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12.9.1917 Erstes Blatt
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Nr. 214

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Erstes

Matt

167. Jahrgang

Mittwoch, 12. LepLeMer 1917

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Vormarsch Uormlows aus petershurg?

-WTB.) GrotzeS Hauptouarlter, 11. Sept. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Der Artilleriekampf in Flundern erreichte au' der Küste mw im Bogen nur Ypern zeitweilig grobe Stärke. Bovstöbe der Engländer südöstlich von Langemarck und nörd­lich mm Frezentzerg wurden zurückgewiesen.

Bei Bitterst, nordwestlich von St. Quentin, entfjxmnen sich heute morgen neue Gefechte, die für uns günstig aus­ginge«.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Unternehmungen französischer Erkundungstruppen, meist durch heftiges Feuer vorbereitet, wurden nordwestlich von Äeims und in mehreren Mschnitten der Cham­pagne zmn Scheitern gebracht.

Auf dem östlichen Maasufer griffen gestern mor­gen starke französische Kräfte vom Fosses- bis zum Chaume- Walde (37 2 Kiwmcter) an. Südlich des Bavrilte-Waldes in msere Kampfzone eingedrungener Feind wurde durch Gegen­stoß geworfen. An der übrigen Front brachen die französi­schen Sturmwetten in unserem Abwehrfeuer verlustreich zu­sammen. Fm Saufe des Tages noch mehrfach folgende An­griffs^ ersuche des Gegners schlugen fehl. Im Nachdrängen schlugen wir an einigen Punkten unsere Linien vor.

*

Leutnant Boy schob gestern drei feindliche Flieger ab; er erhöhte dadurch die Zahl seiner Lustsiege auf 45.

O e st l i ch e r Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe PrinzLeopoldvon Bayern.

Zwischen den russischen und unseren Stellungen vom Meere bis zur Düna zahlreiche Zusammenstöbe von Vor- trnppen. Der Feind büßte Gefangene ein.

Vorstöße russischer Streifabt-eilungen im Waldgebiete nördlich von Husiatyn und am unteren Pruth wurden ab- gewiesen.

Front des Generalobersten Erzherzog Josef.

Fm Südostzipffl der Bukowina sind die Russen zum Angriff übergegangen; sie errangen nur örtliche Vorteile bei Soltau. Zwischen TrotuS- und Oitoz-Dal hat der Feind feine vergeblichen Angriffe bisher nicht wiederlwlt.

Mazedonische Front. , j

In: Berggel and? südwestlich des OchridH^ees verwehr­ten deutsche und österreichisch-ungarische KrMe den Fran­zosen gestern weiteres Vordringen. \

Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.

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Der Abendbericht.

Berlin, 1J. Sept., abends. (WTB. Amtlich.)

Bisher keine Meldung ülrer gröbere Kampfhandlungen.

.. . . .artfa aaksp UMBY if «w »

Gs gäbt, obgleich der Hauptausschluß des Reichstags sich vertagt hat, doch noch> genug Köpfe irr Deutschland, die am liebsten jeden der neuer! weltgeschichtlichen Tage, in denen wir leben, mit ihrer alten Fo-riwel begrüßen und einen Fortschritt der Ereignisse nur irr demokratischen Reformen erblicken möchten. Wer da nicht mittnacht, wer in dem deut­schen Einzug in Riga nicht euren Anlaß erblickt, die Kon- trollausschüsse des Reichstags zu vermehren, Herrn Erz­berger, denr Rufer des Zentrums, auf seinem Ehrenplatz einest Führers der Reichstagsmehrheit zu huldigen, wer von dem drohenden Bürgerkrieg in Rußland nicht die Folge- rimg ableitet, daß in Deutschla:id noch nicht die volle Macht der Parlamentsbeschlüsse wirksam sei der gilt solchen Leuten als Philister und Spießer. Der Aevger des anderer Bolksterles über die fortgesetzten Anmaßungen Wilsons und dessen Versuche, die innerpolitische Kluft in Deutschland zu erweitern, läßt sie ganz kalt und gelassen. DprVorwärts" bat der neuesten Note Wilsons sogar wieder ziustiinmend ent­gegen gearbeitet und gefordert, daß dieBolksgewalt^ ver­stärk: und zum Zwecke des Friedensschlusses der bisherigen deutschen. Regieruugsgewalt vorgesetzt werden müsse. Diesem Erfolg des Präsidenten Wilson stehen nun die Bemühungen derjenigen gegenüber, die während des Krieges das inner­politische Schachspiel ruhen lassen rnöchten und dazu auf- rnfen, alle Kräfte dranzusetzen, um den Krieg siegreich zu bestehen. Zioeifellos können sich in diesen: Gedanken die Angehörige:: aller Parteien finden, die vor dem Kriege bestanden haben, und selbst die Parteigenossen Scheidemanns wurden sich nichts vergeben, ioenn sie ans diesem Wege mit­marschierten. Denn die Schmähung von derKnechtung des deutschen Volkes", von der Unzulänglichkeit der inneren Zu­stande Deutlchlands stammt aus dein feindlichen Auslande, und Scheidemann selbst hat diese übertriebenen Anwürfe gegen unser Reich in Stockholm zurückgewiesen und wider­legt. Der Einigungsgedanke, der die neubegründete deutsche Baterlandspartei führt, ist also richtig und zeitgemäß. Was ans oreser Partei wird und werden kann, bleibt abzuwarten. Wenn das Berliner Tageblatt von einem neuenWahl- verem" der Konservativen und Alldeutschen spricht, so ist 0 ^^ mmdestens verfrüht, denn einstweilen wird noch iiicht gewählt, und nicht alle Mitglieder der jetzigen Reichstags­mehrheit sind so unentwegt und starr in ihren Prinzipien wie dieses Blatt. Wilsons Antwort an den Papst hat z. B.

