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14.11.1917 Erstes Blatt
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Kr. 2 38

Anzeiger

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Erstes Blatt

stk. Jahrgang

Mittwoch, H November \%l

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Fortschritte W§r öle Greyze 58ösBitsl§ hinaus.

Neue Reden semMcher ZLaatSNZKnet.,

(WTB.) Trotzes Hauptquartier, 13. Nov. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Irr Flandern wehrten wir durch Feuer und im Gegenstoß starke englische Erkrmdungsabtnlrmgcn ab. die am frühen ALorgen von den Belgiern im MrgMet. von den Engländern auf unserer Kampffront gegen unsere Stellungen vorgetri<Äen wurden.

Der Artilleriekanrpf blieb geringer als an den Vortagen. Am Abend verstärkte sich das Feuer bei Dixmuiden in eini­gen Abschnitten des Hauptkanipffeldes.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Nördlich von Brnyeres brachte ein entschlossen durch- geführter Handstreich unserer Infanterie Gefangene und Maschinengewehre ein.

Auf dem östlülMr^Mmsufer war die Artillerietätigkeit tagsüber Lebhaft.

*

Leutnant Bongartz errang seinen 22,,, Dizefeldwebel Bückler seinen 25. Luftsieg.

* Oestlicher Kriegsschauplatz

Südlich von der Bahn RigaPetersburg wie en unsere Posttn den Angriff einer russischen Streifabteilung ab.

Südöstlich von Gorodischtsche war ein Unternehmen deutfther und österreichisch-ungarischer Stotztruppen erfolg­reich.

Nu der

Mazedonischen Front

schwoll der Artilleriekampf auf den Höhen östlich von Para- lovo im Cermröogcn zu erheblicher Stärke an.

Italienische Front.

In den Sieben Gemeinden entrissen wir den Italienern den Mt.Longara.

Die im Gebirge zwischen dem Sugana- und Cismou- Tale vorgehenden Truppen ersttirmten das Panzerwerk Leone auf dem C. di Campo. Die Panzerfeste (S. di Lom. Foncaso ist in unserem Besitz.

An der unteren Piave hat das Artilleriefeuer zu­genommen.

Der Erste Generalauartiermeister Ludendorff.

*

Der Abendbericht.

Berlin, 13. Nov. (WTB. Amtlich.) Abends.

Im Westen, Osten und Mazedonien nichts Besonderes.

Südlich vom Sugana-Tale wurden weitere Höhenstellungen genommen.

WÄeh ein Bild der Hilflosigkeit und Verlegenheit bietet jgogenwäwtig die Entente der Weltl Ihre führenden Staats- rnänner und Feldherren laufen Zusammen, urn ein großes Unglück zu beweinen, das sich, wie sie sich: eingestehen, noch zur Katastrophe Auswachsen könnte. Das war in Rapallo, wo der rvene große- Kriegsrat geboren Wurde, den der Mi­nister Borrar Law im Unterhause mit großen Worten an- «gepriesen hat. Allmonatlich soll er in Versailles Zusammen­künfte abhalten, und man erfährt, daß militärische Bei­räte als Sachverständige walten sollen. Innige Heiterkeit überkmnmt uns beim Lesen dieser Verkündigungen.' Das ist ja dasselbe alte schöne Hauptquartier der Verbündeten, das beim Ausgange der großen Napoleonischen Kriege seine Hemmschuhe auf alle Schlichtenschauplätze verschickte und der Gräuel aller selbständigen Führernaturen war! Die militärische Parlamente ri< iernng desEinheitsstaates" der Ervtente soll jetzt das nachholen, was derParti­kularismus" verdorben hat! Lloyd George hat nie eme schönere Rede gehalten als in Paris, als er bei den hoffenden, wütenden, geängsteten Franzosen, die an den flandrischenErfolgen" der Engländer herum­zukritisieren beginnen, zu Gaste war. Da wurden große Lich­ter, Kronleuchter und Bogenlampen augesteckt, um das Kriegstheater zu erhellen, in dem solche dramatischen Haupt­stücke sich abgespielt haben. Unheil und Unglück pflegt sonst die Menschen schweigsam zu machen, aber Lloyd George darf doch nicht in Italien und Frankreich gewesen sein, ohne daß eine lange, wichtige Kundgebung erlassen worden wäre! Er konnte freilich nicht gegen den Jsonzo und nicht gegen den Tagliamenw, auch nicht gegen die Piave schwim­men, und er hat das in seiner Rede gut begründet! Wenn wir, so sagte er, einen Kilometer Vordringen, so jubeln wir, aber was würdet: wir sagen, wenn wir über 50 Kilometer über die feindlichen Linien hinaus vorgedrungen wären, wenn wir 200 000 Gefangene gemacht und dem Feinde 2500 seiner besten Geschütze mit riesenhaften Mengen von Schieß- bedars und Proviant weggerwmmen hätten! Und dann machte er den oben angedeuteten Unterschied zwischen den:großen Unglück" und derKatastrophe", die daraus werde:: könne. Eine etwas künstliche Begriffssetzung, denn man könnte eben­sogut von einer vollendeten Katastrovhe sprechen, die ein großes Unglück nach sich zu führen droht. In diese Rhetorik paßt es denn auch gut hinein, daß Lloyd George die Tröster ^Wenn ich" undHätt' ich" an der Tafel herumführte, -lvenn, so etwa schloß er, unser gemeinsames Handeln jetzt

