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Zweites Viatt
167. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Verlagen: ..Kicßener Zamstiendliitter" und „NreiLblalt für den Kreis Glehen".
postsche«Uo»ro: Zrankfnrl am Main Nr. U686. Vankverkehr: Gcwerbebanl Siegen.
GeneraS-Anzeiger für Oberhessen
Samstag, 15. September {9)7
ZwiüingSrund druck und Verlag:
Brühl'fcheUnweriuatS-Buch-u.Gteindrilckrret.
R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, SefchLstrsteLe Druckerei:
Schulst'aße 7. Geschäftsstelle u. Vertag:
Schrift leitung: e# 112.
Anschrift für Drahtnachrichten: AnzetgerGießen.
önef ans Sankt Tu enlin
Bon Unteroffizier H. R.
Nachfolgend'.'r Brief ging uns zum alleini.wn Abdruck zu und bringen Mr ihr: biermit zur Veröffentlichung mit dem ausdrück lieben HmwerS, daß es sich nicht um einen der üblichen Kriegeb! i-se hlvldelt, sondern das; ein Augenzeuge, ein Mitkänrpfer in leben tagen Farben ent nnverlösäKares Bild zeichnet, dessen Wert und Bedeutung nickst verlcntnt werden darf..
war es möglich? Sollten wirklich die Franzosen den Befehl zur Vernichtung dieser schönen KLrckre gegeben haben? Mas geht vor'-' fragen wir uns. Haben wir vielleicht Engländer gegenüber, die Kt m her Verwüstung der Frontorte keine Rücksicht kennen, ist es docu nicht ihr eigenes Gebiet. das sie zerstören. Es hat schon wiederholt geheißen, der Engländer übernähme Inieder rin Stück der französischen Front. Wer wir wissen ja bestimmt, das; wir noch Franzosen gegenüber haben. Es ist also ihr W>erk, was wir hier ^ ^ _ fthen. Wollen sie heute nackst anareifen, vielleicht hoffcird, unsre
habe tae Sckuchalstage von St. Quentin miterlebt. Wäh- Mismeryamkert aus den großen Brmrd zu lenken? Tie richtige reud des Wrteges bin ich wiederholt durch die einstig schöne Etappen Vermutung, daß die Unfragen Rettung versuchen werden, veran- stw-t geromniLN, die als solck-e wohl noch rtickst ahnte, welctas dct: Franzosen, während des Brandes heftig zu schießen. Gra- Krrrgslos :br itoch einmal Anteil werden sollte: Sankt Quentin unten sausen in die brennende Kathedrale, als wolle der Gegner Wurde zur Frontstadt. Wegen besonderer Verwendung traten iinr bewußt das begonnene Werk durchführen, ein Hohn auf die Ewig-
den Rückzutg früh'reitig am Ich sah nock>, wie die letzten Einwohner evakuiert wurden. Mit einem roick-en Hunsbesi.tzi.m entspann sich em Gespräch etwa folgenden Jül>a1ts>: Er: Die Evakuierung einer io groveu Stadt ist eure gQvclltige historisck-e Begebenheit. Ich: Der Meg ist in seinen Notwendig Lsitcn grausam. aber ich kamt Jme SsrmLmtg begreifen, ein so schönes Haus verlassen zu nvüssen. Er: Mein Haus ist alt und biaufÄlig, vielleicht bekomme ick) nach dem Krieg ein neues. Ich erwiderte: „vieLLeickst" und brach das Gespräch ab. Seine letzte B'merktutg sollte nämlich ein Hieb sein und seinen unbedingten Glouibiet: an den französischen Sim biewerseu, auf den er bald drei Jahre sin besetzten Gebiet vergebens hatte warten «LTcn. Armes 'betörtes T
kertsgedanken der Menschheit. Tie ganze Stajdt >oird schwer rrfii Schrapnells Uird Granaten tajchossen. Vorsicht für Zuschatter bei dem großen Sck'/ruspiel i>t also geboten. Ein unaufhörliches Heulen, Sausen und Zischen erfüllt die Luft. Es ist, als ob der Franzose dte Kathedrale noch einmal als Richtpurtkt für seine Kanonen be nutzen trolle, zürn letzten Male, denn sie ist verloren. Bon der Kä thedrale steigen hohe Funkensäulen auf. Sllhouettenhasl heben sich der Börseirturnt und die großen Scl-ornsteine der Stadt in dieser Flammenglut gegen den bereits in tiefer Dämmerung liegendest Horizont ab. Bald stürzen Teile des Barocktürmchens zusammen uird das Fetter erscheint bereits anr First des südlichen Querschiffes ttnd greift auf den ganzen Dachstuhl über. An einem der vorher--- gehenden Tage hatte ich Meyrinks „Grünes Glichst' gelesen. Ver- fttuken in den sä>aurig--schöne;t Anblick des K'trchenbrandes und umgeben von der Granatenmu.fi k wurde ich an das dort geschilderte Ende Amsterdams gemahnt. Ist es ein Stück Weitende? Warum? Wozu?^O Menschenwahnwitz! —
