magert hex tödlichen (Vesahr für SCuftTanb auf feinem Posben 341 sein. „Rjetsch" brücEr die Hoffnung ans, daß Eide Seiten vernittrftig seien und es nicht bis zum Bünger- >ri«g treiben sollen. „Nowvje Wvemjcr" schreibt, das Ämd stehe Vor etrrer verhängnisvollen Lösung. Alte inneren Strei- ttgkeiten und politischen Meirrungoverschiedenheuen sollten '.nrr dem Pooblean der Rettung des Vaterlandes vergessen nvrden.
Rücktritt des russischen Kabinett-.
Haag, 11. Sept. Nenter meldet aus Petersburg: Infolge des Ultimatums des Generaliffrnrus Kormibow tft das gef amte Kabinett zurück getreten. Die Minister roollen Kerenski volle Handlun-gsfreiheit lassen. Alle Mi- rrister verbleiben vorläufig im Amte.
Reue VerSssentlichungen über die russische Mobilmachung.
Die „Boss. Ztg." veröffentlicht ein DelephEgespräth, das am 31. Juli 1614 der Chef des Großen Gen-eralstcibs v. Moltke mit dem damaligen Chef des Generalstabs des 20. Armeetiorps in Allenstein, also an der russischen Grenz«, dem jetzigen General v. Hell, z. Zt. (Stabschef bei Matten- >en, aefiihrt hat. Die Berösfentlichurm rührt von Gerreral .Hell selbst her.
, Generalstabschef v. Moltke rief am 31. Juli 1914 um 7 -Uhr trüh, den GenevalstaLschef Hell in Mlenstein an und es entspann udi folgendes Gespräch: Gerreral Moltke: Haben Sie <ru der Grenze
Eindruck, das Rußland mobil mackst? General Hell: ,^>a, ich habe den Eindruck schon seit mehreren Tagen." General Moltke: „Wvnurs schließen Sie das?" General Hell: „Die Grenze ist vermcttsch abgesperrt Kein Mensch kommt mehr hnrüber und z-u- ftrck. Außerdem brennen seit gestern die Grenzwachthänser. Auch sollen rote NdobilmachungsbeftUe in Mlawa angeklebt sein." Ge- -reral Moltke: „Warnm haben Sie sich solchen Befehl noch nicht verschafft?" Geneval Hell: „Es geschieht alles, um ihn zu bekommen. Aber die Absperrung der Grenze hat cs bisher noch rächt gelingen lasten," General Rttütke: „Solch erneu roten Zettel nmsserr Sie nnr verschaffen. Ich auch Gewißheit haben, ob tatsäch- ncy gegen uns mobil gernacht wird. Früher kann ich keinen Mobilmachungsbefehl erwirken." General Hell: „Exzellenz kann oer- nchert fern, daß der Russe mobil macht." General Moltke: „Wollen Sie die Verantwortung für diese Behauptung übernehmen?" Genera! Hell: „Das kann ich ans innerster Ueberzeugung." In den Auszeichmmgcn des Generals Hell heißt es dann: Das Gespräch um 7 Uhr vormittags statt. Um 9 Uhr vornnttags meldete sich wir Rittmeister Koestring, Mr.-Regt. 5.- Er war soeben von Mwskatt her in Menstein angekommen. Er bestätigte nieine 2ln- nahme, tagte, daß seit Tagen schon Mobümachnngstransporte an die Grenze rollten, und daß er mn mit knapper Not wohl mit dem letzten über die Ererbe gelassenen Zug dnrck>gekommcm sei. Diese Aussage ineldete ich nach Berlin und erfuhr, daß General Moltke n.mi Vortrag bei seiner Maiestät sei. Ich bat darum, daß die Aussage des Rittmeisters Koestring in das Schloß mitgeteilt würde. Erst am späten Nachmittag traf dann zwar nicht der Mobilmachungsbefehl, sondern der Befehl für drohende .Kriegsgefahr ein." Dieser Vorgang beweist jedenfalls, soweit es now eines besonderen Beweises bedarf, mit rvelcher peinlichen Gewissen Hastigkeit man in Berlin mit der Mobilmachung solange gezögert bat, bis absolut feststand, daß Rußland bereits seine gesamte Armee mobilisiert l)abe, so daß uns also ans zwingenden militärischen Gründer, wenn wir nicht überrascht sein wollten, gar nichts anderes als die Mobilmachung übrig blieb.
