Ausgabe 
14.11.1917 Erstes Blatt
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Sine Rede Wilsons.

Haag, 13. Nvv. Reuter meldet aus Buffalo: Auf dem Jahreskongreß der amerikanischen Arbieiterföderatton hielt Wil­son eine Rede, in der er u. a. ezflärte: Tie Verbündeten Deutsch- landS wissen., daß sie die Vrsallen Teutsckilands sein werden, wenn der Krieg in diesem Stadium endet. Die BerlinBagdad-Bahn Imrtbe gebaut, um die Industrie eines Halden Tutzeird mrderer Na­tionen zu überflügeln und um gegebenenfalls den deutschen Heeren Dienste zu leisten. Wieder kommt Deuttcsstand mit seinem Friedens- gevede. Aber worüber rttret es, über Belgien, über Nordsrankreich, Wer Elsaß-Lothringen? Tas sind besonders wichtige Fragen, oder sie bilden wicht den Kern der Sache. Deutschland übt absolute Macht aus über Oesterreich-llngaric. Es hat die tatsächliche Kon­trolle über den Balkan, die Türkei und Kleinasien. Wlenn es die jetzige Kriegskarte verwirklichen kann, so kann es all die Träume zur Ausführung bringen, die es zu Beginn des Krieges hegte. Es wird dann die Macht besitzen, uni die ganze Welt zu Mäfügen. DeutsMarch ist entschlossen, die politische Dtacht Über die Mlt sich anzueignen. Einen derartigen Ehrgeiz zeigte es auch früher schon. Er wurde zum Teil verwirklicht, niemals aber war dieser Ehrgeiz auf einem so wissenschaftlich ausgebildeten Plan der Weltherrschaft begründet. Es wundert mich, daß es eine Gruppe ssibt, die so falsch unterrichtet ist wie eßi z. B. in gewissen Krei­sen Rußlands der Fall ist daß sie glaubt, man könne leben, ohne daß eine Gefahr von Dentschland droht. Ich bin zwar fein Gegner der pazifistischen Gefühle, wohl aber der paziftstisü-en Dummheiten. Die Pazifisten wissen nicht, lvie sie den Frieden erhalten sollen, aber ich weiß es wohl. Wflson erklärte noch, er habe ben Oberst House nach Europa geschickt, der der größte Friedensfreund der Welt sei. Aber er habe House nicht geschickt, nm einen Frieder: zustande zu bringen, sondern nur um zu prüfen, Ufte der Krieg gewonnen werden könne.

Englische Gelehrte gegen Deutschland.

A m st e r d a m , 12. Nov. Ein hiesiges Blatt meldet aus London, daß die Professoren Bayliß, Sir James Deswar, Sir David Fevrier, Dr. Langlev, Sir Donald Rose, Dr. Sherrington krnd Dr. Starling ihre Mitgliedschaft bei deutschen Akademien -und wissenschaftlichen Gesellschaften niedergelegt hätten. Andere Mitglieder der Brittsh Royal Society würden diesem Beispiel folgen.

(Immer, wenn die allgemeine Kriegslage für England uti* günstig ist, erfolgt eine solche Stimmungsmache. D. Red.)

Die Brotration in England.

London, 12. Nov. (WTB.) Sir Artur Da pp, der Direktor für sparsame LebensmittelbSwirtschaftung, hat in einer Rede in.Mamhester .auMdeutet, daß folgende Rationen ivöckent- lich gegeben würden (in Unzen, die Unze zu 28,35 Gramm): Brot für Männer, die schwere industrielle oder landwirtschaftliche Ar­beiten leisten, 128, gewöhnliche Industrie- und aridere Handarbeiter 112, beschüfttgungslose oder Leute mit sitzender Beschäftigung 72; für Frauen sollen die entsprechenden Mengen sein 89, 64 und 56. Für andere Lebensmittel sollen folgende Böen gen zugelviesen werdni: Cerealien arißer Brot 12, Fleisch 32, Butter und Fett 10, Zucker 8. Für Kinder sind Leine bestimmten Rationen vor- geschnebcn.

Die Luftmacht Englands.

London, 13. Nov. (WTB.) Reutermelduna. Unterhaus. Das Hans nahm in zweiter Lesung eine Gesetzesvorlage an, durch die eine der Annee und Flotte gleichgestellte Luftmacht ge­schaffen wird, an deren Spitze ein eigener Staatssekretär steht.

