erforderliche Maß eingeschränkt chen. Dre dauernde Beleuchtung der gemeinsamen Hmlsfllrren WohngErden ist nach 9 Uhr abends verboten. Diese Besiim- ~\$en finden noch« nicht die geniigende Beachtung: noch immer m ellizelmm GesMftshäÜsern 'die Beleuchtung zu früh iuü> in m grossem Umfattge cki Gebrauch genommen. Auch ru einzelnen Msthäusern ist die Beleuchtung keinestovgs auf das unbedingt «forderliche Maß citrgeschrrörkt; konnte doch noch neulich festge- M t werden, daß in einem Gastzimmer 4 Kronleuchter mit allen daran befindlichen Glühbirnen brannten für 2 Gäste, die in denr ÄMe amvesenb waren. Eine solche Verschwendung ist ünver- nwoortl ich. Es ist Pflicht aller beteiligten Kreise, auch hier mllzu- sparen und die Betlenchttmg aus das wirklich tmbedingt erforder-, '«he Maß elNMschränkm.

Landkreis Gießen.

** Grünberg. 22. Nov. Dem Leutnant Fritz Hille von Ac wurde das österreichische Militärverdienstkreuz mit der Kriegs-

dMvation verliehen.

Kreis Büdingen.

r-v ^^Ä'inaen, 22. Nov. Hier hat sich eine Ortsgruppe der ^ewschen Vaterlandspartca gebildet, dae bereits 68 Mitglieder zäl?lt.

CSi|rrtc Kreuz zweiter^Klaste wurde dein Vizefeldw-;'bes Rcin<

hard Henzel, sowie dein Sclstitzcnl Franz .Heinz verliehen.

. e. Kreis Büdingen. .Ter-ütze Wlllielm Naza r enus nr Orleshausen erhielt das Eiserne Kveu^ zweiter Klasse. Ter Ge,reite Robert Karl aus Boben hausen I nnirtie zum Untevofstzier befördert uird nrit dem Eiserrcen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet. Ter LmrdstnpinmMM .Karl Löffler in Usen­born erhielt zum Eisenren Kvenz die .Hessische Tapseckeitsmedaitle.

^ Ortenberg, 22. 97ov. Für den Kaiser- und Volksdcmk 'Ah- Mr die Einheitsschachteln an die Sold-.rten des 18. A.-K. zu Weihnachten 1917 stiftete der hiesiae Zweig verein vom Roten Kreuz 1050 Mk., es beteiligten lich bis jetzt an dieser Svende die Gemnzrden Bergheim mit 100 Mk., Kvnradsdorf mit 35 Mk., Estvlderbach mit 150 Mk., Hirzenhaiir mit 150 Mk, Lißberg mit 70 Mk., Ortenberg mit 100 Mk., Selters mit 100 Mk., Usenborn nnt 150 Mk.; eine Gemeinde steht noch aus, das noch fehlende Geld mich durch freiwillige Beiträge ansaebracht ,oerde:n

4. O x t e nber g, 22. Nov. Auf die reiche LicbeSgaberisendung, dre der l'-iesige Zroeig verein vorn Roten KreuK mit dem Frauen- verern a_: den hessisel^n Landesverein vom Rvten Kreriz in Darm­stadt afrjaitbte, ging fragendes Tanktelegramm der Großherz-ogin em:Eben großartige Sendung an das R.,üe Kren- geseheir, bitte mlen Beteiligten tausend Tank. gez. Eleonore." Allen denen, die irgendwie zu dem Gekingen des Werkes beigetragen haben, geben! wir hiermit den Tarck unserer Lrmdessü-rstin kveiter. Weiter fiesen bisher allein von 7 Lazaretten Dankschreiben ein. Eiir großer Teil der Gaben wurde vor allen Dingen den beiden hessischen Laz-arettzügen als Well>irachtsgabe überreicht und kommt so in erster Lime den schwerverwundeten und krariken Soldaten, die aus säMeven Kämpfen heimkehren, zugute.