I zur erfolgreichen Tatsache wird, dann zweifle ich nicht an unserem Sieg. Die Welt wird mit kopfschüttelnder Verwun­derung in diesen Spiegel der Kriegslage hineinblicken, und der Präsident Wilson, der in Bufallo wieder einmal über Deutschlands angebliche Weltherrschaftsbestrebungen geredet hat, wird das Vertrauen in die Mission seines Obersten House vielleicht etwas herabdümpfen, der in Europa danach sehen soll, wie der Krieg gewönne:: werden kann. Der französische Premierminister Painlevß hat ihm von Paris aus entgegen­gerufen, daß man auf die Legionen Amerikas mit ihren gewaltigen Mitteln baue. Wenn Oberst House auch zu der Ansicht kommt, daß dieKatastrophe" nur durch ameri­kanische Waffenträger abgewendet werden könnte, so wird Herr Wilson vielleicht demnächst ein anderes Programm auf­stellen.

*

Das italienische Kriegsdrama hat seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. Mit höchster Spannung und Erhebung verfol­gen wir seine täglich in neuem Glanze sich darbietende Ent­wicklung. Die Piave-Stellung der Italiener ist durch die Ueberslügelung ihrer linken Flanke unmöglich und überaus gefährdet worden, und es ist vorderhand noch ein banges Ge­heimnis für den Feind, wo die Kraftquellen unserer Offen­sive demnächst weiter auf ihn einstürzen werden. Unsere Front ist erheblich verkürzt, reiche Kräfte sind für neue strategische Ziele frei geworden. In derVoss. Ztg." erzählt Colin Roß sehr packend von unmittelbaren Eindrücken, den dieser Feld­zug ohne gleichen an Ort und Stelle hinterlassen hat:

Wie war diese italienische Isonzv-Armee ausgerüstet und ausgestattet! Obe:: in den Bergen steht, weiß Gott, Geschütz neben Geschütz: alle Kälter, bis zu den schwersten, hatten sie'auf eigens mühsani gebauten Straßen bis' auf die höchsten Klippen hinauf­geschafft, hatten sie einbetoniert und eingepanzert, Kavernen mit) Gänge in den Fels gesprengt. lieberdeckte Gräben mit vielen Meter:: gewachsenen Felsen darüber, denen mit keinem noch so scleveren Geschütz beizukommen ist, Minenwerfer, Maschinen­gewehre, diese Massen von Munition, diese Ueberlcgenheit an Meger, diese überguellende Fülle in Magazine:: jeder Art! Und wie ist jeder einzelne Mann ausgestattet, gegen Kälte, rauhe Witterung geschützt mit Gummimänteln und Pelzen.

Man muß diese gefangene Masse gesehen haben, wie sie sich willig ergab, wie sie zum Sieger hin über strömte. Man muß! dieses flüchtende, moralisch vollkommen zusammen gebrochene Heer ge­sehen haben, das alles, aber auch alles zurückließ, von den schwer­sten 30- und 40-Zentimeter-Geschützen bis zu dem persönlichen Eigeittum und den «Habseligteiten der Offiziere und Soldaten Was ein Heer nur Kraucht, liegt in überreichem Maße aus den Straßen. Tie deutsche:: Divisionen, die durch Venetien marschieren, fahren auf italienischen Lastkraftwagen uitb Personenautos. Die Tankwagen sind mit italienisckvu: Benzin auf- gefüllt. Unsere alten, arg abgenutzten Pneus aus Rcgeneratgumm: sind gegen tadellos neue aus den wöhlgefülltn: Mägazinen von Michelin und Udine ausgetauscht. Italienische Kolonnen fahren un­sere Bagage, mit italienischen Pontons setzten mir über den Taglia-, mento. So mögen die Cimbern und Teutonen geschmaust haben, als sic zum ersten Mal lombardi schien Boden betraten. Weiß Gott, unsere Kerls haben es sich! redlich verdient, da Ure jetzt Fleisch ünd Wein und weiches Brot die Fülle haben, daß sie wieder Reis essen und Schinken und Makkaroni, richtigen Kaffee und Wchne, wie sie auf Cadornas Tisch kamen."