- . Artillerie schweigt, gleichsaut als gönne sie dein Gegner
;ern Werk und wolle ihn nicht darin stören. Auf Minuten schlveigt Ech d er Gegner. Tiefe Stille tritt e in. Immer wieder müssen wir ktt^srr-eu, so nimmt ULs das große Schauspiel gefangett. Klar urnrHan heben sich die Schatten unsrer Gestalten am Eingang
Volk! Eure alle Fvau, die wegen GcvrechKtMrt den rechtzeitigen Anschluß an ihren Transport versäumt hatte, hielt uns um. Brot an, das wir ihr hilfreich besorgten, Wir erholten uns jetzt von den letzten Frontmonaten, aber die schönen Tage der Stadt waren bald gezählt. Der Anfcurg April brachte die schweren Kämpfe um St. Qttentnt, das die Fran- Kvseu im ersten Ansturm zu nehmen gedachten. Der „Malin." brackste voreilig die Meldung vmr der ktsiegse.ttscheidenden Bedeutung dieser Tage. Zu dem Fehlschlagcn der Hoffming des Pariser Sensationsblattes htfjm hessische Truppen, die iv stzarrd- hairem Ausharren tae Stadt zäh verteiltagteu, hervorragend Neige-WW>W>
tragen. Schon, damals lttnrta der Stadt von den Granaten fftsrf mit« I 'unsres S>-n > -n- a'- Ti-' auf uns fallende Helle ermöglicht, Leut gespielt, sowohl im Innern als auch besonders in. den B-orstsd-rn, j lich die Zeit der Taschenuhr ,zu erkennen. Um II Uhr wird die tae sich bald m nfcfrfe mehr von tan Trisinmerhottchen anderer heiß- Dtaidt »esieq mit Gas beschossen. Es geht noch über uns hinweg, umstrittener Fronwrtc imterschiedeti. In einer dieser Bsrstädtc! harten aber Gasmasken bereit und prüfen die UnLerstandslüvm
mar es auch, wo mein früherer Bataillonsfiührer mit fernem Tdju- j ^ dichten Abschluß. Besorgt sind um: "m die Rückkehr dreier Kannten und Ordonnanzoffezier fielen, ZGießener Offiziere,! mevaden ^Einer mußte die übliche Meldung zurt'Wringen. Zwei deren Tod sicher damals in Gießen allgemein bellagt tmerde. Der' andere, die freute zum erstenmal vorn bei mrs sind, wurden zum eine von ihnen stand mir von SckmL- ttnd Universitätszeiten her «che, auch waren wir 1914 int Schützengraben Kämevaden. An »mem Grab aus dem .Heldensrickchsf meines jetzigen Ruhequartiers konnte ick» jüngst eilte stille stkrtdacht verrichten, die in den: büßen Wunsch gipfelte, daß all diese Qp^r aus betit Altar des Vaterlandes deveinst nicht vergebens gewesen sein mögen.
In St. Lllrerrtin waverr wir Zeugen, wre die Fvauzosen und damals auch die Engländer die Stadt rücksichtslos der Vernichtung weihten. Die Kaserne, ein MAfeum, ein großes Warenhaus ttnd verschiedene HLufergiuppen wurden das -Opher fvan^ösisch-eng- lrscher Dvandgranaien. Auch urrser Quartier brannte einmal zum großen Teü ab. Ein GtLk war, daß unser Koch rechtzeitig wach vmrve und uns, die wir km Keller schliefen, wecken kottute. Wir löschten, um wenigstens das WohnzimTner, in den: wir uns in den dienstfreien ruhigen Sdtnden des Tages aufhielten, M retten. Es gelang, aber viele Ausrüstungsstücke verbrannten. Ich wurde bo- fortders betroften. Irr Tnckchose und Pantoffeln stand ich int Krieg, wie ich am Abend zuvor schLasen gegangen war. Wles andere war verloren. Mte Kameraden merrrer fÖ"ck>eren Kompagnie halfen mir -As, bis ich von metna: Abteilung den ersortawlichen Ersatz erhalten konnte.