Die Neubildung des französischen Kabinetts.
Genf, 12. Sept. Clewenceau macht die Unterstützung des Mrmslerium-s von neuen >ÄdÄÄvden der Kriegsleistung abhängig. CftuaeuceaLs Hauptidoe ist eme Verständigung mit Japan. Bartbou, dem das ?llrswärtige zugedacht ist scheint bis zu einem gewissen Grade hierfür gewonnen zu sein.
Die Konferenz in Paris vertagt.
_ Sern, 12. Sept. Der „Lomttere della Sera" meidet, saß die Pariser Ententekonferenz bis zum Oktober vertagt worden sei.
* * *
Ein englischer Arbeiterminister gegen den BerftändignngSsrieden.
London; 12. Sept. (Reuter.) Der Arbeitervertreter im ttrugskabmett. Minister Barnes, hielt in Newcastle eine Rede, «der er die Fortsetzung des Krieges verlangte, bis der preußische Militarismus vernichtet sei. Der Früde ma&e nach der relativen Stärke der Parteien am Ende des Krieges ^schlossen werden.
Englisch-Holländische Verhandlung^.
Am sterd am, 11. Sept. „DeleFraaff erfährt, daß England bereit sei, Holland monatlich 180 000 Tonnen Kohlen zu liefern, wenn Holland 180000 Tonnen Schiffsraum für das betzische .Hilfskomitee zua Verfügung stelle. Es sei noch kein Abkommen zustande gekommen.
Amerika und Schweden.
Washington, 10. Sept. Meuter.) Das Staatsdepartement gibt bekannt, daß man für die Ausfuhr von Waren ua/1> Schweden künftig greifbare Beweise verlangen werde, daß die Ware« in Schweden selbst benötigt werden mrd lrirftt schließlich Deutschland zugute kommen.
Ein Abkommen der Entente mit China.
London, 11. Sept. (Reuter.) „Morning Post" erfährt, aus Schanghai vom 9. September, daß die' Gesandten der Entente ein Abkommen unterzeichnet haben, in dem China fotzende Zugeständnisse gemacht loerden:
einen Einfuhrzoll von 5 Proz. zu erheben: 2. China wird ent Aufschub von fünf Jahren für die Bezahlung der Sck-a- densvergütung für den Boxeraufstand gewährt; 3. chinesi- ' chm Truppen mirb gestattet, sich im Notfall auch in Orten, ’.cc es ihnen nach dem Boxerabtommen bisher nicht erlaubt rvar,^ crnfzu halten und durch die Konzefsiorr von Tientsin zu marschierei7. — Rußland hat nur ein Drittel der von ihm zu fordernden Schadensersatzsunrme für den Boxerauf stand gestundet.
Die Schlacht am IsonzL.
Wien, 12. Sept. Die Militärkritiker der Blätter betrachten ubernustrmnrend die am Isimzo eingetretE Kampfpause nicht els Ende der elften Jsonzchttl.ack'-i:. Vielmehr bezwecke sie die Auf- ruclur.g der durrck, ungewvhu1ict)c Verluste in den Reihen des uat:-."lsch«l Heeres eufftaudeuLN Lücken. Die österreichisch-ungarischen Truppen fcfen nnt größter Zuversicht der Fort- lewcng der italrenffchen .?l!ngrfffe entgegen.
*
Die deutsche Antwort an den Papst.