Ein Protest China-.

Amsterdam, 13. N>ov. (WTB.) Reuter meldet aus Washington vom 12. Nov.: Der chinesische Ge­sandte überreichte dein Staatsdepartement formell ben Protest gegen den Vertrag, der zwischen den Ver­einigten Staaten und Japan über China beschlossen Mtrrde. Nichtamtlich verlautet, daß der japanischem Negie­rung in Tokio ein ähnlicher Protest überveiä-r wurde.

* * *

Eine neue Note de- Papstes?

14- Nov. (D. L. A.) Aus Rom melden Schweizer Matter, rn vattkanischen Kreisen erwarte man die demnächstige Ver- oNenÜrchmg einer neuen Note des Papstes über die Frrcdensbedingungen, die an die einzelnen Kriegführenden ge­richtet werden soll.

ver vürgeririeg in Rußland.

London, 13. Nov. (WTB.) Reuter. Tie Admiralität teilt aus Grmid eines drahtlosen russischen Presseberichts mit: Nach einem heftigen Gefecht, das gestern in der Gegend von Z a r s k o j e Sselo stattfand, hat die Revolutionsarmee die unter dem Be­fehle Kerenskis und Kornilows stehenden Strtttkräfte der Gegenrevolution vollkommen geschlagen.

Berlin, 13. Nov. (WTB.) DasBerliner Tageblatt" meldet von der Schweizer Grenze: Aus Petersburg wird vom 11. November gemeldet: Tie Truppen Kerenskis ttasen in Petersburg ein. Panzerautomobile nahmen den Kämpf mit den Näaximalisten ans. Um 4,20 Uhr wird gemeldet, daß das Ge- wehrseuer fortdanert. Tie Regierungskräfte scheinen noch in ge­ringer Stärke zu sein.

Berlin, 14. Nov. Neue Gerüchte vom Siege Kerenskis werden imBerl. Tgb'l." perzeichnet. Die Bolschewisten seien bei Zarskoje Sselo geschlagen worden. Kerenski, Korniloff und Kaledin hätten sich vereinigt und riesen zum Kampse gegen die Bolschewisten auf.

Fütterung Zu belassenden Fruchte und den Entwurf xüiex Bekanntmachung betreffend die weiteren Bestimmungen zur Ausführung des 8 7 des Gesetzes über den VaterländisllMi Hllfsdierrst.

Au» Hessen.

I. Darm stad t, 13. Nov. Der Provinzialausschuß von Starkenburg errtschied in Armensachen in zwei Fällen zugunsten des klagenden Ärmenverbandes Frankfurt a. M. gegen den O rtsarmen verband Weiter st adt bzw Heubach i.O. und in einem Falle zugunsten des klagenden O rtsarmen verband es Tarmstadt gegen den Ortsarmenverband Roßdorf.

Rus Stadt unb £awö,

Gießen, den 14. November 1917.

** Infolge der P?rpierkngppheit und der notwendigen Veröffentlichung amtlicher Bekanntgaben müssen die Gieße-

Berlin, 14. Nov. Die Tragödie des russischen Staatswesens,! > ter yEliendlätter heute Mlsfatten. Aus den gleichen. Grün- sagt der-Lok.-Anz.", schlägt ins Groteske um. Während im Westen ! kann tue FamilreichlLttter-Bellage bis auf werteres nur Reiches die maximalistt scheu Reooluttonäre Mid die Regierung i zweimal wöchentlich, am Mittwoch und am Samstag, bei- Kerenskis blutig um die Machst kämpen, hat sich angeblich der gefügt werden.

Osten ganz vom Reiche losgerissen :Md au die ganze Revolution die heftigste Absage gerichtet, indem er den früheren

Zaren zum Herrscher wählte.

Kopenhagen, 13. M>v. In einem Stockholmer Telegramm vom 12. November an die russische Gesandtschaft heißt es: Tie

Von der Landesuiriversität.

Wie ans der uns zugegangenen tabellarischen'llsber- sicht der Studierenden" hervorgeht, zählt die Universität

lanen und erhält die Ichhe aufreckst. Kein Ausländer erlitt Schaden In Finland haben keine aufregenden Eieignisse stattgefunden.