Die Kathedrale, das Wahrzeichen der Stadt, war oft der Zielpunkt gegnerisckjer Granaten. Illifer TägesLericht hat dies toi-edew- holL vermerkt. Ten größten Schaden bis jetzt erlitt sie aber am 15. August. Von unsrem Untersta-nd aus wnnten wir den llnter- gartg der sckchnen Kirche gut ^obiachten. Am Spättmchmittag scl!lu- Zen oerfchiebene Gvanaten mit Brennzündern m das südwestliche Dach des H-cruptfcAffes. Ein kleines 5^nns dicht ireünr der Kathedrale wnÄ bÄD in Brand geschvffru und sendet seine. Glutgarben gegen den Abendh-mmel. Aber schon vorher hatten die Granaten! im Tachstnhl der Kirche gezündet. In dem hölzernen Barocktürm- chen über der Vierung zeigte sich zuerst du Flammenschein, der sich wie das Licht eines Dürmcrs auSnmtmt, Lhtckich dem Schein der Lampe, die früher itt Gießett bei errrnn Brand auf dem Stadt- krrchtunt in der Richtureg des Feuers ausgestellt wurde. Um 10 Uhr steht das TLrmckpen in foum Fllrmmen. Vorher gewahrte man noch gar keinen Rauch. In ruhiger Apocheose sckchnt die Kathedrale ihren Heimgang yn suchen, beleuchtet von der Glut des zu ibren Füßen brennenden Hauses. Ter irwrrgauische Aufsatz, das Barocktürmck^en, muß zuerst Mim, Ern ’&rr.cr Regen setzt ein, wie ein Widerspruch Gottes, dem einst in lnnliger Inbrunst die Dome entgegengetoagen wurden. Aber es unterlag keinem Zweifel
Vierten des Weges mitgeschickt. Unser Bubi ist dabei. Ws Jüngster wird er von den andern st, genannt. Er ist heute zum erstenmal überhsupt an der Front. Er wird gleich richtig eingeweiht attft erlM einen großen Dag. Um 3 / 4 12 lkyr trat ich wieder vor den Unterstand. Wo das Türmchen stand, sind die vorher ziellos vt die Lust ragertden glühenden Balken eingestürzt. Das südliche Ostcerschiff steht in Flaimnen, der westliche Test des Bcittelschifses glimmt im Dachfirst. Bald werdet: auch diese Telle ein stürzen. Gewaltige Feuersaulen steigen auf und der rölliche Rauch breitet sich über die ganze Stadt. Das Schießen hält cm. Um 12 Uhr steht von dem südlichen Seitearschiff nur noch der Giebel. Das übrige ist eingestt'irzt. Die Kathedrale, die von imfcrm Stollen aus gesehen, intmer einen wuchtigen Eirtdruck bol, entsinkt allmählich unfern Augen. Das Schießen wird wieder stärker. Bald aber flaut es ab, utck> die Stille der Nacht, nur noch durch einzelne SckstH'e uirterbrochen, löst den lärmenden M^nd ab. Um 1,15 Uhr sehe rch von der Kathedrale nur noch 3 Schiffsgiebel. Vom westlichen Hauptschiff ist über dein Portal ein größerer Dachtell stel-en geblieben. Immer nvch brodelt der feurige Strom inttnifc hörlich gen Himmel, aber das Werk der Bernichttmg ist getan. Die 3 Meldegänger kehrten rcm 2 Uhr zurück. Sie hatten sich ick einen Keller flüchten können und gasbercit gemacht. Wir sind froh über ihre Rückkehr, und der Austausch der Eindrücke und Empfindungen beschließt dm ereignisreichen Tag.
Ans und Can&.
Gießen, 15. Sevtentber 1917.
Gedenkt am Geburtstag der Großherzogin unserer notleidenden Kinder!