Berlin, 12. Sept. Laut „B. T." wird die deutsche Ant- wort aus d! e päpstliche Note in den allernächsten Tagen abqefcmbt vxtben lieber die Verhandlungen, die der freie ^Ausschuß be»n 'lierchskanzler über die Anvvort geführt hat, sollen sowohl die allgemeinen Gesichtspunkte wie die Fasstmg der Note dort den ^ ''genstand ungewöhnlich lebhafter Erövterungcn, gebildet l>abcn ^ "'-twormove wird auck> auf die deutschen .Kricgsziele etwas naher «Mgeheu. ,
Seekrieg.
Neue U-Boot Erfolge.
Berlin, 11. Sept. (Amtlich) ?öeue ll-Bvots-Erfolge auf dem nördlichen Kriegsschauplatz: Sieben
Dampfer und zwei Segler mit 20 000 Bruttoregister- tonnen, darunter zwei große bewafftrete Dampfer uud ein englischer Transporter. Die beiden Segler hatten Grubenholz und Soda geladen.
^ Der Chef des Admrralstabes der Mvrim.
Die russisch-baltische Flotte. Petersburg, 11. Sept. (Muter.) Der in der baltischen Flottenbasis kommandierende General hat eineü Tagesbefehl erbrsstn, in dein er die Motte auffordert, den Fi-md im Auge M bchälten, jede Zwietracht M vermeide ic nnd^ such den Befehlen der Rogierung M fügen.
Aus den deulfch-rvsstschen Archiven.
Die Enthüllungeit des Suck-omlinowprozesses hatten die Enteirte veranlaßt, ihrerseits in den staatlichen Archiven nach Belastnngsmateriell zu suchen, das die Schuld am Weltkriege wieder auf Deutschland zurückzuschieben vermöchte. Der New Bork Herald hatte es übernommen, das belastende Material eines deutsch-russischen Bündnisversuches aus dem Jahre 1904 zu veröffentlichen. Selbstverftandlick) kam es dem amerikanischen Blatte nicht darauf an, hier und da eine kleinere oder größare Verdrehung des Wortlautes vorzurrehrnen. Um diese richtig zu stellen, hat nun die deutsche Regierung in dev „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" selbst die Dokumente des damaligen Bündnisversuches veröffentlicht.
Das Blatt schreibt:
Jetzt sind die SurhomlinowS und Jamrschkewitschs vor den Schranken des Gerichts aufgetreten und I.aben feierlich bestätigt, daß Zar Nikolwrs irr jener Nacht den Befehl zur Gesamtmvbil- mochung in der Tat unzweideutig und unbedingt widerrufen hat, daß aber sein .Kriegsminister und sein Generalstabschef diesen Widerruf einfach unbeachtet gelassen haberr; eine Ungeheuerlichkeit, vor deren Folgen die dem Minister Safonwv im Laufe des 30. Juli gelungene Umstimmung des Zaren die Schuldigen bewahrt hat. Hält man rrun mit den Emhüllungen des Petersburger Prozesses ^ die sofort bei Beginn des Krieges bekanrck gegebenen Tele-grumme Seiner Majestät unseres Kaisers an die Herrscher von giußland und Engalnd zusammen, so gewinnt man auf die Frage nach der Sckprld mu Kriege in der Tat eine Antwort von so zwckrgender Klarheit und von so schlagender Beweiskraft, daß fortan kein Jrr- tuin und Lein Zweifel mel-r möglich ist. Das letzte Telegramm des Zaren vom 30. Juli, 1,20 Uhr nachm., enthält noch die bezeichnenden Sätze:
..Ich danke Dir von Herzen für Deine rasche Antwort; ich entsende heute abend Tatis<htscl>est mit Instruktion. Die jetzt in Kraft tretenden militärischen Maßnahinen sind schon vor fünf Tagen beschlossen irMrden, und zwar aus Gründen der Vereidigung gegen die Vorbereitungen Oesterreichs. Ich hoff« von ganzeui Herzen, daß diese Rtaßnahmeir in keiner Wmse Deine Stellung als Vermittler beeinflussen werden, die ick> sehr hoch anschlage. Wir brauchen Deinen starken Druck aus Oesterreich, damit es zu einer Ber^nittelung mü uns kommt."
