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2.11.1917 Erstes Blatt
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Erster Vlatt

sbl. Jahrgang

§rert6g. 2. November M

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rrchtssaal: W. Meyer;

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Der Sieg am Tagliamento.

Die Berufung der Grafen hertling.

(WTD.) GrotzeS Haupt quartier, 1. November. (Amtlich.)

Im Westen, Osten und Makedonien keine gröberen Kampfhandlungen.

Italienische Front.

Unserer sthnrtten Entwickelung im Osten, dem un Erschütterlichen AuShurren unserer Truppen an allen Fron­lien. besonders im Westen, ist eS zu danken, dntz die Operatio­nen gegen Italien vollkommen und so erfolgreich weiter­lgeführt werden konnten.

; Gesten» Häven die verbündeten Truppen der 14. Armee dort einen neuen großen Sieg erfochten. Teile des !sieindlichen Heeres haben sich tun Tagliamento zum Kampf

gestellt.

Zur Gebirge und in der Friaulischen Ebene bis zur Kahn NdineEodroipoTreviso ging der Feind weichend auf das Westufer des Flusses zurück. Brückentopfstcllungen auf dem Ostufer hielt er bei Pineano, Digimiw uüd Eod­roipo. In einer dort über BcnioloPozznoroLavariauo auf Udine vorspringenden Nuchhulstellung leistete er luf­tigen Widerstand, um den Rückzug seiner 3. Armee auf Vas westliche Ufer des Tagliamento zu decken.

Vom Siegeswillen getrieben, von umsichtiger Führung in entscheidender Richtung eingesetzt, errangen hier die deut­schen und österreichisch-ungarischen Korps Erfolge, wie sie auch in diesem Kriege selten sind. Die Brückenkopfstellung von Dignano und Eodroipo wurde von preußischen Jägern, bayrischer und württembrrgischcr Infanterie im Sturm ge­nommen. Auf allen Kriegss^mplätzen tnwährte branden- burgische m»d schlesische Divisionen durchbrachen von Norden her in umviderstchrichem Anlauf die Nachhutstellung der Italiener östlich des unteren Tagliamento und schlugen den Feind zurück, während erprobte österreichisch-ungarische Korps vom Jsonzo ^r gegen die letzte, den» Feinde ver­bliebene UebergargSstelle bei Latisana vorwärts drängten.

Durch den Stotz von Norden her abge'ckxnitten. st r eck­ten. beide rseils um fatzt, mehr als 6 0000 Ita­liener dort die Waffen! Mehrere hundert Ge­schütze fielen in die Hand der Sieger.

Die Zahl der Gefangenen aus der in einer Woche so erfolgreich dnrchgeführten 12. Jfonzoschlacht beläuft sich damit auf über 180 000 Mann, die Summe der ge­nommenen Ge schütze aus mehr als 1500.

Die sdnstige Beute ist an diesen Zahlen zu ermessen.

Der Erste Generalguartiermeistcr Ludendorff.

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Der Abendbericht.

Berlin, I.Nov., abends. (WTB. Amtlich.)

Im Westen und Osten keine wesentlichen Ereignisse.

Am Tagliamento wurde der auf dem Ostufer bei Atnzano und Latisana noch haltende Feind ge­worfen oder gefangen.