Der Berichterstatter vonBerlingske Xtbcnbe" meldet ans Haparanda: Ter Schaden, den die Bolschowicki dem Wintcrpalast zugestigt haben, wird ans 5 Millicmen Mrbll veranschlagt. Ka-

ledin drahtete nach Petersburg, daß die Kosaken die alte Ne- 299 Studierende obliegen

un Heere. Bei der Zahl der immatrikulierten Studierenden entfallen 855 auf Hessen, während 475 sich auf die übrigen Bundesstaaten verteilen. Unter diesen steht an erster Stelle Preußen mit 374. Die Uebersicht der Fächer zeigt das beträchtliche lieber gewicht des Studiums der Medizin, deni

tschertaft die Kittmstigen .polltts-chm Mittelpunkbe des Striches fein- wtrrdni, Säowotscherkask, well dies die alte Kvsakenhauptstadt sei.

Ferner sind Gerüchte verbreitet, daß die Kosaken Kiew besetzt ** Qr ~ _ _ _ . _ ^ t ^ .

haben. r * Amtliche Personalna chri chtew In den Ruhe

Kopenhagen, 13. Nov. (WTB) Heute früh ist hier stand versetzt wurde am 26. September der Lehrer Philipp Ru pp

scch unabhängig erklärte und den ehemaligen Zaren zum Kaiser von Sibirien ernannt habe.

5 eekrleg.

Reue N-Voot-Erfolge,

Berlin, 13. Nov. Neue U-Bsot-Erfolge im Sperr­gebiet um England. 17 0 0 0 B r. - R. - T. Unter den ver­nichteten Sehiffen beftind sich ein grofter engsi.cher Dampfer vom Ausstl-en des Dampfers Saronia (14 297 Tonnen).

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Ein Gefecht au der standrifcheu Küste.

Berlin, 13. Nov. (Amtlich-.) Am 12. November nach­mittags kam es vor der f l a n d r i sch e n K ü st e zwischen un­seren Torpedobooten und englischenVorposten- ft r e i t k r ä f t e n zu einem kurzen Artilleriegefecht, wobei ein feiudlüher Zerstörer gelrofsen wurde. Unsere Boote iinb ohne Beschädigung eingelausen

Nur dem Nslche.

Bundesratsbefchlüsse.

Berlin, 13. Nov. (MTB) In der heutigen Sitzung des Bundesrats gelardgten .zur Aniurhine: Der Entwurf einer Verordnung über die den Unterneh?nern der landlvirtschast- 1id>en Betriebe zur Ernährung als Selbstversorger urrd zur

Ter Großhcrzog hat am 26. Septeinber dein Lehrer Philipp Ru pp zu Hangeu-Weisheim anläßlich seiner Ruhestmidsversttz- un.g das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

**. Au s z e i ch nuttg. Vizefeldwebel und O ssiziers-Aspirant Hans Roth erhielt das Eiserrce ^breuz 2. Masse.

Opfertag. Auf den Ausruf, den am 25. November statt­findenden Opsertag zum Besten des Roten Kreuzes betreffend, wich besonders hingewiesen. Siehe Anzeigenteil.

** T e u t s ch e V a t e r l a n d s P a r t e i. Sonntag den 18. No­vember, nachmittags 3 Uhr, findet im großen Saale des Gasthow Fürstenhof eine öffentliche Versammlung statt. Ansprachen halten Landgerichtsrat Strack und Professor Werner. Siehe Anzeige.

^ Das Kreisblatt Nr. 188 enthält Berordnungeii über: Fleisch,brühwürfel und deren Ersatzmittel, Saatgut und Sommerge­treide, Anzeige von l versteh enden und gekündigten Wohnuiigen, Zum Gemliseanbau besttnrmte Hülfenfrücht», Fleischversorgung. Alustcrkurssetznng der Zweimarkstücke. Die 7. Kriegsanleihe. Rück-» Zahlung ausgeloster Obligationen, Rohrverlvgungsarbeiten, Rcsor- matiousfelt, Sammlung von Arzneipflanzen usm., Bureaukosten der Bürgermeister, Gebührenordnung für die Hebamnren.

Landkreis Gießen.

--s- Bersrod, 14. Nov. Wilhelm Schröder von hier, der im Westen steht, wird vermißt. Heinrich Sck)ueider, Sohn des Phil. Schneider I., erhielt das Eiserne Kreuz II. Masse..

Kreis Büdingen.

ff A l t e n st a d t. 14. Nov. Durch den Volltreffer einer Granate starb den Heldentod der Musketter Wilhelm Dauern- heim.