Es mag dahingestellt bleiÄn, ob zu der Stunde, da dieses Telegramm crbging, die „Umstimmung" des Zaren schon vollendet, ob also das ganze Telegramm sck)on Lüge und Heuchelei war. Aber das eine steift ffft, daß General TatifchtsckMff tatsächlich nicht entsandt worden ist, daß der Zar nntten in sein.em Telegrammivecksel mit dem deutscL)en Kaiser Zeit gestuünnr hatte, den Gesamtmobil- machungsbefehl zu icnterzeichnen, der nach der bekannterr Instruktion von 1912 den Krieg gegen Deutsä)land bedeutete. Es gewährt einen tiefen und ergreifenden Blick in die Seele des Kaisers, wenn er, nachdem die sckstcksalcffchwere Entscheidung gefallen war. am 2. Llugust, dem ersten deutschen Mrünlmachurrgstage, den Befehl Äur Abhaltung eines mißerordentlichen allgemeinen Bettages mit folgenden Sätzen einleiter:
„Ich bin gl^wiulgen, zur Abwehr eines durch mchts gerechtfertigten Angriffes das Sck)wert zu ziehen' und mit aller Deutschland zu Gebote stehenden Macht den Kampf um den Bestand des Reichs und unsere riationate Ehre zu stihren. Ich habe mich während meiner Regierung ernstlich bemicht, das deutsche Volk vor Krieg zu bewahren und ihm den Frieden zu erhalten. Auch jetzt ist es mir Gewissenssack)« gewesen, wenn möglich, den Ausbruch des Krieges zu Verhalten; aber meine Bemühungen sind vergebens ge-- wesen. Reinen Gewissens über den Urfamug des Krieges bin ich der Gerechtigkeit unserer Sache vor Gott gewiß."
Im Jahre 1904 enffackste der Geschästsneid der englischen Schiffvhrtsges.ellfck?asten gegen die deutschen Reedereien, ioelche vor den übrigen Mitbewerbern den Auftvag zur .Kohlenlieferung cni die russische Flotte, besonders für das baltisckre Gesckuwader, itacf> uaitrakn Häsen Den russischen Privatfirmen erhallen hatten, einen Sturm der Entrüstung über dieses angeblich unneutrale Verhalten Deutschlands, obgleich englische Firmen zu gleicher Zeit den Japanern große Kohlenmengen zuführten und sie nicht etwa nur nack> neutralen Häsen, sondern nach Japan, ja sogar unnckttelbar au die jaixinische Flotte lieferten. Lord Lansdowvre erklärte dvn deutschen Botschafter rund heraus, wenn Japan sich wegen einer angeblichen Neutralitätsverletzung Deutschlands zum Kriege gegen uns veranlaßt sehen sollte, so werde England auf japanisches Ersuchen hin den Bündnisfal! als gegeben ansehen. Unter diesen Umständen war es natürlich und selbstverständlich, daß Deutschland bei der Wahrung seines Rechtes bei dem sehr enrpfindlich mitberührten Rußland Anlehnung suchte. Dies geschah am 27 ; Oktober 1904 durch eine, den Vorschlägen des Amtes entsprechende Depesche 5vaiser Wilhelms an den russischen Zaren.
Llim 26. Oktober 1904 ließ Kaiser Nikolaus dem Kaiser Wilhelm seine Antwort zugehen.
Wie bereits ertvähnt, )var der Tepesck)emvechset unmittelbar durch die herausfordernde und in keiner ^ Hinsicht gerechtfertigte Kriegsdnohn.ng Englands und Japans an Deutschland verarrlaß/:. Tie Depesche des Kaisers zergr, daß ihr Absurder weder offen rwch auch nur andeutungsweise nrehr erstrebte als die Sicherung Deutschlands vor einem vom Zaun gebrochenen Angriff. Tie Antwort des Zaren bestätigt, daß auch der Empfänger nichts anderes aus der Tepesck-e heranSgelesen hat. Erst dem schlechten Gewissen unserer Feinde ist es vorbehallen geblieben, sie 13 Jahre später während des Weltkrieges, den sic verhüten sollte, in einer auf dessen Verlängerung hinzielenden Wei)e umzudichlven.