Kreis Lauterbach.

. rr. N i e d e r - S t 0 l l, 21. Nov. Dem hiesigen Wagncrmeister Heinrich Goppiel wurden in einer der letzten Nächte drei fette Gänse laus dem Stall gesttMen und im .Hofe sogleich geschlachtet. Fn Anseliung der hohen Preise, die eben für Gänse gezahlt werden, ist der Säiaden, den der Bestohlene ein tu geringen Verhältnissen lebender Handwerker erleidet, ein recht erheblicher.

Kreis Schotten.

up. Viom vorderen V-ogelsberg, 22. Nov. Ter milde Charakter des Vorwinters ist der EntwicLkmg der Wintersaaten außerocdenÄich förderlich gewcheiu Tie Kornsaat hat sich so dicht bestach, daß sie aussieht wie ein geschlossener Mvosteppich. Mit dem vorjährigen dünnen Bestand ist der diesjährige gar nicht zu ver- gfcicben. Ganz dasselbe inuß vom Winterraps gesagt werden. Auch der Klee zeigt ^gnten^ Grundbestand. Ta auch der Weizen recht gut gesät worden bst, so smd die nrsälchjlichiQt BÄängmtgen zu einer guten Ernte voll gegeben.

Kreis Fricdberg.

th. Butzba ch, 21. Nov. Gestern wurde von denr gegen ^Uhr abends^ hier einlanfenden Zuge der Nebenbahn in der Nähe von PohlgönS cm 10lljähriges Mnd derartig überfahren, daß an ;einem Aufkommen gezweifelt wird. Dem Verletzten wurden beide Berne und ein Arin abgetrennt.

** Kir chgöns, 21. Nov. Infolge der Knappheit und des hvheir Preises der Wickle ist die Schafzucht wieder lohnend geworden. T-as zeigte sich bei' der hier vercrilstalteten, gutbesuchten Schaf- versteigeriorg, bei der ungeivöhnbich hohe Preise erzielt wurden. Ein Mutterschaf kostete 250300 Mk., ein einjähriges Mutter- lamm 150170 Mk., ent Hammellamm 130140 Mk.

Starkenburg und Rhemhessen.

I. Darm st adt, 21. Nov. Der Provinzialansschus; von Star­kenburg hvb in Sachen des Jak. Müller II. von Gernsheim hie Entscheidungen des Kteisamls m:d des Kreisausschnsses Groß- Gerau mrs, unter Ikebernabme der Kosten auf die ÄaatMasse. In Annensachen nmtbe der Mage des LandarnMiv>erbcmves Koblenz gegen deri Oarrdarmenverband Tarmstadt stattgegeben und der Be­sagte. kostenfÄlig verurtellt, dagegen wurde die Klage des ^Orts- armenVerbands Tarmstadt gegen den Landarnrenverbänd Darm- stad t kostenfällig abgewiesen.

I. D a r m st a d t, 21. Nov. Die Technische Hochschule hat eine W ä r m e st u V e eingerichtet, in der die Stvdierertden und Hörer bis 9 Uhr abends arbeiten können.

I. Retzbach i. O., 21. Nov. Das Aittvesen des 60jährigen Landwirts Locker brannte vollständig nieder. Unter den Trüm­mern fmrd man die verkohlte Leiche des Greises. Tie Vermutung ist trickst ausgeschlossen, daß er selbst das Feuer anlegte.

Kreis Wetzlar.

ra. Groß--Rechtenlw.ch, 22. Nov. Unferm Polrzei- sergeanten Langsdorf wurde das Berdienftkreu'z kür Kriegs- hüf« verliehen. .

Nrnift «nS wiffenfchaft.