Glariberg, 14. Nov. Me L)essische Tapferkeitsmcdaille erhielt der Musketter Wilhelm Grießhaber.

Uunft «nd wNsenschakr.

Alte deutscheTrostgedichte in Widerswar- tigkerten des Krieges". Marttn Opitz, derBvbersä;»o«n"', dem wir^erne Reihe bvochtenÄverter Kriegsdichttmgen verdanken, hat als <Äprach-reiniger und erster Gesetzgeber der deutsck-en Mchtting seinen Pla;tz in der Literaturgeschichtie: aber als Dichter ist er längst vergessen. Er war ein Fvrmtalent, o'hne schöpferische Eigenart, und secn eiMittlicher Begriff vom Poetischeii ist recht zweifelhafter Natur. Er dichtet nacht jaus dem Erlebnis, sondern er pootisiert chirch äußer- lul'e ihelvris-1>e Mittel, ^rnd da chm als Vvrnehmlicher Schmuck die ftnttke Mhthologie erschien, wmrde er zum Vater der langweiligen Geldhrtenchoesie, für die Bildung die Mirrzel b's Mäckerischein war. lDeunoch schürf Opitz ein Werk, das sich ich erfteulicher Weise von wlch,en voettiä?en Berirrungen f-vechält, und ich deni auch ein starkes Erlebnis iils, das ®u fesseln, ja, zu ergreifen vermag. Es sind dies die vier ..Trostgüdichitt in Wliderwärttgkeiten des Krieges", die er, aus Deutschland gef^hen,-1620 auf Jütland schrieb, aber erst 1633 und ohne Bersassernanven drucken ließ. Er spricht in dieser Diästilng alss ern von der .Not des Vaterlarches ftief 'Erschütterter, ,und seine Rhetorik, frei von der Phrase, wirtt echt. Sein Vorsatz ist zu be- schceibcn wie man sich im Krearz auch fteuen soll, sein Meister ferner selbst", und er ldhrt die Tapferkeit der Ueberwindungi durch innere Einkehr, durch Philosophie und Religion. In wohl- gegnederteni Ausbau leidet das didaktischst Gedicht empor bis den: Punkte, wo vor Gott alles Leid der Zeitlichlkeit nichtig und aller Schmerz zum Driurnph der Seele wird. Ergreifend sind die ^chckderungeii des Kriegsschreckens und vor allem irne Aeußerun- gm, in denen Opitz sein deittsä^s Empftnde^i offenbar macht. Er rühmtdas adle deutsche Land, mit unerschöpften Gäbeii von Gott und der Natur ans Erden hoch erheben"; ,>u wärest sonst der Martt und Bauplatz aller Sachm, dadurch ein schöner Ort sich kann berufen mach,en; du gingest üöerhoch den archerQi Ländern für, was allenthalben ist, das sähe man l>ei dft " und er klagt:Ei! ei' Du wertes Land, was kannst du unerfahren, das nicht genugsam schm m DiqvU' kurzen Jahren an dir verübet sei." Große Beispiele der Vaterlandsliebe une -den Kamps der Sttitderlande, führt er in AulMiden Lch:lderungen. vor Augen. Dcvin mahiit er:Jetzt steht .5 ^-recheit selbst wie glEam auf der Spitzen, die schreft uns :eh»illch zu, ine müssen wir beschützen . . Wer Sann sein Vaterland daß er nicht tausendmal inuß einen Tag vergehn? Und m den ^wüsten lWellen und See der ttesen Not" be- kkchnt er v-oll,-^wiz:Wir sind ja deutsch geboren, ein Volk, das Nimmermehr sem Herze hat verloren." Es ist Opitzens Glaube: ^.hr werdet nicht angesieget, der teutschen Nation, warm daß sie friedlich krieget und berermn^er hält." Und Logau. der Landsmann und ^tgeno,^ des Märtm Opitz, sagt:,,Dis Elfen zeugt chm stlbst den Rost, von dem es wird verzehret. Wir Deutzen habeil selbst ^ugt dre dre uns jetzt ixrheeret." Nachdem der Küieg schoii zehn Jahre tobte, 1628, veröftentlickste Opitz eirn: andere Mchttmg dne m ähnlicher Weife interessiert wie dieTrostgedichte":Das Lov oes Krieges Gottes." Sie hat tveniger erhabenen Sch.muig als jene, ist beladener mit mythologischer Allegorik, aber man spürt das Zefterlebms selbst durch die EttMeidimg In einem sattrilch gcmeinteii Lob des Mars entäußert sich Opitz all der BttteLtLit rmd TvosUosigkert. mit der das KriegÄvetder im Verlauf

