Ausgabe 
13.11.1917 Erstes Blatt
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Landkreis Sieben.

-m. Birklar, 13. Nov. Ter Pionier 9Lvlf Lechens von hier der Mi der Westpwnt kämpft, wurde mit dem Eiseriwn Kreuz S Kasle Ml^gezoichnet. Gleichzeitig wurde er znm (Pesrttttn be-

f-rdert-

LoIlar, 11. Nov. ^ie 5. Ofr'erljcffifdie Provin! - ^ s. Ansstellung, welche der Kaninchen-

sMavem Lollar und Umgegend um 27. und 28. Oktober ver- miitmtete. mar gut beschickt. Sie umfaßte 325 Nummern Am

- 7 - hefMWärn52°^ Wv Prämiierung statt, welche

^ aus Tarmstedt und Ottlegg

mrs Ostenbach mtsgesichrt wurde. Es wurden fast lauter preiÄvette ^ V^stel ung gckmcht. jo daß folgende Preise vergeben tlmrdm: Staats-Ehrenpreis: Alttiere lDelgische Riesen): vck»' M^eßen,, Aug Müller-Bab-Nauheim: tziermmiia-Sil- bn- 2Älh. ScyulllMv-Lottar: Grmr-Srlber: Will). 5>ofm-auu-Lol- lar: ^tern: PH. Haffn-Nieder-Worsel. Jungtiere, Belg. Riesen: 7sr. ^chtel-Mern-Karben Hans Horst-Gießen: Germania-Sil- f : ^ ?ck.ichtel-Klenl-Karden:. Franz. Riesensilber: L»einrich ?raun-Nrdda:^Grau^über: Wich. Münch-Gießen: Havanna: Karl Knauß-^tau genrod. Verbands-Ehrenpreise- Altttere, ^eutsck^ Riesen^chech: Hch. Müller-Gießen: Blanc '^ener: Joh. Weitzel-Gtenen; Äraun-Silber: Wilh Klauß-Nidda -. Ebrenprerse: Alttiere, Belg. Riesen: Karl I-ohannsson- _.ffarl Smier-Stangenrod : Deutsche Riesenschecke: Hch. Mller-tzneßen, Rud. Rodrger-Greßen; Franz. Widder: Wilh Achultlmg-Lollar. Jap.rner: Wilh. Rau-Gietzen: Gelb-Silber- Mnlrpp-^temberg Hch. Zieyler-Wieseck: Schwarzloh: Hch Vahl-Gietzcn: vermelm: Hch. Ziegler-Wieleck. Jungtiere, Belg, tticnm : I. H Neuratch-Klcin-Karben, Aug. ?Nüller-Bad^auhftm: putsche Rrefenschecke: Georg Hartmann III -Bad-Naubeim, Fr Lckcchtel-Klern-Karben; Weiße Riesen: Daniel Bindewald-Bad- Nauheim: Franz. Widder: Wilh. Schultheiß-Lollar: Japaner: M Bauer-Lollar: Blaue Wiener: Wilh. Nau-Gichen; Franz Mesen-Scwer: Karl Kaletsch-Lollar: Grau-Silber: Karl Feuer- stein-^tangenVod, Wilh. Ndünck>-Gießen: Schwarzloh: Th Wilh Länllnig-Gwß-Kärben. 1. Preise: Alttiere, Belg Riesen: .hch. Weber-Grcßeu, Hch. Müller-Gießen: Teittsche Niesenschecke - Georg Krug Gießen: Japmrer: Mathias Hüsck-lÄeßen: Franz Niesen-^lber: Hch. Karber-Lollar; Grau-Silber: Hch Riehm- Lollar. Wilh. Schultheiß-Lollar, Hch. Drusius-Üollar; Schwarz­loh: Kl^-T.-Z.-Verein d. Eis. Bürbach: Hermelin: Karl Riddel- Mda. Jungtiere, Belg. Wesen : Karl Johamrssmr-Gießcn: Weiße Men: Hch. Mandler-Nieder-Wersel: Ger'mania-Sllber: Wich Sklmltheiß-Lollar: Grau-Silber: Karl KlößStangenrod: Dent­is Rresenschecke: Wilh. Metzger-Gambach. Außerdem wurden eine große Anzahl zweiter und dritter Preise, sowie lobende Anerkenmmgeu zuertannt. ^

