22. hessische Misfionskonserenz ja Glesien.
tt ließen, 12. November.
Nachbiem ÖerettS gestern nachmittag in der Stadtkirche ein Mrssionsgottesdienst und am Lkbend eine Missions Versammlung >ass Vorfeier zur heutigen Tagung unter zahlreicher Beteiligung Mls Stadt und Qarrd abgehalten worden waren, rmtrde die 22. Kvn- serenA heute vormittag im Konfirmandensaal der Iohanneskirclie jkach einem gemeinsamen Gesrng mit einer von Pfarrer Wissig- Bad-Nauheim auf Grund von Matth. 5, 36 gehaltenen Morgen- andacht eröffnet. Darauf bot der Vorsitzende, Pfarrer Lic. Dr. Bert-Weisenau, der Versammlung im Namen des Vorstandes herzlichen Gruß und stärkte auf Grund der heutigen Brüderlosung den Glauben an den Sieg der Weltmission. Den Haupt gegen st and jder ^Verhandlungen bildete der eingehende Vortrag von Prof. I). S ch i a n ^Gießen über „Mission und Reformation". In der Refornrationszeit ist es weder zur L3etätignng noch zum Gedenken an die Mission gekommen. Luther spricht oft von Heiden, versteht darunter aber meist den zu Heiden gewordenen Christen: zu Wirrer Bekehrung der Heiden fordert er nicht auf. Eine Begründung fftr diese merkwürdige Taffache lag darnr, daß Deutschland kein Kolonialland war und keine persönlick-e Berührung mit derr nichtchristlicl-en Ländern hatte. Eine andere Erklärung ist die, daß die Reformatoren im Kämpf für das neue Evangelium so in Anspruch genommen rvaren, daß sie keinen Sinn für die Herden- mission hatten, dluch waren keine für diesen Zweck geeigneten Kräfte
vorhanden. DaSu kam, daß die Reformatoren die Trennung von der alten Kirche sehr schmerzlich empfanden, sich lange dagegen gesträubt haben Auch die eschatologisä^u und ErwäAungsgedonkeu Luthers storchen seiner Betätigung der Hetdeimrission ini Wege. 9Lach dem Gedanken des allgemeinen Priestertums ist er der Ansicht, daß das Christentum sich von selber fortpslanz-e, weil es eine Gotteskrast sei, und das eigene Tun der Menscl-en dahinter zurückstehen müsse. Trotzdem aber die Reformation nichts von einer Mission weiß, steht unser heutiger Betrieb der Mission auf dem Boden der Reformation und darf sich auf die Reformation berufen, weil er nicht die Kirche, sondern den Glauben predigt. Darum gehören Reformation und Mission eng zusammen. — Ju der an den Vortrag sich anschließenden Aussprache wurde u. a. noch betont, daß es von der Resormationszeit für ihre Stellung zur Mission auch heiße: „Meine Stunde ist nock) nicht gekommen". Auch war das Recht zu reformieren nur den Landesherren Vorbehalten, so daß man an eine freie Mffsionstätigkeit nicht denken konnte. Zur Ausbreitung des Christentums trägt heute noch, wie zu Luthers Zeit, das evangelisch Kirchenlied viel bei.
Mit dem (besang eines Liederverses wurde die Vormittagstagung üm 121/2 Uhr geschlossen.
In der Nachnrittagsversammlung, die mit Gesang von „Ach bleib mit deiner Gnadc?" und mit Gebet eingeleitet wurde, verlas Pfarrer A n d r e s - Groß-Karben in Vertretung des erkrankten Schrisffülwers Pfarrer Fischer- Groß-Bieberau den Jahresbericht. Daran schloß sich die Erstattung der Jahresabrechnung,
die mit einem kleinen Barbestand absckLießen konnte. Hierauf hielt Pfarrer Liz. Dr. Bert-Weisenau einen Vortrag über die Frage: „Was kann geschelxn, damit unsere akademische Jugend für die Missi-msarbeit gewonnen wird?" Er führte aus, daß bereits vor 20 Jahren der Gedanke rege wurde, in Gießen ein Studienhcms für die Erweckung von Missionsgedanken zu errichten, aber aus äußeren Gründen wieder aufgegeben wurde. Einige Jahre später verfolgte der srüliere hiesige Universitätspvofessvr 1). Stade denselben Gedanken, der aber wieder fallen gelassen werden mußte. In diesem Jahre ist man einen 'Schritt vorwärts gekommen, indem die Gie- ßcner Fakultät die früher bestehenden Universitätsgottesdienste wieder aufleben ließ. Außerdem wird in der Ted-nischen .Hochschule in Darnfftadt ein Lehrstuhl für Religionswissenschaft eröffnet werden. Der, Vortragende hat an sämtliche deuffche Hochschulen eine Denkschrift gerichtet, die er verliest, in welcher die Anregung gegeben wird, seelsorgerffckie Einrickffungen für sämtliche akademischen Hörer an den Hochsckpilen einzurichten.
Was der Deuffche Studentenbund für Missirnr in dieser Hinsicht getan hat, berichtet Dr. phil. Schneider-Gießen. Ter Bund will die Studenten durch Vorträge zum Bibelstudium aneisern und Missionskenntnis: und Missionsstudium unter ihnen fördern. Mit einem von Pfarrer K ö d d i n g - Darmsbadt gesprochenen GÄet wurde die schön verlaufene Tagung um 4 Uhr geschlossen. Dann folgte noch in der Johanneskirche ein von Missionsinspektvr Hof- m a n n gehaltener Jugendgiotles-diemst, in welchem dieser von Land und Leuten in Neuguinea erzälLte.
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