von zehn Jahren ihn erfüllt. Den Geist der Trostgedichte vermag er nicht mehr ftstzullalden. Er sieht nur derr Mckden Schreck, den furchtbaren Greuel der Verroüstung. Im Rahinon des Zeitge- jchmackes gesel-cn, ist das Gedicht em retl-ocftsches Meisterstück. Opitz ^1t alle Namen, alle my-tholvgischen Zeichen heran, die man Mgrs l>eigeben, und ttiüpft daran edle sattrijche Charakteristtk des Kriegsgott^, und seiner Scharen. Twtz deslusttgan" Tones wirkt das Bild erscheckend. Köstlich ist aber der Spott auffrei; techchen Tutzter.ar", die sich jetzt an Elb und Rheinsehst stark zu Felde schreibtt" und im ..süßen Dow' den Krieg Preist.

Eluge Sthar, der Musen Trost und Zier, eiitgegen der Gefahr des Grabes, das dich fleucht, wirst nicht aus Lethe trinken, so für den Pöbel ist." Opitz selber- loard ein Opfer des Krieges, sreil'ch nicht in der Sckjilackft. Als! er einmal einem Gefechte beiwohnte, hielt er sich an das große Vorbild des Horvz Er starb an der Pest am 20. August 1639.

Ende der Mauern von Cantvn. Canton, die Riesenstadt rn Südchiira, ist arm an künstlerischeii und baulichen Sehenswürdigkeiten. Seine größte Merttoürdigkät in dieser Hinsicht ßnd du alten Mauern, die die Stadt in einem Umfange von etwa 10 Kilometern umgeben und die den echt malerischen Anblick alter chmejischer Befesttgun-gswerke bieten. Zahlreiche Gesckchtze ältester Bauart sühven mrf diesen Ries-enwälleii ein friedliches Dasein. Nun scheinen die Tages dieses nierttoürdigen Denkmals der Geschichte und Baukrrcht Südchinas gezählt zu sein. Eanton wlll sich moderni- fteren; es sollen moderne Straßen, moderne Stadtviertel und Ä-rraßenbat-nen ins Lebeir gerufen werden., und zu diesen! Zwecke wlll man noch nn lausenden Jahve mit -dew Werke her Nftder- reifeung der Maurern beginnen. Es steckt in den Mauern von Can- ton ern so gÄvalttges Baunraterial, daß man daraus erheblichen Erlös zu ziehen hofft. Man hat berechnet, daß sie an 337 000 ?o^?.EMeter Ziegel 360 000 Quadratmeter anderen Steins und ^ 720 000 Kubikmeter Erde umfassen. Trotzdem wird die Summe die zur Durch ührung des Modernisierungsplanes erforderlich ist, noch immer auf mehrere Mittwnen Mark geschätzt, alleur die cknne- sischeii Großkaufleute von Cauton interessieren sich für dm Plan und sollen einen Teil dieser Sirmme bereits gezeichnet haben. Eine der Ni'ed-erlegung des Mauergürtels liegt darin, frag; etwa 5000 chinesische Häuser unmittelbar an und neben ihm ich angesiedelt haben. Es bleibt nichts Übrig, als diese Häuser samtliä) -aufzukaufen. Natürlich wird dies wüster Spekulattön Tür und Tor öffnen: auf alle Fälle aber wird Canton an Reiz, Eigen­art und Gitter esse wesentlich verlieren, tvenn moderne Straßen und Straßen viertel deii Platz des malerisch alten Mauerkranzes ein- nehnien werden. -

r der Krim. Archäo-

wSssch bedeuttanre Entdeckungen wurden, wie dasJouriral" zu

l c ^^rm: im Gouvernement Taurien im nord- Ntlicheii Teile der Halbinsel Krim, gemacht. Man legte eine neue Akropolis frer, die als das bedeutendste klassische Denknral bezeich­net wird, das rn unserem Jahrhundert gefunden wurde. Außer- t!^J vub wE auch eine gauje griechische Vllla in vollkommen ftr- hm ^l l eine große Menge anttker Vasen und schließlich^ Geldstücke aus der vorchristlichen Zeit, lieber die näheren Umstrmde und die inutmaßlichen gesckftchtlicheii Zusanhuen- hange wurde b^her noch nichts (vcmmeres mitgeteill.