An !d«n in der Antwort des Zaren vom 29. Oktober 1904 enthaltenen Vorschlag eines deutsch-ruffffchen Vertechigmrgsabkvmmens knüpfte sich ein längerer Schristwechsckl. Teils sührwn ihn die .Herrscher selbst, teils Mlrde er durch Regierimgsioi-gane vermittelt. Er zog sich bis Dezember hin. Den Abschluß bild-'te ein ^Notenaustausch zwischen Hoem deutsche?! Botschafter.in Petersburg, Grafen v-on Alvensleben. und dem russischen Minister des Auswärtigen, Grasen L-arnbsdorff.
Die deutsche Note
lautete:
Petersburg, 28. November (11. Dezember! 1904.
Die letzten Btaßnahmen der englischen Regierung, durch loelche Dampfer, welche in englischen Häsen Kohlen cinnalMeu, verhindert wurden, mit der ^Ladung in! See zu «gehen, zeigen klar und deutlich, daß England das Verfahi'en, welck^es die Handelsschiffe der neutralen Mächte bei der Kohlen versorg! mg der bÄtffchen Flotte beobachten, als eine Verletzumgi lder Neutivallitöl^ anffjM und behandelt. Am' 15. August erklärte Lord Lansdoivne dem- Botschafter des Kaisers in London, falls Japan anläßlich der Nentralitätsverletzungen seitens Deutschlands die Waffen ergreifen sollte, wurde England aus die Bitte der japanischen Regierung l-in den Bündnisfäll als gegeben ansehen Andererseits läßt die japanische Regierung durch die halbamtliche Presse erklären, daß sie gegen Handlungen, die ihrm Ansicht nach Neutralitätsverletzungen seitens einer freunden Macht darsdeLllen, «an die Gewalt apvellieren .werde, und daß sie die Neu- tnafijtöt dieser Macht nicht m^hr veLpeküeoen: Mücke.
Hieraus geht hervor, bchj Deutschland ein .Konflikt mit den beiden in Frage stehenden Mächüm Engbind und Japan drolst. Die kaiserliche Regierung sieht sich daher genötigt, der kaiserlich, russischen Regierung die Frage vvezulegen, ob sie sich verpflickitet^ Deutschland mit allen Mittelst, über die sie verfügt, und in allen) Schwierigkeiten beizustehen, die infolge der KvhleTckieserungen an die riissisck)« Flotte tvährend des gegenwärtigen Krieges entstehen! könnten. Sollte es der kaiserlich-mssisch"n Regierung nickst möglich sein, der kaiserlichen Regierung eine Zusicherung in diesem Sinne zii geben, so würde die deutsche Regierung sich genötigt jehen^ lstnsickstlich der ÜsthlenVersorgung ohne Verzug die Wöaßuahcnen zu treffen, die die Sicherheit des Reiches erfordern. Tie kaiserliche Regierung wird diese Maßnahmen olpre Verzug ergreifen u.'üssen, falls zu der Zjät der Ankunft der Flotte des Mrniirals Noschdjesd- wenski in Madagaskar die in Frage stehende Zusicherung gickst an die denffche Regierung gelangt sein sollte.
lautete:
,Die russische Antwortnote
Petersburb, 29. November (12. Dezember) 1904.