Dev österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien. 13. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlauthart:

Italienischer Kriegsschauplatz.

Zn den Sieben Gemeinden wurden den: Feinde weitere H ö h e n st e l l u n g e n entrissen. Oestlich von Griguo erstürmten österreichisch-ungarische Truppen das Panzenverk Leone auf dem Cima di Campo. Gleichzeitig gelangte die Panzerfeste CimadiLan gesprengt in unsere Hund. Mit dem Falle dieser Heiden Werke ist in die ft ä r k st e S p e r r g r u p p e der italienischen Grenzüeftstigungen Bresche gelegt. Lamon und Fonzaso sind gewonnen. Die Truppen des Frldmarfchalls Conrad haben den letzten Tagen Wer 2500 Gefangene eingebracht. Im Cordevole- Tale wurde ein italienisches Regiment aufgerieöen und zur Waffenstreckung gezwungen. Wir führten einen Oberst, zwei Stabsoffiziere und 4000 Mann als Gefangene ab. An der rmteren'Piave stellenweise lebhaftere Fnrertätigkeit.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Außer einem StoßtrupMnternehmen bei Gorodischt­sche nichts von Belang.

A lb an ierr.

Unverändert.

Der Chef des Generalstabes.

*

Der Vormarsch in 3iöJim.

W i e n, 13. Nov. (WTB.) Aus dem Kriegspressequar­tier wird mittags gemeldet:

,Die Truppen des Feldmarschalls von Conrad haben den Sperrgürtel bei Princolano durchbrochen. Zwei der stärksten Werke Cima di Campo und Cimadi Lan sind in unserer Hand.

Berlin, 14. Nov. Wie derL. Al" von der Schweizer Grenze berichtet wird, ist nach Schweizer Blättern:eldungen ans Italien dort chie Einführung der Z ivilmo bilisa tio n in Llussick-t genonimen.

Berlin, 14. Nov. lieber das Vordringen der Verbündeten in Oberitalien bviNgen die Blätter englische undFranzö- s i s ch e A n g st m e l d u n g e n. Besonders in Paris ist nnm fieberhast gespannt, lv^Achien Verlauf die Dinge von dem Sammele pu:ckt des Hcruptteiles der deutsch-österreichisch-ungarischen Streit- fräste aus nehmen werden. Iw Rom ist das HotÄ Palace angeblich wegen ftalienseindlichm: .Verhaltens deuffchfrewndlicher Gäste ge- s'chll-ossen worden.

Zürich, 13. Nov. (WTB.) DieNeue Zürcher Ztg." meldet aus Rom vom 10. d. Mts.: Im Gebirge gefallener Schnee erschwerte stark die Beweglichkeit der Truppen und leistet den vorgesehenen Rücttv ärtsbewegungen aus die für den Widerstand bestimmte Linie gute Dienste. In den Hochgebirgs- gebieten ist in den letzten 24 Stunden über 24 Zentimeter Neu­schnee gefallen. Der seit zwei Tagen ununterbrochen strömende Regen trägt dazu bei, die Hindernisse, welche die venetianiischen Flußläufe verursachien, zu steigern, indem er der italienischen Nach­hut Gelegenheit gibt, hartnäckigen Widerstand zu entfalten, der das Vorrücken der nachdringenden starken feindlichen Vorhut ver­langsamt.

Die zweite italienische BerteidigungSlinie.

Berlin, 13. Nov. (Privattel.) DieB. Z. am Mittag" meldet aus Gens: DerMatin" meldet aus Mailand: 80 Kilometer hinter der Piavestelln.ng ist die zweite i t a l i e n i s ch e V e r t e i d i g u. n g s l i n i e errichtet. In die zweite Verteidigungslinie sind die französischen Hilfstruppen eingerückt. Padua ist rcicfj.t mehr Sitz des italienischen 5zauptguartiers.

*

Der Kaiser an der Front in Italien.