Mainzlar, 12. Nov. Zu einer eindrucksvollen Luther- feicr sowie iltachseier der Vierhundertjahrfeier der Reformation gestaltete sich gestern abend der Gottesdienst, der in der hiesige::, vcm der ganzen Gemeinde -besuchten, überfüllten Kirche abgehalten wurde. Das von dem Kasseler Lehrer .Heinrich Bertel mann m Anfttage der Torfkirck)e verfaßte Festspiel: ..Unser Luther", wurde von 6 Knaben und 6 Mädchen, unterstützt von Kinder- ckörm und t^emeindegesang, vorgettagen. Vortrag und Gesang Me der Lehrer der obersten Schack Nasse, Lehrer Weisel, dan- Mscherterweise übernommen. Der Gottesdienst bekam ein be­sonders festliches Gepräge dadurch, daß zum ersten Male die neue Avu> und .Kanzelbekleidung, gestiftet von dem eBangelischen ,nauenverein der Gemeinde und gearbeitet in der Para mente n- >msM des Diakcnrissenbauses Elisabetlstnstift zu Darmstadt auf- mg. Die Sckncker überreichten als Gedächtnisgabe eine Altarbibel. Tckan G u ß m a ix n dankte zum Schlüsse allen Gebiwn und Helfern.

** Obbornhofen, 13. Nov. Dem Unteroffizier .Heinrich Schmidt von ihier lwmÄe das Eiserne Kreutz zweiter Masse ver­liehen.

Kreis Büdingen.

U it Büdingen. 12. Nov. Sein 25jähriges Diensftubiläun: beging der Fürstliche Unterförster Knaus auf Forst haus Rinder­bügen.

# Bergheim. 12.Nov. Die Hessische Tapferkefts Medaille und das Württenrbergische Charlottenkveutz erhielten die Söl>ne des Landivirtes Heinttch KönigIV.

G Bisses, 12. Nov. Das Eiserne Kreuz, früher die Hessische -vapferkeitsmedaille erhielt der Musketier Ludwig Knau.

^Düdelsheim, 12. Nov. Die Hessische Tapferkeits- medaillc erhielten die Musketiere Heinrich Sinn er und Wilhelm Grönin ger.

# Leidh ecken, 12 .Nov. Ein hiesiger Bäcker lud 38 Laib Ärot und Mehl in seinen Wagen, um am nächsten Morgen die Sachen fortzufabren. Als der Mann in seinen Hof kam, war die Ware über Nacht gestohlen. Auf dem Felde der Ehre starb der Wehrmann Karl Marbach.

Nidda, 12. Nov. Das Eiserne Kreuz erhielt der Kanonier Seib ert.

# £b c r -W i d h ersheim , 12. Nov. Das Eiserne Kreuz mw die Hefiisickn 'Tgpferkeitsmodacklc erhielt der Muskeiier Heinrich

Eifer.

# Sfl t c r s , 12. Nov. Das Eiserne Kreuz erhielt der Mus­ketier Adolf König.

Kreis Lauterbach.

Metzlos, 12.Nov. Die 23jährige Tochter eines hiesigen Einwohners ist seit einigen Tagen unter Zurücklasßmg eines Brieses verschivunden, in dem sie ihrer: Angehörigen mitteilte, daß sie ge­meinsam mit ihrem Brciuthgmnl, der in Mainz in Garnison steht, den Tod Huchen würde. Auch der junge Mam: hat einen Brief ältlichen Inhalts an seirie in Niederinoos wohnenden Elten: ge­richtet.

Kreis Schotten.