Vielleicht ist noch -nicht jedermann der außerordentlichen tzedeutung sich hetTtefrt, die dem in unserer gestrigen Aus­gabe bereits gemeldeten Sieg der verbündeten Truppen am Laglicnnento zukomnrt. Das Volk hat sich in zu viele politische Zweifel und Schwierigkeiten hineinquälen müssen, um noch tarntem aufjauchzen zu können über dieses neue Schlachten- ;lück ohnegleichen.. Vielleicht gibt es sogar nocb einige beeten, die'das WortSchlachtenglück" auch in diesem Malle me eine Entheiligung ihres tiefgefühlten Bölkerverstandr- nmgsdranges empfinden. Darum war es gut, daß auch lex Präsident des vielumsirittenen Reichstags wieder ein­mal seine Stimme erhob, um dem Kaiser und Hrndenburg su sagen, daß wir mit dieser Führung des deutschen Schwer­tes auf dem richtigen Wege sind. Wer trauert nicht {um jeden gefallenen deutschen Soldaten, wer ist nicht erschüt- tert von dem Anblick der Ströme von Blut, das zjnr Ent­scheidung des Völkerstreites vergossen wird ? Aber haben wrr rricht noch dieselben Tatsachen und Notwendigkeiten neben uns toie im August 1914? Ist es, uni den Hohn, dre gen der Gegner zu bmdjen, nicht notwendig, daß solche Hiebe ausgeteilt werden, ist es nicht die herrlichste Gabe des Schicksals, daß wir es noch können? Das war ja gerade bezweifelt worden, das hatte den Hochmut der Entente aufschießen lassen, d.a s leitete ein in die Angstmeiern und Schwätzerei eines Erzberger. Der neueste Heeresbericht unserer österreichisch-ungarischen Verbündeten enthält erneu wundervollen Satz:Der große Sieg an den Südwesttoren der Monarchie ist eine neue urrvergleichliche Kraftprobe der verbündeten Mächte und Völker, eine Kraftprobe,^ die eftna stzäjrkL 4 »ei Sprache reden wird als alles, was in den letzten Wochen bei Freund und Feind, über Gegen ivart und Arkunft geredet und geschrieben worden ist Eine stärkere Sprache auch als jene Friedensentschließung der Mehrheit des Reichstags das wird also von der Wie­ner Heeresleitung ausdrücklich festgestellt! Hoffentlich wird man jetzt diese stärkere Sprache voll ausklingen lassen über den Erdenrund. Sie wird in alle Winkel der Entente und unserer neuesten Feinde hineindringen, wenn wir ihr ein wenig Zeit lassen und ihre Schallwellen nicht hemmen durch diplomatische oder parteipolitische Dummheiten. Nach den neuesten Meldungen ist die Berufung des Grafen Herb­

ling so gut wie sich.er. So viel steht fest, daß er eine bessere Lage vorsindet als sein Vorgänger. Er hat eine wesentlich) größere Bewegungsfreiheit als Dr. Michaelis. Der Krisen- stachrl unserer Friedenstaktik ist unter Mitwirkung der Wie­ner Politik etwas abgestumpft, und wenn Graf Hertling als Kanzlerstellvertreter einen fortschrittlichen, als Vizepräsiden­ten des preußischen Staatsministeriums einen nationallibe- ralen Abgeordneten sich bestellt, so wird er bei seiner Er­fahrung und seinen staats männischen Fähigkeiten sicherlich nicht zwischen so schroffe Klippen sich hineingestoßen fühlen als der in solchem Fahrwasser unkundige Dr. Michaelis. Freilich:Ob Glück, ob Unglück aufgeht, lehrt das Ende!"

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Stegemänn schreibt imBerner Bund" zur Kriegslage:

_ Die Entwicklung der österreichisch-ungar isfei und deutschen Offensive in JtÄlrea ncchim den vorgereichueten BerlÄus. Sie ent­wurzelte, die ganze Jisonzostrllnng. ^. e Durchbrechung des, Zen­trums der allgemeinen italienischien ^.usstiellung ist als völlig ge­lungen zu bezeichnen. Die Italiener i.nrden reicht nur das Opfer der strategischen Lage^ zu der sie sich sei' Kriegsbeginn verurteilt sa­hen, sondern sie vertamrten auch djie l.sonderen strategischen Ber- hLltnisse, unter denen sich der deutsch-ösierreichisch-ungarische Gegeu- angriss zur ^großen Offensive gestaltet hat.- Der innere Zuscumen- bÄt der italienischen Arinee!war nicht stark genug, sich ans der mißlichen Lage zu besuchen, in die sich die Jsonzoarmee Cadoruas plötzlich gestürzt sah. Cividale ist nicht nur beseht, sondern ^sogar Udine ist bereits erreicht. Damit ist der Zusammenbruch der Isouzo- sront, also der gesamter Angriffs front des italienischen Heeres, besiegelt. Es ist schwer zu begreifen, wie sich die. Entente in büe Gefahr einer solchen Katastrophe begeben komrte. Die psychologische Erllärung liegt todhil in der Unterschätzung der deutschen und öster­reichisch-ungarischen Reserven und in der Berkemrmrg der Hand- lungssreihert und der kausalen Znsammenhänge, die sich durch alle Operationen der deutschen und österreichisch mrgariscken Heeres­leitungen ziechen. Die Strategie der Entarte pflegt zu stückeln^oder im kleinen zu schematisieren. Das ist ein .Fehler, der aus ihren' mÄitärischen Grundsätzen stammt. Es ist aber ein größerer Fehler, die Ueb-erlegimg und strategische Meinode des Gegners nicht anz-n- erkermen. Die Mittelmäck^e handelten wieder einmal an einem en^cheidertden oder als eutschciderid ge>rchten Punktes überlegen BMvachtet mcur die euvopäisck/en Fronten als strategische Einheit nitd die Kantpshandlungen, die sich von Riga bis Tulcea, von Vionastir bis Valona ziehen und sich am Jsonzo bei Trient Und an