dre nicht zu unterschätzende Wirkung gehabt, daß jetzt !ewjt oas führende,württembergische Zentrumsblatt eine A b- von Exzberger empfiehlt. Mit seltsamer Leidenschaft- Uchteu nimmt dieFrans. ZeiturH" gegen den Aufruf der neuen Parte: Stellung:

,/Auf die P h i l i st c r spekuliert er, die ihren politischen Bedarf ohne Nachdenken mit ein paar simplen Phrasen zu decken gewohnt sind Und die, wenn der Ernst mtgäynvxn Geschehens sie zu ümerer Entscheidung treiben will, dies nur als eine ärgerliche Störung ihres Spießer- D a s e i n s empfinden. Die Philister sollen mobil gemacht werden, die immer und zu allen Zeiten nrit einigen geschick­ten Schlagworten in den Glaube:: zu bringen waren, daßDcutsch- lands Rettung, Ehre und Zukunft" gewährleistet sei, ioenn sie aus das gegebene Zeichen Hurra schreien."

Ruhig und würdig nimmt sich dagegen die Haltung der liberalen Reformen ganz und gar nicht abgeneigtenKöln. Zeitung" aus. Sie schreibt u. a.:

Die neue, in Königsberg begründete deutsche Vaterlau ds- partei will eine Enckgungspcrrtei sein. Man nnrd abwarten und M einen! Mann-e wie Tirpitz das Vertrauen haben müssen, daß sie nickst ein iveiteres Element der Belebung des imrerpolitischen Strevte-s werbe. Wir l-aben bis Mn Tag von Riga, der wie ein Symbol dessen, worauf es ankommt, am Ende einer laugen. unerquicklichen, schädlichen Periode des schirächen­den Streites steht, Fehler geschehen sehen, die mir ein wirklich nach­haltiges Besinnen auf die Forderung des Tages gut!Nachen kann. Ideologen, die mit genialer UnbeLüMmrrthert die Tatsachen der Zeit iund die Zersetzrengsbestrebungen des Vierverbairdes unbe­achtet ließen, politische Spekulanten, die die Zeit reif glaubten, einen neuen Griff nach der Macht $u tun, und vor allen! Parteien, die in der irmerpolitischen Debatte ständig die Kar­ten der auswärtigen Politik auf den Tisch warfen und dies törichte Spiel gerade-zu als Nottvendigkeit des Augenblicks be- zeichneten, haben großen Schaden angerichtet, aber glückliche Uum­stände brachten den Umschwung: einmal, daß Wilson sich im Ton ^tber alles Maß hinaus vergriff, zum andern, daß die Ltnpreiser der Denwknatie nach westlichen^ Muster sich in ihrem Eifer mit den gerade durch den Krieg erwiesenenj Tatsachen in krassen Widerspruch setzten, der Tatsache, daß gerade in den Demokratien die Gcheimpolitik der Kabinette in einer Weise betrieben worden ist, wie sie bei uns ganz unnwglich wäre, ferner, daß die DemiokrEen vor den Krregsäufgaben so versagten, daß sie zu Diktaturen ;rnd Beamtenregrerimgen uingc- bildet werden !nußten, während unsere Beamtenregierung einen reichlich denwkratischen Einschlag ohne Schädigiumg der Aufgabe!! vornehmen konnte."