. O Gedern , 12. Nov. Die >evaugelische Kirchen gemeinde be- gestern die Feier des 70 j ährigen Bestehens der hie­sigen Kirche. Bon !der ^alten, »vohl chis ins 12. oder 13. Jahr­hundert zurückreicheNdnr, im Jahve 1845 aber wegen Baufälligleit abgebrochen>en Kirche stecht heute Nur noch der mäckwige Turm, an den die heutige Kirche in der: Jahren 18451847 nngebaut wurde. Bis zur Bolleiidung des Neubaus, der am 7. Nooeniber 1847 feierlich leingeweiht ivurde, wurden die Gottesdienste in emem von der Fürstlichen Standes Herrschaft zur Berfügung gestelltenDw- kal gehalten. Die Kosten des Neubcrus betrugen nack^ damalrgem Gelde 38 280 Gulden 281/2 Kreuzer.

rr. /S rf-i l i tz, ,12. Nov>. Am Sonntag nachmittag fand bei großer Beteiligung auch aus dqn Dövferu des Schlitzerl andes unter Teil­nahme der Gräflichien Familie auf schön gelegenem Platz nächst der Hrnterburg die feierliche Ertthüllu^lg nnes' Gedenksteins statt zur Erinnerung an die Einführung der Reformation im Schtttzerlandi durch Werner von Schlitz und Pfarrer Nenn im Jahre 1546. Bn Ansprachen der Patronatsgeistlichen, allgemeinen Gchängen, uni) Liedervorträgen des Kirchmgiesangveveins nahm die Feier, vom schönstem Herbstwetter begünstigt, einen erhebenden Verlaus.

rr. Schlitz, 12.' Nov. Anr Somrtag hat sich^ in der Wirtschaft Reinhard dahier nnch ausgiebigm Bespvcckpmg eine Brzirksgruppe der deutsch,ei: Vaderlandsparte: mit vorläufig 30 Mitgliedern end-k gülttg, .gebildet.

Starkenburg und Nheinhessen.

'K. R. Mainz, 12. Nov. Unerhörte Geflügelpreise, die die in den letzten Wochen geforderten hohen Preise iwch ganz bedeu­tend übersteigen, wurden heute auf dem hiesigen städttfchien Wochen- mackkt gefordert. Für mittelmäßige lebende Gänse verlangte man 45 48 Mark, für gemästete gieschllachtete Gänse pro Pfund 78 Mark. Eine fette Gans kam so auf rund 80 Mark zu stehen.' Eure ähnliche sprungweise Steigerung zeigte sich auch beim Verkauf von jungen Hähnen, Enten und alten Hühnern. Für schwache Hähnchen wurden 710 Mart, für Suppenhühner bis zu 15 Mark und für Enten bis 20 Mart gefordert. Das bederttet eine Steigerung der Geflügelpveise iimerhalb einer Woche um durchweg 20 25 Prozent. Mit dieser durch nichts gerechtfertigteir imaufhaltsanl fortschreiten­den Hinarifchrauburrg der Gefiügelpresse hielten die Preise für Kaninckien gleichen Schritt. Aach hier war eine Verteuerung um 2030 Prozent sestzuslellen. Für junge Hasen von 23 Monaten wurden schon 57 Mark, für ai^gewachsene, aber keineswegs gut gemästete Tiere sogar 1520 Mark gefordert.

ch Aus Rheinhessen, 12. Nov. Tie Handelskammer Mainz u::d die Großh. Hess. Regierung laben Verhandlungen gepflogen über die Weiitverordnun g. Das Ergebnis war, daß die Wünsche des Weinbaus und Wein Handels gemäß den Vorschlägen des Verbandes Rheinhessischw Weinhäudler Berücksichtigung fin­den sollen. Dem Wunsche des Bundes südwestdeutscher Wernhändler­verbände, Ivonach inrr die WeiNverß ei gerungen gestattet werden sollen, die bereits v>ar dem Kriege ^abgehalten würden, daß Ber­ste igerarn ge» von Trauben nich: gestattet werden, und daß für ieden Versteigerer nur eine Versteigerung gestattet werden soll im Laufe eines Jahres, wurde zugestimntt.

Hessen-Nassau.

= Bad Homburg v. d. H., 12. No'v. Tie heutigen Stadtverord n etenwa hleu der dritten Wählerllasse wur­den 'unter dem Zeichen tiefte Burgfriedens vollzogen. Tie Wahl- lxckeckigung war schwach. Gewählt wurden die gemeinsamen Kan­didaten der bürgevlickgen Vereine ^id des sozialdemokratischen Wahlvererns.

BadHomburg 0. d. H., 12. Nov. Bei der Einfahrt eines Zuges wurde em Postkarren von einem Personenwagen erfaßt und beiseite gerissen. Dabei geriet der Oberpostschasfner Rat heim zwischen den Kurven und einen Pfeiler, wobei er derart geauetscht wurde, daß der Leib anfriß. Der Verunglückte kam im hoffnungs­losen Zustande in das Krankenhaus, wo er verstarb.