Andreas Hofer-Dichtungen. (Zu seinem 150. Mburtstage, 22. Rov-ember. - Ter Tiroler Andreas Hofer ist von den Tickstern der- deutschen Freiheitskriege als der Erste gefeiert vvrden, der im Heldenkampf gegen den korsischen Evobever für die Erlösung Europas sein Blut vergoß. Deshalb wollte E r n Moritz Arndt, daß am 20. Februar, dem Tage, rot dem der Sandioirt von Passet-r auf der Festtmgsbastion von Mantna die tötende Kugel entpfing, alljährlich ein feierlicher Gedenktag ver- Asdallet werde,ein Fest der edlen Toten znm Andenken der Mutschen Männer, die glücklich oder unglücklich im Kampf für das Dstertand gefallen oder mecyeu des kühnen Wagnisses oder nur faßen des Gedankens der Freiheit von unserit abscheulichen Tyran-- Nkit ermordet und hmgerickstet sind".' In Hofers volkstümlich Michter und hevoisÄ-s!iolzer Persönlichkeit war für die ganze Welt M Symbol des Tiroler Freihcitskampfes gei'chilossen und ist es' Üpcfr heute. Deshalb tvnrde der Name desherrlichen. Tiroler veldlZroiptmannes" zum berühmtesten in Deutickstand: man vec- Kich ihn mit den antiken Fveiheitshelden, einem Brutns und ^ato.Alles trauerte uni den Tstd dieses heldenmütigen :nnd> heundlichen Mannes", wie Arndt in seinemGeist der Zeit"'e r- Mt Die deutsch' Dichtung f?at es sich angelegen sein lassen, dlesen Ruhm für immer in den .Herzen der Nachwelt lebendig ru erhalten, und we^m wir hetrte, da 150 Jahre 'seit, seiner Geburt verflossen sind, etit anschauliches Bild desGeneral Barboue", tvie ihn die Italiener wegeit seines prächtigen Vollbarts nannten, ^ Äugen haben, so dankeit wir das den Flügeln des Gesanges, WC seinen Namen durchs niehr als ein Jahrhundert forttrugen. Jeder Merer dentsckMN FMteitssrörger hat ihn verherrlich!: Theodor Körner in jenay^MMrell, dasLeyer und Schivert" einteitet, schenkendvrfEt markigen Hofer-Gedicht, das den

Landwirt ans seinWMLebonS Höhe zeigt, )yie er in Jnsbruck den! umjtrbeltckxn S^udenteit stiuhe gebietet u^td ih

--- -- ihnen seinen katser-'

fwmmen Ernst eatgegenhäll, Rück^rt in seinem frischen Uev, das den gmizen Mann in seiner ehrlichen Entfalt vor uns TOelÜ. Tie vokkstümlochide Hofer-Dlchttmg ist sieilick> erst 22 pahre nach seinem Tode genhaffeil ivorden : von Julius Mosen m denr vielgesmrgenenZu Mantua in Barchen".. Aber nicht nur lyrischen. Strophen entflammte Hofers Kämpfen und Ziegen

die Dichter, sondern dieser Stoff, den Hebbel den rührendsten der neuerett Geschichte genannt fiat, lockte auch zicr dramatische Ge­staltung. Nachdem schon 1816 Paul Wigand den Sandwirt zum Helden eines matten klassizistischen Dramas getnachl hatte, <mb Immer man n dem bedeutsamen Borwurf der Tiroler Erhebung eitte wirksame und würdige Form, die ihm in der llmarbeitung, des zunächst noch wirrenTrauerspiels in Tirol" (1826) zu dem TratunAndreas Hofer, Sandwirt von Passeier" (1833) gelang. Tie Gestalt des Helden tritt_ hier erst beherrschend aus dem ganzen Volke hervor, und sie ist plastisch gestaltet mit all der schwerfälligen Tretre, denr gläubigett Sinn ttnd der heißen Vaterlandsliebe, die dem geschichtlichen Hofer eigen waren. In feiner Schattiermtg smd die Gegensätze der fentdllchen Parteien um ihtM»erteilt, und nicht minder wird die Gefahr der fühlen, be-, reaMnden Politik am Wiener Hofe gekennzeichetet, als die leicht­sinnige Prahlerei der Franzosen. Jmmermatrns Werk, das sich an Shakespeare, Zchiller und Kleist anlehnt, ist eine wertvolle uud interessante .Dichtimg. Die rechte Form aber für diese Vol'ks-