- Ez«r Westfront brs NEWrt abUMlen. aU ffrofec rr^rWacht, die von dev auf den rmreren Lr:n«, stelMiden Atittrl- ril«ten' und von dqn <fu.s den Luheven Lmicn ferl^endcn Eritcnte-

Auaust 11)16 umntterbrodelt dnrchge ulirt wird, [o et. knt der Durchbruch am Jsonzo als die Durchbrechnngdes, Aen- der Entente, nachdem vorher der Oshlug«! dau«ich rn der 'rteidigung fömWt- Der Durrlchruch am J,ozo rst daher viel ein als eine Niederlage der italienischen Ar- e e und ka-im, wemi er vallends auSreist und darüber himrus litisch ausgestialtet w«d. d°s »ern,ick- te Problem des eltkrieges der europäischen Lösung tz.aherbrin-

- n , ehe die diplomatische Whtung des Krieges Mtens der (Su­ite völlig an Amerika übergeht. .

A.hpiri am Wn'lvUre der Ovevationrn wüivigend, schreibt

egemann: ,_,

Es darf aber mit Grund^bazweiHelt werden, ob Cadorna durch Verkürzung der ürneran Lumen etioas gewonnen hat. Dazu smd nc Verluste an Mensthm und Material viel zu groß imd ist die ^nsfäbiMt der JtalE in eimnn Be-vegungskneg graß^r ll^zi^geriun Zu sM l-at man sich in Paris entschlossen, starke E?narb Italien zu entsenden, um die strategische Lage müder -lustellm, deren MilchigMt nmn keimen nmßbe. D« kr«nzöst- m Truppen, die (eit ÄLmrtag vx ungeheizten Zügen nach Italien

rollen, werden idie klassischen Schlachtgesrlde zwischen Gavdas« mck Tagliamento erst erreichen, wenn am Zusammenbruch des italienr- fchen Feldzuges nichts mähr zu ändern ist: beim der italienische Feldzug konnte der Entente nur dann ein Mindestmaß realen stra- tegisä-en Nutzens sichenr, wenn Cadorna in einer Angriffsstellung vor Tickest stand und die Straßen über Laibach nach Wien, sei es auch nur indirekt, bedrohte. Das ist nicht nvehr der Fall. _ Der italienische Generalissimus muß froh sein, die Trümmer. seiner Jsonzo-Armoen hinter dem Tagliamento zu retten und in der großen Linie VenedigVerona zu verteidigen. Nicht nur Cadorna, sondern auch Sarrail v' am Tolmeiner Brückenkopf schwer getroffen worden. Die sür ihn über Land geführten, durch Frankreich und Italien nach Grieck-enland lausenden Verbindungs­linien siiid heute von Zügen überlastet, die Hilfe an den Tcmlia- nrento bringen sollen. Er steht mehr als je in der Luft. Der fran­zösische Kriegsrat erklärte, daß den Italienern jede Hil'e gewährt werden solle, die sich vttt der Fortführung der Operationen in Frankreich vertrage. Näbme hie französische Heer-sleittmg diesen Beschluß genau und handelte sie nach den besten strategischen Grund»- sätzen, so könnte sie keinen Mann, keine Kanone abgeben.^ denn sie kann den Durchbruch der italienischen Schlachtlinie nichts mehr wesentlich beeinflussen, wohl >äber die Operationen ihres eigenen linken FttigelS schädigen und hätte eher Aulaß, sich mit der^ Hoff­nung zu trösten, daß bäe deutsch-österreichisch-ungarische Offeniim sich in der venetianischen Ebene schließtich von selbst tottäust, als ihr verspätet mit stavken Kräften entgegenzntretcn Es mnß also sehr schlimm nur Italien stehen, wenn die Äugen französischen Ge­nerale ihnen trotzdem zu Hilfe eilen.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 1. Nov. (WTB. Nichitamtlich.) Anrllich wir- verlautvart: «

Italienischer Kriegsschauplatz.