Zum vierten Mal begeht Grvstherzogrn Eleonore ihren Geburtstag im Krieg, schlicht und prunklos, ttae es dem Ernst der Zeit entsprickl, aber unter inniger Airrdelllnahine des ganzen Hessen- Volkes. Bor allem unsere Mütter werden voll Dankbarkeit und Vevehrung der LandeSnrutter gedenken, tae stets bereit war, ihre urck» ihrer Kinder Mvt zu lindern, wo es ihr nur möglich war^ Ihrer Fürsorge ist es Mtn großen Dell zu danken, daß Hessens Leistungen auf dem. ^jelnet des Wöchnernmiernt- und Schiglings- schutzes im ganzen Reich als vorbildlich angesehen werden. Um die Urm AjuSbctu der Kinderfürsorge erforderlichen Mittel aniDl^
kindersthutz" veranstaltet werdet:. .Etz war vorgesehen, auch üq Hessen für diesen .Ztveck am Gebttrtstxtg der GroßHerzoqin zv samnveln. Mit Rücksicht auf verschiedene andere Vertatfralttmgslj wurde devot: labgesehetr. Es sei aber darattf hntgewiesen, daß alle hessischen Bauten, Bankgeschäfte und Sparkassen Gaben für „Deutschlands Spende für Sättglings- und Kbemkittderschutz" ent- gegennehmen.
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** Auszeichn u n g. Dem Mzefeldwebel, Hoboisten Altan Herbst 'wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. Die Mten- btcrger Tapferkeitsmedaille ist bereits seit 1915 in seinem Besitz.
** Kriegs an leihe-Versicherung en. Aus die Anzeige der Fratttfttrter Leb^ertsversicherurtgü-Attiengesell- schaft im heutigen Anzeigenteil, die M-schtietzmig von Kriegsanleihe-Versicherungen betreffend, tvird hingewtesen.
** Die Lebens-Versicherungs-Aktien4e* * [;eIlschaft „Germania" zu Stettin übernimmt Ber- sichernngen gegen Unfälle durch Flngsahrzeug-Angriffe nsw. Siehe Anzeige.
Landkreis Gießen.
** 21 cfr, 15. Sept. TM Reservisten Karl Sommer .vurde das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehe'.:. Mit der Hessischen/ Tapferveitsmedallle ist er bereits ausgezeichnet.
Airchliche RachrictzLsi»,
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'Mit
v<>CRU’S!löe.
Sonntag, 16. Sept. In der S ta d t k i r ch e. Vorm. 8: Zugkl. Christenl. f. d. Neukonf. a. d. M^atth.-Gem. Psi. Mahr; 9' .: Psr. Scl/.vabe; 11: Krnderk. f. d. Mark.-Göm. Psr. Schwabe. Dtenstag, 18. Sept., abds. 6: Gottesdienst anlüßl. d. Jat-resfeier d. Vereins f. Inn. Miss. Prof. Dr. v. Wirrster, Tübingen. — In der I o- dann eskirche. Vorm. 8: Zugl. Christetll. f. d. Neuko-nf. a. d. Lnk.-Geml. Pfr.-Ass. Lic. Neunnrg: 9>ft: Psi. Ausfeld; 11: mindert, f. d. Ioh.-Gem'. Psr. Ausfeld. Mittwoch, 19. Sept., abds. 6: Kriegs- betstmrde fällt aus. — Wartburg, ev. Jungt - u. MLn'ierverem, Dsi'str. 15. Sonntag, 16. Sept., abds. 8: Vortrag. Donnerstag, 20. Sept., abds. 8y 4 : Lessabend. Gäste willk. — Bibelkränzchen f. Sckiül. höh. Lehranst. Jeden Mittwoch voir 6—7 f. fc>. jüng. 2lbt., jeden Sojmstag von 6—k? f. d. Llt. Abt. int Joh.-Saal. — B i b e l k r ä n z ch e n f. Möäuh. a. d. Ioh.-Gckn'. Jeden Mensta^ von 6 —1 ijml Ivh.-Sa-al. — Ktrchberg. Sonntag, 16. Sept., vorm!. 10; 11: Chrfftenl. f. d. mänrll. Jugend. — Lollar. Sonntag, 16. Sept., nachlw. IV2. Dekan Gußmatm.