ra. Nauborn bei Wjetzlar, 22. Nov. Leuttrattt Ewald Reh­horn, der Sohn unseres früheren Lehrers Rehhorn, wurde mit dem Eisernett Kreuz 1. Klasse ausgezeichptet.

ra. Oberbiel >'Kr. Wsetzlar), 22. 9bov. Aluck, der zweite Sohn des Fabrikarbeiters Kbnrad Rink, der Grenadier Friedrich Rink, wurde mit dem Eisernett Kreuz ausgszeillMü.

Hessen-Nassau.

--- Frankfurt a. M., 21. Nov. (100 Jahre Sencken- berg-Gesellschaft.) Wie die meisten wissettschaftlichen Insti­tute Frankfurts, so ist auch die Senckettbergische Natur- forschende Gesellschaft dtte Stiftung gemeinnützigen Bürgersinnes, cms privaten Mitteln gegründet und bis heute trotz chrer fast weltumspannettden Bedeutung als Psiegstätte echter Wissenschaft allem von der Frankfurter Bürgerlchast erhalten wor­den. Die Gesellschaft trägt den Namen deS Arz:es Tr. I. Ehr. Senkend erg, der am 18. August 1763 die noch heilte unter der Bezeich'jnnngSeirckenbergische Stifttmg zum Besten der Arznei- kunst und Krankenpflege" mit einem Kapital dort 95 000 Gulden? gründete. Als 1814 Goethe auf die inztmsckten verwahrlostett S rmm- ltmgen und Stiftungen desHospitals "aufmerksam machte, er, ließ, Dr. Philipp Cretzs.chmar 1817 chnen Aiufruf zu erneck Vereinigung mit dem. Zweck, die Senckenbergischen Anstalten im Sinne des Stifters lveiter zu hüten und lvissenfchastltch zu pflegen. Am 2 2. November 1817 wurde die Gründung derSencken-- bergischen Gesellschaft^ vollz'ogen. Unter der Leitung der ersten Direktoren Dr. Cretzschmar, 0 . Heyden, Neuburg imd Bogner? blühte die j'unge Stiftung machtvoll aus. 1821 erösinete man das neue Museum am Echchietrheittter Tor, einem Bau, der bis vor 10 Jahren die immer gewaltiger sich, ausdehnenden ncrrurwii,en- schaftlichen Sammlungen barg. Denn mit Feuereifer und uner-» müdlichem Forschertrieb sammelten die Mitglieder die ivertvollsten Sch,ätze, so daß> das Senckenberg-Mlnsenm bald Weltruf

genoß. ^Opferfreudige Hände waren stets bereit, rvenn es galtz, Mittel für Erwerbungen seltener Schaustücke aufz