Ich habe nicht verfehlt, Kaiser Mlolaus den Inhalt der sehr veftraulichen Auszeichnungen zu unterbreiten, die Eure ErzellenA mir gestern übermittelt habm, namentlich auch Ihre Mitteilung, ■ welche dahin geht, daß die deutsche Negierung sich genötigt sieht, . der russisckien Regierung die Frage vorzulegen, ob sie sich ver- pslichtrt, Deutschland mit allen Vdittelu, über die sie verfügt, in. ; allen Schwierigkeiten beiMstehen, die infolge der Kohlenlieferuugeir : an die ru)sische Motte während des gegenwärtigen Krieges ent- stehen könnten. Mein erhabener Herrsck>er geruhte, mu' zu be-- fehlen, Euer Exz'elleüz diese Frage in bejahendem Scun-e zu beantworten, sowie Euer Exzellenz zu bitten, Ihrer Regierung dis ' förmliche Zusicherung übermitteln zu wollen, daß die russische Re-- gierimg entschlossen ist, bezüglich der Frage der Kdhlenlieserungen. völlig an die Seite der deuffmen Negierung zu treten, in der festen : Ueberzeugung, daß diese ihrerseits, nste Euer Exzellenz mir gestern bestättgten, die freundschaftliche Haltung, die see bis jetzt gezeigt hat, bcibc:halten und die Kvhlenffeserungerc au die russische Flotte erleichtern wird. T^e gegenseittge Gewähr der beiden de nach-» barten und befreundeten Kafferreichc uärd, hoffe ich, zu ihrem ^ völligen Einvernehmen beittagen, welches bei ihrer gcgewvärttgeltz . Lage für ihre wechselseitigen Jitteressen so wesentlich rmd wün-- , schenswert ist. Indem ich Ihnen auf lülerhöchsten Befehl die vor- ! stehende Ertlärung übermittele, benutze ich diesen Einlaß. Ihnen, ] 5)crr Botschafter, die Versicherung meiner vorzüglichen öodjcc^ ’ lung zu erneuern. (Gez.) Lambsdorff 1
. Flir die Dauer des russischpsapaittschen Krieges >var mit Hü ft ^ dieser Abmachungen ein wirksamer Schutz der bedrohten deutschen! Interessen erreicht. Das Verhalten .des an dem Siege Japans über^. iItußland interessierten Großbritanniens tndeffen, ganz abgesehen- von der Tragweite des geschjuderten Einzel fallen, war auch all-^ gemein politisch von der größten Bedeuttmg. Es öffnete einen Ausblick darauf, wie England sich auch in späteren kritischen Lagen die Begriffe Neutralität und Freiheit der Meere ganz unbekümmert ^ um die Gerechtigkeit vzu seinem Vorteil austegeu lvürdc EI zeigte zugleick^, daß, ^England, was ja der Weltkrieg inzwischen ^ beiiätigt hat, nicht rinen Augenblick zögern würde, mit Hilft dieser englischen Auslegung und unter rücksichtslosen! Mißbrauch seiner übermächttgen Flotte anderer Druckmittel das srentde ^ Rechjt zu vergewaltigen. Demgegenüber waren drückst und Wachsamkeit geboten. Deutschland hvar daher in der Folgezeit bemüht, den angespouneuen Faden d. r Verständigung mit sstußland, die dem Sckpttz der lelxmSwichtigen Reichsinteressen dienen sollte, i nicht wieder ab reißen zu lassen. Eine wichtige Etapvc aus dem $ damit betretenen Wege war die Zusammttukunht Kaiser Wühelms« strit Kaiser Nikolaus ,in Bjoerkoe, die am 24. Juli 1905 zustande ^ kam. Ajas die (volittsche Bedeuttmg der Ztffamnunrkunft werden wir in einem weiteren ,Auffatze eingehen.
Au§ dem Kelche.
Befprcchmrgen beim Kaiser.
Berlin, 11. Sept. Zur Besprechung bei Sr. Majestät dem Kaiser hat auch der Stellvertreter des Reick)skanK- lers, Staatssekretär Dr. Helfferich seinen Urlaub Nnftr- bvochen, den er am Beginn der vorigen Woche angetreten hatte. ^
Die Hultrmg der Sozialdemokratie.
B e r l i n, «12. Sept. In dem Bericht des s 0 z i a l d c nr o- kratischen Partei vor st a n d e s an den Parteitag in Würz bürg heißt es u a.: Die internattvnale Ber- standignng hat während des Krieges keinen treueren Freund \ gefiiübert als die deutsche Sozialdeinokr-atie. Die Fraktion soll bei der nächster Reichs tag stagmrg von der Reichsleitung !nit allen! Nachdrnck verlangen, daß sie zur Kttiegszietttag'e klar Stellung nehme und sich bestinimt zur Denrokratisierung i im Jnriern, namentlich zur Einführung des gleichen Wahl- I rechts in Preußen, erkläre.