Uathslffche Gemeinde.
Scnn/stag, 15. Sept., nachm. 5u. abds. 8: Gel. 5. HL. Beichte Sonntag, 16. Sept., vorm. 61/2: Gel. z. hl. Bricht (Gel. poln. zu beichten): 7: Hl. DLeffe, gomeinsch. Komm. d. Iümgt.-Kongrrgat.; 8: Ans-t. d. hl. Komm.; 9: Hochumt m. Prckd.; 11: Hl. Messe m. Pved., MllitLrgottesd.; nxrchm!. 2 : Christenl., darauf sakramental. Bauderfchack icrüb Dienstag und Freitag, abds. 8: Krtcgsbittand.-— Dichpora-Gottetzdtenst nnt 16. Sept.: Hungen 8, Lich 9V^
Israelitische Religionrgemeinde. Gottesd. i. d. Synagoge (Süd- Anlage). Montag, 17. \l Dienstag, 18. Sept. Neujahrsfest. I.Taa: Bvrabd.: 7.15, Predigt; Tniovg.: 7.30; Predigt 9. 2. Tag: Bornbd.: 6.15; Uvwa.: 7.30; nachm. 6.40; FestauSg. 7.15. raib der Predigt ist der Eintritt nid# gestattet.
Spirlplan der vereinigte« zrü-Mvrler Ztadtttzeetter
Opernhaus.
Sonntag, 16., olä>s. 6y 2 : „Tomihäuser". Montag, 17.: Geschlossen. Dienstag, 18., abds. 7: „Fidelio". Mitttooch, Ick., abds. 7: .Das Dreinräiderlhous". Donnerstag, 20., abds. 7: „DE lustigen Weiber von Windsotttz Freitag, 21., abds. 7: „Urttaue". Sam- tag, 22., abds. 7: „Violetta". Sonntag, 23., nachm. 3 1 /*: „Das Drei- müderlhaus"; abds. 7: Zum 1. Mal (Uraufführung). „Venezia". Hieraus zum 1. Mal: ,Mern Jdas Blumen".
Schaufpielhaur.
Sonntag, 16., abds. 71/2: „Der Blaufuchs". Montag, 17. abds. 6: „EgNtonttf Dienstag, 18., abds. 7ttz: „Der Blaufuchs". Adittwoch, 19., abds. „Perleberg". Donnerstag, 20, abi>:. 7: „Florian Ga-er". Frellag, 21., abds. 71/2: „?ldam, Eva ha.' tae Schlange". Samstag, 22., abds. 7: „Hamlet". Sonntag, 23., nachm. 3: Borst, f. d. kriegSbeschast. Arbellersch. „Dr. .Klaus"; abds. „Die verlorene Tochteckf
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_ . , .. bringen, toird in jder instckchhen Woche im ganycn Deutschen Reich eitle
mehr, die Katchevralehntirßtt ein Op?ec 'taS Krieges werden. Wie > iSammLtmg für „Deutschlands Spende für Säuglings- und .Nein-'
i s nscht'n
S!ri®©VSPf!:; *21© beworzti^. E ^»jjp in
Line Dichterfreundschast.
Aus dem Briefwechsel von Theodor St-orm und Paul Heyse.