= Frankfurt a. M, 12. Nov. Bei dem dichten Nebel, der heute abend über der Stadt lag, versuchte kurz vor 8 Uhr ein Fuhrwerk zwischen dem Bahnhof West und den: Biegwald vor einem heran brausenden Mi oje der Homburger Bach: die Gleise zu überfahren. Tie Maschine erfaßte jedoch das Gespann und schleuderte es im weiten Bogen abseits. Hierbei erlitt ein Pferd 'ch-vere Verletzung: der Wagen wurde zertrümmert. Die Insassen kamen wie durch ein Wunder nrit idem Leben davm:. Die alarmierte Feuerwehr brachte dem Geführt die erste Hill"

zudrücken, die die KvaEhert zweifellos mit den besonderen "ASce- hältnissen des Krieges verbinden. Es handelt sich um Schwellimgen, die fast ausnahmslos bei älteren Persoiven im Alter von 40 bis 65 Jahren, vorzugsweise bei Männer::, anftreten. Bei Bettruhe beginnt bald die Ausschwemmung der alfigespeicherten Wasser­mengen, tvobei die Kraulen oft sehr abnmgern. Ms Ursache kommt Unteverrlährung, wie cs heißt, insbesondere der Marrgel an Fett, in Betracht, der zur Schädigung der Gefäßwand fi'ihrt, tvahr- scheinlich auf dein Wiege über giftig wirkende Eiweißabbaupro- oulte. Durch Fettzulage war mehrfach ein schrelles Schwinden der Schwellungen zu beobachte::. Als zweiter Belastuugsfakwr kommt das Wasser in Betracht das in Form von Suppen, Kaste und reichlichen Mengen von Steckrübe:: ausgenommen wird. Auf diese Weise hatten die Erkrankten sich ctiua drei Liter Flüssigkeit täg­lich zngeführt, was eine starke Berschiebuirg der gewöhnlichen Er- nährnngsv-erlMtnisse bedeutet. Die Behandlung besteht in erster Linie in Körperruhe daneben in besonderer ErncU/rung und Be- schränttmg der Wasserzrstuhr.

Meteorologksche Beobachtungen der Station Gießen.

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1917

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^ochste Temperatur am 11. bis 12. Novbr. 1917

= + 5,6' c.

Niedrigste

1917

= -si 0,5 * C.

Niederschlag

: 0, mm.

wöchentl. AebeHcht der Todesfälle l d. Stadt Gtetzen.

41. Woche. Vom 7. Oktober bis 13. Oktber 1917. Einwohnerzabt: angenommen zu 33100. Sterblichkeitsziffer: 31,40 Nach Abzug von 14 Ortsfremden: 9,43 % ft ..

Es starben an

Zus.

Er­

wachsene

Kinder

tm l. Lebens- vom 2. bi4 jahr 15. 5>abr

Divbtberie und Krupp

3 (3)

-v

3(3)

Tuberkulose der Lungen

1(1)

1 (1)

Aknte allg. Aliliartuberkulose

1 (1)

MD

Lungenentzündung

2

1

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Krankl: d. Kreislaufsorgane

1 (1)

1 (1)

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Gehiruschlag

1

1

and.Krankh.d Nervensystems

4(4)

4(4)

Älagen- nnd Darmkatarrh and. Krankheiten der Ber-

3(2)

2 ( 1 )

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damnig-?organe

1(1)

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Seldstmord

1

1

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and. den. Todesursachen

KD

Kl)

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Todesursache nicht angegeben 1

1

Summa: 20(14) f4 (») 2 (!) 4 (4f

Dnm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an. wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärt/ nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Veröffenllichung des Großh. Kreisgesundheitsamts Gießen.