aufzubrmgen. Eduard R ü p p e l l, Albert von R e i n a ch, Carlo v on Erlanger, Freiherr von G 0 l d s ch, m i d t - R 0 t h s ch i l b, Arthur 0 011 Gwinneru. a. werden in der Geschichte der Gesellschaft siets als Mäzene und Förderer ersten Ranges genannt weidetl. Seit 10 Jahven hat die Gesellschaft in dem Museum an der Viktoria-Mlee ein Heim geftrjnden, das an prunkvoller Ausstattung uud -.rusgö- zeichneter Zweckmäßigkeit in Deutschland kaum seinesgleichen findend dürfte. Neben der Sammlung von naturwissens,chasilichen Objekten betätigt sich die Gesellschaft in erster Linie wissenschafttich hervor-« ragend durch Vorträge, Lehrgänge und ausgezeichnerc literarische Deröffetttlvbstmgen. ihre wertvolle, vie tausend Bände umfassend^ B üche rei ergänzt die wissenschaftlichen Aufgaben der Gesellschaft. In den ei?n?Nelnen Instituten des Senckenbergianums finden dick strcknevende Jugend und der forschende Gelehrte Anregungen dick FiLle. Und wemt am ' d. M. die .Hundertjahrfeier der Gesell- schiajt in. Gegenwart der Spitzen tmd Behörden, voran dev Kicktusminister, und imgezählten wissenschaftlichen Körperschaften des Reiches glanzvoll bedangen wird, dami nimmt auch die Bürger-« schaft der Stadt mit Stolz an dem Jlübelakt teil, da ans ihrer Mitte die Gesellschaft geboren ward und von ihrer opferwilligety Hand seit einetn Jahrhundert getragen wird. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der gestrigetr Auflage ettthalten.)

= Frankfurt a. M., 22. Nov. Hier eingegangeneti Mel­dungen zufolge wurde der Mörder der Eisenbälmschaffnerin Paula Weigel, der frühere Krankenhausdiener Karl Martin Suter, in Dresden festgenommen.

ra. Marienberg, 22. Nov. Tie Vertretung des- hiesigen Amtsgerickst-8, die bisher dem Amtsgericht Hachenburg oblag, ist jetzt dem Amtsgericht MMtabaur übertragen worden.

ra. Weilburg, 22^Pov. Tie erneute Wahl des Gehmirm Sanitätsvltts Dr. 5^ö hl e iT utch des Rentners Georg Er l e n b a ch zu Beigeordneten auf die weitere Tauer von 6 Jahren ist vom Regiernngspräsidenten bestätigt toordett.

Gerichtssaa!.

I. Darmstadt, 21. Nov. Die 28jährige geschiedene Hau- siererin Katharina Herlein von Nieder-Beerbach hatte einen 14jährigen Sckmhmacherlehrling dazu angestiftet, mit einem Schlüs­sel in ein Zimmer einzudringen und dort Wäsche usw. zu stehlen. Auf diese becrrieme Weise wollte sie sich die Aussteuer für eine neue Heirat besckxrffen. Sie erhielt 6 Monate Gefängnis wegen Hehlerei; das; sie die Anstifterin war, kam erst währettd der Verhandlung zu­tage^. Der Verführte erhielt einen Monat Gefängnis. Hasen- diebstähle, aber auch Brotdiebstähle, die er mit einer Bande jugendlick?er Genossen verübt hatte, trugen einem lSjctfiri- gen Daglöhner von Vierrcheim 6 Monate Gefängnis ein. Seine Genossen sind' längst abgeurteilt. Er hatte der Beladung nicht Folge geleistet, was er mit einer längerett Untersuckpmgshaft zu büßen hatte, die nicht angerechnet wird. Er soll der bedntgten Be" gnadigrmg empfohlen werden.

dreas Hofer" (1845), und ein echtes Volks stück wollte der Schöpfer derSchwarzwälder Torfgeschichien", B e r t h 0 l d Auerbach, in seinem 1850 erschiiettenen fünfaktigen TrauerspielAndreas Hofer" geben. Geluugen ist es ihm aber nicht, und das harte Urteil Gottfried Kellers besteht .zu Recht, der'an Hettner darüber schreibt' Höchst dramatisch und tragisch muß der Konflikt sein zwischen dem sich opferndetr, betrogenen Volks Helden und der falschst elenden Dynastie und aicch getviß bedetcttmgsvoll ttnd zeitgemäß: in dieser Hinsickck ist Auerbachs Intention durchaus anznerkennett und zu loben. Nur mußte der Held auch etwas sagen, etwas ltandeln, kurz uns ein wenig unterhalten. Ein Mensch aber, welcher nie das Maul anftut, als mcr dann und tvatm zu sagen:Mein Koaser!" und txnm wieder still ist und sich zuletzt erschießen läßt, der ist in meinen. Augen kein tauglicher Mitspieler in einer Haupt- und Staatsäktiou." Tie Schwierigketten in der Behandlung des Stoffs hindettett Otto Ludwig an der Ausführung eines Hofer- Dramas, für das k viele Jahre Entwürfe tmd Pläne geschmiedet Der Stoff aber reizte immer wteder zur Gestaltung, und so besitzen wir tmendlih viele Lteder tmd Rov'attzen, Bol'ksstbcke,