Es war im Kuglerschen Hause zu Berlin, wo Theodor Storm und Paul Heyse s«h 1853 zum ersten Male näher traten. Fast zwanzig Jahre vergingen dann, bis sie — es war im Jahre 1872 — sich in Mü-rchcn und Prien wiedersahen. Von diestmt Zeitpunkte an wtrrde tae FvenTtd-schast zwischen den beiden Män- tvern, obgleich ein Mtersimterschied von twllen 13 Jahren Heyse von dem reiferen Storm trennte, timrtet inniger und tiefer, ihr Briesivschsel reg?lr»Kiger, der Tmt der Briefe wärmer und vertraulicher. Die B-rWentkichtma des 5zeyse-Stormfchen Briefwechsels wird von allen Freunden deutscher Dichtung schon feit langem mit froher Spanunng erwartet; jetzt steht sie — eine schöne Gabe zu Storms 100. ÄKurrstag — unmittelbar bevor, und der Hercms- igeber Georg I. Platte teilt bereits eine Fteihe von Proben daraus tm SeptMÄerhefte L^er „Deutschen Nevuck' (Deutsche Derlags- «vrstait in SttrttMrk) mit. Es ist von hohem Reize, )u beobachten, wie zwei so MaNe»: von höchst entwickeltem kritischem Fein- geMle ihre AveSe «nrteülen. Also schreibt Heyse
am 3. Juni 1v78 an Swrm Ätzer dessen inzwischen längst klassisch gewordenes MeLfcerwcr? „/rguis svbmerkUL": „Das ist von Deinem Merbesten rmd ch drücke Dir 'warm und herzhaft die Hand dafür. Hätte Dirs iorch glrich vorgestern Abend in der ersten starken Erregung sogen, mögen, war aber infolge eigener hitziger Arbeit ei» toentg federlahm, und so kamt ch Dir heute auch gleich Gruß und DalllDlsMAes lieb«: MÄt-e-) bsMtLn, die mit mir aufs tiefste und naapimfc sao. Mafec .iWM-ervollen Dichtitng er griffe tu worden ist Du hast nitÄs Besseres gemacht, nichts
von so eigen Wsb-r und reinster Monnhastigkell des Schmerzes." In der Arttwort aus diesen Briet gibt Stornt auf eine Andeutung bc:- Frt'iiu^-' hin diesem anziehende Auskmtfte über tae Herkunft der BbÄDe seines MeistovsMcks. „Vor ein paar Jahren sah ick bei nimm SNMr dsi meiner Schweftter Pastor Feddersen in den: zwei Meiken von taer liegenden Nord friesischen Dorfe Drels- dorf . . .in der altetr itäntäp die sckstecht gemalllm Bilder einer alten dortigen Predigersmnilie. Der eine Knabe war noch einmal als Leiche gemalt, ob mit einer tmb mit tvelckier Vlttme, entsinne ich rwich nickst. Unter taesen: Tötetrbibde standen oder stehen noch die nterkwüroigett bartet: Worte.'^lnouriu »ervi aqtiis Rubmersus“. Hinter dem Pastorate war noch^stne Kop-pel mit enter Wasser gruben vaalmfaäakäi hatte der Macht den ßnabeu dort edxinfeti laftcu.
Das Bild ist mir immer von neuem nochgegangen. Da, vorigen Herbst, sirhr ich zu einer Erbscktastsinvetttttr ein Paar Mellen über Land, und roährend ich allen: im Wagen lag, stieg die Ge scknchte in chven wesentlillZen Dellen vor mir auf; dann habe ich sie langsam, nur tae besten t')öorgensrunden daranwendend, .nährend fünf , onaieit fertig geschrieben. Alles Mißer dem vorigen an Vorgänge u und Menschen, ist absolut erfunden."
In demselben Briefe findet sich eine belxrgliche Schilderung sasijgen norddeutschest Lebens. „Neulich ivar ich. kttrz vor Pfingsten, zur silbernen Hochzeit meines Bruders in den: schönen, grünen Dorfe HademarfckLN. Dos tuet ein Fest! Welch eine Sippschaft^ welch schölte Mitfreitta Jugend mit Frühlingsblumen n: den Haaren! Oben im Hause, dos ihm ein (Sa&f des ölten Asnrus Elaudius gebaut hat, waren dreiundzwanzig Betten ausgeschlagen, und dann die stöachbarschaft belegt; und es ist so ein eigen Wesen in unserer Familie, das immer stimmt. 5)ätte Dich dort frßfren mögen! Die Strömte edlen Wtellrs, die sich aus nrernes Bruders Keller ergossen, setzten mich in Erstmmen. „Wie lattge", fragte ein Vetter. ..brauchen wir, ::m Leinet: Keller leerzutrittken?^' Er bedachte sich einen Augenbilick und sagte dann trocken: ,^8ierzekv>: Wochem" So lange hatten ukc freilich nicht Zeit. „33a," nucücte er tarmi, „'s ist was Schönes um so ein Famlliensest, wenns man nicht so rüihrend wär'."