Innere Streitigkeiten in Deutschland können den Weg zum Frieden nur verlängern. In den Tagen, wo alle Kräfte des Volkes aufgerüttelt und herangeholt werden zum Kampf und zum Dienste für unser Volk, vonSpießer-Dasein" zu sprechm, ist gewiß verkehrt und abgeschmackt. Im Gegenteil, jetzt darf kein Spießer bei der parteipolitischen Bratpfanne sitzen bleiben, und von Gevatter Schneidern und Handschuh­machern, die nicht nur in Brieg, sondern auch in Berlin in Garnison liegen, gilt noch das rege Wort:Wissen viel was Brauch ist im Krieg!"

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 11. Sept. (WTB. Nkchünntlich.) Amtlich wird verlautbart:

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Bei So lka in der Bukowina drückte ein russischer An­griff mrsere Linie etwas zurück. Aue Pruch und in Ost­galizien beiderseits lebhafte Erkundungstätigkeit.

I t a l i e n i s ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.

Die KampfMuse am Jsonzo dauert an. Mögen die Italiener immerhin noch weitere Angriffe beabsichtigen, so kann das bisherige Ergebnis der am 17. August entbrannten 11. Jsonzo-Schlacht doch dahin festgestellt werden, daß auch diese neue Kampspwbe des Feindes keinerlei Aenderung in der Kriegslage im Südosten herbeizufl'chren vermochte und daß die Schlacht bis zur Stande zweifellos einen neuen Miß­erfolg der Italiener bedeutet.

Auf der Karst-Hochfläche bildet die Einnahme des Dor­ffs Selo, das zu Beginn der Kämpfe in unserer vordersten Linie lag, den einzigen Vorteil, der dein Gegner zufiel. Was wir am Südflügel der Karst-Stellung an einzelnen Gräben vorübergehend verloren hatten, ist durch Gegenstoß zurück- gewonnen worden. Hatten unsere Führer und ihr Generalftab in rastloser gründlicher Anwendung der Kriegserfatzrnng firr die siegreiche Mwchr die Vorbedingmegm geschaffen, so errangen unsere braven Truppen ilpten wie immer voran die Infanterie als ruhmreiche Trägerin schwersten Kampfes dem beispielgebenden Heldenmut neuerlichen Raum.

Gleich erfolgbringend verliefen für unsere Tapferen die Kinnpse im Wippach-Tale und bei Görz, wo nicht ein ein­ziger schmaler Graben in Feindeshand verblieb.

Auf der Hochfläche von BainsizzaHeiligengeist mar dem Jtalirnrer ein Anfangserfolg vergönnt, der unsere Füh­rung veranlaßte, 15 Kilonreter der Frontlinie auf zwei bis sieben Kilometer zurückzunehnren. Bmr da an scheiterten alle Versuche des Feindes, durch mächtige Angriffe auf den Monte San Gabriele und gegen den Abschnitt rwrdöstlichl davon, dm unter großen Opfern errungenen Raunrgewinn zu einem operativen Evsolg auszubauen. Die Kriegslage am Jsonzo ist durch die Ereignisse bei Brh und Bainsizza in keiner Weist beeinflußt worden. Das Ringen um den Monte San Ga­briele im besonderen wird stets dann anzusühren fein, wenn es Beispiele zähm und rrttMvollen Verteidigungskampfes hervorzuheben gilt. Das italienische Kraftarffgebot in der 11. Jsonzoschlacht 48 Divisionen auf kaunr ebensoviel Kilo- meter angesttzt suchte an Masstnemsatz in alten Angriffs- schlachten des Welttrieges stinesgleichen. Die italieni­schen Verluste entft--rechm diestr Gefechtsführung. Sic betragen die £0000 Gefangenen mrtgezählt nach strengster Berechnung 230000 Mann, also fast ein Viertel einer Million. Die Heeresgruppe des Generalobersten von Boerevic darf auf dm jüngsten Erfolg die feste Zuversicht setzm. daß an ihrem siegreichen Widerstand auch fernerhin alle Anstürnre des um Landerraub kriegührendm Feindes zerschellen werden.