Festspiele und Opern, die H?ofer in der stimmimgsvollen Belench- ttmg des Alpenglühens, unter ZiterklänAm und mit Sckptada- hüpserln auftretetr lassen. Ten heooischen Don der Tvdesberellschaft surS Laterland, den eine würdige Behandlung des Hofer-Stoffes erfordert, fand erst ans den: gleichigestimntten Rhythmus unserer .vage heraus Earl Schön Herr in seinem deutschen Helden- jptel oll in Not . .Höfer steht hier mitten unter seinem 'Voll und vfsenbar: ,erne Größenn dem Höhepunkt des 2. Aktes mit dem Kainpf atrtf Berge Jsel. Durch dieses lraftvolle Werk, das' in Deutsch- iE w:e m Oesterreich-Ungarn ein begeistertes Publikum geftmdeu yat, tst Andreas Hofer zu emein Helden unserer Tage gttvorden, und n ' E>as in der Dichtung fortlebt, hat eine neue

Leuchtkraft, einen Glanz aus unserem Weltkrieg erl-alten.

- Der Kera miker Kaehl c r-Naestved r. Wie au^ Kogcnltagen bertck^t wird, ist der berühmte Keramiker Hermann A Kachler tm Alter von 71 Jahren gestorbnt. Er muß als einer de'- Gropmetster des so glücklich aufgeblühten mobemcn dänischen Kunst­gewerbes bezeichnet werden. Seine keramischen Erz-qngnisse sind nach Form tmd Farbe echte Kunstwerke: berühmt sind seine goldm- roten Glasuren, deveu ties-en Glanz und gleichsam sotmedurchsiini- merte Schonhett kerne andere Werkstatt bisher bat trachalunen tonnen. Kaehlcr war Künstllu und Handwerker in einer Person ein überaus wortkarger Manu, der dm OHheüwujß^, des HrorE lverkes nachfspürte und allem falschen Schein, aller lauten Reklame abhold war. In das stille, abgelegene Neastved kamen nackden: er lerne Merk,tatt m weltweitem Ruhme cirtimcfeU hatte Besucher aus allen Erdtnlen, um die Sammlungen und Leistungen d^ Meckters ztl lvsichtt.reit: Ktmftler, Sammler. Fürstlichkeiten unv Kaehler war allen ge.fenüber derselbe, schlichte, doch selbftbeu'! - ManN. Größte Schatzung geiwß er natürlich in der Künstlerw.-ti und. wtedecholt wnr^ er zur ?ljusfuhrung bedeutender Arbeitet an osfetttllchen YHbatiden herangezv; 7 en. So hat er das nette KopM.-s Hagener Rathaus nut einigen hervorragmden Friesen und Dekora­tionen gesfchmückt tmd in Gemeinschaft nrit BindeSböll, So-mb Hammershöl und Hamen-Reistrup noch, eine Reihe anderer au«<- ^^neter Schtstuckwerke.Muffen. Ordern aber befmden sich zal/llose größere und klmnere keramische Werft' ans seiner Werk- lmd Sclltlen. Dosen tmd Figuven, in dänischen und cntsland, scheu Homchßtttett. tvo sie die Ernmertmg an diesen tre'H ltch«t Künstler-Handwerker ^ruernd erhallen werden.