Wo Storm das Herz so recht aufgeht, drängt es ihn vor allem, in der Weihnachtszeit seine Stimnrnng mitzuteilen. Sehr schön hat er in einem Briese vom 20. Dezember 1876 dem Freunde sich und sein Heim zur liebet: Christzeit nahegeb ruckst: „Es ist nach 10 Uhr abends. Draußen freult der Oststurm und stöbert der Schnee: Mama utck Ä^inder sind zu Bett; in meitrem behaglichen Zimmer mit der geAmitzten Deck, das ich vor neun Jahren mir selbst gedichtet, sitzt mente Aeltefte, Lisbeth, meine treffliche, geliebte Tochter, ihres Bruders Ernst Liebling, mir gegenüber und legt die letzte Haitd an eit: Wethnackstsspttzetckunftwerk für unsere Mama; Somtobetrd Abend, toenn wir beim Vergolden. Netzeschneiden und Baumaufpntzen sind, kommt dann der Referendar Ernst aus Kiel, selbst ein leidenschaftlicher Weihnachtsmann. Alle Sttcke:: stecken voll Geheimnis. Oben und tntten stößt man mit der Nase auf verfckstossene Türen." Gelegenttich schreitet auch die Gestalt eines dritten großen Gefälirten dttrch diesen Fretutdesbritef-« Wechsel: Gottfried Kellers. Tie Einleittmg zu den „Leuten von Setdoyla" fattb Storm „höchst langwellig" tmd nt ,^>adtaub" tae ,Mxüatmaa »och m bOxfas“ ; aber „LictvMn" und .Jfrotntn
tacb Julie^ß das sind ztvei Perlen; in fast allen übrigen ist der Mangel eigener innerer Beteiligung; er hat kernen Wauben an das, was er uns vorttägt; er macht es wie eine Chrie, die ilmr der SckMlrektvr aufgegeben hat." So schreibt Storm im Jahre 1876; zwei Ialsre später bann er dann dem 'Freunde melden: „An- geknüpft zu meiner großen Getmgtutmg habe ich twch mit dem braven Keller und wir kommen herzlich und trefflich miteinattder aus, was denn auch nicht schwer ist bei dieser innerlichst bescheidetren Natur."
Die Freund schaff zwischen Storm mtd Heyse hat gehalten. Ihr Drieswecküel wird mit den Jahren immer lückenloser, und als der Tod Heyse seinen brüderlichen Freund im Norden genommen hatte, da erwies er ihm die Treue, indett: er sich der in Sorgen mit unmuntagen Kindern zurückgebliebenen Witwe annahm.
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* Der Spinnftuben-Horn. Ein noch heute viel, aber tncht genug gelesener Schriftsteller, ein Bvllsschristsdeller int besten Sinne des Worbes, beschloß vor 50 Jahren, am 16. September 1867, sein arbeitsreiches Leben. Er hieß Willstckm Derlei, ist aber bester begannt unter dem seinem Geburtsort, dem Törscher: Hort:, entnomnteneu Decknamen O. W. v. Horn. Am besücn als dev „Spinnstnbcn-Horn", nach tarn alljährlich von ihm herausge gSbenei: Bvl^sbtuhe „Tie Sprnnstnüe". Bodettsdändig. das ivar er. er schöpfte seine ErzähQrngen mrs dem dörfticken Leben, das eigen an fanntt. Er war auf dem Himsrück geboren ttnd sagte selbst: „Ich fühle tan Beruf, die Ehre des Hnnsrückens zir rettet:, tveil ich ihn kenne, Iveil ich ihn liebe. — DGine Liebe wird mit jedem Morgen neu und meine Treue ist fest." Wie die stillen Täler und Höhen des heimallichen Gebirges so wurden später die Lmckschaften des Rheingaus, besonders um Bacharach, in tasten Nähe er 15 Jahre als Pfarrer wiickte, der Schau platz seiner Geschichtet: und etanso ^as Nahttal, in dem er gerannte Zeit als Strverintetttam lebte. Er kennt das Landvolk, ltttb deshalb sind feilte Tvnftescchciste'n echt intb spiegeln die Urivüchsickkell und treuherzige Cinstllt tar Torfbettwhner getreu wider, hat er sie doch belauscht in Wald und Flur, in Spinnstutbe urrd .Schmiede, in der .HolzHütte und im BleickhäusckZen. Von seinen mrzähligen Erzähiltmgett >c«r ee:
Friede!", die jehteit Ruf begründete und ..Die Deserteure", die der Trantatisiiertnng teilhaftig wurdet:. ?lllet: ist gemeinjM:: deuts ches Gemi'ilt und nmßw Frömurigkeck.