Görz, 12. stcov. Der Deuts che Kaiser traf gestern auf dem südw estlichen Kriegs sch,aup^latze ein. In einer kleinen Station der Karsthoch>fläche em.pfing Kaiser Karl seinen hohen Freund. Die beiden Kaiser begrüßten sich in herz­lichster Weise mit Hand schlag und wied erholtem Kuß. Bald nachher traf König Ferdinand von Bulgarien nrit den beiden Prinzen Boris und Kyrill ein. Es kam zu einer längere:: Begrüßung der drei verbündeten Herrscher. Nach herzlicher Verabschiedung setzte der Deutsche Kaiser seine Reise an die Front fort. Kö,nig Ferdinand und Kaiser Karl sowie Kaiserin Zita kehrten in ihren Standort zurück, nin von dort aus ihre weiteren Frontbesuche zu machen.

*

Ein Armeebefehl des Kaisers von Oesterreich gegen das Duell.

Ein Awn.ee- und Marinebesehl des Kaisers Kart über die Ab­schaffung des Duells lautet:

Armee- und Flottenbefehl.

Ans längst vergangenen Zeiten hat meine bewaffnete Macht den Zweikampf übernommen und ihn als eine traditionelle Einrich- tung beibehalten.

Das Festhalten an alten Ueberlieferungen kann aber nicht dazu führen, daß wider bessere Ueberzeugung, wider göttliches Gebot und nüder das Gesetz ,die Llustragung von Ehrenkränkungen auch ferner­hin der Geschicklichkeit im Waffengebrauch überantwortet und da­durch dem blinden Zufall überlassen wird.

Zu einer Zeit, in der jedes einzelnen LEn dem Vaterlande, der Allgemeinheit geloidmet sein :nuß, dürfen Ehrenkränkungen nicht mehr :m Kampfe Mit den Waffen ans getragen werden. Wer sein Leb«en in: Ztvmtänrps miss Spiel setzt, handelt nicht allein gegen das Gebot und Gesetz, er handelt auch gegen setn Vaterland, das auf die nngeschwächte Kraft sedes Mannes jetzt zur Verteidigung seiner Grenzen, dann zum Wiederaufbau und zum Fortschritt zählt.

Das allbewahtte Pflichtgefühl und das sichere Urteil der mili­tärischen Ehrenrätc geben Mir eine Bürgschcht dafür, daß sich ibrem Ausspruch jeder wahrhaft ritterlich .denkende Mann freiwillig mtto wirft und daß durch ihre Eiülcheidung Ehrenangelegenheiten in Hmkunft auch ohne Zweikampf nach Ehre und Gewissen aus ge­tragen werden können.

Ich verbiete datier allen Angehörigen Meiner bewaffneten Mack-t den Zweikampf und jedwede Teilnahme an einem Zwei­kampfe. .

Im Feld, am 4. November 1917. Karl in. p.

Der neue Kriegsrat der Entente.

London, 12 Nov. (WTB.) Im Unterhause erklär« Bonar Law, daß zrvecks besserer Uebereinstimmung der milttä- rlfchen Aktionen lem Kriegs rat eingesetzt ivorden sei, der aus dem Prenireniimister und ie einemr werteren Mftgliede der Regie- Ringen von Frankreich, Italien rntd Großbritaniiren bestehe. Der Kriegsrat würde in Versailles weirigstens einmal ün Mo:mt zusMunentrete^, an anderen Orten, wie die Zeit es mit sich brin­gen würde. Ueber den Beitritt der anderen Großmächte der ANiicr- ten werde verhandelt. Jöde Machit ernenne einen ständigen inilö tarifchen Vertreter als Ratgeber für der: Kriegsrat. Diese n:L- tauschen Vertreter vmrden von ihren Geireralstäben unabhürMg sein. Sw wurden keine vollziel^enden Befugnisse l-aben, sondern Krreg-?rat ilsten Rat erteilen über Fragen des Zusämmen- lvlwirs-der Strategie der Alliierten. Der Genevalstal) und di« nnlitärischen Kommaiidobeliörden der Armeen jeder Macht würden ^wt der Führung der müitärischeu Operationen beauftragt sein und ihren Regierungen vm'anüvvrtlich bleiben. Die militch-isckfen Vertrewr und rhir Sich) würde:: zu dauenwer Tagung in Bersarlles Anfenthalt nehvre::. Es sei ihm nock> nicht möglich den Namen des italienischen Vertreters zu nennen. In Ettvidernng auf eine Frage sprach Bonar Law die Hoffnung aus, daß die Vereinigten Staaten ftch dem Kriegsrat anschließe:: würden. Ein Rdnäuekriegsrat sei nicht gebüdet wordcni.