Dr. W a l g e r, Med.-Ratt

Letzte tlacbvicfytcn

Die Lage in Petersburg.

t. Köln, 13. Nov. Laut derKöln. Ztg." meldet das sinnländische Generalstabssekretamat über die Lage in Petersburg: Lenin nnd seinen Anhängern sei der Versuch, eine neue Regierung zn bilden, mißglückt. In Moskau habe sich eine Sonderregrernng gebildet. Unter den Revolntto- naren sei Zersplitterung eingetreten. Die Gegenbewegnna solle unter Rodsziankos oder, Kornllows Leitung stehen Kerenski dürfte ausgespielt haben. Ein Samstag ans Peters- burg abgereister schwedischer Kurier bestätigt, das; dort sett Donnerstag der Pöbel und die Kronstädter Marim- herrsche, alle Arbeit ruhe, stehlende und mordende Räuber­banden von Haus zu Hans zögen. Man rechnet mit einem neuen Blutbad. Arüeitersianen durchsuchten die Wohnun­gen der Benttttelten in Begleitimg bewaffneter Mitalu^w'r der roten Garde.

vermischtes.

^ Eine neue Krankheit infolge des Fettman­gels. Eine neue Kriegskrankheit wird jetzt ans der ersten Berliner CharftMinik von den AssistÄtten Tr. C. Masse nnd Dr. H. Zondeck in derBerliner klinischen Wiochens,chlr:ft" beschrieben. Sie geben ihr den NamenKriegsöidem", um'die nahen Beziehungen aus­

Japans Kriegspolttik.

i. Köln. 13. Nov. DieKöln. Bolksztg." meldet aus Kenf:L'oeuvre" meldet: Die Hoffnung auf ein iatn ;iirfte~ Emgrerfe-n in Rußland sei vergeblich, weil der - qünstiae Moment verpaßt wurde. Betreffs einer großen BeiKlse rur See seien die Berhandlungen noch schwebend

Unterwegs nach Venedig.

Bon Josef Kuhnigt. iNachdruck verboten.)

Unsere Heere ziehen andere Straßen nach den gesegneten Fluren Benctiens, als sie die Reisenden wählen, wenn sie über die nuncelcuchtenden Brennerzacken zu de:: Tiroler Mpeir nach Bozen hinabsteigen, um dann über das tiefblaue Wu:ü>er des Gardasees, vi-ei' ohne von Mora abzuzweigcn'im sausenden T»Zug zwischen den sich senkenden Weinbergen durch Bevona in die frucht­bare Ebene fahren. Tie Wege sind^ verschieden, durch den Zweck dorgezeichret, aber was unseren Soldaten dort im herbstlichen Italic:: an neuen Reizen und Eindrücken entgegentritt, das ist das fsteicho. Die milde, fast sommerliche Lust, durchträntt vom Duft reifender Trauben und Limonen, das ruhig fließende Blau im .dimmelsdach lassen vergessen, daß in dev nordischen Heimat regen- träaÄige .Herbststürme über die braunen Aecker rasen, daß sich die Wälder tme ein gepeitschtes Kornfeld biegeir, die Hau «er- eken pfeifen im pralle:: Widerstand. Dort dehnen sich auf den oe eg hon gen im grauen Silberton knorrige Olivenbäuwe zu statt- liä^n Wäldern, im loeißen Man ers chnp grünen Zitronengärten, stn. n und voll hängen im gelbdurchtilpsten Laub samtblaue grauten an langen Spalieren im schützenden Talgrund. Ein klarec Gebirgsfluß plätschert hindurch das pfauchnde Stahlroß -'vängt sieb daneben auf seiner sonnenblitzmrden, eisernen Bahn.

Tie südliche Vegetation grüßt schon in Riva den Ankömniling. Hot.stämntige Palmei: kränzen an diesem österreichischen Nordzipfel ees Gardasees de.: staubwehenden Steinweg, der um die Spitze herum nach dein reizenden Fischerdorf Torbole führt. Bon Riva wähl: der Tourist auf der Westlinie des klass:sck)en Schlacht- >Mes -zwisch.n Gardasee :md Tagliamento de:: Weg zur venetia- Mlt.en Ebeiw, den unsere Truppen im Osten über Üdine nahmen. -2re stehen dort schon im stachen Land, während der Gardasee von Bergen umhöht liegt. Sonnenüberflutet blüht sein ge- Westuser in sildlicher Fülle. Palmen, Lorbeeren, Mutte::, nhndödendre.-. Oleander, Azaleen, Orange::, Zitronen, Maul- oecren, Feigen, Mandeln, Granaten, Zypresse::, Agaven gedeihen m üppiger Schönheit. Deutscher Fleiß und Unternehmimgs- habe:: die llimattsche:: Reize und Borzüge dieses Küsten- >Ma-s zu Kurorten ersten Ranges gehoben. Große Hotels und Fremdenheime, vor allem in Moderne. Fasano, 'Gardorre chaben - "km gestgneten Ufertak reichen Verkehr zngeführt. OKiade setzt, krsten Nov,m:berwochren, setzte der Reisestron: in ivachseuder *ä , Jur 3«it der Hockst lut um Weihnachllm bis Januar