Albanien.

Der Feurd ging gestern nachmittag gegen unsere Ge- birgssteltmrg östlich von Pogradec zum Arigriff vor und wurde überall abgeschlagen, an zwei Stellen öurch> schneidi­gen Gegenstoß österreichischer Bataillone. Im Raume südlich voll Berat wiesen unsere Sichemngstruppen feindliche Streifabteilungen in lebhaften Kämpfen zunrck.

Ein italienisches Schiffsgeschwader beschoß aus der (w- gewd nördlich der Bojusa-Mündung das alte, an c;e- schichtlich^ Erinnerungen reiche Kloster Cojani. Dieses wurde gleichzeitig von Fliegern bombardiert, welche mehrere Einwohner töteten.

Der Chef des Generalstabes.

Koffnilow im -Lnmarsch aus Petersburg.

Haag, 11. Sept. Reuter meldet aus Petersburg: Die Eisenbahn zwischen Luga und Petersburg ist unter­brochen. Die ersten Mteilungen der Truppen Kornilows sollen bereits in Luga angekommen sein, das ungefähr 100 Werst von Petersburg entfernt liegt. Die Division, die von Kornilow selbst geführt wird und den NamenWilde Di­vision" trägt, verließ Pskow und marschierte ans Peters­burg zu. Sie kam aus der Station Vyzitza, 54 Werst von Pe­tersburg an der Eisenbahnlirne PetersburgRybinst an. auf der der gesamte Eisenbahnverkehr stilliegt.

Petersburg, 11. Sept. (Reutär.) Kercnski hat heute eine K-osakenabardnung empfangen. Diese er­klärte, sie betrachte es als patriotische Pflicht, einen Bürger­krieg zu vermeiden und au der Beilegung des Konfliktes zwischen Kornilow und der vorläufigen Regierung rnitzu- wirken. Zu diesen: Zweck begibt sich die Ubordmmg heute nach denr Großen Hauptquartier.

Berlin, 12. Sept. Ta die Nachrichten über den Anmarsch Kornilows auf Petersburg aus der Hauptstadt selbst stammen, wird man, so meint derLokalanzeiger", zunächst geneigt sein, sic im Sinne K>erenskis gefärbt zu glauben. Auch das; er eine Ab- ordmmg von Kosaken mit der Vermittlung zwischen sich und Kornilow bettaue, scheine nicht dafür zu sprechen, daß^ er seine Stellung für sehr stark halte. DieBörsenzeitung" sagt: Die Nachrichten aus Rußland lassen keinen Zweifel, daß Rußland vor einem Bürgerkrieg steht, der von unabsehbaren Folgen fttt das Reich sein wird, mag Kerenski oder Kornilow die Oberhand be­halten. ImBörsenkurier" heißt es : Der Sieg KerenskiS urirb eine Diktatur der Arbeiter- und Soldaten rate bedeuten, der Sieg Kornilows eine sckwnungslose Unterdrückung aller radikalen, demo­kratischen und sozialistischen Organisationen.

In der Pariser Presse wird der Staatsstreich Kornilows als Beginn einer militärischen Gegenrevolution der Kosaken be­handelt, .welche KerenSki haßten.

TerVorwärts" schreibt: Es loird die Frage sein, ob die Offiziere die Soldaten in einen Handel in ihrem Sinne wer­den mitreißen können. Tie Disziplin in der Arrnec ist erheblich gelockert Und eine Inanspruchnahme des Heeres zur Entscheidung innerer Konflikte stellt ihre höchste Belastungsprobe dar.

*

Die Gefahr des Bürgerkrieges in Rnßlarrd.

Petersburg, 10. Sep t. (WTB. Ni chta:n tlich.) Mel­dung der Petersburger Telegraphenagernüur. Die besprechen kurz den Stteit der v,o>rläufigen Regie­rung mit dev! Oberstto-nun Ludierendeu Kornilow.In- westija", das Blatt des Arbeiter- und So>ldttenrates, ist der Ansicht, daß die Einigung aller Kräfte der revolutionären Demokratte jetzt mehr als irvtweudig ist.Djen" schreibt, auf die russische Freiheit sei ein schwerer Anschlag verüut worden. Das Blatt fordert zur Ruhe auf uird^ur Ilitter- ftütznng der Regierung, und ermahnt, jeden Bürger, in