Das Vordringen der Verbündeten in Oberitalien ist gestern durch einen neuen gewaltigen Erfolg gekrönt wor­den. Das Anstauen der zurückweichenden feindlichen Massen nordöstlich von Latismra bot der Führung Gelegenheit, star­ken italienischen Kräften durch Umfassung den Rückzug zu verlegen. Deutsche und österreichisch-ungarische Divisio­nen, die sich westlich von Udine dem Tagliamento näherten, wtlrden von Norden her angesetzt. Gleichzeitig stietzen öftere reichisch-mlgarische Kolonnen längs der Lagunen gegen Lati- sana vor. Zahlreiche, in vollste Verwirrung geratene ita­lienische Verbände in der Gesamtstärke von zwe i b i s d rri Armeekorps wurden MM größten Teil a b g e s ch n 11 3 t c n. In wenigen Stunden waren Übersech zigtausend Mann gefangen genommen und ntehrerehundertGe- schütze erbeutet. Oesterreichisch-ungarische und deutsche Truppm stehen überall am unteren und mittleren Taglm- mento. Vereinzelte Versuche des Feindes, im Nttttellauf Brückenkopft'tellungen zu behaupten, wurden durch unge­säumtes Zu greifen der deutschen Regimenter vereitelt. Dre im Gebiete des oberen Tagliamento vor- dr'mgenden österreichisch-rmgarischen Armeen überwarrden. gebirgsgewohnt. in zähem Wollen die Schwierigkeiten des Geländes. Solcher Art hat die 12. Jsonzo-'Sch lacht in acht­tägiger Dauer zu einem über alles Matz glänzenden Erfolge gefiihrt. Die österreichischen Küstenlande sind befreit. Weite Strecken venetianischen Bodens liegen hinter der Front der Vcrbmweten. Der Feind hat in einer Woche 180000 Mann an Gefangenen find 1500 Geschütze eingebützt. Der große Sieg an den Südwesttoren der Monarchie ist eine n e u e u n v e r g l e i ch l i ch e K r a f t p r o b e d e r v e r b ü n -

deten Mächte und Völker, eine Maftprobe, die eine stärkere Sprache reden wird als alles, was in d e n l e tz t e n W oche n b e i F r e u n d u n d F e i n d. ü b e r G egenwart und Zukunft geredet und geschrie­ben w o r d e n i st.

Oestlicher Kriegsschauplatz und Albanien.

Nichts Neues.

Der Chef des Generalstabes.

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Die Kämpfe Im Westen und Süden.

Berlin, 1. Nov. (WTB.) Das Drama des von seinen Verbündeten rin Stiche gelasseneil italienischen 5^eeres wächst sich immer mehr zu einem welterschüt­ternden Ereignis ans.

In einer kurzen Woche sind zwei große starke italienische Armeen fast völlig anfgerieben. lieber 180 000 Mann ge­fangen, mehr als 'lö00 Geschütze erbeutet. Die in die Welt l/inansposannte .Hofsnung des italienischen Volkes, westlich Udine den Siegeslarrf her DerbÜTideten anfzuhalten, ist nach dem letzten großen Sieb arn Tagliamento znsmnmen- gebrochen. Noch hat die italrenische Heeresleitung und die Mgierung nicht den Mut, dem Volke die aairze Größe der Niederlage einzngestehen und klammert sich krampfhaft an die erwartete Hilfe der Engländer und Franzosen.

In drei Tagen haben die Verbündeten die für unein­nehmbar erklärten starken italienischen Gebivgs- und Felsen- stetlungen, Panzerwerke und Forts gestürmt, am vierten Tage sich den Eintritt in die Ebene erkämpft, Udine, Görz, Monfalcone erobert und die in der Ebene des Taglianrentv sich zur Schlacht stellende Nachhutarmee Cadoruas vernich­tend und entscheidend geschlagen. Tausende von Ortschaften, eine große Anzahl bedeutender Städte sind genommen, über 4000 Quadratkilometer Landes den: Feinde entrissen. Zrl der gewaltigen Gefangenmbeute treten die schweren blutigen Verluste, die der an vielen Purrkten zähe und tapfer fechtende Feind erlitten hat. Die