, Neuartige Schädelpla stik. Eirre neue Art bet Schädelplasttk wurde in letzter Zeit durch die französischeii Chirurgen. Dauberin und I. A. Sieard mit Erfolg erprobt. Als Prothese bei Kopfverletzungen führten diese beiden Aerzte, wie die Müncherrec Medizinische Wochenschrift berichtet, statt der bisher üblichen Silber- oder Elfenbeinplatten die Verwendung sterilisierter, von Menschen, stammender Schädelknochen ein. Das erforderliche Knochensttkck eut-- nimmt man bei diesem Verfahren einem frisch sezierten Schädel, der Knochen wird 23 Stunden lang gekocht, hierauf, dem dadurch verursachten Substanz Verlust ^entsprechend, sorgfälttg geformt, hier­auf 24 stunden lang noch einmal sterilisiert,' mrd zwar in Äettier, dann verwendet man eine letzte, aus Mkohiol, Formal und Aether ßu gleichen Teilen bestellende Sierilisatton, um endlich das Knochen- stück für eine.halbe Stunde bei 120 Grad in einen Brutofen zu bringen. Bisher wurde diese neue Schädelplasttk in neun Fällen an- gewandt, bei allen mit befriedigendem Ergebnis, trotzdem der eine Fall bereits 7 Mvirate alt war. Me Vorteile dieser Knochen Prothese sind vor allein darin zu ^erblicken, daß der Schädel knochen mit den: umgebeiiden Oöeiveben fester verwachsen kann imb außerdem reicher uji_ koUensaurem Kalk und Mi Magnefia ist, als die bisherigeH Ersatzmittel. Endlich fällt auch gerade zur Kriegszeit ins Gewicht, daß diese Prothesen in Gestalt menschlicher Schädelknochen bedeutend billiger sind, als -die bisher benützten Materialien wie Elfenbein und Silber.

Wi^ das sauerländische Platin gewonnen weroen soll. Vor -dem Kriege wurde in der sauerläudischenr Grauwacke Piattn entdeckt, und von der Ausbeute dieses Edelmetalls verfprach man sich große Dinge. Die Geiviunung ist freilich da- dnrch fehr erschwert, daß das Mcktall im Gestein sehr ungleich ver- teilt ist und frch auch äußerlich nicht fest stet len läßt, ob im Stein l-J ?^^lmetall vorhanden ist. Wie dieNaturwissenschaft­liche Wochen) chrift" (Verlag: Oftrstav Fischer, Jena) mittnlt, ist nun jüngst eur deutsches Patent veröffentlicht worden, das der 0öe- tS dftses fein verteilten Metalles gilt. Der zugrundeliegeirdo Gedanke zrelt auf eine ganz neuartige Erzaufbereitung ab. Das ^ ®^ tetn soll nämlich in dünner Schicht auf eine elek­trisch leitende Flache aufgettageu -verden. Diese Fläche wird damr mit dein ernen Pole eurer .El-ettrizitätsquelle in Verbindung ge- bvacht, und der -andeve Pol besteht aus einer kleinen Platte, die Pu.lve-r-masse hin- und hergeschLiben lwird. Ein Strom- schluß kann immer nur dann erfolgen, wenn ztvischen der Unter- flache und der bewegten Platte Rdetallkörnchen vopl^anden sind, wal-rerid das Gestern den Strom nicht leitet. Auf diese Weise tritt eine Scheidung -ern: die Plattnteilchen bilden -an den BerÜhnmgs- Iteilen Mit den Polplatten Funkeir und schmelzen auf diese Weise Mit ulmen zusamm-en. Ist das Verfahren einige Zeit lang fott- gesetzt, so hat sich genug Wattn an den Polplatteii abgesetzt. Ms Stoff für hi-e PolPlatteii kann Wachs, Asphalt oder auch ein leicht nelzendes Wcetall.dienen. Wie sich dieses Verfahren in der Wirk­lichkeit bewahren wrtt>, läßt sich nicht Voraussagen: das Plattn. da-

so großer Berdümrnng Mvomren werden soll, tvird wahrschein- r reä ?, ; bei dem gegenwärttgen hohen Platinpreise

aber rechtfertigt sich auch ein Gewinnungs ver fahren, das man unter anderen Umftmiden als unwirtschaftlich veriverfen würde.