Der NahrrmgsmittelDlsschutz des deutschen Städtetages
hat einsttmmig beschlossen, mit allem 'Nachdruck gegen eine Erhöhung des Brot- und Kartoffelpreises Stellung zu neh- num. Er beantragt, imter Umständen die Senkung der Lebensmittelpreise durch Reichsmittel zu erreichen.
*
Magdeburg, 11. Sept. Wie die „Magdeb. Ztss." meldet, hat der nattonallibernte Verein Magdeburgs durch einstimmigen Beschluß des Vorstandes den bisherigen Ab- geordmten, jetztzen ?Ninistcrialdirek'or Schiffer für die. Landtagsersatzwahl wieder als Kandidaten ausgestellt.
Ares StnSt rrnd Csnv.
Gießen. 12. September 1917.
** Oberlehrer i. R. K. Fuhr t. Am 5. d Mts. starb m Niederzwehren bei Kassel Oberlehrer i. R. Konrad Fuhr, der reichlich ein Mcnschönalter segensreich an der hiesigen'Stadt- Mädchenschule gewirkt und eine Reil>c von Jahren ihre Geschicke geleitet l>al. Es war früher Gepflogenheit in Öfteßen, daß die Volksschule von der Direktton der Höheren und Erwcitetten Mädchenschule nn Nebenamt mitvettoaltet und geleitet wurde. Im Jahre 1887 löste mau nun die Volksschule von ihrem Abhängig-, keitsverhältnis, und Oberlehrer Fuhr >ourde der erste selbständige Leiter der Stadt-Mädchenschule. Als solcher X>at er ihr die Wege gewiesen, die sie in Zukunft gehen sollte, und ist sein Name mit dem Aufblühen' und der fteien Enttvickelung der Sckmle seit jener Zeit aufs engste verbunden. In richttger, einsichtsvoller Würdigung der Verhältnisse und Beidürfniffc unserer Zeit faßte Oberlehrer Fuhr seine ^Aufgaben als Schulleiter nicht vom engherzigen Standpunkte des reinen Schulmannes, sondern von dem des vaterländischen und wirtschaftlichen Volkserzichers auf. Wäs ihm daher geeignet schien zur praktischen Ertnchttgung und herzveredelnden' Erziehung des Heranwachsenden Geschlechtes, suchte er den Zwecken der Schule dienstbar zu machen. So führte er als einer der ersten Schulleiter in Hessen den Haushaltnngsuntcrricht in den oberen! Klassen der Stadt-Dlädchenschule ein, schuf den Mädchenhort und^ gestaltete den naturkundlichen Unterricht nach der hauswirtschaftlichen Richtung hin' um: und wie manches goldene, l>erzveredelnda Samenkorn hat er in die Seelen junger Meuscheukinder gelegt durch die Einftihrung der Blumenpflege! Daneben war ihnc das Streben nach sorgenfreier und makelloser Stellung des Lehrerstandes stets eine 5)aupt- und .Herzenssache. Die Gründung der Gießener Lehrerwitwenkasse ist ebenfalls sein eigenstem Verdienst. Auch als zunehmendes Alter und ein schweres Leiden ihn gezwungen lwtten, von der so ltebgewordenen Tättgkeit in der Scknile zu scheiden, galt sein Sinnen und Denken dein Wähle der Schule und des Lehrerstandes. So ist Oberlelxrer Fuhr twhiNk- gegangen als ein Manu, der der Sckmle und seinem Stande die Treue gehalten hat bis zum Tode^ Darum wird 1$): Gedächtnis bei all seinen vielen dankbaren Sckstüeriuneu, der fernen Mit arbeitern und Freunden stets in Ehren Äeiben.