fkfjL »tek Haus q*mL) ü: Gardorrre bi sopra, dem cigertt- ' U f' *^ ne ^achlgästc hatte. An den stecke:: sträng geklebt, ' öic tlachdächrrgen Häuschnr m stecherrdem Wicißgelb, in

blassem Rot über den blauen See, auf dern braune, rote und gelbe Segel silberne Fuvchien ziehen.

Den deutschen Dichter hat der Gardasee besonders angelockt. Paul Heyse hatte in Gardone seine friedliche Villa in: Schatten von Lorbeer- und Zypressenbäi:men. Otto Erich^ Hartleben hat sciue letzten Jahre im benachbarter: Salo verbracht, einem sreund- lickren Städtchen inmitten blühender Orange::- und Zitronen­wälder. In dunklem Rot steht dort an der Uferstraße nach Salo das breite, einfache Landhaus Otto Erichs, das spater zum Frem­denheim umgcwaiwelt worden ist. Das StLdtchn: selbst l)at das lcunzeichnende Gepräge italienischer Art, in der sich das ganze Leber: auf den eugen Gassen abspielt. Die Frauen schwatzen aus den offenen Fenstern herüber und hinüber, die Männer laut und gestikuliererü), als ginge es um Ko-Pf und Krage::. Eine Kaserne liegt oder lag dort in einen: tiefen, dunklen Schloß- gemäuer. Es war gerade u:n die Zeit des Tripolis-Raubes an unserem türkischen Freimd, als das Bataillon auf engem Hof zum Mmarsch ferüg stand. Nicht stand, sondern in unruhigem Durcheinander tanzte. Das hierfür geschulte deutsche Auge sah nicht die straffen Muskeln der Disziplin. Der anreitende Offizier, die lauten Kommandos, gaben der: unruhigen Linien nur wenig Festigkeit. Eine banda mruncipale rückte bein: Abmarsch mit lusti­gen Weisei: de:: Sdldate:: voran. Wie ein Faschingszng lockerte sich schnell das lose Gefüge. W läßt sich verstehen, wenn solch ner-. vöses Blut in gefährlicher Stunde auch in emer festen Hand leichter versagt als unsere nordisch':: Nerve::. Sonne und lachender Himmel trotzen nicht jahrelangen Gewitter::.

Von Salo fühtt in kurzer Fahrt der Dampfer nackz dem Süd- punkt des Gardasees, Desjanzano, einem lleinen, lebhafte:: .Han­delsstädtchen. Nicht weit davon liegen die blutgetränkten Est'fckde von Solferinv, auf deneu am 24. Jiuli 1859 die vereinigte:: Fran­zosen und Italiener die -Qesterreicher schlugen. .Heute ist die Stmrde der Vergeltung über den treubrüchigen Genossen gesahre::. Gibt sie uns die bereckstigte Gewigtuung, daß Hinterlist-nicht nngesttast leben darf in der Wett, so schließt sie ftir unsere tapferen Burrdes- genossen vom Jsonzo noch, das befreiende Bewußtsein der Derget- tt:ng in sich.

Bei Desenza.no rast der Schnellzug Mailmrd Ve::edig vorüber, den Weg zur Lagune::stadt, .die in der: Plänen jedes Jtalienreisenden ein Abschluß in gewissem Sinne ist, schon um des uu aus lösche licfjdt Eindrucks, wie ihn eiire zweite Stadt nicht prägt. Von: Fott Malgbera rollten auf schnrafiun Dam:» die Eisenwagen nach den 118 Inseln, auf denen zwische:: Kanälen nnd Känälchen das Otzewirr der schmale:: Gassen dieser vielbesnngeneu Stadt in winkeligem Zickzack läuft. Licht, doch vevwittert steigt nfit den Palazzi eine lünstswhe Kulttir vieler Jahrlumdette aus den ::nrubiaei: Wellen des Eanale grande. auf deiren schwarze Gondeln Drvschkendwnst tun und das fauchende Vapovctto den Onmikus ersetzt.

um loen wcarkusplatz, beste:: rechter Eingangsllügel von: Kav, her der lundrucksoolle Dogenpalast bildet, ein massiger Oberbo am luMgen Saulenrerttn:, in gotisch reinen Spitzbogen auslausew zivangt ,:ck' das großitädlst'che Lebe::. .Hier wachst m:e ein Wund^ ^ ^ents, m Gold, Marmor und Mosaik fmllel:rd, der Br-ckstba der Markuvttrche m gle:ckier Front, ragt himmelan der sckstwr Glockenturm. der Eampanrle, in neuerstandener S-ckon- eit D geflügelte venettanrsche Löwe, dem unsere Soldaten sch -n in Udfl find, blickt von hoher Säule auf das geschäfttge Lebe devKanals Kmleehauier und Berkaufsläde:: nmUunw:: das g, ralfimge Recksteck. Dre Fremden stehen vor den Auslage:! der Schar fenster, von den beweglichen Verkäufern zungenfertig bestt^i futtern das unr::hlF flatternde Völkchen der zahmen Tauben Durch den Torbogen des Uhrturms vechtninklig Zur Markus e:nes fchönen Baus im Stil der Frührena:> sauee,. drän.- s:ch der bunte Strom der Passanteü: in die schmale ^Aerceria' in Hauptgei chaftsstr a ße. An blitzender: Schau fenstern vorüber läuft ss :n manchen Ecken und Sprüngen zur Rialto-Brücke, einem ma: mornen Treppenbau, der den Kanal überspannt. Sie ist etzens nne Sehenswürdigkeit, wenn auch in. anderer Hinsicht, te die fit vcwborgciieSeilfzerbrücke" die a-us dem Dogenpalast nach de: Kttmmalgefangnis fuhrt. Diese ist nicht nur in den Köpfen erhitzte Schauerromanschreiber zum Todesfturz mancher politischer' Be: brecher :n Venedigs glanzvoller Vergangenheit geworden '

Als Handelsstadt, wenn auch nicht von mittelalterlicher Gros

seine Rolle. Beso,:der .^^^udustr:e fiat :m 19. Jahrhundert, nachdem sie durch di böhmische und cngluche Fabrrkatton fast ganz lrerdrängt war, e:nen neuen Ausschwimg genommen. Zierlickfe Gläser in schf«n fim L:l:enformei:, farbensatte fl-lüsse in Schalen und Dosen wurde N.^uester Ze:t ean begehrter FvnndenarttkÄ. Ebenso hat sich ps Seidenfabrakatwn zu :vachfend<p- Bedeutung entnückel: Dies blu

hende Geschäft hat nun der Krieg fast ganz geschlossen, er tat anc Nogrerchcn Ansturm in Benetiens Ebene iruckchare Gartenland n: unsere Hand gebracht. In den nrasserreickien Nied« rungen des Tagliamento, des Piave. :md wie die Adri-nlüsse sm' heißen, geben und Acker die nötige Krall m em-'v ^rei

etaFenwn-tschaft t über Bodenfrüchten Trauben spaliere' aus denen sic imeder Obstbaume, recken. Äiancher Landn:ann unter unten sieg rerch stürmende:: Truppen toird sie staunend benmndern

Durch rvle:tz .und Arbeit hat sich das italienische Volk in de letzte:: Jahrzehnren heraus gebracht. Man s ch ä izte da s Bol ksve rm öo c - vor dem Kriege aus annährend 75 Milliarden' Lire Der Krieg sttß es nun mit gierigem Hunger. Auf über 1', Milliarcxn monatliä find schon d:e Msgaben gestiegen, die finanzielle Zukunft des Lau des ^^ch-eint in sehr ttüdem Lichte, doppelt jetzt, nack»dem ihr ..1^7 Wortgepräge von abstotechiemtmn&mu deutsche Eiseniaust als Antivott erhalten har.